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  • DE-24594 Hohenwestedt, DE-24594 Hohenwestedt
  • 01/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-240984)

Erneuerung Freibad


  • 1. Preis

    © Lehmann Architekten GmbH

    Architekten
    Lehmann Architekten GmbH, Offenburg (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: w+p Landschaften, Berlin (DE), Offenburg (DE), Schiltach (DE)
    TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro Möller + Meyer Gotha GmbH, Gotha (DE), Fürstenfeldbruck (DE), Düsseldorf (DE)

    Preisgeld
    20.350 EUR

    Erläuterungstext
    Analyse und Konzept
    Das in den 60er Jahren erbaute Freibad mit seinen rund 2.000 m² Wasserfläche liegt in einer landschaftlich reizvollen Situation und ist von drei Seiten von einem sehr schönen
    Baumbestand umgeben. Während die im Norden angeordneten Hochbauten sich in einem guten baulichen Zustand befinden, ist die Badeplatte mit dem Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich nicht nur technisch veraltet, sondern entspricht auch in seiner Geometrie und Ausstattung nicht mehr den Ansprüchen an ein zeitgemäßes Freibad.

    Durch den kompletten Rückbau der Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken besteht nun die Möglichkeit, durch eine Neugestaltung der Badelandschaft das Freibad so aufzuwerten, dass nicht nur funktionale und wirtschaftlich-energetische-ökologische Belange erfüllt werden, sondern vor Allem eine Aufenthaltsqualität entsteht, die Erholung in Freizeitatmosphäre vermittelt. So kann eine enorme Steigerung der Attraktivität und Anziehungskraft des Bades am Standort in Hohenwestedt erreicht werden.

    Eingangsbereich - Hochbauten
    Die Hochbauten befinden sich in einem soliden, gepflegten Zustand. Es wird daher vorgeschlagen, die Eingriffe an den Bestandsgebäuden auf ein Minimum zu beschränken. Das sogenannte Funk-tionsgebäude mit geschlechtergetrennten Umkleiden und Sanitärbereichen bleibt in seiner Raumaufteilung weitestgehend erhalten. Die Badeaufsicht wird nun, funktional richtig, exponiert auf der Badeplatte angeordnet, so dass die derzeitig zentral im Gebäude gelegene Badeaufsicht zum barrierefreien Umkleide- und Sanitärbereich, der auch für Familien genutzt werden kann mit zusätzlichem Wickelbereich ausgebaut werden kann.

    Der ruhiger gelegene ehemalige Lagerraum an der Ostseite des Gebäudes wird als Personalraum mit Umkleide /Sanitär sowie Aufenthaltsbereich ausgebaut.

    Anschließend an das Funktionsgebäude werden in einem neuen Gebäudeteil zusätzliche Lagerflächen angeboten. Das vorhandene Vordach wird nach Osten verlängert, so dass der Eingangsbereich des Schwimmbads weiter als formale Einheit erhalten bleibt.

    Das Kassen- und Kioskgebäude wird im Inneren neu organisiert, so dass Kasse und Kiosk eine sinnvolle, einfach zu bewirtschaftende Einheit bilden und sich der Kiosk attraktiver präsentieren kann. Durch Kassenautomaten im Außenzugangsbereich, kann die Personalkapazität effektiver eingesetzt werden. Der Sanitätsraum wird im ruhigeren Randbereich des Gebäudes angeordnet und erhält einen Außenzugang direkt vom vorgelagerten Parkplatz aus. Alle Räume liegen an der Schnittstelle von Innen- zu Außenbereich.

    Badelandschaft
    Das leicht von Nord-Ost nach Süd-West fallende Gelände eröffnet die Chance, dem
    Badbesucher bereits bei seiner Ankunft das vielfältige Angebot an Wasserfläche und
    Attraktionen übersichtlich und funktional richtig in seiner neuen Qualität zu präsentieren.

    Die Gliederung in Nichtschwimmerbecken, Schwimmer mit Springerbecken und den bestehenden Kleinkinderbereich wurde auf einer Badeplatte so konzipiert, dass die Anforderungen an ein Mehrgenerationenbad mit behindertengerechten Verbindungen zu den Becken-anlagen und Liegewiesen optimal erfüllt werden können.

    Die Konfiguration der einzelnen Becken erfüllt, sowohl für die sportliche Nutzung als auch für den Faktor Spaß alle Voraussetzungen, um die entsprechende Außenwirkung auf das Einzugsgebiet zu erzielen. Der bestehende Kleinkinderbereich wird auf selbstverständliche Weise in die neue Badeplatte integriert. Das Nichtschwimmerbecken ist in einen abtrennbaren Kursbereich und einen runden Spaß- und Erholungsbereich gegliedert. Als Attraktionen können hier die aus dem Bestand integrierte Rutsche sowie ein Strömungskanal, Unterwassersitzbänke mit Wirlsprudlern, Massagedüsen und Schwallbrausen angeboten werden.

    Der nunmehr ost-west orientierte Schwimmerbereich beinhaltet zwei 25m Bahnen sowie sechs 50m Bahnen, der barrierefreie Zugang liegt dabei an der Schnittstelle der beiden Bereiche. An das Schwimmerbecken angegliedert, aber abgetrennt liegt das Springerbecken mit nach Norden orientierten 1m Brett und 3m Springplattform.

    Außenanlagen
    Die Topografie des Geländes formt eine bewegte Landschaft, die sich mit der Badeplatte verwebt und somit ein Freibad in natürlicher Umgebung schafft. Räumlich definierte Spiel- und Aktionsbereiche für die jeweiligen Ziel- bzw. Altersgruppen ergänzen das Angebot des Freibads. Die Topografie bietet die Grundlage für die Orientierung und Ausprägung unterschiedlicher Schwerpunkte. Steile Böschungen werden mit langen Sitzelementen ergänzt und bilden eine natürliche Tribüne im Bereich des Schwimmer- und Springerbecken. Die ebenen Flächen auf dem Freibadgelände sind Liegeflächen zum Sonnen und Verweilen. Lockere Tuffs mit Gehölzen bilden geschützte Orte und zeichnen die bestehende Geländemodellierung nach.

    Im direkten Umfeld des Kinder- und Nichtschwimmerbeckens wird das Angebot für die Kinder im Außenbereich ergänzt. Zum einen befinden sich dort der Bereich zum Wippen und Springen und zum anderen entsteht ein Sandbereich zum Buddeln und Spielen. Der Jugendspielbereich wird mit Tischtennisplatten und einem weiteren Beachvolleyballfeld erweitert. Zusätzlich entsteht im Bereich der rückseitigen, bestehenden Bäume entsteht ein Kletter- und Balancierparcours.

    Der bestehende Parkplatz in unmittelbarer Nähe zum Eingang wird um Stellplätze für Mitarbeiter und Behinderte ergänzt. Weitere Stellplätze befinden sich im Bestand westlich des Freibads und werden ebenfalls mit zusätzlichen Stellplätzen erweitert.

    Technische Ausstattung
    Im Technikgebäude im Süden des Freibades können der 2013 eingerichtete Erdgasheizkessel sowie die Filteranlage des Kinderbeckens weiter genutzt werden. Der bauliche Zustand und die Lage des Gebäudes lässt ebenfalls eine Weiternutzung zu. Durch den Einsatz von modernen Nieder-druckfiltern für das Nichtschwimmer- und das Schwimmer- (Springer) becken, muss das Gebäude nicht erweitert werden. Filterbehälter als Niederdruckfilter, zeichnen sich, neben dem geringen Platzbedarf vor allem durch geringe Betriebskosten (Strom, Wasser, Abwasser) aus.

    Über eine neue Zufahrt, kann die Anlieferung der Chemikalien wirtschaftlich gewährleistet werden. Die Behälter für das Schwallwasser werden unter der Badeplatte im Bereich zwischen Nichtschwimmer und Schwimmerbecken angeordnet. Der Zugang zu den Schwallwasserbecken und Pumpen wird in den Aufgang zur Rutsche integriert.

    Die Beckenhydraulik wird im Schwimmer- sowie im Nichtschwimmerbecken als vertikale Reinwassereinströmung über Bodenkanäle als Bestandteil der Edelstahlbeckenkonstruktion, im Springerbereich als horizontale Reinwassereinströmung (Strahlenturbulenz), realisiert.

    Die Schalt- und Steueranlage wird im Technikgebäude als gemeinsame Anlage, unterteilt in Funktionsfelder, automatischer Programmablauf beim Filtern, manuelle Auslösung des Spülvorgangs mit anschließendem automatischen Ablauf des Vorgangs, autarke SPS-Steuerung mit Visualisierung und Datenübertragung auf die GLT, integriert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Anordnung und Einbindung der Becken in den Landschaftsraum und die behutsame Ergänzung der Bestandsgebäude werden begrüßt. Die Gesamtanlage ist gestalterisch und funktional überzeugend und ortsangemessen. Die gewählten technischen und betrieblichen Parameter sind gut umsetzbar.
    Bemängelt wird das Fehlen einer differenzierteren Freiraumgestaltung. Der halbkreisförmige Kinderspielbereich und die Anordnung der Beachvolleyballfelder sowie das Fehlen von schattenspendenen Gewächsen oder Objekten werden kritisiert.
    Eine weitgehende Barrierefreiheit ist grundsätzlich möglich. Die Grünfläche zwischen Umkleidegebäude und Nichtschwimmerbecken als reine Abstandsfläche wird bemängelt. Die Lage des Aufsichtsturmes für den Schwimmmeister ist richtig, kann jedoch funktional nicht ganz überzeugen. Der Aufwand für die bauliche Umsetzung sowie der Nutzwert und die Wirtschaftlichkeit im Betrieb und Unterhalt liegen im günstigen Bereich.