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  • 1. Preis

    Blick entlang der Gartenachse, © winkelmüller.architekten/Machleidt GmbH/sinai

    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Benjamin Wille , Carsten Maerz

    Mitarbeit
    Ilja Haub, Maria Feil, Steffen Wörsdörfer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: winkelmüller.architekten gmbh, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)
    Visualisierer: LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie, Dresden (DE)

    Preisgeld
    50.000 EUR

    Erläuterungstext
    NEUES RÜCKGRAT FÜR FLINGERN

    Urbanität und Nachbarschaft:

    Was lässt sich mit der Nachverdichtung in den bestehenden, losen Siedlungsstrukturen Flingerns erreichen? Wir meinen: Klare und gefasste öffentliche Stadträume die einen lesbaren Stadtgrundriss bilden, die vernetzten und Orientierung geben. Plätze und Stadtgärten, die die urbane Raumfolge rhythmisieren, beleben und eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Die differenzierten baulichen Interventionen in Flingern machen lose Siedlungsstrukturen zu einem klar adressierten Stück Stadt mit einer spezifischen Form der urbanen Nachbarschaftlichkeit und der nachbarschaftlichen Urbanität.

    Städtebau:

    Die vier eigenständigen Siedlungsteile werden morphologisch klar herausgearbeitet und freiräumlich eingewoben. Typologisch werden alle wesentlichen Raumkanten klar ablesbar gefasst und hochwertig adressiert. Entlang der Übergänge zu den angrenzenden Bestandsbauten wird die Körnung und Höhenentwicklung der gewählten Typologie maßvoll ausgebildet. Zwei signifikante Hochpunkte an den beiden Kreuzungsbereichen am Hellweg geben Orientierung, stärken die Quartiersadresse und markieren die übergeordneten Zufahrten ins Quartier bzw. zum Nahversorgungszentrum. Der Entwurf bietet insgesamt ein breites Spektrum unterschiedlicher Wohnformen mit unterschiedlichen Schwerpunkten innerhalb der einzelnen Teilräume. Das Prinzip der Mischung auf dem Baufeld generiert somit vielfältige und auch in sozialer Hinsicht durchmischte Nachbarschaften. Im Teilgebiet A wird eine eigenständige Baustruktur aus differenzierten L- und I-förmigen Baukörpern entwickelt. Die Bestandsstraßen und –wege von Norden münden in einen gemeinsamen Wohnhof als Schnittstelle zwischen alt und neu. Somit bildet das Neubauquartier einerseits eine eigenständige Raumfiguration aus und wirkt andererseits dennoch als Teil des Gesamtquartiers. Das Teilgebiet B wird mit einer raumwirksamen und lärmabschirmenden Großform besetzt. Eine Höhendominante an der Bruchstraße markiert den Abzweig zum Nahversorgungszentrum und inszeniert gleichzeitig durch den vorgelagerten Platzraum den Blick auf die Kirche der koreanischen Christengemeinde. Im Märchenland schaff en die sich nach Norden auflösenden U-Figuren nach Süden einen klaren Rücken zum öffentlichen Raum. Die linearen Baukörper stellen eine Referenz an die südlich angrenzende Baustruktur dar, während die kleinteiligen Punktbauten sowie die Versätze der Gebäude einen harmonischen Übergang zum nördlich angrenzenden Wohnquartier schaff en. Der Schützenplatz ist das Herzstück des gesamten (alten und neuen) Quartiers. Seine prägnante Form erhält er durch das Aufgreifen vorhandener Baufluchten sowie deren geschickte Verlängerung und Verzahnung miteinander. Im Bereich des neuen Schützenplatzes sind auch kleinteilige Versorgungseinrichtungen wie ein Kiosk, Bäcker, Apotheke oder ähnliches vorstellbar. Die bestehende Kita mit Jugendzentrum wurde integriert und um einen weiteren gut erreichbaren Standort im Gebiet südlich des Schützenplatzes ergänzt. Das Grundstück der Telekom bildet hier eine eigenständige Raumtypologie aus, welche sich als selbstbewusstes Ensemble zwischen Hellweg und Schützenplatz präsentiert. Aufgrund der starken Verkehrsbelastung im Süden wird durch den innen liegenden Anger eine besondere nachbarschaftliche Qualität integriert. Der Entwurf ermöglicht eine unmittelbare und unabhängige Umsetzbarkeit innerhalb der Realisierungsteile und berücksichtigt dabei innerhalb des Realisierungsteils A Bauabschnitte vergleichbarer Größe und Wohnungsmischung. Der Realisierungsteil B wird dabei zu einem späteren Zeitpunkt durch die Ergänzungsfläche 1 baulich ergänzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Beitrag besticht durch eine klare städtebauliche Haltung, die es schafft, das gesamte Areal in einen Zusammenhang zu bringen. Zwei konsequent entwickelte Blockstrukturen an den lärmempfindlichen Bereichen übernehmen Gelenkfunktionen in die benachbarten Bereiche und sind im Maßstab angemessen.

    Der 20er-Jahre-Struktur mit ihrem wunderbaren Grünraum wird mit mehreren U-förmigen
    Baustrukturen geantwortet, die sich zum gemeinsamen Grünraum deutlich öffnen und damit den schönen Baumbestand akzentuieren. Gelungen ist die bauliche Fassung des Grünraums zur Daimlerstraße als Pendant zur Fassung im Bestand, allerdings wird damit der Edisonplatz überbaut. Durch die Schrägstellung in der U-förmigen Bebauung entstehen zum einen gut proportionierte Eingangshöfe, zum anderen ist die Besonnung der Gartenräume gewährleistet. Auf der Straßenseite (Benzstraße) antwortet die Bebauung sensibel auf die nördliche Nachbarschaft. Der Rhythmus von geschlossenem U als Gegenüber zu den ankommenden Wohnstraßen und perspektivisch sich verjüngenden Höfen als Antwort auf die nördlich Freiräume schafft einen klar gegliederten
    Straßenraum. Über einen urbanen Platz wird dieser Raum in den Grünzug zum Bahn-Freiraum geleitet, so dass diese rhythmisierte Achse zum starken Rückgrat wird. Der zentrale Quartiersplatz bildet das Gelenk zum östlich Quartier, das gut strukturiert im Wechsel von Erschließungshöfen und Grünräumen die Schrägstellung aus der westl. Bebauung aufgreift. Das grüne Band im Süden des Ergänzungsbereichs 3 vermittelt zur angrenzenden Bebauung und wirkt als wohltuender Puffer zu dieser ausfransenden Bebauung. Die gut entwickelten Baufelder werden durch eine hohe Dichte sinnvoll ausgenutzt.

    Die von den Entwurfsverfassern vorgeschlagenen Fassaden überzeugen in ihrer Anmutung für die Aufgabenstellung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus nicht in Gänze.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen hervorragenden Ansatz zur Nachverdichtung dieses besonderen Quartiers dar.