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  • CH-8041 Zürich, CH-8021 Zürich
  • 02/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-229075)

Neubau Schulhaus Allmend/ Passerelle Haspelsteg


  • 1. Rang 1. Preis


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    Architekten
    Studio Burkhardt, Zürich (CH)

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauphysiker, Brandschutzplaner, Tragwerksplaner: PIRMIN JUNG, Rain (CH), Sinzig (DE), Thun (CH), Sargans (CH)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der lange Rechteck-Kubus ist höher als breit. Dies verleiht dem kompakten, elegant wirkenden Gebäude eine wohltuende Schlankheit und ermöglicht viel Freifläche auf Erdgeschossniveau.
    In der Verlängerung des Maneggplatzes ist der schmale Körper an die Baulinie geschoben, sodass ostseitig eine spannende Gasse und westseitig ein grosszügiger baumbestandener Pausenplatz dem Quartier Mehrwert bieten. Das Schulhaus und der Haspelstegzugang erhalten durch den vorgelagerten, öffentlich nutzbaren Obstgarten eine über die Gleise erkennbaren, identitätsstiftenden Auftakt.
    Unverkennbar und für die Eleganz des schlanken Gebäudekörpers unverzichtbar thront zu oberst der Allwetterplatz als riesige, filigran eingezäunte und transluszent überdachte Terrasse – eine 90 Meter lange Pergola. Ballfang und Photovoltaikdach stellen die funktional notwendige fünfseitige Umzäunung des Allwetterplatzes, also einen technischen Dachaufbau dar. Dessen Rand wird gekonnt mit einer umlaufenden Blende bekleidet und damit den gestalterischen Anforderungen gerecht. Zwei Treppenzylinder markieren die äusseren Zugänge zum Allwetterplatz, der ostseitige steht jedoch über der Baulinie und ist so nicht möglich.
    Unverkennbar ist auch die Erdgeschossauszeichnung mit girlandenförmigen Marmor-Blend-Schürzen. Es sind interessante Elemente, allerdings wirkt die Folge von Eingängen und Girlanden ambivalent. Das Gebäude wird mit vorvergrautem Holz eingekleidet. Der äussere Gebäudeausdruck sollte sich stärker von den umliegenden Bauten differenzieren und aus der inneren Raumqualität entwickelt sein.
    Die Gebäudeorganisation besticht durch einen selbstverständlich wirkenden, klug entwickelten Pragmatismus: Zwei Treppenhäuser mit Eingängen von Osten und Westen erschliessen und zonieren das Gebäude in zwei Kopfbereiche und einen Mittelbereich. Alle Nutzungen sind von diesen Treppenhäusern direkt zugänglich und können einzeln abgetrennt und genutzt werden. Die Schule ist im ersten und zweiten Obergeschoss angeordnet. An beiden Gebäudeköpfen finden sich Clusters mit Klassenzimmern auf der Westseite und Gruppenräumen auf der Ostseite, dazwischen der multifunktionale Korridor. Erstaunlich, wie selbstverständlich die Clusterorganisation im schmalen Baukörper Platz findet.
    Die Kindergärtler kommen auf kurzem Weg zu ihren ebenerdigen Räumen im sonnigen Süden des Schulhauses, unmittelbar neben ihren Aussenplätzen auf dem Schulhof.
    Zwischen den Treppenhäusern, auf der Höhe des Allwetterplatzes, finden sich der Gymnastikraum, im zweiten Obergeschoss Lehrerzimmer und Spezialräume, im ersten Obergeschoss Bibliothek und musikalische Früherziehung und im Erdgeschoss Mensa und Mehrzwecksaal. Die Turnhalle mit Garderoben liegt im nördlichen Kopf des Untergeschosses. Ein effizienter Rohbau trägt das Gebäude. Untergeschoss und beide Treppenhäuser werden zuerst in Ortbeton erstellt.
    Danach können die vorfabrizierte Holzkonstruktion rasch aufgebaut und der Überbeton eingebracht werden. Hohe Räume, grosszügige Verglasungen, die geringe Gebäudetiefe und helle Holzoberflächen ermöglichen gut belichtete Räume mit grosser Aufenthaltsqualität. Der kompakte Kubus mit der grossflächigen Photovoltaikanlage auf dem Dach und die ausgeklügelte und doch einfache Haustechnik ergeben ein energieeffizientes Gebäude. Die modulare Struktur bietet – wenn Nutzungsanforderungen ändern – grosse Flexibilität. Das Gebäude weist auch gute ökonomische und ökologische Werte auf.
    Wie die Schulhaustragstruktur ist auch der Haspelsteg als vorfabrizierte Holzkonstruktion entwickelt. Die Bereiche über der Sihltalbahn und der Allmendstrasse können in kurzer Zeit eingehoben, der Holzschutz nach modernen Grundsätzen ergänzt werden.
    Die Schulanlage unterscheidet sich als nur dreigeschossiger, schmaler Baukörper mit krönender Dachpergola wohltuend und einprägsam von den umliegenden Gebäuden von «Greencity». Es ist vom Maneggplatz und vom Haspelsteg aus gut sicht- und erreichbar und ermöglicht einen grosszügigen, auch fürs Quartier nutzbaren Schulhof auf Erdgeschossniveau. Gut belichtete, warme Räume prägen das Innere.
    Schulhaus und Haspelsteg sind konstruktiv sehr sorgfältig ausgearbeitet. Es entsteht eine aussergewöhnliche Schulanlage, die den besonderen Ansprüchen überraschend gut Rechnung trägt. Trotz der einfachen Figur bildet der Baukörper Aussenräume von hervorragender Qualität. Es entsteht eine stadträumliche Vielfalt und dennoch ist das einfache, industriell fertigbare Bauwerk fest und verbindlich im Gefüge des neuen Stadtquartiers eingefügt. Ein gesamtheitlich gelungenes Werk.


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