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  • 3. Preis

    Perspektive Edisonplatz, © HGMB Architekten GmbH + Co.KG / Alexander Reznik 3d.vdesign.de

    Architekten
    HGMB Architekten GmbH, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Richard Henning

    Mitarbeit
    Alla Pavlova, Mariya Gospodinova, Jessica Bredul, Anja Terwissen, Nicolas Michaely, Nicolai Hansen

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner: LAND Germany GmbH, Düsseldorf (DE), Mailand (IT)

    Preisgeld
    30.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das städtebauliche Konzept basiert auf folgenden Leitgedanken:
    • Stadträumliche Qualitäten fortführen und identitätsstiftend ergänzen
    • Freiraumqualitäten erlebbar machen
    • Zentralitäten schaffen
    • Unterschiedliche Teilbereiche räumlich vernetzen

    Stadträumliche Struktur
    Das gesamte Gebiet wird mit einer Kombination aus geöffneten Blöcken und Zeilenbebauung strukturiert. Übergängen zwischen öffentlichem, halböffentlichem und privatem Raum werden klar definiert und so ein kommunikatives, sicheres und sozial kontrolliertes Wohnumfeld geschaffen. Wohnhöfe in verschiedenen Größen schaffen abwechslungsreiche, gut besonnte Freiräume von hoher Qualität. Es entsteht eine interessante Raumfolge von Straßen, Plätzen und Wohnhöfen. Die Köpfe der neuen Gebäude kommunizieren durch gegenseitige Sichtbeziehungen miteinander und lassen einen städtebaulichen Zusammenhang zwischen den Bereichen Realisierungsteil A und B entstehen.

    Neue Freiraumqualitäten: Vernetzung mit dem Stadtraum und im Quartier
    Die stadträumliche Anbindung und Vernetzung des Quartiers erfolgt über die Qualifizierung der Benzstraße als quartiersprägende Erschließung und markanten Straßenraum. Angebunden an den Hellweg wird die Benzstraße, und in der Verlängerung der Dornröschenweg, als „Quartiersallee“ konzeptioniert und gestaltet. So wird eine Verbindung an den an den Hellweg, den zukünftigen Stadt-Natur-Park Flingern und, über den bestehenden, überregionalen Fahrradweg entlang der Bahntrasse, an Ostpark und Grafenberger Wald geschaffen.

    Die „Quartiersallee“ verbindet bestehende und neugeschaffene Platzsituationen, wie den Edisonplatz im Westen, den Sportplatz am Dornröschenweg und dem Spielplatz an der Straße „Zum Märchenwald“ mit einem neuen, zentralen Quartiersplatz zu einer Raumabfolge. Räumlich akzentuiert wird sie durch die Pflanzung einer identitätsstiftenden Baumreihe mit unterschiedlichen Baumarten, die sich zu allen Jahreszeiten mit verschiedenartigen Blüh- und Farbaspekten darstellt.
    Der neue Quartiersplatz wird als räumlicher Gelenkpunkt verstanden. Die funktionalen Wegeverbindungen dieses „Pocketparks“ bedingen die Ausprägung des Platzes. Baumüberstandene Rasenflächen bieten Raum für generationsübergreifende Zusammenkunft.

    Qualitäten Wohnungsbau
    Die überwiegend förderfähigen Wohnungen werden in unterschiedlichen Größen für verschiedene Nutzergruppen angeboten. Sämtliche Wohnungen erfüllen Kriterien der Barrierefreiheit nach DIN 18040-2. Durch eine optimierte Grundrissgestaltung wird eine hohe Wohnqualität und ein gutes Verhältnis zwischen Bruttogrund- und Wohnfläche erreicht. Der für bezahlbaren Wohnraum notwendigen Wirtschaftlichkeit wird so Rechnung getragen.
    Alle Wohnungen verfügen über großzügige, gut nutzbare Balkone oder Terrassen. Sämtliche Erdgeschosswohnungen sind mit Mietergärten ausgestattet.
    Schallschutzfenster kombiniert mit einer kontrollierten Lüftung und Wärmerückgewinnung ermöglichen einen ausreichenden Luftaustausch auch bei geschlossenem Fenster.

    Architektur und Material
    Die Gebäude sind freundlich und offen gestaltet. Bodentiefe Fenster, Terrassen und großzügige Balkone schaffen eine funktionelle und gestalterische Verbindung von Innen- zu Außenraum.
    Heller Putz kontrastiert mit Ziegelflächen und holzfarbenen Trespa-Elementen.

    Schallschutz
    In allen schallbelasteten Bereichen sind überwiegend Schallschutzgrundrisse vorgesehen. Hier sind 50% der Aufenthaltsräume zur lärmabgewandten Seite ausgerichtet. Schallschutzfenster, teilweise ergänzt durch Wintergärten, kombiniert mit einer kontrollierten Lüftung ermöglichen ausreichenden Luftaustausch auch bei geschlossenem Fenster und sollten in allen schallbelasteten Bereichen zum Einsatz kommen.
    Ruhender Verkehr
    Um das Quartier weitestgehend autofrei zu halten, wird der ruhende Verkehr überwiegend in Tiefgaragen (Mittelgaragen) untergebracht. Die Tiefgaragenplätze können direkt aus den Gebäuden erschlossen werden. Es besteht die Möglichkeit, die bestehende Stellplatzsituation mit einer zentralen Quartiersgarage am ehemaligen Schützenplatz zu unterstützen. Alternativ ist es möglich, die Tiefgaragen der Neubauten mit einem Stellplatzüberhang zu versehen und an die Bewohner der Bestandsgebäude zu vermieten. Hierzu können außenliegende Zugänge ergänzt werden. Die Erreichbarkeit aller Gebäude zum Be- und Entladen ist gewährleistet.

    Energiekonzept
    Sämtliche Gebäude lassen sich günstig in nahezu jedem gewünschten Energiestandard erstellen, da die Geometrie sehr kompakt geplant ist.
    Durch die Planung der Dächer der Neubauten als Flachdach ist der wirtschaftliche Einsatz aktivsolarer Energienutzung auf jedem Gebäude möglich.
    Die Einhaltung des KfW 55 Standards durch eine überdurchschnittliche Wärmedämmung und die Lüftung mit Wärmerückgewinnung ist umsetzbar.

    Realisierungsteil A
    Die nach Süden ausgerichteten Gebäudewinkel bilden eine klare Kante entlang der Benzstraße. Die dadurch entstehenden, geöffneten Blockstrukturen sind zur Sonne orientiert, so dass freundliche, vielfältig nutzbare Wohnhöfe entstehen.
    Diese Wohnhöfe werden durch eine fein differenzierte Wegeverbindung, die „Wohnpromendade“ miteinander verbunden. Sie entwickelt sich aus der bestehenden Grünachse im Realisierungsteil mit dem markanten Platanenbestand und wird als Leitmotiv in sämtlichen, neugeschaffenen Innenbereichen fortgeführt. Die „Wohnpromenade“ dient der inneren, privaten, fußläufigen Erschließung im Quartier. Baumüberstanden leitet sie durch die Wohnhöfe und bietet zugleich einen Raum für ältere Kinder zum Treffen, Kommunizieren, Fahrrad fahren lernen oder Ballspielen. Von motorisiertem Verkehr wird sie vollständig freigehalten.
    Der charakteristische Baumbestand wird weitestgehend erhalten und als identitätsstiftendes Element integriert und ergänzt. Der westliche Eingang zum Quartier wird durch den neugestalteten Edisonplatz gebildet. Hier, gegenüber dem vorhandenen Spielplatz, sind in einem eigenen Gebäude die geförderten Wohngruppen und ein Quartierscafé vorgesehen.

    Realisierungsteil B
    Die im nordwestlichen Teil gelegene Bebauung bildet eine zur lärmbelasteten Südseite geschlossene Blockstruktur, die die Flucht der westlich gelegenen Blockrandstrukturen aufnimmt. Alle Treppenhäuser erlauben einen direkten und barrierefreien Zugang zum gemeinschaftlichen Innenhof.
    Ein erhöhtes Erdgeschoss (OKF ca. 0,80 m über OK Gehweg) verschafft den unteren Wohnungen die nötige Distanz zum Straßenraum. Der Aufzug im EG ist als Durchlader ausgeführt, so dass die Wohnungen trotz Sockel barrierefrei erschlossen werden können. Die Aufenthaltsräume sämtlicher Wohnungsgrundrisse sind zu 50% zur lärmabgewandten Seite ausgerichtet. Das Eckgebäude Hellweg/Bruchstraße kommuniziert mit der gegenüberliegenden Full Gospel Church und den Wohngebäuden am Edisonplatz. Eine kontrollierten Wohnraumlüftung und Wintergärten schützen die Wohnungen vor Lärmemissionen.
    Die südlich gelegene Grünfläche wird, bei Erhalt der Bestandsbäume, zu einer Platzfläche umgestaltetet. Im Erdgeschossbereich wird eine Gewerbenutzung (Bäckereiverkauf, Kiosk, Frisör o.ä.) vorgesehen.

    Städtebauliche Ergänzungsfläche Schwabstraße
    Bei Realisierung der für die Ergänzungsfläche Schwabstraße vorgesehenen Bebauung wird der Blockinnenbereich mit einer direkt an das Eckgebäude Hellwegstraße/Bruchstraße herangeführten Bebauung von den von der Hellwegstraße herrührenden Schallemissionen abgeschirmt.

    Städtebauliche Ergänzungsfläche Schützenplatz
    Geschlossene Gebäudekanten wechseln mit offenen Hofseiten ab und schaffen eine klare Trennung von öffentlichen, halböffentlichen und privaten Bereichen. Der Quartiersplatz am ehemaligen Schützenplatz verknüpft als zentrales Bindeglied das Quartier mit den angrenzenden Stadträumen und fungiert als Ort der generationsübergreifenden Zusammenkunft. Am südlichen Eingang des Quartiers Ecke Hellweg/Dieselstraße ist eine dreizügige Kindertagesstätte angeordnet.

    Städtebauliche Ergänzungsfläche Märchenland
    Die im östlichen Bereich angrenzende Ergänzungsfläche Märchenland bildet das Bindeglied zwischen den durch Geschosswohnungsbau geprägten Bereichen im Südwesten und den kleinteiligen Einfamilienhausstrukturen im Norden. Die Gebäudehöhen stufen sich von vier auf zwei Vollgeschosse nach Norden ab und fangen so den Maßstabswechsel zwischen den Bereichen auf.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeigt eine stimmige und klare städtebauliche Struktur. Ein Band aus winkelförmigen Baukörpern schafft differenzierte und gut proportionierte Hofsituationen mit klarer Adressbildung. Es stellt eine angemessene Lösung für die Aufgabe nach klarer räumlicher Fassung einerseits und dem Schaffen eines angemessenen Maßes zur städtebaulichen Nachverdichtung dar.

    Ein Kopfbau am Edisonplatz ist gut platziert und logisch mit Sondernutzung für Gruppenwohnen belegt. Die Grünflächen sind stimmig zoniert. Sie bieten funktional und gestalterisch mit Spiel- und Begegnungsflächen ein sinnvolles Angebot für die neue Bewohnerschaft. Die einfache Struktur wird schlüssig in das Areal des Märchenlands fortgeführt. Ein Band aus auch hier winkelförmigen Hoffiguren wird nach Süden linear begleitet und in Richtung der nördlichen Einfamilienhausbebauung kleinteiliger fortgeführt. Dies stellt ein robustes Gerüst für die weitere Entwicklung dar, wobei die Ausrichtung der Baukörper kritisch diskutiert worden ist. Das Motiv der Clusterbildung funktioniert auch für die Blockstrukturen östlich der Dieselstraße in gut gewählter Körnigkeit.

    Der Quartierspark ist in seiner Lage gut gewählt und in seiner Größe gut dimensioniert. Im Bereich des Realisierungsteils B ist die Abtrennung der Blockkanten nicht vollständig nachvollziehbar, wenngleich die Betonung durch einen Hochpunkt begrüßt wird.

    Die Architektur zeigt erprobte Grundrisse und lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten. Die Dichtewerte liegen im mittleren Bereich. Insgesamt wird jedoch die Entwicklung eines ausdruckstarken eigenen Charakters, vor allem hinsichtlich der Fassade, vermisst.