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  • DE-50668 Köln
  • 12/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-7236)

Neubau Eis- und Schwimmstadion Lentstraße


  • Anerkennung

    Lageplan

    Architekten
    pbr Planungsbüro Rohling AG, Osnabrück (DE), Jena (DE), Berlin (DE), Frankfurt am Main (DE), Braunschweig (DE), Hamburg (DE), Karlsruhe (DE), Magdeburg (DE), Düsseldorf (DE), München (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Der Bau der neuen Freizeit- und Sportanlage präsentiert sich als solitäres Gebäude in dem grünen Parkraum an der Lentstraße. Der westliche Teil des Grundstücks wird durch das Gebäude mit Eishalle, Schwimmbad und Sauna besetzt, während der öst-liche Teil dem Freibad mit Badeteich, Strand und Außensportanlagen vorbehalten ist.

    Das Gebäude transformiert in seiner Grundrisskontur seine spezifische Nutzung bild-haft als „See“, als „Eissee“ bzw. als „Badesee“, als freigeschwungene Form mit einer tiefen Einschnürung für die verbindende Eingangshalle. Nach Norden bildet die Eishalle einen Rücken zur lärmintensiven Inneren Kanalstr. aus, während nach Süden die Schwimmhalle den angrenzenden Grünraum spielerisch einbezieht.

    Die Erschließung erfolgt von dem Vorplatz an der Lentstraße, auf dem die Besucher-ströme von Süden aus der Lentstraße, von Osten aus dem Park, von Norden von der Fußgängerbrücke und von Westen vom Parkplatz empfangen werden. Bereits hier sind Einblicke auf Wasser und Eis möglich, strahlt das Innere nach außen und lädt zum Besuch ein.

    Die Anlieferzone für die Eishallengastronomie und die technische Ver- und Entsor-gung liegt nördlich des Gebäudes an der Inneren Kanalstraße. Nur die Schwimmhal-len- und Saunagastronomie wird auf kurzem Wege von der südlich angrenzenden Straße im Park angedient.


    Funktion

    Eingangshalle
    Die Eingangshalle liegt als zentraler zweigeschossiger Raum zwischen beiden Ge-bäudeteilen. Von hier werden alle Funktionen wie Gastronomie, Eishalle, Hallen-bad/Sauna und das Freibad erschlossen. Der Kassen- und Infotresen dient dabei als zentrale Anlaufstelle für alle Nutzungen, was eine wesentliche Voraussetzung für einen personalsparenden Kassenbetrieb bedeutet.

    Großzügige Einblicke in alle Bereiche wecken die Neugier der Besucher und tragen so zum wirtschaftlichen Erfolg der Gesamtanlage bei. Dieser erfährt durch die Lage der Gastronomie am Vorplatz eine weitere Steigerung dadurch, dass sie auch für die Spaziergänger in den öffentlichen Grünanlagen ein attraktives Ausflugsziel darstellt.

    Eishalle
    Die Eishalle ist als zentraler Raum mit der 30x60 m großen Eisfläche im Erdgeschoss und der als Galerie angeordneten Eishochbahn im Obergeschoss organisiert. Unter-halb der Hochbahn sind ringförmig um die Eisfläche herum die dienenden Funktio-nen wie Aufsicht und Verleih, Umkleiden, die Tribüne, Lagerflächen und die Gastro-nomie angeordnet.

    Die Besucher der Eishochbahn gelangen über eine Treppe im Bereich hinter der Zu-gangskontrolle in das Obergeschoss. Die Eishochbahn folgt mit der Innenseite der durch die Eisfläche im Erdgeschoss vorgegebenen Geometrie, während die Außen-seite mit der frei geformten Linienführung der Fassade mitschwingt. An den Läng-sinnenseiten hat man beim Laufen den Blick auf die untere Fläche. Die kurzen In-nenseiten sind an der Westseite mit einer Raumzone für Eismaschine, Regie und Aufsicht belegt, an der Ostseite mit einem Ruhe- und Aufenthaltsbereich für die Eis-läufer, von dem man ebenfalls das untere Treiben beobachten kann.
    Die Eishochbahngastronomie liegt mit Blick in die Eingangshalle, so dass die vielfäl-tig vorhandenen Sichtbeziehungen auch hier verstärkt werden.

    Schwimmhalle/ Sauna
    Schwimmhalle und Sauna sind auf zwei Ebenen in dem südlichen Gebäudeteil zu-sammengefasst. Die Zugangskontrolle erfolgt zunächst in der Eingangshalle über eine gemeinsame Drehkreuzanlage. Der Zugang zur Sauna im Obergeschoss kann entweder durch Schrankzuweisung oder durch ein weiteres Drehkreuz vor den Um-kleiden geregelt werden.
    Die Badelandschaft orientiert sich zum Vorplatz nach Westen und zu den öffentli-chen Grünanlagen im Süden. Hier liegt auch die Schwimmbadgastronomie, so dass gleichzeitig das Freibad von dieser Stelle mit versorgt werden kann. Umkleiden und Sanitäranlagen sind gemäß den KOK- Richtlinien dimensioniert und in zwei Bereiche für Gruppen und Individualgäste gegliedert.

    Die Sauna ist anders als in der Auslobung vorgesehen als zusammenhängende „In-door“- Saunaanlage mit einem Dachgarten geplant. Der große Vorteil dieser Konzep-tion besteht darin, dass das Freibad mit dem Badesee ohne störende Abgrenzungen zum Nacktbereich angelegt werden kann. Selbstverständlich gibt es eine Treppen-anbindung der Sauna an den Freibadbereich, sodass die Saunagäste den Badeteich gemeinsam mit den Freibadgästen nutzen können, genauso wie sie auch das Hal-lenbad mitnutzen können.

    Freibad
    Als besondere Attraktion der Gesamtanlage ist das Freibad anzusehen. Wie die an-deren Nutzungsbereiche wird es über die zentrale Eingangshalle erschlossen.
    Zugänge zu den Umkleiden und Sanitärbereichen in der Eishalle werden aus der Ein-gangshalle und direkt von außen angeboten. Die Freibadanlage präsentiert sich in einer naturnahen Gestaltung, wobei der Badeteich mit einer weitläufigen Strandzone das prägende Element sein wird. Von der lärmintensiven Inneren Kanalstr. wird das Freibad durch eine wellenförmig geschwungene Wand abgeschirmt. Sie umspielt die vorhandenen Bäume, die mal innen und mal außen stehen, und stellt einen weichen räumlichen Abschluss zu der emissionsreichen Straße dar.


    Material/ Gestaltung

    Die dynamische Außenwirkung des geschwungenen Gebäudes wird durch die Ges-taltung der Fassade unterstützt und verstärkt. Ein Endlosband aus horizontal geglie-derten Metallpaneelen in farblich abgestuften Grau- und Silbertönen wickelt sich um das Haus. Fensteröffnungen sind in fließender Komposition gezielt in die Fassaden-fläche eingeschnitten, um das Innere außen, bzw. das Äußere innen erlebbar zu ma-chen. So entsteht ein bewegtes Fassadenbild, das die Assoziationen „Geschwindig-keit“, „Tanz auf dem Eis“ und „fließendes Wasser“ aufnimmt und ein sehr werbe-wirksames, sinnliches Bild der Eis- und Schwimmhalle präsentiert.


    Energiekonzept / Gebäudetechnik

    Bauliche Voraussetzungen

    Der kompakte Baukörper führt mit seinem A/V-Verhältnis zu energetisch günstigen Voraussetzungen. Zur Verringerung der Wärme- und Kälteverluste wird eine verstärk-te Wärmedämmung des gesamten Gebäudes einschließlich der Sohle vorgesehen. Die Verglasungen werden durchgehend als Sonnenschutz- und Wärmedämmvergla-sungen ausgeführt.


    Kälte und Wärme

    Die Kälte wird durch eine Ammoniakkälteanlage mit zwei parallel geschalteten Kom-pressoren erzeugt. Mit dieser Kälte werden die beiden Eisflächen betrieben. Weiter-hin kann optional in der Übergangszeit eine Entfeuchtung in der Lüftungsanlage rea-lisiert werden, wenn dieses aus bauphysikalischen Gründen ist. Zur Kälteversorgung wird wegen des besseren Wirkungsgrades ein Ammoniak-Direktverdampfungssystem eingesetzt. Ein Zweikreissystem (Primärkreis mit Am-moniak, Sekundärkreis mit Wasser/Glykol) hätte energetische Nachteile und wäre nur vorzuziehen, wenn sicherheitstechnische Aspekte im Vordergrund stehen.

    Da ein wirtschaftlicher Betrieb einer einstufigen Ammoniakkälteanlage nur eine Wärmenutzung der Überhitzungswärme ermöglicht, wird eine Schaltungsvariante für die Kälteanlage gewählt, bei der der zweite Kompressor auch als Wärmepumpe ge-schaltet werden kann (Erhöhung der Kondensationstemperatur, zweistufige Kältean-lage). Dies ermöglicht eine weitgehende Abwärmenutzung im Teillastbetrieb. Die Abwärme wird für Warmwasserbereitung, Lüftungs- und Heizwärme sowie zur Be-ckenwassererwärmung im Schwimmbad und ggf. für eine Unterfrierschutzheizung unterhalb der Eisflächen genutzt.

    Als weiterer Wärmeerzeuger dient ein BHKW, das die restliche Grundlast abdeckt. Es ist auf den sommerlichen Wärmebedarf des jahreszeitlich durchgehend betriebe-nen Schwimmbades ausgelegt. Dieses BHKW erreicht damit die für die Wirtschaft-lichkeit notwendigen, hohen Laufzeiten. Zur Erzielung eines möglichst kontinuierli-chen Betriebs wird ein Hochtemperaturwärmepuffer verwendet, weiterhin werden die Schwimmbecken als zusätzliche Wärmepuffer (mit der Möglichkeit einer gerin-gen Temperaturschwankung nach oben) genutzt.

    Eine evtl. Spitzenlast wird durch einen Brennwertkessel abgedeckt.


    Wasser

    Die gesamten Wasserflächen werden über Badewasseraufbereitungsanlagen nach DIN 19 643 behandelt. Um auch später Betriebskosten zu optimieren werden Kreis-läufe ähnlicher Nutzung zusammengefasst. Als Verfahrenskombination für die Be-ckenwasseraufbereitung wird „Flockung, Filtration, Adsorption, Chlorung“ gewählt. Die Chlorung erfolgt wie bisher über eine Elektrolyseanlage. Die Filteranlagen wer-den als Saugfiltration mit Behältern aus PP-Material ausgeführt. Diese zeichnen sich durch geringe Investitions- und Betriebskosten aufgrund der flächenoptimierten, rechteckigen Abmessungen aus. Für die hohe hygienische Belastung des Warm-sprudelbeckens ist eine Ultrafiltrationsanlage zur Aufbereitung vorgesehen.

    Zur weiteren Betriebskostenminimierung bei der Badewasseraufbereitung wird eine Schlammwasserbehandlung durch Kies- und Aktivkohlefiltration des ablaufenden Rückspülwassers berücksichtigt, um so die Einleitung in die Vorflut zu ermöglichen. Diese Anlagen amortisieren sich innerhalb von 2 Jahren. Eine weitere Aufbereitung erscheint nicht wirtschaftlich, da der vorhandene Brunnen zur Nachspeisung genutzt wird.


    Lüftung

    Die Lüftungsanlagen stehen im Keller des Gebäudes. Sie werden mit ihren Luftaus-lässen- und -absaugungen im oberen und unteren Hallenbereich strömungstechnisch günstig betrieben. Sie werden überwiegend mit einer effizienten Wärmerückgewin-nung ausgestattet.


    Leittechnik

    Alle Anlagen der technischen Ausrüstung werden auf eine übergeordnete Gebäude-leittechnik aufgeschaltet. Die Leittechnik ermöglicht eine bedarfsabhängige Anlagen-fahrweise entweder zeitabhängig oder über eine an die Besucherzahl angepasste Steuerung. Sie lässt weitere Betriebsoptimierungen aufgrund der Betriebserfahrun-gen zu.


    Strom

    Im gesamten Gebäude wird energiesparende Beleuchtung eingesetzt, zusätzlich fin-den Präsenzmelder und eine tageslichtabhängige Beleuchtungssteuerung Verwen-dung. Zur Senkung des Stromverbrauchs werden ausschließlich Pumpen und Venti-latoren mit hohen Wirkungsgraden berücksichtigt.

    Die Anlagentechnik wird durch das o. g. BHKW ergänzt, das üblicherweise wärme-geführt gefahren wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.