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  • DE-21109 Hamburg, DE-22525 Hamburg
  • 11/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-220750)

Wohnen am Volkspark


  • 2. Preis

    © CHRISTOPH MÄCKLER ARCHITEKTEN / A24 Landschaft

    Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: CHRISTOPH MÄCKLER ARCHITEKTEN, Frankfurt/Main (DE)

    Erläuterungstext
    Mit dem städtebaulichen Entwurf „Gartenstadt Volkspark in Hamburg Altona soll ein urbanes, identitätsstiftendes Quartier entstehen, das nicht nur stadtverträglich sondern auch zukunftsweisend ist. Die Einbindung des Volksparks, die Vernetzung des Quartiers mit dem Stadtteil und eine größtmögliche Wohn- und Freiraumqualität sind grundlegend für das städtebauliche Konzept, das durch eine offene Blockstruktur, die Aufnahme verschiedener Achsen sowie die Schaffung von neuen Raum- und Platzabfolgen geprägt ist. Die Idee der Gartenstadt wird aufgegriffen und vor dem Hintergrund heutiger Bedürfnisse im vorliegenden Entwurf neu interpretiert.

    Zunächst trägt das neue Stadtquartier seiner besonderen Lage Rechnung, denn es vermittelt als Übergangsbereich zwischen der bestehenden Bebauung und dem Volkspark Altona. Aus diesem Grund werden die vorhandenen städtebaulichen Achsen aufgenommen und innerhalb des neuen Quartiers fortgesetzt, insbesondere die Erweiterung der Ebert-Allee, die durch das Quartier bis zum Volkspark führt, die Fortführung der Grünachse nördlich des Schulgartenwegs, aber auch die Ausbildung eines Quartiersplatzes als städtebaulicher Endpunkt der Haupteingangsachse August-Kirch-Straße als „Tor zum Volkspark.“ Die neu angelegte Veloroute sowie die zahlreichen Wegeverbindungen dienen der quartiersinternen Erschließung, tragen dem Fuß- und Radverkehr Rechnung und schaffen ein „Quartier der kurzen Wege.“ Eine Abfolge von unterschiedlichen Plätzen, wie der Ebertplatz, der Schulplatz, der zur Verkehrsberuhigung vor dem Gymnasium beiträgt, aber auch der neue Quartiersplatz am Eingang zum Volkspark, der baulich gefasst ist und im Erdgeschoss Gastronomie- und Ladennutzung aufnimmt, tragen wesentlich zur Erhöhung zur Aufenthaltsqualität im Quartier bei.

    Da die geplanten Baukörper entlang der Luruper Chaussee hohen Lärmbelastungen ausgesetzt sind, ist an dieser Stelle ein 6-geschossiger Büroriegel vorgesehen, der die dahinter liegende Wohnbebauung vom Lärm abschirmt. Ein landschaftsplanerisch gestalteter Gartenweg mit locker gepflanzten Baumreihen, der zwischen den beiden Nutzungen liegt, sorgt dabei für die notwendige Trennung von öffentlichen Büroflächen und privaten Wohnnutzungen. Die sich anschließende Wohnbebauung ist an den Hauptstraßen geschlossen und 5-geschossig, wird zum Park hin aber gelockert und auf maximal 4 Geschosse + Dach reduziert. Verschiedene Wohnungstypologien ermöglichen für die Bewohner eine hohe Identifikation mit und innerhalb des Quartiers. Private Gärten in den Innenhöfen, die durch kleine Anbauten von den Nachbargrundstücken abgegrenzt werden, aber auch attraktiv gestaltete öffentliche Räume, etwa durch den Häusern vorgelagerte Vorgärten erlauben innerhalb des Quartiers eine hohe Aufenthaltsqualität. Inmitten des Baufelds 1 liegt eine Grundschule mit Vorplatz und einem rückwärtigen Schulhof an den die neue Kita angrenzt. Eckhäuser, deren Fronten sich zum Volkspark wenden, ermöglichen eine eindeutige Adressbildung am Park und betonen dessen Zugänge. Auch wird der Übergang zum Park landschaftsplanerisch bewusst gestaltet. Locker gepflanzte Baumreihen grenzen die Wohnbebauung vom dahinterliegenden Weg an der Grenzkante des Volksparks ab, so dass ein Quartiersrand entsteht.

    Auch im Baufeld 2 ist die Wohnbebauung zur Quartiersstraße hin geschlossen und öffnet sich zum Parkt hin in Punkthäuser. Diese werden, wie in Hamburg typisch, als 3-Spänner mit tiefen Anbauten in den Hof ausgebildet

    Grundsätzlich werden alle Wohnstraßen verkehrsberuhigt. Die Straßenflächen werden als Begegnungszonen (Modell: Berliner Begegnungszone) ausgebildet, ebenso die inneren zentralen Zugangsstraßen, für die eine Beschränkung der Geschwindigkeit auf 20 km/h vorgeschlagen wird. Tiefgaragen unterhalb der Straßen, die durch kleine Zufahrten innerhalb der Quartiersstraßen erschlossen werden, ermöglichen ruhenden Verkehr innerhalb des Quartiers, aber auch den Erhalt der Innenhöfe als natürliche Versickerungsflächen.

    Energetisches Konzept Im Zentrum des Konzepts stehen die Dauerhaftigkeit des städtischen Quartiers und der bewusste Umgang mit der für den Bau und den Betrieb des Gebäudes benötigten Energie. Diese Herangehensweise betrachtet nicht nur den Energieverbrauch beim Betrieb des Gebäudes, sondern berücksichtigt auch bei der Wahl der Baumaterialien, die zur Herstellung notwendige Energie und deren Dauerhaftigkeit sowie Recyclingfähigkeit. Die einzelnen planerischen Bereiche, die auf den Energieverbrauch Einfluss haben, werden nicht gesondert, sondern integral geplant und als gleichberechtigt betrachtet. So hat z.B. die Fassadengestaltung Auswirkungen auf die Beleuchtungssituation im Gebäude, auf die Heiz- und Kühllasten, die thermische Behaglichkeit und dadurch auch auf die Nutzerakzeptanz.

    Freianlagen Die Verlängerung wichtiger städtebaulicher Achsen in das neue Stadtquartier verwebt dieses eng mit den bestehenden Grünräumen und dem angrenzenden Stadtraum. Das Planungsgebiet wird somit zu einem wichtigen Teil des Hamburger Freiraumverbundsystems, welches vom Umland über den Volkspark bis in die dicht besiedelten Innenstadtgebiete reicht. Fußgänger wie auch Radfahrer werden deutlich durch das Quartier bis in die angrenzenden Parkanlagen und Stadtquartiere verteilt. Die inneren Quartiersstraßen werden überwiegend als sog. Begegnungszonen ausgebildet. In unregelmäßiger Abfolge entstehen platzartige Situationen innerhalb des sich aufweitenden Straßenraums als zwanglose Nachbarschaftsräume. Klar positionierte Eingangsplätze mit Tramhaltestelle und Fahrradabstellanlagen bündeln die Besucherströme in das Quartier und bilden zusammen mit den Gebäudekubaturen prägnante Entreesituationen.

    Das stark durchgrünte Quartier setzt die symmetrische Formensprache, Maßstäblichkeit und den Charakter der gründerzeitlichen Parkanlage des Altonaer Volksparks fort.

    Ein umlaufender Parkweg bildet einen sanften Übergang zwischen Wohngebiet und Parkareal. Die Parkfigur des stadtbildprägenden Volksparks bleibt weiterhin klar ablesbar. Es kommt weder zu einer Vermischung noch zu einer Erweiterung des prägnanten Parkensembles. Vielmehr werden die Ränder durch eine öffentliche Parkpromenade mit begleitender lichter Baumreihe klar gefasst und zu den Quartieren hin geöffnet. Die Parkkante wird von einer Rückseite zur gut nutzbaren Schauseite umfunktioniert. Die Promenade integriert sowohl die Veloroute als auch einen großzügigen Flanierbereich aus wassergebundener Wegedecke mit stimmungsvollen Aufenthaltsmöglichkeiten. In Nachbarschaft zum DESY-Gelände lagern sich Aktivitätszonen mit diversen Sportfeldern und Sitzpodesten an die Promenade an. Der Altonaer Volkspark wird somit deutlich gerahmt und in einem torartigen Eingangsplatz in Verlängerung der Hauptparkachse bzw. August-Kirch-Straße zu einem angemessenen Auftakt zusammengeführt.

    Ein langes Wasserbecken stärkt die Axialität des Haupteingangs in den Park mit der raumprägenden Lindenallee. Bodengleiche Wasserbecken mit steuerbaren Düseneffekten bilden einen großzügigen Wolkenspiegel auf dem Platz. Eine kleinkronige Baumreihe unterstützt die prägnante Gebäudekubatur und trennt subtil die Bereiche für Außengastronomie von den Gehbereichen.

    Abseits der befahrenen Hauptstraßen ziehen sich in Ost-West-Richtung mehrere öffentliche Fuß- und Radwegeverbindungen als baumbestandene Alleen durch das Quartier. Ein Gartenweg aus verspringenden Wegesegmenten und Obstbaumreihen schafft kleine Aufenthaltsbereiche und vermittelt zwischen Privatgärten und Gewerbebauten.

    Eine lockere Abfolge aus Quartiersplätzen gliedert das Quartier und schafft Schwerpunkte. Die baumbestandenen Plätze interpretieren historische Motive und übersetzen diese in eine zeitgenössische Formensprache. Die Quartiersplätze übernehmen unterschiedliche Funktionen und reagieren auf die angrenzenden Nutzungen. Die beiden Schulbauten erhalten großzügige Vorbereiche und Schulhöfe mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen.

    Die grünen Höfe mit Spielbereichen schaffen innerhalb der Blockstrukturen Gemeinschaftsräume für die Nachbarschaft.

    Zur Verkehrsplanung im Bereich des Friedrich Ebert Platz in Hamburg Ziel einer zeitgemäßen Verkehrsplanung muss eine Anpassung an städtebauliche Belange sein. Die für den Wettbewerb als Grundlage vorgelegten Pläne (insbesondere die zur 2. Phase des städtebaulichen Wettbewerbs in Hamburg Altona als Basis vorgelegte Verkehrsplanung des Areals um den Ebertplatz) konnten - da der Städtebau selbst Objekt des Wettbewerbs ist – diese Anpassung fraglos nicht leisten. Aus diesem Grund werden im Folgenden Vorschläge für eine städtebauliche Anpassung der vorgeschlagenen Verkehrslösung gemacht:

    Die Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) empfiehlt für einen – in diesem Falle sicher unvermeidlichen – individuellen Straßenraumentwurf eine Planung „vom Rand aus“ („Städtebauliche Bemessung“). Zitat1: „Städtebaulich bemessene“ Querschnitte berücksichtigen vorrangig die Nutzungen der Straßenränder, der Bewohner und Besucher von Straßen, des Längsverkehrs von Fußgängern und Radfahrern (sofern sie im Seitenraum geführt werden) sowie das Wohlbefinden der Benutzer des Straßenraums durch angenehme Proportionen zwischen befahrenen und unbefahrenen Flächen sowie innerhalb dieser Flächen.“

    Die städtebauliche Bemessung muss in diesem Falle das neu entstehende Gebiet mit einer erhöhten Frequenz von Fuß- und Radverkehr und dem Bedarf an Anwesenheit in dem Areal um den Ebertplatz berücksichtigen. Dabei sind durchgehende Gehwegverbindungen auf den Platz und über die Straße unerlässlich. Zu lange Überquerungswege gefährden den Kontakt mit der anderen Straßenseite und den dortigen Einrichtungen extrem.

    Daher können die bereits heute sehr langen Querungswege über die Luruper Chaussee nicht verlängert werden. Es wird daher vorgeschlagen, die heutige, funktionsfähige Organisation der Bushaltestellen nur gering zu ändern und Beschleunigungsmaßnahmen vorrangig durch eine verbesserte Signalisierung vorzunehmen. Dies erlaubt auch eine Organisation des motorisierten Verkehrs – auch unter Einbeziehung des neuen Plangebietes - , die den Verkehrsraum nicht unzuträglich vergrößert. Die Forderung der RASt 06 nach „angenehmen Proportionen“ kann damit eingehalten werden. Die gute Zugänglichkeit der Bushaltestellen erhöht die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs und verringert die Gesamtreisezeit für die Nutzer. Die Raumgewinne im Kreuzungsbereich erlauben die Ausstattung der Haltestellen mit Anlagen zum Abstellen von Fahrrädern und Stationen für „bike-sharing“.

    Generell lassen sich durch kleinteilige Maßnahmen gegenüber dem heutigen Zustand die Bedingungen für Fußgänger und Fahrradverkehr deutlich verbessern. Grundsätzlich werden Fuß- und Fahrradwege an die Straßenecken vorgezogen, aus dem neu geplanten Gebiet heraus ergibt sich eine attraktive durchgehende Fußgängerachse in die Ebert-Allee. Längs sämtlicher Straßen sind breite Radwege, möglichst in Form von Radfahrstreifen, mit der Breite von 2,00 Metern (ERA 2 ) vorgesehen. An den Haltestellen des ÖPNV werden Abstellanlagen und an zentralen Punkten werden Flächen für Bikesharing-Angebote eingeplant.
    Insgesamt ist zu berücksichtigen, dass durch die bauliche Mischung und die gute Erreichbarkeit von Haltestellen des ÖPNV das Aufkommen des motorisierten Verkehrs aus dem neu geplanten Stadtquartier deutlich unter den üblichen Werten liegen sollte.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Entwurfsverfasser schaffen es, mit erstaunlich wenigen städtebaulichen Mitteln ein einprägsames neues Quartier am Volkspark zu entwickeln. Klassische Alleen, gut proportionierte Plätze und einfache durch Vorgärten geprägte Wohnstraßen spannen ein robustes und klares Netz von öffentlichen Räumen über die Fläche.

    Es entstehen gute Adressen. Die Schulen sind Teil des Quartiers und Teil der Stadt und keine Randerscheinung.

    Die vorgeschlagene sehr hohe bauliche Dichte wird auch deshalb erreicht, weil Flächen im Nordwesten des Areals überbaut werden, entlang der Luruper Chaussee durchgehende sechsgeschossige Baufelder vorgeschlagen werden, bis direkt an den bestehenden Volkspark heran gebaut werden soll und das Angebot an Freiräumen innerhalb des neuen Stadtquartiers eher knapp bemessen und im Wesentlichen an einer Stelle konzentriert wird.

    Für Durchgangsverkehr versucht sich der Entwurf unattraktiv zu machen: die Haupterschließung, die zugleich das städtebauliche Rückgrat des Quartier ist, wird über und um Plätze herumgeführt. Der Versuch, den Ebertplatz stadträumlich anders zu behandeln, als es die Auslobung und die bisherigen Planungen vorsehen, ist durchaus zu begrüßen, lässt sich aber in der vorgeschlagenen Form aus funktionalen Gründen wahrscheinlich so nicht umsetzen.

    Der Vorschlag zur Unterbringung des ruhenden Verkehrs, die Wohnstraßen mit Tiefgaragen zu unterbauen, überzeugt nicht und führt fast zwangsläufig zur Privatisierung öffentlicher Räume.

    Die offene Struktur der Bebauung verspricht trotz der hohen Dichte eine sehr hohe Wohnqualität und würde bei der Umsetzung auch eine kleinteilige Realisierung und Grundstücksvergabe ermöglichen. Der vorgeschlagene viergeschossige "Hamburger Dreispänner" erinnert an dichte und dennoch grüne Stadtquartiere andernorts, die auch heute hohe Plausibilität haben können.

    Und dennoch wird im Preisgericht die Frage gestellt, ob der vorgeschlagene Entwurf den richtigen Ton trifft, sicherlich auch hervorgerufen durch die vielleicht etwas zu formale Sprache bei der Ausbildung der Plätze und Eingangsräume in das Quartier und in den Volkspark.

    Insgesamt leistet die Arbeit einen überzeugenden Beitrag und erstaunt, mit wie wenigen traditionellen städtebaulichen Handgriffen ein überzeugendes Konzept entstehen kann.