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  • DE-48163 Münster, DE-48155 Münster
  • 04/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-250220)

Albachten-Ost


  • Anerkennung

    Städtebauliches Konzept

    Architekten, Stadtplaner
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Visualisierer: Roman Koschuth, Berlin (DE)
    Modellbauer: Modellbau Ahlemann, Dortmund (DE)

    Erläuterungstext
    Entwurfskonzept
    Die Entwicklung des wertvollen Arrondierungsgrundstücks östlich von Albachten wird durch Rahmenbedingungen wie den einzuhaltenden Waldabstand, die Distanzzone zur landwirtschaftlichen Hofstelle, die angestrebte Ausstattung mit Kita-Plätzen und die vorgegebene Anbindung an das Verkehrsnetz infrastrukturell vorgeprägt. Das von uns vorgeschlagene städtebauliche Konzept zeichnet diese Vorgaben nach, sucht dabei aber zugleich nach einer städtebaulichen Prägung, die den Standort als neue Adresse in Münster kultiviert. Der Genius Loci wird durch zwei besondere Elemente herausgebildet. Das Gebiet wird in ein Freiraumsystem eingehängt, das im Osten mit offenem Grünland und Streuobstwiese einen klassischen Ortsrand bildet und im Inneren des zentralen Quartiers einen großzügigen Anger als grüne Mitte formuliert. Mit einer Verbeugung von dem großen Architekten Hans Scharoun, der in der Nachbarschaft Münsters (Marl und Lünen) wichtige Werke hinterlassen hat und in Stuttgart einem Duo hoher Häuser den Namen Romeo und Julia Namen gegeben hat, wird der Anger durch zwei auf städtebaulichen Dialog angelegte Generationenhäuser gerahmt. Wohnen für Jung und Alt, Räume für Begegnung und Betätigung und zwei dreizügige Kitas machen das Ensemble zu einem sozialen Kristallisationspunkt im Quartier. Lebendige Nachbarschaft, generationsübergreifendes Zusammenleben und Inklusion werden sichtbar zum Programm.

    Wohnen
    Die geforderte Dichte sowie der geforderte Wohnungsschlüssel werden in den Quartieren systematisch umgesetzt. Um vitale sozial ausbalancierte Quartiere zu erzeugen, werden in allen vier Quartieren Miet- und Eigentumsmaßnahmen, Einfamilienhäuser und Geschosswohnungsbau gemischt. Um die Chance von Starterhaushalten zur Eigentumsbildung zu verbessern, werden im mittleren Quartier Gartenhofhäuser auf kleinen Grundstücken – sogenannte „Starterhäuser“ – angeboten. Der Hierarchie der Straßenräume entsprechend, wird der Geschosswohnungsbau vorwiegend an der Sammelstraße, dem zentralen Anger und den Treffpunkten realisiert. Über die unterschiedlichen Gebäudehöhen – auch im Einfamilienhausbau werden zwei und dreigeschossigen Häuser gemischt – wird bei optimaler Ausnutzung der Grundstücke ein vielfältiges Ortsbild garantiert. Insgesamt entstehen im neuen Gebiet knapp 530 Wohnungen auf 9,5 ha Nettowohnbauland. Knapp die Hälfte dieser Wohneinheiten wird in Reihenhäusern und Doppelhäuser sowie vereinzelt in Starterhäusern und klassischen Einzelhäusern angeboten. Im Geschosswohnungsbau entstehen etwa 270 Wohnungen, gemäß der vorliegenden Planung wird ein Drittel davon als gefördertes Wohnen realisiert. Bei höherem Bedarf können Grundstücke, die bislang für frei finanzierten Wohnungsbau vorgesehen wurden, als gefördertes Wohnen realisiert werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der städtebauliche Entwurf spannt mit einer simplen Erschließungsfigur (zwischen Weseler Straße und Sendener Stiege), die unterschiedliche Hierarchien von Straßen generiert, auf einfache Weise drei verschiedene Quartiere auf. Dabei gelingt es den Verfassern, mit dieser Setzung eine klare Gliederung zwischen 1. und 2. Bauabschnitt abzubilden, die jedoch den 1. Bauabschnitt teilweise als „Rumpffigur“ erscheinen lässt. Mit der unterschiedlichen Qualifizierung der Haupterschließungsstraße zu Weseler Straße und Sendener Stiege versucht die Arbeit, den verschiedenen Bedeutungen der Anschlüsse gerecht zu werden.

    Die Immissionsschutzgrenze wird östlich der Hauptstraße selbstverständlich durch den großzügigen Landschaftsraum abgebildet.

    Mit einer Setzung von drei gemeinschaftlichen Plätzen entlang der Haupterschließung gelingt es der Arbeit,

    - sowohl mit dem „Anger“ ein Entrée in das neue Quartier zu generieren,
    - an zentraler Stelle eine urbane steinerne Mitte zu verorten, die ggfs. auch Festplatz sein kann
    - als auch mit einem Quartiersplatz eine attraktive und selbstverständliche Anbindung an die bestehende Dorfstruktur Albachtens zu generieren.

    Alle drei Plätze werden mit spezifischen Gebäudetypen und tendenziell öffentlicheren Funktionen umspielt, die jeweils sinnfällig situiert und adressiert sind.

    - Anger u.a. mit Feuerwehr und Kitas
    - urbane Mitte mit Laubenganghäusern und ggfs. Grundschule
    - Quartiersplatz mit Reihenhäusern und „Stadtvillen“

    Die Abzweige führen jeweils in Stichstraßen/Sackgassen zu von Einzel-, Doppel-, Reihen- und mehrgeschossigen Häusern belegten Privatgrundstücken unterschiedlicher Größenordnungen.

    Im nördlichen Bereich gelingt die fingerartige Erschließung, im südlichen Bereich sind die Sackgassen jedoch extrem langgezogen, zu spannungslos und damit noch nicht überzeugend. Gleichzeitig führt diese Erschließung zu einem äußerst geringen Verkehrsflächenanteil zugunsten der bebaubaren Grundstücke und des öffentlichen Freiraums.

    Der Entwurf legt die Priorität auf Einfamilienhäuser, lässt aber auch eine andere Art von Verdichtung zu. Mit den bisher abgebildeten Wohneinheiten und den abgebildeten WE/ha Nettowohnbauland werden die Ziele der Auslobung nur teilweise erfüllt, jedoch gleichzeitig die Potenziale für weitere differenzierte Bespielungen und Verdichtungen gelegt.

    Insofern gewährleistet die robuste Struktur der Konzeption sowohl ein städtebauliches Leitbild, das sich stark an der bisherigen Ortsstruktur orientiert, als auch die Möglichkeit, eine effizientere Ausnutzung auszuloten.