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  • DE-82031 Grünwald, DE-80995 München
  • 07/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-238297)

Wohnquartier an der Ratoldstraße


  • 1. Preis

    Schwarzplan

    Landschaftsarchitekten
    ver.de Landschaftsarchitektur, Freising (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: 03 Architekten GmbH Architekten BDA, Stadtplaner DASL, München (DE)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Aus der sensiblen Auseinandersetzung der Verfasser mit dem nicht eben einfachen Ort resultiert ein höchst differenziertes und identitätsstiftendes Gesamtkonzept. Es entstehen Orte mit besonderem Charakter, die in ein überzeugendes Gesamtkonzept eingebettet sind. Identität wird hier zum Programm. Ganz besonders hervorzuheben ist dabei, dass die Arbeit entspannt, ja beinahe lässig auf die Umgebung eingeht und dennoch ein Quartier mit besonderer Eigenart kreiert.
    Ausgehend von der U- und S-Bahnstation Feldmoching, die mit dem hohen Gebäude und der anschließenden P+R- Anlage in ihrer Zentralität richtig betont wird, entsteht ein Platz der sowohl für die neuen Bewohner als auch die alteingesessenen Feldmochinger einen besonderen Ort schafft. Gleichzeitig wird durch die Setzung des Hochpunktes in der Quartiersmitte die Signifikanz des Quartiers bahnseitig erlebbar. Der bauliche Akzent an der Feldmochinger Mobilitätsdrehscheibe wird in der Jury als Akzent an der richtigen Stelle begrüßt, die Höhe des Gebäudes wird allerdings kontrovers diskutiert. Eine Nutzung als Hotel oder gewerbliches Wohnen ist vorstellbar.
    Die Einzelhandelsflächen an der P+R-Anlage sind noch zu verifizieren.
    Sehr gekonnt reagiert die Arbeit auf die vorhandenen Quartiere, indem gegenüber jeder Einmündung einer Straße ein kleiner Eingangsplatz entsteht, der das neue Quartier beiläufig aber wirksam mit dem Bestand vernäht. Gleichzeitig werden weitere Plätze in einem wechselvollen Rhythmus entlang Ratold- und Raheinstrasse angeboten, sodass eine sehr angenehme Rhythmisierung der Straßenräume entsteht.
    Der südliche Auftakt des neuen Quartiers weist bereits auf die kristalline Gesamtidee hin und zeigt, dass individuelle Einzelhäuser in einen städtebaulichen Zusammenhang eigebettet und harmonisch zu einem Ganzen zusammengefügt werden können. Die privaten Innenhöfe bieten vielfältige einmalige Raumsequenzen, die sich zu einem Kontinuum zusammenschließen, ohne die Idee einer individuellen Prägung der Quartiere und einer Adressbildung durch identifizierbare Einzelgebäude aufzugeben.
    Grundsätzlich wird der durchgängige Radweg an der Westseite begrüßt, wenngleich in Teilabschnitten eine benutzerfreundlichere Führung erforderlich wäre.
    Die Verfasser stellen einen durchwegs funktionsfähigen Biotopverbundkorridor dar: Geringfügige Unterschreitungen der verlangten Mindestbreite werden an anderen Stellen überkompensiert. Positiv gewürdigt wird die Geländemodellierung, die Biotop- und Erholungflächen wirksam voneinander trennt und die Biotopfläche als Teil eines zusammenhängenden Grünraums erlebbar macht.
    Die freien, teilweise sehr tiefen, polygonalen Baukörper lassen hohe Anforderungen an effiziente Grundrisse erkennen. Der vorliegende Grundrissnachweis überzeugt noch nicht. Um sich die Möglichkeiten vorzustellen, die im souverän vorgetragenen städtebaulichen Ansatz liegen, muss die Jury daher ihre eigene Phantasie bemühen. Die Anzahl der Wohneinheiten liegt im unteren Bereich, eine moderate Erhöhung ggfs. einzelner „Polygone“ vorzugsweise an der Westseite ist denkbar.
    Im weiteren Verfahren sollte die Dachlandschaft hinsichtlich gemeinschaftlich nutzbarer Dachterrassen untersucht werden.
    Insgesamt kann mit dieser Arbeit das Versprechen an die alteingesessene Bevölkerung auf eine städtebauliche Ergänzung mit Augenmaß eingelöst werden. Der Lärmschutz funktioniert, eine Verschattung der angrenzenden Bebauung ist nicht zu befürchten. Attraktive Freiräume versprechen einen Mehrwert – für Neubürger Feldmochings wie für alteingessene Nachbarn. Die Jury lobt einen kreativen Entwurf, der aufgrund eines außergewöhnlichen Raumkonzepts, aufgrund seines angemessenen städtebaulichen Maßstabs sowie seiner individuellen Bautypologien ein Alleinstellungsmerkmal im Münchener Baugeschehen erhalten könnte.