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  • DE-86899 Landsberg am Lech, DE-86899 Landsberg am Lech
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-253769)

„Urbanes Leben am Papierbach“ Wohnbebauung Baufeld A3 auf dem Gelände der ehemaligen Pflugfabrik


  • 1. Preis

    © terra.nova Landschaftsarchitektur

    Landschaftsarchitekten
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Theresa Bartl

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Fink+Jocher, Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH, München (DE)

    Preisgeld
    19.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser verfolgen einen sehr eigenständigen Ansatz der Interpretation des städtebaulichen Grundkonzeptes, in dem sie die nordöstliche Ecke des Baufeldes schließen und den Verbindungsbau zum südlichen Kopfbau entfallen lassen. Das ist vermutlich der stark skulpturalen Durchbildung der einzelnen Bauteile geschuldet und insofern konsequent. Leider sind damit auch Nachteile verbunden, die durch die vorliegenden Qualitäten nicht aufgewogen werden können. Grundlegende Motive, wie die in nahezu allen Baufelder vorkommenden Baukörperzäsuren, die für einen wiedererkennbaren Zusammenhang über alle Baufelder und individuellen Gestaltungen hinweg sorgen, gehen so unnötig verloren. Aus- und Durchblicke ebenso wie Durchlüftungsmöglichkeiten, die ein wichtiges Motiv des städtebaulichen Grundkonzeptes darstellen, werden unnötig aufgegeben. Im Süden wird zudem durch den Wegfall des Verbindungsbaues die Schallproblematik durch die Bahn verschärft.
    Dennoch überzeugt die Arbeit auf den ersten Blick gerade durch ihre skulptural gegliederten Baukörper. Dies wird im Modell auf abstrakter, reduzierter Ebene, in der gerenderten Perspektive sehr anschaulich und bildhaft vermittelt. Die Perspektive zeigt ein sehr abwechslungsreiches, dreidimensionales Fassadenspiel mit Vor- und Rücksprüngen, von der Anmutung eine sehr heitere, lebendige Stimmung.
    Das strenge aus dem Holzrahmenbau der Fassade abgeleitete Raster von 3,5 mal 3,5 m bietet eine äußerst robuste Grundstruktur, in die sich die Grundrisse variantenreich und selbstverständlich einfügen. Die einzelnen Wohnungszuschnitte sind durch das Vor- und Rückspringen, sowie durch die Pufferräume extrem flexibel in der Größe einzustellen und bieten so das Potential zu einer noch größeren sozialen Durchmischung als vorgeschlagen. In der Folge ist nicht jede Wohnung gleich, sondern besitzt ein hohes Maß an Individualität. Die „Neutralität“ der Räume, wie sie die Verfasser beschreiben, wird sehr positiv gesehen, es entstehen sehr zeitgemäße Typologien, in denen sich die Diversität und Individualität unserer Gesellschaft widerspiegeln. Die Rasterbreite von 3,50 Metern wird als etwas knapp angesehen, könnte aber durchaus geringfügig erweitert werden. Grundsätzlich bieten die durchgesteckten Räume mit den raumgroßen Öffnungen zu beiden Seiten eine hohe Qualität. Die Erschließung ist kompakt und zugleich großzügig angelegt und dimensioniert, Fahrrad- und Kinderwagenabstellflächen sind gut angegliedert. Die Hauseingänge sind gut positioniert, sie schaffen Durchlässigkeit zum inneren Hof, der den großen und kleinen Bewohnern durchaus Aufenthaltsqualität bietet. Die Eingänge in die beiden Punkthäuser werten zudem den westlich verlaufenden Fußweg auf.
    Das vorgeschlagene Fassadenmaterial mit der vorpatinierten, horizontalen, sägerauhen Holzschalung wird als sehr angenehm warm und für die Situation passend empfunden. Die Fassade wirkt trotz ihrer Versprünge ruhig, denn es gelingt, sie auf allen vier Seiten um die Baukörper herumzuführen bei Reduktion auf nur zwei Fensterformate.
    Die Staffelgeschosse müssen entfallen, da sie im Widerspruch zum Bebauungsplan stehen. Der vorgeschlagene Gemeinschaftsraum wird grundsätzlich positiv gesehen und könnte an anderer Stelle überlegt werden.
    Es wird angeregt, nach einer Lösung zu suchen, in der zumindest einige Bäder mit natürlicher Belichtung zu versehen sind. Ebenso sind die fehlenden Einschnitte des städtebaulichen Konzeptes zu prüfen.
    Insgesamt ist der experimentelle Ansatz der Arbeit, bei dem die Grundelemente wie die Holzrahmenbauweise der Fassade, Grundrisstypologie, Flexibilität und Materialität vorbildlich ineinandergreifen, sehr zu begrüßen.