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  • DE-60329 Frankfurt a.M.
  • 02/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-258134)

Deutsche Bank-Areal


  • Teilnahme

    © raumwerk GmbH + DMAA

    Architekten
    raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Jon Prengel , Sonja Moers , Thorsten Wagner

    Mitarbeit
    Benedikt Schneemann, Julia Lotter, Stephan Fischer, Kai Rappold

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Delugan Meissl Associated Architects, Wien (AT)

    Erläuterungstext
    WINDMÜHLE
    Basierend auf dem vorliegenden Bebauungsplanentwurf sowie den umfassenden dem Wettbewerb vorrausgegangenen Studien sehen wir vier windmühlenradartig um ein gemeinsames Zentrum angeordnete Hochhäuser vor. Grundlage unseres Entwurfs ist die Fragestellung, wie zum einen vier individuelle Hochhäuser entwickelt werden können, die sich in die heterogene Skyline Frankfurts einfügen, und zum anderen wie dabei gleichzeitig eine gemeinsam definierte Identität für den Ort generiert werden kann.

    6-ECK – 5-ECK
    Anders als in den vorausgegangenen Studien arbeiten wir mit vier fünfeckigen anstelle von sechseckigen Hochhäusern. Die fünfeckigen Türme bilden aus unserer Sicht ein wesentlich stärker definiertes Raumgefüge und bauen gleichzeitig Synergien zum bestehenden bzw. geplanten Kontext auf. Durch die Ausrichtung der Gebäude entsteht ein Bruch mit der strikten Parallelität der umgebenden Bebauung, nach außen hin wird der Charakter der einzelnen Hochhäuser gestärkt. Dadurch fügen sich die vier neuen Türme besser in den heterogenen Gesamtkontext der Frankfurter Skyline ein.

    DAS 5. HOCHHAUS
    Der durch die stark strukturierte, innere Fassade definierte Raum suggeriert ein virtuelles fünftes Haus im Zentrum.

    FASSADE
    Die Differenzierung zwischen der der Stadt zugewandten Fassade mit ihrer glatteren, reflektierenden Oberfläche und der dem Quartiersplatz zugewandter haptischer wirkenden, reliefartigen Fassade unterstützt diesen Effekt noch. Während die äußere Haut wie ein Schutzmantel aber auch als Kommunikator agiert, wird zum Quartiersplatz hin ein ganz eigener Charakter geschaffen, der über die Öffnungen zwischen den Hochhäusern je nach Blickwinkel unterschiedlich stark nach außen scheint und so gleichzeitig eine extreme Sogwirkung von außen nach innen erzeugt.

    MASSSTAB
    Die einzelnen Türme staffeln sich in geschossübergreifende Höhenabschnitte, welche durch horizontale Fugen getrennt sind. Den Ausgangspunkt dieser Segmentierung bildet ein zweigeschossiger Bereich in den Sockeln, der primär als Retail- und Zugangsbereich genutzt wird. Nach oben hin werden diese Abschnitte höher. Auf diese Weise wird innerhalb der großen Dichte auf Fußgängerniveau eine angemessene Maßstäblichkeit erzeugt. Diese Maßstäblichkeit entspricht in den oberen Bereichen der weit über das Grundstück strahlenden Präsenz von Hochhäusern.

    PLATZRÄUME
    4 Platzräume mit 4 unterschiedlichen Charakteren erschließen diese innere Welt und stellen darüber die Verknüpfungen in die Stadt her. Ein im inneren des Gebäudes liegender Platzraum erschließt das Areal von der Junghofstraße, der Skulpturenplatz aus Richtung des Roßmarktes, und der baumbestandene Stadtplatz ist das Entreé aus Richtung der Großen Gallusstraße. Im Zentrum entsteht als vierter Raum ein großer Quartiersplatz.

    MATERIALITÄT AUSSENRAUM
    In den fließenden Ortbetonbelag sind kupferfarbende Metallbänder eingelassen, die die Vernetzheit des Quartiers symbolisieren. Gemeinsam mit einer kupfernen Ausstattungsfamilie stellen sie die Verbindung zur hochbaulichen Formensprache mit den die Fassaden entlanglaufenden Lisenen her.

    ENERGIEKONZEPT / HAUSTECHNIK
    Das Energie- und Lüftungskonzept für das Hochhausensemble wurde mit dem Ziel entwickelt, mit einer reduzierten, robusten Technikausstattung größtmöglichen thermischen und visuellen Komfort für die Nutzer zu erreichen bei einem gleichzeitig möglichst geringen Nutz- und Primärenergiebedarf. Die Fassadengestaltung sorgt für eine hohe Tageslichtqualität in den Gebäuden, in Verbindung mit einer intelligenten Kunstlichtsteuerung wird der Strombedarf für die Beleuchtung minimiert.

    BÜRO
    Die Glasqualität ist in Bezug auf den sommerlichen Wärmeschutz optimiert. Der innenliegende Sonnenschutz erhält eine low-e Beschichtung der die Wärmeabstrahlung in den Innenraum begrenzt. Die konsequente Ablufterfassung im Zwischenraum zwischen Außenscheibe und Sonnenschutzbehang reduziert die im Raum ankommenden solaren Lasten. Innerhalb der Räume wurde überwiegend – in Abstimmung mit notwendigen akustischen Maßnahmen - auf abgehängte Decken verzichtet um die thermische Masse der Gebäudedecken zu nutzen. Mit einer Bauteilaktivierung kann damit die Grundlast für Beheizung und Kühlung der Räume abgedeckt werden. Im Kühlfall ist außerdem eine zeitliche Verschiebung der Lastspitzen und auch freie Kühlung möglich: Die Bauteilkühlung wird nachts und am Vormittag betrieben, sodass die Kühlleistung tagsüber zur Luftkühlung und für zus. Kühldeckensegel genutzt werden kann. Zusätzliche Heiz-/Kühlsysteme dienen der lokalen Temperaturregelung entsprechend der individuellen Nutzeranforderung: Zur Beheizung werden entlang der Fassaden Unterflurkonvektoren installiert, zusätzliche Kühlung erfolgt in dicht belegten Bereichen bei Bedarf über Kühldeckensegel. Die Lüftungstechnik für die unterschiedlichen Hauptnutzungsbereiche ist konsequent dezentralisiert um Technikflächen effizient zu nutzen. In den Bürobereichen sind Lüftungsgeräte in den Stockwerken vorgesehen. Die Luftverteilung erfolgt kanalgeführt im Doppelboden. Quellluftauslässe entlang der Fassade sorgen für ausgezeichnete Luftqualität in den Büroräumen bei gleichzeitig hoher Energieeffizienz.

    STADTFASSADE UND QUARTIERFASSADE
    Bezüglich der Fassaden wird wie bereits beschrieben zwischen den der Stadt zugewandten Seiten mit der nach außen gedrückten glatten, reflektierenden Oberfläche und der haptischer wirkenden reliefartigen Struktur der dem zentralen Platz zugewandten Seiten differenziert. Sowohl die Büro- als auch die Wohnfassade basieren auf einem klaren Grundraster (135cm). Innerhalb dieses Rasters werden alle Haupt- (alle 540cm) und Nebenvertikalen (var 135cm / 270cm) etabliert, welche einen spezifischen Rhythmus definieren. Die Anordnung der Lisenen wird im jeweils folgenden Höhenabschnitt um 2 Achsen (270cm) im Raster verschoben. In den Wohnhochhäusern werden gleichzeitig auch die Loggien verschoben. Diese Maßnahme resultiert sowohl im Hinblick auf die Büro- als auch die Wohnhochhäuser in einem belebten Erscheinungsbild, das jedoch in seiner Gesamtheit als ruhig wahrgenommen wird.

    BESTANDSFASSADE
    Die Fassade von Seiten der Junghofstraße wird durch wenig prägnante Maßnahmen in das Gesamtkonzept integriert. Der Durchgang zum Quartier wird über eine sich nach außen ziehende Vitrine eingleitet. Der Bereich des Zugangs zum Büroturm T4 arbeitet hier mit der Materialität in Kombination mit einem Zitat der Bürofassade des Bestandes

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der angenehm zurückhaltende Entwurf zeigt einheitliche Erscheinungsformen mit behutsamen Eingriffen in die Bestandssituation; insbesondere die Stellung der beiden Türme auf dem Bestandsbau an der Junghofstraße ist überzeugend. Die Arbeit agiert auf hohem Niveau und macht vieles richtig – auch in Bezug auf den Materialmix. Der Verzicht auf Verschwenderisches und die Zurückhaltung gehen jedoch zu Lasten des durchaus wünschenswerten Wiedererkennungswertes und der Prägnanz. Insgesamt bietet die Arbeit zu wenig Prägnanz und kann keine angemessene Antwort auf die Belebung und Ergänzung des Bankenviertels bieten.