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  • DE-72793 Pfullingen
  • 01/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-240488)

Arbachquartier


  • 2. Preis

    © bogevischs buero

    Architekten
    bogevischs buero, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE)

    Preisgeld
    14.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Das neue Quartier am Südbahnhof in Pfullingen wird in 3 Baufeldern entwickelt, die sich jeweils um einen kleinen Quartierplatz herum konfigurieren. Diese sind als private Quartiersplätze mit öffentlicher Widmung vorgesehen, frei von motorisiertem Individiualverkehr und doch Zentrum der fussläufigen Erschliessung und Ort für informelle Begegungen mit Gemeinschaftsräumen und einem kleinen Cafe bzw. einem kleinen Tagesbedarfversorger.

    Zentrum aller Wege ist der idylische Arbach und seine Ufer.

    Um die zentralen Quartiersplätze lagern sich mäandrierende Gebäude, die jeweils wiederrum private lärmgeschützte Innenhöfe bilden. Die Innenhöfe sind leicht erhöht und bieten private Gärten wie gemeinschaftliches Grün.

    Die Häuser sind jeweils vom Quartiersplatz bzw. den umlaufenden Erschließungsstraßen aus barierefrei erschlossen – alle Häuser erhalten aber auch barrierefreie Ausgänge in die privaten Innenhöfe.

    Die Fahrerschliessung der Baufelder erfolgt von Außen, damit wird der Verkehrslärm aus dem Inneren fern gehalten. Die Rückseiten – zur Bundesstraße hin - werden mit einer Erschliessungsfunktion belegt – Lärm wird zu Lärm positioniert.

    Durch eine geschickte Grundrissanordnung mit durchgesteckten Wohnungen in den 3. bzw. 4.OGs wird ermöglicht, dass die Innenhöfe frei von Erschliessungswegen für die Feuerwehr bleiben können. Der zweite Rettungsweg ist durch Anleiterbarkeit von den Quartiersplätzen oder der Erschliessungsstraße aus gewährleistet, bzw, durch tragbare Steckleitern für die unteren 3 Geschosse.

    Dank einer kompakten Bauweise lassen sich hoch gedämmte Gebäude verwirklichen, die, wenn gewünscht, die gültige ENEV deutlich unterschreiten.

    Alle privaten Freiflächen und schutzwürdige Aufenthaltsräume sind lärmgeschützt orientiert, so, dass die Anforderungen der 16.BImSch. eingehalten werden können.
    In Grenzbereichen werden steuerbare, schallgedämmte Lüftungseinrichtungen als Leibungslüfter vorgeschlagen.

    Mitarbeiter: Karolina Kreutzer, Leonor Mesquita, Johannes Prünte, Max Steigerwald

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Idee der Verfasser, das Quartier in drei Baufeldern jeweils um eine kleine eigene Mitte zu entwickeln sowie die Erschließung konsequent von außen vorzunehmen ist charmant und bietet in der Folge gute Antworten auf die gestellten Fragen.
    Es entsteht ein sehr großer konsequent verkehrsfreier Bereich der demzufolge eine Vielzahl räumlich wahrnehmbar abgestufter Freiraumtypen von hoher Qualität bietet.
    Die Übergänge von öffentlich über halbprivat zu privat sind klar definiert, liegen richtig und ermöglichen die erforderlichen und wünschenswerten Nutzungen en passant.
    Der bestehende Bachbereich wird dadurch gestärkt und zum Rückgrat, ein differenziertes Wegesystem für Fußgänger und Radfahrer nach dem „Diffusions-Prinzip“ bietet die wünschenswerten Streifräume für alle.
    Die mäanderartig angeordneten Baukörper mögen auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, ergeben jedoch spannende und abwechslungsreiche Raumfolgen eigener Qualität. Die angedachten Grundrisse sind durchweg plausibel, folgen einem durchdachten Prinzip und bedürfen nur in wenigen Fällen einer vertieften Betrachtung.
    Fraglich könnte die gewerbliche Nutzung über alle Geschosse im nördlichen Bereich sein, wenngleich sie konzeptionell zunächst nahe liegt.
    Bei einer teilweisen Wohnnutzung entstünde ein Lärmschutz-Problem zum angrenzenden Betrieb.
    Abgesehen davon ist die Lärmschutzthematik durch die Gesamtfiguration gut gelöst, ebenso wie im Übrigen viele andere wichtige Fragen wie Brandschutz, Müllentsorgung, Notzufahrten usw.
    Allerdings werden die großen und überzeugenden Qualitäten teilweise dadurch erreicht, dass wesentliche Kennwerte unter den Mittelwert liegen.
    Klimatisch könnten die Köpfe der Randbebauung eine nähere Betrachtung erfordern.
    Insgesamt bietet der Entwurf eine leichte, geradezu legere Lösung für diesen Ort, die aber in allen Essentials sehr durchdacht ist und eine gute Grundlage für alles Weitere darstellt.