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  • DE-50171 Kerpen, DE-50171 Kerpen
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-245259)

Zukunftsensemble Schloss Türnich


  • 1. Rang 1. Preis

    Perspektive Schlossinsel/Rosendamm, © SINAI/Machleidt/winkelmüller.architekten

    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Benjamin Wille , Carsten Maerz , Steffen Wörsdörfer , Ilja Haub

    Mitarbeit
    Lasse Schmalfuß, Carolin Arand

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)
    Architekten: winkelmüller.architekten gmbh, Berlin (DE)
    Visualisierer: werk3 architekturvisualisierungen, berlin (DE)

    Preisgeld
    24.000 EUR

    Erläuterungstext
    Schlossgut Türnich | Das Panta rhei Projekt

    Alles fließt: Viel gesehen hat die Landschaft längs der Erft: Uraltes europäisches Kulturland, geschunden von der Kohlewirtschaft, rekultiviert und nun bereit zu einem Zukunftslabor für eine neue, auf Harmonie ausgelegte Kulturlandschaft zu werden.
    Die Dinge zum Fließen bringen: Ein Masterplan für das Landschafts-Projekt Türnich muss die Rahmenbedingungen schaffen für eine Landwirtschaft der Zukunft, in der die Stoffwandlungen, Energieströme und fließenden Prozesse zu ineinander greifenden Kreislaufsystemen verflochten sind. Über die stofflichen Anforderungen hinaus muss dieser Masterplan aber auch Bilder wahren und schaffen, die Türnich in seinem Ort und seiner Geschichtlichkeit verweben und darin zu einem kulturell authentischen aber auch emotional anziehenden Ort machen. Im Idealfall wird den meisten Besuchern Schloss Türnich als paradiesische Symbiose einer Welt im stetigen Wandel zwischen gestern und morgen erscheinen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf greift die Organisation von Stoffkreisläufen auf, bietet aber auch eine klare räumliche Neustrukturierung der Gesamtanlage. Besonders überzeugend ist der Vorschlag am Lindentor einen bis zur ehemaligen Schule reichenden Quartiersplatz einzurichten. Der Platz setzt das ehemalige Rathaus und andere Gebäude gut in Szene und bringt die Lindenallee als Entree zum Schloss sehr gut zur Wirkung. Umstritten ist die Fortführung des Landschaftsgartens auch auf die Parkerweiterungsfläche. Einerseits wird darin eine gewisse, geschichtsklitternde Einfallslosigkeit gesehen, andererseits wird dies als ein souveränes, eingefahrene Handlungsmuster überwindende Maßnahme verstanden, um die Lindenallee – als wertgebendes Landschaftselement – weiter zu betonen und insgesamt einen ruhigen, lesbaren Übergang von der Ortsbebauung über den Landschaftspark zur landwirtschaftlich genutzten Erftaue zu schaffen.
    In der Erftaue wird die Doppelhecken-Obst-Plantagen-Struktur aufgenommen, aber in größere, besser bewirtschaftbare Einheiten, überführt. Weideartige „Passagen“ gliedern die Nutzflächen und verbinden in Nord-Südrichtung Türnich und die Erft. Ein interessanter Wechsel von linear strukturierten Nutzflächen und locker baumbestandenen Passagen entsteht.
    Für das Bauprogramm bietet der Entwurf eine eigenständige und angemessene Lösung. Im Mühlenhof wird die Baumasse im Westen konzentriert. Zum Französichen Garten wird eingeschossig gearbeitet (Hofladen), was sowohl dem Relikt-Fachwerkbau als auch dem Garten gerecht wird.
    Jedoch wird die Errichtung eines Wohngebäudes im Französischen Garten (Orangerie) aus Sicht des Denkmalschutzes kritisch bewertet.
    Die übrige geforderte Baumasse wird jenseits der Nussbaumallee konzentriert, was eine städtebauliche gelungene Eck- und Übergangssituation in die Landschaft erzeugt. Auch die Errichtung des Betriebshofes abgesetzt am Nordrand des Geländes wird als gelungener Vorschlag bewertet, da so ein charaktervoller Ortsrand entsteht als auch das Parken integriert werden kann.
    Die vorgeschlagene Bebauung für die Parkerweiterung erscheint auf den ersten Blick konventionell, bildet aber mit dem Stichstraßensystem eine gute städtebauliche Einbindung und kann durchaus mit innovativen Programmen (Wohnen und Arbeiten, Wohnen und Gärtnern) gefüllt werden.
    Das Wegesystem folgt den Passagen und definiert auch die Nutzflächen als Park, wird aber auch als überzogen kritisiert, was insbesondere für die Querung des Hirschparks gilt. Teile der Jury halten die dort vorgeschlagene Holzsteglösung allerdings für sinnvoll.
    Die Binnengliederung der Gräfte sowie die zusätzlichen Brückenschläge werden seitens des Denkmalschutzes abgelehnt. Durch die neue Wegeführung erfolgt aus Sicht des Denkmalschutzes ein erheblicher Eingriff in den kulturlandwirtschaftlich geprägten Raum. Die Vollendung des englischen Landschaftsgartens entspricht nicht der denkmalpflegerischen Zielsetzung.
    Insgesamt legt der/die Verfasser/-in einen gut durchdachten, durchgearbeiteten Entwurf vor, der gerade aufgrund der Verknüpfungen von Ort, Park und Aue eine sehr gute Grundlage für die anstehende Masterplanung bildet.