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  • 1. Preis

    © terra.nova Landschaftsarchitektur

    Landschaftsarchitekten
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Yvonne Baur, Theresa Bartl, Maria Menzinger

    In Zusammenarbeit mit:
    Künstler: Cornelia Rapp, Denklingen (DE)

    Preisgeld
    9.400 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Bleiche wird als einheitlicher, landschaftlich geprägter Raum begriffen und mit wenigen, behutsamen Eingriffen in ihrem Charakter gestärkt, was sehr positiv bewertet wird. Im Einzelnen sind dies die Freistellung des Inselspitzes, die Verlagerung der Wege nach außen mit der Schaffung von punktuellen Zugängen zum Wasser, die Auslichtung der Uferbereiche und die zusammenhängend nutzbare Wiesenfläche, die eine große Qualität darstellt. Der Zugang von Westen erfolgt über einen neuen, barrierefreien Steg. Der vorgeschlagene Standort für die befahrbare Brücke nah am Mühlengebäude wird aufgrund der Höhensituation hinterfragt. Dagegen ist die Integration des Friedensdenkmals in den Park sehr gut gelungen. Durch die Beseitigung der äußeren Flügelmauern wird die momentane Barrierewirkung des Denkmals aufgehoben, die ursprüngliche Gestalt des Denkmals bleibt aber nach-vollziehbar. In Abwandlung der Bestandssituation wird ein neuer, etwas kleinerer aber gut proportionierter Vorplatz formuliert, der dem Denkmal auf selbstverständliche Art eine besondere Stellung innerhalb der umgebenden wassergebundenen Fläche gibt. Mit dem vorgeschlagenen, lockeren Kirschhain wird der Bereich gleichzeitig akzentuiert und in den Grünbestand eingebunden. Die rückwärtige Fassade des Denkmals bildet damit nicht mehr die Begrenzung der Wiese. Der Hain ist eine elegante Lösung dieses Problems und ein qualitätsvoller Aufenthaltsbereich.

    Das zentrale Denkmalgebäude wird erhalten, die begleitenden äußeren Mauerscheiben werden abgebrochen. Der Vorplatz wird auf ein angemessenes Maß verkleinert und mit niedrigen Mauern eingefasst. Ein trapezförmiger farbiger Glaskörper wird durch das Gebäude geschoben und ermöglicht den Besuchern den Durchgang durch das Denkmal. Der Innenraum wird zeitgenössisch mit einem Glasband, auf dem die Fotos der Gefallenen aufgebracht werden, neu gestaltet. Zu den zu erhaltenden Objekten und Fotos im Inneren des Tempelgebäudes werden keine Aussagen gemacht. Die Bronzetafeln an den Mauerscheiben werden an Ort und Stelle erhalten. Im gesamten Erscheinungsbild zeigt sich eine würdige, der heutigen Zeit angemessene Neuformulierung des Kriegerdenkmals. Für die vorgesehene Entfernung des Schwursymbols über dem Portal fehlt eine schlüssige Erklärung.

    Der Entwurf arbeitet mit verhältnismäßig wenigen Eingriffen in das Denkmal und verändert doch in hohem Maße die Wahrnehmung desselben. Die äußeren Wände des Denkmals entfallen, der umgebende Platzraum wird entsprechend verkleinert und wirkt kompakt. Durch die Neugestaltung des Hains wird das Denkmal ohne Axialität ganz natürlich in den Park eingebunden und verliert dadurch sowie durch die Verkleinerung seiner Dimension die ursprüngliche Dominanz. Es erinnert nun an eine Grabanlage in einem Waldfriedhof. Die neue Innengestaltung mit farbigen Glasplatten und Texten erlaubt eine neue räumliche Wahrnehmung und macht aus dem sozusagen "heiligen Raum“ einen pädagogischen Gedenkraum. Die Arbeit besticht durch die wohlüberlegten, minimalen Eingriffe, die eine neue Wahrnehmung ermöglichen.


INFO-BOX

Angelegt am 08.02.2017, 11:38
Zuletzt aktualisiert 30.03.2017, 12:11
Beitrags-ID 4-135339
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