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  • DE Memmingen
  • 01/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-7641)

"Weinmarkt" in der Altstadt von Memmingen


  • 1. Preis

    Schemata

    Landschaftsarchitekten
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Ludwig Schegk, Landschaftsarchitekt BDLA Mitarbeit: Stephan Gentz, Landschaftsarchitekt

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: architekturbüro ost, Memmingen (DE)

    Erläuterungstext
    städtebau

    Der homogene Stadtboden stellt die räumliche Einheit des Raumgefüges aus Weinmarkt und Rossmarkt wieder her. Die räumliche Qualität dieses zentralen Stadtraumes wird wieder erlebbar und die Stellung des Platzes im Stadtgrundriss herausgestellt.
    Künftig wird der Weinmarkt als ungeteilter Raum für alle Nutzer gleichermaßen zur Verfügung stehen. Bisherige Nutzungen bleiben weitestgehend erhalten.
    Durch Reduzierung des ruhenden Verkehrs werden wertvolle Flächen für weitere, neue Nutzungen frei. Deren Vielfalt trägt maßgeblich zur Wiederbelebung des Quartiers und der ganzen Altstadt bei. Die bisherige Verkehrsschneise fügt sich künftig wieder in den Gesamtkontext der herausragenden Platzabfolge der Altstadt mit Marktplatz und Fußgängerzone ein.


    verkehr

    Weinmarkt und Rossmarkt werden als verkehrsberuhigter Bereich mit 7 km/h ausgewiesen, um sie so konsequent in den Kernbereich der Altstadt zu integrieren. Somit kann auf Ausweisung einer Fahrbahn verzichtet werden und die gewollte gestalterische Einheit konsequent erreicht werden. Entwässerungslinien dienen der Orientierung der Autofahrer. Die einseitig angeordneten Schrägparker-Stellplätze können jeweils von Osten kommend (Weinmarkt) bzw. von Westen (Rossmarkt) bequem angefahren werden. So wird der Parksuchverkehr eingeschränkt und der Weinmarkt entlastet. Dazu dient auch die bevorrechtigte Ausfahrt aus dem Weinmarkt Richtung Rossmarkt. Radler und Fußgänger bewegen sich ungehindert über die gesamte Fläche. Ihnen sind auch alle Möglichkeiten für ungehinderte Querungen der Flächen gegeben.
    Stadt-Busse durchfahren den umgestalteten Bereich ungehindert.


    gestaltung

    Der Belag aus gut begeh- und befahrbaren, mittelformatigem Natursteinpflaster - verlegt in richtungslosem Verband - erzeugt Geschlossenheit in der baulichen Vielfalt einerseits und hohe Anpassung andererseits. Die Traufen der angrenzenden Häuser werden mit einem Streifen aus Platten belegt und definieren so einen schmalen Übergangsbereich der Gebäude zum öffentlichen Raum. Diese gestalterischen Mittel nehmen Bezug auf vorhandene Gestaltung in der Stadt und weisen den Weg zu einem einheitlichen Gestaltbild des Stadtbodens. Daraus und aus dem Verzicht auf spektakuläre Installationen oder aufwändige Möblierung ergibt sich eine insgesamt wirtschaftlich gute Realisierbarkeit.


    wasser
    Mit der Wiedererrichtung eines Brunnens wird die Einbindung in eine Abfolge von Brunnenplätzen in der Altstadt erreicht und zugleich die Attraktivität des öffentlichen Raumes erhöht. Am Rossmarkt wird mit der verbesserten Erlebbarkeit des Stadtbaches das zentrale Wasserelement der Altstadt betont.


    grün
    Der Charakter der historischen steinernen (Alt-)Stadt wird durch behutsame Baumpflanzung an wenigen Punkten noch betont und aufgewertet. So auch durch das Baumkarree am westlichen Weinmarkt, das einen Raum zum Verweilen bietet. Die Öffnung und Ordnung des Gartens am Fuggerbau macht ihn nutz- und erlebbar. Durch ein Baumtor am westlichen Ende des Schweizerbergs erfährt die Altstadt hier ihre räumliche Definition.


    bauten
    Die Öffnung der Arkaden am Durchlass zum Rossmarkt und die gestalterische Aufweitung des gegenüberliegenden Durchganges am Bach werten diesen städtebaulich sehr sensiblen Punkt sowohl funktional wie auch gestalterisch auf, ohne die stadträumliche Qualität dieser Engstelle zu schmälern.
    Eine Überdachung für die einwärts fahrenden Busse bietet die Möglichkeit, Funktionen wie Warten, Radl abstellen, Schließfach etc. hier zu bündeln. Für Fahrgäste Richtung Bahnhof bietet die neu mit Glas überdachte Passage Gelegenheit zum ‚aktiven’ Unterstellen mit ‚window-shopping’.

    licht
    Die bestehende Beleuchtung der Strassen und Plätze wird fortgesetzt, mit Mastleuchten für die auch befahrbaren Flächen, ansonsten mit Wandleuchten.



    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die historischen Stadträume Memmingens stehen im Zentrum dieses Entwurfs, sie werden unterstrichen und gefördert. Alle eingesetzten Mittel ordnen sich unter, dienen der Platzfolge Weinmarkt – Rossmarkt in Material und Zurückhaltung, setzen alle Karten auf die starke städtebauliche Struktur. Dafür wird auf äußerste Sparsamkeit der Mittel gesetzt, allein die hohe Qualität des neuen Stadtbodens (Pflaster und Platten im Randbereich aus Granit) zeugt von einem gewissen – allerdings äußerst nachhaltigen – qualitativen Luxus. Auch die Details zeigen diese Haltung: Hohe Qualität, gutes Material, funktional praktisch, keine modischen Spielchen. Ein Laie würde glauben, so hätten Weinmarkt und Rossmarkt schon immer ausgesehen, zumal die Verwandtschaft zu den Gestaltungsmitteln auf dem Markplatz gesucht wird.

    Ob bis zu den Lampen und Brunnen etc. hin diese Haltung durch historisierende Elemente unterstrichen muss? Die neutrale vornehme Zurückhaltung könnte auch auf die Ausstattungselemente ausgedehnt werden.
    Sparsam eingesetzte Stadtbäume an plausiblen Orten unterstützen den ruhigen unaufgeregten Charakter. Auch der Fuggergarten wird im Sinne des Entwurfs zu einem öffentlichen Ort. Grundsätzlich sieht das Preisgericht jedoch nicht die Notwendigkeit, die Mauern des Gartens zu schleifen. Der Garten sollte dem Fuggerbau eindeutig zugeordnet bleiben.

    Die Zonierung der Platzfolge bis zum Fuß des Schweizerberges ergibt sich selbstverständlich, ab hier gilt Tempo 20 und die Straße tritt in Erscheinung. Dennoch ist die gestalterische Einheit das oberste Ziel, dies wird plausibel vorgetragen. Funktionale Prägungen finden nicht statt. Es ist die Aufgabe der Stadtgesellschaft, ihre Räume zu bespielen. In ihrer Neutralität bieten diese neuen, alten Plätze dafür eine Bühne. Dieser Entwurf versteht sich nicht als eigener Darsteller. Das ist ihm hoch anzurechnen.