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  • DE-57072 Siegen, DE-57076 Siegen
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-236986)

Rund um den Siegberg


  • Anerkennung

    Spielbereich. Visualisierung: A. Calitz, © A24 Landschaft

    Architekten, Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser präsentieren eine zunächst in der städtebaulich-freiraumplanerischen Sicht, dem Wunsch nach sinnvoller Verwebung der Stadt und ihrer Freiräume, in der Intensität der Eingriffe und im Aufgreifen der topografischen Situation überzeugende Lösung. Es entstehen drei Freiräume mit eigenständigem Charakter und spezifischen Nutzungsangeboten, die ihre Basis im Bestand haben.
    Beim Zoom in die Teilbereiche hinein, beim genaueren Verstehen der Nutzungsschwerpunkte und der Detailausbildungen stellt sich jedoch die Erkenntnis ein, dass die Verfasser leider ihrer zunächst recht klaren und im positiven Sinne einfachen konzeptionellen Auffassung, aber auch den großen Potenzialen der Orte offensichtlich zu wenig vertrauen. Viele Teilbereiche leiden darunter, dass sie in Maßstäblichkeit, Ausdehnung, Materialvielfalt und Materialwahl buchstäblich „zu groß“ und damit auch zu wenig spezifisch gedacht werden. Es entsteht so ein eigenartiges Missverhältnis zu den erhaltenen alten Strukturen, was sich beispielhaft am Bruch zwischen den charmanten Bestandswegen im Schlossgarten und dem neuen bis zu 8 m breiten „Parksaum“ genannten Wege- und Beetband entlang der Schlossmauer oder der völlig überinstrumentierten Erschließung des Großen Krebses nachvollziehen lässt.

    Schlossgarten und Erweiterungsfläche
    Die Verschiebung des Bereichs Musikpavillon nach Süden und ihn als Schwelle zur Erweiterungsfläche zu interpretieren, eröffnet eine interessante neue Sichtweise. Die Großzügigkeit des Schlossgartens mit den freien Rasenflächen, beidseitig durch Wege gerahmt, wird so gestärkt, die Naht qualifiziert und der vorhandene Topografiesprung sinnvoll als südexponierte, terrassierte Sitzlandschaft interpretiert. Es kann so ein ganzjährig und multifunktional nutzbarer Schwerpunkt im Park entstehen, der nicht auf spezielle Veranstaltungen angewiesen ist. Gleichzeitig bildet sich hier der Auftakt für die Parkerweiterung heraus, die eine Fülle an Spiel- und Freizeitsportangeboten bereithält. Ebenfalls die Topografie geschickt ausnutzend, entsteht jedoch eine so große Nutzungsdichte, dass Konflikte vorprogrammiert sind und sich diese Teilfläche auch als selbstverständliche Schlossgartenerweiterung abzukoppeln beginnt. Auch die gleichgroße Bänderung in vier Nutzungen kann nicht überzeugen. Auf die Beachvolleyballfelder würde man gerne zum Vorteil der Gesamtanlage verzichten.
    Der zweite ins Auge springende Akzent ist der schon eingangs genannte „Parksaum“. Ein Element, das entbehrlich erscheint, da es in Konkurrenz zur eigentlichen Attraktion des Randweges steht – der wunderbaren Aussicht in die Stadt und die Landschaft.
    Die Besetzung des Bunkerdaches mit Gastronomie in unmittelbarer Nähe des Kinderspiels wird als sehr sinnvolle Lösung erachtet.

    Alfred-Fissmer-Anlage
    Auch hier überzeugt zunächst der Lageplan mit einer fast harmlos erscheinenden Abschichtung der Topografie und einer Öffnung des Raumes. Wenngleich sicherlich viele, kleinere Plateaus die Anbindung an den umgebenden Straßenraum erleichtern, entstehen doch eher schlecht nutzbare Teilflächen. „Weihnachtsmarkt abhalten“ kann hier nicht mehr stattfinden. Der Platz wirkt zergliedert und in der Perspektive offenbart sich, dass solcherart Reduzieren und Weglassen, vielleicht auch gerade der westlichen Bäume nicht zielführend ist. Die Maßstäbe in diesem komplexen Stadtraum verschieben sich ungünstig. Im Detail werden Absturzproblematiken, Nutzungskonflikte und nicht funktionierende Erschließungen sichtbar, die für eine Weiterentwicklung dieses Ansatzes viele Probleme erwarten lassen.

    Siegberghang
    Der reduzierte, auf drei Querverbindungen fokussierte Lösungsansatz erweckt viel Sympathie und lässt eine gute Einschätzung der Möglichkeiten dieses Ortes erkennen. Neben den zwei schon vorhandenen Aufstiegen, die optimiert werden, verspricht der neue Serpentinenweg neue Qualitäten, nicht nur in einer Verbindung von Innenstadt mit Alfred-Fissmer-Anlage und Burgberg sondern auch in der Wahrnehmung dieses besonderen Stadtfreiraumes mit seiner atmosphärischen Wildnis.

    Die vorgeschlagene Lösung scheint im vorgegebenen Kostenrahmen umsetzbar.
    Insgesamt werden die konzeptionellen Ansätze deutlich gewürdigt, mit zunehmender Detailtiefe verliert die Arbeit jedoch an Überzeugungskraft.