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  • DE-42281 Wuppertal, DE-42281 Wuppertal
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-217474)

Neubau Bürogebäude – Wuppertaler Stadtwerke (WSW)


  • Anerkennung

    © HASCHER JEHLE Architektur

    Architekten
    HASCHER JEHLE Architektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Rainer Hascher , Prof. Sebastian Jehle

    Mitarbeit
    Fleur Keller, Heinrich Heidelmann, Judith Nöckel

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: wh-p Ingenieure, Stuttgart (DE), Basel (CH), Berlin (DE)

    Preisgeld
    5.714 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU UND FREIRAUM

    Die sehr heterogene städtebauliche Struktur des Quartiers entlang der Carnaper und der Bromberger Straße weist ganz unterschiedliche typologische Grundfiguren auf. Ein städtebauliches Leitbild ist nicht vorhanden und den einzig wahrnehmbaren Punkt bildet das rückzubauende Zwillingsgebäude der WSW.
    Daher geht die Suche nach einer geeigneten Bauform für den Verwaltungsneubau der Wuppertaler Stadtwerke mit der Suche nach einer identitätstiftenden und städtebaulich ordnenden, quartiersprägenden Setzung einher.
    Ziel des städtebaulichen Entwurfes ist es, mit dem U-förmigen Neubau, der in der Höhe elegant gestaffelt ist, einerseits die städtebaulich wichtige Eingangssituation zur Wuppertaler Innenstadt prägnant zu besetzen und zu fassen. Andererseits soll mit dem bewußt zum Betriebsgelände sich öffnenden Neubau ein attraktiver Freiraum etabliert und freiräumlich gestaltet werden, der die Büroräume durch den Blick ins Grüne aufwertet und zum attraktiven Aufenthaltsangebot für die WSW-Mitarbeiter am Standort wird.
    Die ausgedehnte Liegenschaft mit all ihren verschiedenen Bauten erfährt mit dem neuen Signet einen dominanten Auftakt an der Carpaner/Bromberger Straße. Gleichzeitig signalisiert der Neubau mit seiner ruhigen, klaren Großform einen eigenen ídentitätsstiftenden Charakter, Offenheit sowie Transparenz und wird zur neuen, klar ablesbaren Adresse für die Wuppertaler Stadtwerke.
    Der Entwurf beinhaltet durch seine Kompaktheit und städtische Dichte auch eine optimale Ausnutzung des Grundstücks. Die hohe Anzahl der erreichten Büroflächen und der möglichen Arbeitsplätze sprichtdabei für sich, wobei die Anzahl nicht auf Kosten der Qualität, sondern durch eine geschickte Gliederung der Baumassen, ein hocheffizientes Erschließungssystem und einer optimalen Ausnutzung der gut belichtbaren Gebäudeflächen auch im EG erreicht wurde.
    Die Klarheit der Entwurfsstruktur spiegelt sich so auch in den günstigen Kenndaten wider. Die nahezu durchgängige Riegelbreite von ca. 13,80m ermöglicht dabei unterschiedliche Büromöblierungen und Nutzungsvarianten, so dass mit dem Entwurf eine hochflexible Gebäudestruktur gegeben ist, die auf unterschiedlichste Anforderungen in hervorragender Weise reagieren kann.
    Der Innenhof lädt zum Verweilen ein. In den locker verteilten Rasenflächen stehen geschickt platziert Bäume (Acer japonicum, Acer palmatum), die mit ihrem zierlichen und eher schirmartigen Wuchs und durch ihr filigranes Blattwerk eine besondere Aufenthaltsqualität schaffen. Die Organisation des motorisierten Verkehrs ist gleichermaßen klar strukturiert. Die Zufahrt auf das WSW-Gelände erfolgt von der Bromberger Straße östlich des Neubaus. Von dort werden die dezentral auf dem Areal angeordneten PKW-Stellflächen erreicht. Zugunsten der wirtschaftlichen Umsetzung werden bewußt keine unterirdischen Stellplätze angeboten. Die Anlieferung des Neubaus erfolgt über die Ost-West verlaufende zentrale Erschließungsachse in der Ebene 1 und versorgt insbesondere die Kantine über den direkt zugeordneten Aufzug auf direktestem Weg.

    NUTZUNGEN

    Der Haupteingang orientiert sich gleichermaßen zu den beiden wichtigen Seiten, der Carpaner und der Bromberger Straße und lädt mit transparenter Geste in das übersichtliche, freundliche und lichte Foyer ein. Große Oberlichtkuppeln über dem Foyer sorgen zusätzlich für sehr gute Tageslichtverhältnisse auch in den tiefen Raumzonen. Die freien Durchblicke ermöglichen bereits beim Betreten des Gebäudes die schnelle Orientierung. Die zusammenhängende Foyerzone wird über eine großzügige Freitreppe bis in die Ebene 1 geführt und ermöglicht dort den Zugang vom Betriebsgelände kommend. Gleichzeitig ermöglicht das zentrale Foyer, die Erreichbarkeit aller Vertikalpunkte und somit Zugänge in die Büros auf kürzestem Weg ohne Durchkreuzen von anderen Bereichen.
    Flankierend schließen an den Foyerraum die Konferenz-, Café- und Kantinenbereiche an und ermöglichen so die selbstverständliche Verknüpfung der Bereiche zu einem hochattraktiven Eventbereich mit einer großen Bandbreite an Bespielungsvarianten. Auch der attraktive Innenhof kann in den Sommermonaten dafür hervorragend genutzt werden.
    Die Kantine orientiert sich mit ihrem Sitzbereichen zu dem grünen Freibereich und bildet mit ihrer hohen Flexibilität bezüglich unterschiedlicher Bestuhlungsformen den attraktiven Hintergrund für erholsame Pausen oder auch Veranstaltungen. Die Küchenkonzeption ist auf ein differenziertes Gastronomieangebot hin entwickelt, die Verteilung und Anordnung der unterschiedlichen Bereiche ist klar gegliedert und auf die hohe Funktionstüchtigkeit und den reibungslosen Ablauf hin optimiert.
    Die Außenterrasse wird zum zusätzlichen Angebot für eine Mittagspause im Freien oder auch für dieAufstellung einer Grillstation.
    Die Cafébar liegt als eigener Bereich im direkten räumlichen Zusammenhang zur Kantine und zum Konferenzbereich und dient somit nicht nur als Pausenbereich, sondern auch für die Bewirtung der angrenzenden Konferenz.

    BÜROSTRUKTUR

    Die Obergeschosse sind ganz unter der Prämisse eines zeitgemäßen, flexiblen und kommunikationsfördernden Bürokonzeptes entwickelt und richten sich exakt nach den Vorgaben zu den Organisationseinheiten der WSW. Die 400qm großen Nutzungseinheiten haben eine Regelbreite von 13,80m (i.Li.), so dass alle gewünschten Büroformen (Einzelbüros, offene Arbeitsplätze und modulare Kommunikationseinheiten/ open space Flächen) sehr gut und flexibel möglich sind. Das 5. Obergeschoss staffelt sich gegenüber dem Straßenraum zurück und ist mit 11,80m etwas schmaler und für die genannten Büroformen ebenfalls gut möblierbar.
    Besonderer Wert wurde auf die Flexibilität der Nutzungseinheiten gelegt. Die Erschließung jeder Nutzungseinheit erfolgt über Treppen- und Aufzugskerne, die so zwischen den Einheiten angeordnet sind, dass die Nutzungsbereiche ungestört als offenes Raumkontinuum bleiben. Den Erschließungskernen werden bei Bedarf jeweils Sonderbereiche, wie Besprechung, Cafe-Bar oder Kommunikationszonen zugeordnet, die bei getrennten Einheiten von beiden Seiten genutzt werden können. Die Sanitärbereiche
    sind ebenfalls an die Schnittstelle der Nutzungseinheiten gelegt. Das fließende Raumkonzept ermöglicht so ein freies Kombinieren und selbstverständliches Koppeln der Flächen mit maximaler Flexibilität und Variabilität.

    FASSADE UND MATERIALIEN

    Das gestalterische Prinzip und der architektonische Ausdruck des Baukörper und der Fassaden beruhen nicht auf der Wirkung des Einsatzes teurer Materialien oder Oberflächen, sondern auf der Kombination natürlicher, umweltverträglicher und unbehandelter Baustoffe. Der Neubau erhält eine moderne Klinkerfassade mit großzügigen transparenten Lochfenstern. In Kombination mit den eingesetzten, metallverkleideten Flächen erhält die Fassade eine Lebendigkeit, die sich je nach Standort und Betrachtungswinkel ändert, sie gegenüber der Eindimensionalität einer reinen Lochfassade abhebt und den Straßenraum in ruhigem Rhythmus gliedert.
    Die Bürogeschosse verfügen über eine wirtschaftliche und funktionale Fassade mit massiven Brüstungen und Wandbereichen sowie einem moderaten Verglasungsanteil von unter 45%, der als Optimum zwischen Tageslichtnutzung und Wärmeeintrag/-verlust gewertet wird. Sämtliche Büros erhalten einen außenliegenden, hocheffizienten Sonnenschutz als Alu-Raffstore mit Lichtlenkfunktion im oberen Drittel, so dass auch bei geschlossenem Sonnenschutz günstige Tageslichtverhältnisse erreicht werden. Für die
    Räume wird, wo funktional erforderlich, ein innenliegender Blendschutz vorgesehen.
    Aufbauend auf dem Rastermaß von 1,35m ist auch die Fassade gegliedert. Öffenbare Fenster ermöglichen eine individuelle, natürliche Lüftung für jeden Raum.
    Vor die geschlossenen Wandbereiche und der sehr guten Dämmschicht wird in den Obergeschossen eine hinterlüftete Wetterschale aus dunkel rötlichem gebrannten Torfbrandklinkern gesetzt. Mit Klinker wird ein natürliches Material (Ton) vorgeschlagen, das eine hohe gestalterische und haptische Qualität sowie eine Langlebigkeit bei geringem Pflegeaufwand bietet. Im Erdgeschoss vor den Sonderbereichen werden raumhohe Verglasungen im Wechsel mit opaken Elementen vorgeschlagen.
    Die Fassadengestaltung entspricht den ästhetischen Anforderungen der städtebaulichen Situation und der Werthaltigkeit einer eigengenutzten Immobilie. Zeitgemäße Fassadentechnologie hilft dabei die Brücke zwischen technischem Anspruch und Wirtschaftlichkeit zu schlagen.

    KONSTRUKTION UND WIRTSCHAFTLICHKEIT

    Die kompakte und einfache Bauweise, auf der Grundlage eines durchgängigen Rasters von 5,40 x 5,50 bzw. 5,80 m mit StB-Stützen bzw. Wänden kombiniert mit Flachdecken und aussteifenden Kernen gewährleistet schnellen Baufortschritt und niedrige Kosten. Massive thermoaktive Decken, und die Wandscheiben der Kerne dienen als Speichermasse und verbessern das Innenklima. Die vertikalen Erschließungskerne werden auch für die vertikale Medienversorgung vorgesehen. Die horizontale Medienverteilung erfolgt über den flächig vorgesehenen Hohlraumboden und teilweise abgehängte Deckenbereiche.
    Die geometrisch klare und einfache Abwicklung der Fassaden sowie die kompakte Bauform, die zu einer Minimierung der Hüllflächen mit einem sehr günstigen A/V-Verhältnis führt, stellen die Grundlage einer wirtschaftlichen Erstellung und Unterhaltung der Fassaden und Gebäude dar. Das hocheffiziente Erschließungskonzept trägt zudem zu einem sehr wirtschaftlichen BGF/NF Verhältnis von 1,34 bei.
    Dadurch, dass der Realisierungsteil im westlichen Teil des Planungsgebietes und mit großem Abstand zu den bisherigen Verwaltungstürmen positioniert ist, kann der Neubau bei laufendem Betrieb errichtet und die Bestandsgebäude problemlos nach Bezug des Neubaus rückgebaut werden.

    ENERGIE UND NACHHALTIGKEIT

    Das gebäudetechnische Konzept geht von der Maxime der Behaglichkeit durch mögliche, natürliche Gebäudekonditionierung in Bezug auf Temperatur, Luft und Licht aus. Die individuelle Einflussnahme des Nutzers auf die Raumkonditionen wird auch aus Gründen der Akzeptanz als sehr wichtiges Planungsziel verfolgt. Der Entwurf geht daher neben der mechanischen Be-/Entlüftung von einer natürlichen Lüftung aller Büroräume mit Öffnungsflügeln in der Fassade aus. Die Lüftung wird jeweils mittig in den Bürobereichen
    in Deckenkoffern geführt, so dass jegliche Ausbauvarianten (Zelle, Kombi, open space) möglich sind.
    Die natürliche Belichtung der Büroräume wird über Fenster für jeden Raum optimal gewährleistet. Innenliegende Blendschutzscreens sorgen dabei für geeignete Lichtverhältnisse am Bildschirmarbeitsplatz.
    Zur Reduzierung der Kunstlichteinschaltzeiten sollten im weiteren Planungsverlauf die Wirtschaftlichkeit von Lichtlenksystemen im oberen Fensterbereich untersucht werden.
    Ein möglichst konstantes Raumklima wird durch die massiven Speichermassen begünstigt. Die inneren Lasten, sowie die solaren Energieeinträge in sommerlichen Hitzeperioden führen jedoch zu Temperaturen, die ohne weitere Maßnahmen nicht abführbar sind. Der Entwurf schlägt daher eine Bauteilkühlung vor, bei der die Decken mit kaltem Wasser in einem Rohrsystem gekühlt werden. Im Winterfall wird das gleiche Rohrsystem zur Beheizung genutzt. Dieses System bietet in Bezug auf Investitions- und Betriebskosten zur erzielten Wirkung ein sehr günstiges Verhältnis und ist ohne komplizierte Technik beherrschbar.
    Ergänzt wird dies mit Heiz-/Kühlsegeln mit akustisch wirksamer Oberfläche als individuell steuerbares und schnell reagierendes Element.
    Um die benötigte Energie zur Versorgung des Neubaus auf ein entsprechend niedriges Niveau zu senken, kommen verschiedene Maßnahmen zum Einsatz:
    • LED-Beleuchtung
    • Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) - Fernwärme
    • Niedertemperaturheizung/ Kühlung
    • Wärmerückgewinnung (WRG) der Lüftungsanlagen
    • Solarthermie / Photovoltaik
    Der vorliegende Entwurf erreicht so die definierten Ziele und ermöglicht die Einhaltung der ENEV 2016 bei hoher Betriebssicherheit und Flexibilität.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.