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  • DE-79576 Weil am Rhein, DE-79574 Weil am Rhein
  • 11/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-230186)

Umgestaltung und Erweiterung des Rheinparks


  • 3. Preis

    © club L94, Köln

    Architekten, Stadtplaner
    raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sonja Moers , Jon Prengel , Thorsten Wagner

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: club L94, Köln (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Erläuterungstext
    Der in den 1960iger Jahren angelegte Rheinpark in Weil am Rhein stellt sich heute als
    introvertierter Grünraum mit einer Insellage inmitten eines heterogenen Umfeldes dar, das
    geprägt ist von Industrie- und Gewerbeflächen entlang der Rheinschiene im Dreiländereck
    von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Die gesamte Region ist heute im Wandel und inmitten eines dynamischen Konversionprozesses, der zum Ziel hat, die heute mit Gewerbe und Industrie geprägten Uferzonen stärker an die Stadt und Wohngebiete anzubinden. In diesem Zusammenhang kommt dem Rheinpark eine besondere Bedeutung zu Teil. Mit der Flächenerweiterung nach Norden besteht die Chance, den gewachsenen Teil des Parks mit neuen Freiraumthemen zu ergänzen, die das Naherholungsbedürfnis für unterschiedliche Nutzergruppen innerhalb der angrenzenden Bevölkerung befriedigen.

    Städtebauliches Konzept
    Das städtebauliche Konzept basiert auf zwei grundlegenden Ansätzen. Zum einen wird mit der Setzung von Hochpunkten im übergeordneten Zusammenhang mit der Silhouette der französischen Uferbebauung und im Zusammenspiel mit der großen Rheinbrücke eine
    torartige Situation von Landmarken entstehen, die miteinander kommunizieren und das
    Dreiländereck städtebaulich markieren. Zwei Standorte von Hochpunkten können der neuen Uferzone einen Rhythmus geben und wichtige städtebauliche Anknüpfungspunkte
    markieren. Der südliche Hochpunkt markiert den Übergang der Stadtachse über den
    Brückenplatz mit der Dreiländerbrücke. Der zweite Standort bildet den nördlichen Abschluss der Parkanlage und vernetzt sich über die Schusterinsel und Tullastraße mit der Stadt. Zum anderen soll die heute heterogene Bebauungsstruktur zwischen Rheinkante und dem Siedlungsrand von Friedlingen bewusst als Campusstruktur weiter entwickelt werden. Das entstandene Bild von frei stehenden Großstrukturen wird weitergezeichnet und erhält damit seine eigene Identität und die Chance, sich prozesshaft und aus den umgebenden Nutzungen und Strukturen heraus umzuwandeln. Darüberhinaus könnte der Campus im Rahmen der IBA 2020 entwickelt und z.B. mit innovativen Bauten und Wohnformen gefüllt werden. Der neue Kita und Jugendzentrum- Standort wird in seiner Lage dem Wohngebiet im Westen zugeordnet und kann von der Nähe der Sportanlage profitieren und eventuell mit den Nutzungen der Anlage räumlich kombiniert werden, um Synergien zu erzielen.

    Umgestaltung und Erweiterung des Rheinparks
    Die Umgestaltung des Rheinparks verfolgt zwei grundsätzliche Ziele. Zum einen soll er über neue Hauptachsen eine bessere Verknüpfung mit den westlichen Stadträumen erhalten und diese bis an die Uferkante des Rheins heranführen. Dabei erhält die Uferlinie einen übergeordneten Fuß- und Radweg im Sinne einer Uferpromenade. Zum anderen soll der Rheinpark überformt werden, um die vorhandenen Qualitäten der bestehenden Parkanlagen weiter auszubauen und mit den neuen Flächen im Norden zu ergänzen, die das Nutzungsportfolio des Parks deutlich erweitern werden. Mit dieser Erlebnisvielfalt kann der Rheinpark in Zukunft ein qualitätsvoller Quartierspark für das neue Stadtquartier und die angrenzenden Wohngebiete Friedlingens werden. Dabei besteht vor allem die Chance, sowohl Aufenthaltsbereiche für ältere Menschen zu schaffen, als auch Gemeinschaftsflächen mit multifunktionalen Nutzungen und gezielte Spiel- und Sportangebote für Jugendliche anzubieten.
    Den südlichen Abschluss des Rheinparks bildet das Rheincenter, welches mit seiner
    Revitalisierung eine attraktivere Stadtkante am neuen Brückenplatz ausbildet und hier
    urbanere Atmosphären erwarten lässt. Somit erhält die städtische Fuge insgesamt mehr
    Bedeutung als Entree und Auftakt an der Dreiländerbrücke. Der neue städtebauliche
    Hochpunkt kann mit einem repräsentativen Umfeld ebenfalls zu `Urbanisierung` des
    Brückenplatzes beitragen.
    Der Park erhält mit 3,50m Hauptwegen aus wassergebundener Decke ein klareres
    Wegenetz in Richtung Rhein und endet dort mit kleinen Treppenanlagen in den
    Uferböschungen. Von der Kreuzung an der Hauptstraße zielt eine dieser neuen
    Wegeachsen in Richtung Chinarestaurant „Rheinpark“. Entlang dieses Wegs sind sowohl die aufgewerteten bestehenden und neugestalteten Spielbereiche mit dem Thema „Flugreisen“ als auch gartenartige Bereiche mit Wasserbecken und Staudenpflanzungen angelegt. Das Chinarestaurant „Rheinpark“ ist schon heute mit seiner privilegierten Lage ein beliebter Ausflugspunkt. Der neue Verlauf der Uferpromenade zoniert die Flächen im Umfeld neu und ergänzt die privaten Außengastronomiebereiche mit einem öffentlichen Holzdeck, dass als Sonnenterrasse ein beliebter Treffpunkt mit Blick auf das französische Rheinufer werden kann.
    Die Uferpromenade versteht sich weniger als repräsentativer Bereich zum Promenieren,
    sondern als übergeordneter Fuß- und Radweg entlang des Rheinufers. Allerdings soll seine Gestaltung ein eigenes Thema erhalten, damit er als Konstante entlang der
    unterschiedlichen angrenzenden Areale wie Ruderal- und Industrieflächen, kleine Grünzüge und eben hier dem Rheinpark, ablesbar bleibt. Der 4 m breite Weg ist als Ortbetonband gedacht, der in begleitende Mulden entwässert, die sich je nach Typologie verändern. Der Ortbeton soll mit unterschiedlichen Körnungen aus Rheinkieseln eine fließende Ornamentik erhalten.
    Ein Großteil der zum Rhein gelegenen Parkflächen soll so überformt werden, dass eine
    weite Rheinwiese entsteht, die den Blick auf den Fluss öffnet und als gemeinschaftlich
    genutzte Spiel- und Liegewiese von allen Altersgruppen bespielt werden kann. Grundsätzlich sollen Flächen mit Kraut- und Strauchschichten minimiert werden, um eine bessere Transparenz und mehr nutzbare Bewegungsflächen zu erhalten. Der vorhandene
    Parkbaumbestand wird vor allem an den Rändern weitestgehend erhalten und als
    raumbildendes Element an gezielten Stellen ausgelichtet. Die ansonsten ruhigen und
    zurückhaltenden Rasen- und Wiesenflächen erhalten im Norden einen klaren Abschluss mit dem Spiel- und Sportpark. Dieser Teil des Parks nimmt in der Materialität das industriell geprägte Rheinufer auf. Verschiedene Sportfelder und Bewegungsflächen sind wie Bilder in ein Passepartout aus Asphalt eingelegt. Die ganze Fläche soll als Erlebnis- und Bewegungsflächen vor allem für ältere Kinder und Jugendliche hergestellt werden. Drei
    baumüberstellte Ruhezonen strukturieren den Bereich räumlich und bieten Rückzugs- und
    Treffpunkte im Schatten der Baumkronen an. Die Ergänzung des Areals durch ein Jugend
    Café oder Pavillon kann sowohl einen kommunikativen als euch einen betreuenden
    Mehrwert schaffen.
    Den nördlichen Abschluss des Areals bildet der Hafenplatz, der durch seinen Hochbau eine starke Identität am Ufer des Rheins erhalten wird. In den Erdgeschoßzonen sollten
    öffentliche und kulturelle Nutzungen sein, die auf den Platz ausstrahlen und ihn zu einem
    beliebten Treffpunkt der Stadtgesellschaft werden lässt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Wettbewerbsarbeit arbeitet ausgehend von der Bestandssituation, die die Verfasser offenbar im Grundsatz als positiv ansehen. Durch Korrekturen und Ergänzungen wird so der bestehende Park ertüchtigt und weiterentwickelt. Die Nutzungsgliederung wird von Süd nach Nord deutlich differenziert und durch Wege getrennt aufgebaut: Spielbereiche innerhalb des bisherigen Standorts, angenehm offene Wiesenflächen nördlich davon und im Weiteren ein Sport- und Spielpark, der, für Jugendliche richtig platziert, gute Aufenthaltsmöglichkeiten bietet. Den Abschluss schafft der „Hafenplatz“, der an dieser Stelle allerdings überdimensioniert erscheint. Nach Süden sind kleinteilige, gartenartige Strukturen vorgesehen, die als Gegenüber zum Rheincenter positiv gesehen werden.

    Der durch die Zonierung guten Nutzbarkeit des Parks für unterschiedlichste Menschen steht der fehlende Zusammenhalt der Flächen gegenüber. Der Park ist in seiner Gesamtheit nicht erlebbar. Auch die durchaus prominente und kraftvolle Promenade kann das nicht gewährleisten.

    Der Durcharbeitungsgrad ist sehr hoch.

    Schön herausgearbeitet sind Teilbereiche, z.B. der schon genannte Spielpark, aber auch der Bereich beim Restaurant: die Fassung der Terrasse ermöglicht eine gute Wegeführung auch unter der Brücke hinweg. Der vorgelagerte Steg mit Anleger überzeugt. Auch der Anschluss der Brücke ist gut gelöst. Die Sitzstufen nahe dem Restaurant fügen sich harmonisch ins Gelände. Sehr wirkungsvoll ist die Gestaltung der langen Promenade, die durch Sitzelemente begleitet wird. Dass auf den alten, identitätsstiftenden Hafenkran verzichtet wird, ist nicht nachvollziehbar.

    Die städtebaulichen Aussagen des Wettbewerbsbeitrags werden kontrovers diskutiert: einerseits ist der Ansatz eines Campus interessant als Kontrapunkt zu den vorhandenen Strukturen. Andererseits scheint er überzogen und nur unter besonderen Voraussetzungen realisierbar. Wichtig sind die Verbindungen von Friedlingen zum Rhein, die klar ausgebildet sind. Die baulichen Akzente durch "Hochpunkte" sind richtig, deren Ausbildung nicht weiter ausgeführt. Ohne entsprechende Qualität können solche Akzente in einer Weiterführung aber nicht überzeugen.

    Insgesamt ist die Arbeit ein guter Beitrag zur Lösung der Wettbewerbsaufgabe. Allerdings gerät aufgrund der sensiblen, bestandsorientierten Gestaltung die Entwicklung einer starken eigenständigen Idee ins Hintertreffen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Wettbewerbsarbeit arbeitet ausgehend von der Bestandssituation, die die Verfasser offenbar im Grundsatz als positiv ansehen. Durch Korrekturen und Ergänzungen wird so der bestehende Park ertüchtigt und weiterentwickelt. Die Nutzungsgliederung wird von Süd nach Nord deutlich differenziert und durch Wege getrennt aufgebaut: Spielbereiche innerhalb des bisherigen Standorts, angenehm offene Wiesenflächen nördlich davon und im Weiteren ein Sport- und Spielpark, der, für Jugendliche richtig platziert, gute Aufenthaltsmöglichkeiten bietet. Den Abschluss schafft der „Hafenplatz“, der an dieser Stelle allerdings überdimensioniert erscheint. Nach Süden sind kleinteilige, gartenartige Strukturen vorgesehen, die als Gegenüber zum Rheincenter positiv gesehen werden.

    Der durch die Zonierung guten Nutzbarkeit des Parks für unterschiedlichste Menschen steht der fehlende Zusammenhalt der Flächen gegenüber. Der Park ist in seiner Gesamtheit nicht erlebbar. Auch die durchaus prominente und kraftvolle Promenade kann das nicht gewährleisten.

    Der Durcharbeitungsgrad ist sehr hoch.

    Schön herausgearbeitet sind Teilbereiche, z.B. der schon genannte Spielpark, aber auch der Bereich beim Restaurant: die Fassung der Terrasse ermöglicht eine gute Wegeführung auch unter der Brücke hinweg. Der vorgelagerte Steg mit Anleger überzeugt. Auch der Anschluss der Brücke ist gut gelöst. Die Sitzstufen nahe dem Restaurant fügen sich harmonisch ins Gelände. Sehr wirkungsvoll ist die Gestaltung der langen Promenade, die durch Sitzelemente begleitet wird. Dass auf den alten, identitätsstiftenden Hafenkran verzichtet wird, ist nicht nachvollziehbar.

    Die städtebaulichen Aussagen des Wettbewerbsbeitrags werden kontrovers diskutiert: einerseits ist der Ansatz eines Campus interessant als Kontrapunkt zu den vorhandenen Strukturen. Andererseits scheint er überzogen und nur unter besonderen Voraussetzungen realisierbar. Wichtig sind die Verbindungen von Friedlingen zum Rhein, die klar ausgebildet sind. Die baulichen Akzente durch "Hochpunkte" sind richtig, deren Ausbildung nicht weiter ausgeführt. Ohne entsprechende Qualität können solche Akzente in einer Weiterführung aber nicht überzeugen.

    Insgesamt ist die Arbeit ein guter Beitrag zur Lösung der Wettbewerbsaufgabe. Allerdings gerät aufgrund der sensiblen, bestandsorientierten Gestaltung die Entwicklung einer starken eigenständigen Idee ins Hintertreffen.