loading
  • DE-55129 Mainz, DE-55116 Mainz
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-252911)

Wohnquartier Hechtsheimer Höhe


  • 2. Preis

    Perspektive Quartiersplatz, © Machleidt/sinai Visualisierung Matthias Grobe

    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Carsten Maerz , Benjamin Wille

    Mitarbeit
    Ilja Haub, Maria Feil, Steffen Wörsdörfer, Carolin Arand

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)
    Visualisierer: werk3 architekturvisualisierungen, berlin (DE)

    Preisgeld
    30.000 EUR

    Erläuterungstext
    INTERGRIERTER ANSATZ

    Siedlung und Landschaft:

    Die Hechtsheimer Höhe stellt eine privilegierte Wohnlage am Übergang zur Landschaft dar. Diese besondere Qualität des Wohnens an der Landschaft sollen möglichst viele Bewohner unmittelbar spüren, weshalb nahezu jedes Grundstück einen direkten Bezug zu einem der vielfältigen Freiräume erhält. Das Quartier ist von Landschaft umflossen und durchdrungen – Landschaft und städtebauliche Figur bedingen einander dabei.

    Eigenständigkeit und Gemeinsamkeit:

    Der bestehende Siedlungskörper mit seiner markanten morphologischen Grundfigur wird im Norden vervollständigt und zu einem klaren Abschluss geführt. Dieser vollendeten Figur werden drei Wohnschollen vorgelagert. Das neue Quartier kann sich somit einerseits als eigenständiges Motiv behaupten. Gleichzeitig verknüpft es sich über die vielfältige Integration, Weiterführung und Stärkung vorhandener Wege und Freiräume eng mit dem Bestandsquartier und der weiteren Umgebung.


    STÄDTEBAULICHES LEITBILD

    Drei Schollen:

    Die drei Wohnschollen bilden gemeinsam einen konsistenten Quartierszusammenhang und schaffen einen klaren Abschluss des Siedlungskörpers bzw. definieren eine charakteristische Stadtansicht vom Landschaftsraum. Prägendes Image der Schollen
    ist der starke Bezug fast aller Parzellen zum grünen Landschaftsraum. Die Idee der Schollen – klar definierte bauliche Ränder mit innenliegenden kleinteiligeren Strukturen – findet sich auch bereits im Bestandsquartier und wird durch die Hechtsheimer Höhen strukturell und ortsspezifisch weiterentwickelt.

    Flexibilität:

    Die Typologien folgen in ihrer Positionierung und Verteilung einer gewissen Grundlogik, sind aber innerhalb dieses prägenden und robusten Rahmens äußerst flexibel in Typologie, Größe, Ausrichtung etc. variierbar. So könnten einzelne Reihenhäuser
    durch Geschosswohnungsbauten ersetzt werden bzw. Doppelhäuser zu Einfamilienhäusern oder umgekehrt werden.

    Typologie und Nachbarschaft:

    Jede Scholle weist einen vielfältigen Mix an differenzierten Typologien von Einfamilienhäusern, Doppelhäusern unterschiedlichen Reihenhaustypen und Geschosswohnungsbauten auf. Der zentrale Ort jeder Scholle ist das Schollenplätzchen an der mittleren Nord-Süd-Erschließung. Eine kleine Aufweitung entlang des Alten Feldwegs fungiert als Nachbarschaftstreff mit Spielpunkt im westlichen Teil jeder Scholle. In den östlichen Teilen bilden kleine Wohnhöfe einen multifunktionalen Raum im Übergang zur Landschaft.

    Nutzung:

    An der wichtigsten Verbindung zum Bestandsquartier an der Müller-Thurgau-Straße ermöglichen zwei Sonderbauten an der Schnittstelle zum Bestand eine Belebung des Freiraums durch gastronomische Angebote, Läden etc. im Erdgeschoss. Auch die östlich daran anschließenden Reihenhäuser mit drei Geschossen zuzüglich Staffelgeschoss sowie die beiden Punktbauten ermöglichen die Einbindung eines Büros, Ateliers etc. im Erdgeschoss mit Bezug zur zentralen Ost-West-Verbindung. Die Kita wird zwischen dem mittleren Schollenplätzchen und der südlichen Grünfuge vorgeschlagen. Damit ist sie fußläufig und per Fahrrad (und auch per Auto) gut und sicher erreichbar. Der optionale zweite Standort befindet sich am nördlichen Schollenplätzchen. Prinzipiell könnte die Kita anstelle eines jeden Punktbaus entlang der Nord-Süd-Erschließung liegen.


    FREIRAUM

    Die locker gefügte Einordnung der drei Stadtschollen lässt Raum für ein vielfältiges Repertoire innerer und äußerer Landschaftselemente. Die Erlebbarkeit von Landschaft und Gärten wie auch die kommunikative Qualität der inneren Freiräume sind für die neuen Quartiere bezeichnend: Die Landschaftskulisse und grüne Fugen. Die Präsenz der Kulturlandschaft der Laubenheimer Feldfluren und des rekultivierten Steinbruchs die Standortqualität des Quartiers. Der Gartenbogen und die Stadtrandlandschaft
    im Norden. Das Motiv einer halboffenen Parklandschaft mit Großbäumen wird hier eingeleitet und schließlich für die Ausgleichsflächen „Am Großberg“ etabliert (Teilfläche Nord). Thema wird als landschaftliches Kontinuum des Siedlungsrandes zur A 60 und zum Steinbruch aus dem Bestand aufgegriffen. Quartiersplätze, Anger und Höfe – Die inneren Freiräume.


    VERNETZUNG

    Die Anbindung für den MIV erfolgt im Süden an der K 13. Von hier aus werden die drei Schollen über eine zentrale Nord-Süd-Verbindung erschlossen. Ausgehend von den kleinen Plätzen wird jede Scholle nach Westen über eine Ringerschließung und nach Osten über eine Stichstraße – jeweils als Mischverkehrsbereich – angebunden. Lediglich die Geschosswohnungsbauten erhalten Tiefgaragen. Alle anderen Typologien haben einen ausreichend groß dimensionierten (Vor-) Garten, um direkt auf dem Grundstück zu parken. Die Einfamilien- und Doppelhäuser haben zusätzlich Raum für eine Garage auf
    dem Grundstück; für die Reihenhäuser besteht die Option einer ins Haus integrierten Garage als zweitem Stellplatz. Die Besucherstellplätze befinden sich an der Nord-Süd-Erschließung gebündelt als Querparker sowie entlang der Ring- und Stichstraßen straßenbegleitend unter Bäumen. Der Bus wird über die Nord-Süd-Achse geführt und erhält eine Haltestelle am südlichen Schollenplätzchen sowie eine Endhaltestelle mit Pausenposition auf dem nördlichen Schollenplätzchen. Die Freiraumbezogene Erschließung ermöglicht eine differenziert ausgebildete Durchlässigkeit für Bewohner der neuen und bestehenden Quartiere. Grundsätzlich sind die übergreifenden Parkwege ausreichend dimensioniert für eine Nutzung als gemischte Fuß- und Fahrradwege.


    PHASENKONZEPT

    Ein großer Vorteil der Arrondierung des Bestands und den vorgelagerten Schollen besteht in einer völlig flexiblen Umsetzungsstrategie. Die Arrondierung der Bestandsquartiere im Norden kann im Prinzip sofort erfolgen. Im Weiteren Verlauf kann „von Süden nach Norden“, Scholle für Scholle in drei Phasen weiter entwickelt werden. Dies hat den Vorteil einer sukzessiven Entwicklung der Erschließungen und Freiräume. Alternativ kann auch „von West nach Ost“ in zwei Phasen entwickelt werden. Erst die Westteile bis zur Nord-Süd-Erschließung, dann die Ostbereiche der Schollen,. Dies hat den Vorteil einer klaren Raumfigur und Siedlungskante nach Phase 1 sowie der Vermeidung von Baustellenbezogenen Durchfahrtsverkehren. In beiden Fällen wird vorgeschlagen die übergreifenden Freiräume im Sinne einer nachhaltigen Standortentwicklung, einer siedlungssozialen und ökologischen Vernetzung und einer synchronen „Reifung“ der Landschaftsbestandteile sicherzustellen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf arrondiert im Norden und Westen die bestehenden Wohngebiete, bindet dabei aber zu viele Gebäude an die Straße »An der Hechtsheimer Höhe« an. Dieser Fehler wird jedoch im Rahmen des Gesamtkonzepts als grundsätzlich korrigierbar eingeschätzt. Die Arrondierung im Nordwesten wird als städtebaulich gelungen angesehen; es wird nur eine geringe Anzahl von neuen Einzelhäusern an die bestehende Erschließung angebunden. Das neue Wohngebiet wird – im Sinne der Aussagen des städtebaulichen Rahmenplans – durch eine »grüne Fuge« vom bestehenden Wohngebiet »Großberghöhe« abgerückt. Diese verschwenkt im Norden und weitet sich zu einem großen Grünraum Richtung Steinbruch auf. Dieser wird von der Jury als überdimensioniert kritisiert. Dies könnte sich im Rahmen der notwendigen Überarbeitung im Norden eher noch verstärken. Das eigentliche neue Quartier wird durch zwei weitere eher noch verstärken. Das eigentliche neue Quartier wird durch zwei weitere Grünzasuren in Ost-West-Richtung in drei klar ablesbare Baufelder gegliedert. Diese weiten sich zum Steinbruch hin nach Osten trichterförmig auf. Zusammen mit der abfallenden Topographie können sich hier reizvolle Fernblick in und über den Steinbruch bieten. In ihren westlichen Teilen sind diese Grünräume eher als Wegeräume ausgeprägt und werden dabei als zu schmal kritisiert. Die Erschließung des Quartiers erfolgt über eine Magistrale von Süden nach Norden, an die in jedem Teilbereich eine ringförmige Erschließung anbindet. Die Magistrale bildet ein starkes Rückgrat für das Quartier. In der 3. Dimension erscheint sie jedoch durch die Punkthäuser etwas zu schwach herausgearbeitet und könnte – zumindest einseitig – durch eine höhere Bebauung deutlicher betont werden. Insgesamt ist der Anteil des Geschosswohnungsbaus etwas zu gering, die Verteilung innerhalb des Quartiers wird jedoch als gelungen angesehen. Die Binnenerschließung der drei Teilbereiche durch die Straßenringe ist einfach, übersichtlich und effizient. Dafür sind die Wohnbereiche in sich weniger gut gegliedert, die Bildung von Höfen oder Hausgruppen wird vermisst. Dies könnte – auch im Vergleich zu anderen Arbeiten – geringere Wohnqualitäten in den Quartieren zur Folge haben. Insgesamt wird die Arbeit dennoch als gelungener, wertvoller Beitrag innerhalb des Wettbewerbs eingeschätzt.