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  • DE-67547 Worms, DE-67547 Worms
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-266756)

Neugestaltung südliches Domumfeld, Dom St. Peter zu Worms


  • 2. Preis

    © GREENBOX

    Landschaftsarchitekten
    GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln (DE), Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Südlicher Domplatz

    Schlicht und elegant präsentiert sich zukünftig der Platz vor dem Südportal des Wormser Doms. Der Weg auf das Südportal wird großzügig und offen gestaltet, indem die städtebaulich wichtige Achse zwischen Südportal und Andreasstift aufgegriffen wird. Entlang der Andreasstraße bildet eine Sandsteinmauer eine klare Begrenzung und den Auftakt auf den Domplatz. In der Flucht des Südportals gibt die Mauer ein großzügiges Tor frei, welches die Besucher in einer einladenden Geste auf den erhöhten Domplatz und auf das Eingangsniveau des neuen Haus am Dom mit seinem Domladen und Café lenkt.
    Vor dem Haus am Dom entsteht ein ebenengleicher Platz, der sich in die geneigte Fläche des „Dombergs“ einschneidet. Auf einem Großteil des Domplatzes wird nur die Oberfläche neu gestaltet, und nicht in die bestehende Topografie eingegriffen. Unter den Bestandsbäumen wird eine einladende Wiesenfläche geschaffen, die den Grundriss der Johanniskirche nachzeichnet.

    „Grüner Kreuzgang“

    Der ehemalige Kreuzgang wird gärtnerisch interpretiert und im Sinne eines „Hortus conclusus“ inszeniert. Ein umlaufender, von Formschnittgehölzen beschatteter Weg gibt zwischen den Baumstämmen Blicke auf einen beschützten Garten frei. Kleine „Rasengassen“ führen durch die mit Kräutern, Heilkräutern und Blumen bepflanzten Rabatten. Auf einer kleinen Raseninsel sprudelt ein kleiner „Wassertisch“. In dem von Dom, Neubau, historischer Mauer und Liobahaus umschlossen Garten entsteht ein ruhiger, meditativer Ort mit einer spirituellen Atmosphäre, der dem historischen Anspruch an den ehemaligen Kreuzgang gerecht wird.

    Insgesamt betont die Gestaltung die Eigenständigkeit der beiden Bereiche: Einerseits der Domplatz mit Hauptzugang zum Dom, Domladen und Café, der die jährlichen 300.000 Besucher des Doms empfängt, andererseits, ein paar Treppenstufen höher gelegen der ruhige und kontemplative Garten im ehemaligen Kreuzgang.

    Materialien

    Für die Gestaltung der Mauern und Stufen werden mit der Fassade des Doms harmonierende Sandsteine verwendet. Der gesamte Platzbereich wird mit einem homogenen Pflasterbelag versehen, wodurch eine großzügige, zusammenhängende Fläche entsteht. Das robuste Natursteinpflaster wird im wilden Verband verlegt. Auf der Höhe des Kreuzgangs bleibt die vorhandene wassergebundene Wegedecke erhalten. Die eingelagerten Sandsteinplatten werden für den Umgang des grünen Kreuzgangs und die Sitzbereiche auf dem Domplatz wiederverwendet.Für eine atmosphärische Beleuchtung sorgt die Fassadenbestrahlung des Doms sowie eine Beleuchtung der Bäume des mittels Bodenstrahler. Die Treppen werden mit Mastleuchten ausgeleuchtet.

    „Weg der Worte“

    Die zum Südportal führenden Brüstungen bekommen eine besondere Gestalt: Sie bestehen aus metallenen Buchstaben, welche religiöse Zitate bilden und den Besucher auf dem Weg Richtung Domeingang begleiten.

    Funktionale Qualität

    Der ebenengleiche Platz vor dem Haus am Dom bietet eine großzügige Fläche für sich sammelnde Besuchergruppen und einen angemessenen Raum um Terrassenmöbel des Cafés aufzustellen. Der Domplatz sowie das Sockelgeschoss des Haus am Dom können barrierefrei vom Niveau des Kreuzganges über den Aufzug im Haus am Dom sowie von der Andreasstraße aus über eine leicht geneigte Fläche erreicht werden. Durch ein geschicktes Ausnutzen der bestehenden Topografie wird dieser Zugang gänzlich ohne Rampenanlagen gestaltet.

    An verschiedenen Bereichen des Domplatzes werden Bänke aufgestellt und bieten den Besuchern ein vielfältiges Angebot des Aufenthalts - es entstehen sonnige und schattige, extrovertierte, dem Leben auf dem Domplatz zugewandte sowie introvertierte Sitzbereiche unter den Bestandsbäumen und im Garten des ehemaligen Kreuzgangs. Zusätzlich lädt die zentrale Wiesenfläche zum Aufenthalt ein.

    Minimierter Eingriff in das Bestandsniveau

    Eingriffe in den Boden finden nur dort statt, wo notwendige Anschlüsse herzustellen sind. So wird an der Flanke zur Andreasstraße ein barrierefreier Zugang geschaffen und auf der Höhe der Eingänge zum Haus am Dom entsteht ein ebenengleicher Platzbereich.

    Recycling und Erhalt von Oberflächenmaterialen

    Die vorhandenen Sandsteinplatten werden recyclet und wiederverlegt, es gilt ebenfalls zu prüfen inwieweit die bestehenden Stufen aus Sandstein für die Neugestaltung wiederverwendet werden können. Die den Garten des Kreuzgangs umfassende befestigte, wassergebundene Fläche bleibt in unserem Konzept erhalten.

    Nachhaltigkeit

    Bei der Gestaltung und den verwendeten Materialien wurde besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit gelegt. Die zusammenhängende Platzfläche ist pflegarm zu unterhalten und das langlebige Kleinsteinpflaster ist leicht revisionierbar. Insgesamt entsteht ein dauerhafter Freiraum mit hoher Qualität und großer Robustheit.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf schlägt eine breit angelegte Wegeachse mit Treppenkaskaden von der Andreasstraße zum Südportal des Doms vor, die eine großzügige und eine – auch für das geplante Café – sehr gut nutzbare Freifläche vor dem Haus am Dom schafft. Die Stufen in ihrer Gruppierung formulieren wie selbstverständlich die Heranführung zum Domportal über die unterschiedlichen Höhenniveaus. Das Haus am Dom wird zum integrierten Bestandteil der Gesamtanlage. Die barrierefreie Erschließung des Domplatzes erfolgt in gleichwertiger Zuordnung ebenfalls über die Platzfläche östlich dieser Achse. Die beiden Bereiche sind durch eine gläserne Absturzsicherung mit aufgelegten Schriftelementen aus Metall getrennt, die als Schatten auf dem Boden einen »Weg der Worte« bilden sollen. Diese Idee wird durch das Preisgericht eher kritisch beurteilt, da sie den Platz an dieser ohnehin sensiblen Stelle unnötig überfrachten. Darüber hinaus wird befürchtet, dass die breite Abgrabung zur Herstellung der Zugangsachse zu Eingriffen in die archäologisch sensiblen Bereiche des Domplatzes und damit zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen bei der Realisierung führen wird. Der Grundgedanke einer Kenntlichmachung der ehemaligen Johanniskirche im Platzgrundriss wird anerkannt, die gewählte Form der Umsetzung als baulich gefasster Rasenspiegel in der Pflasterfläche wird kontrovers diskutiert. Durch die Reduzierung der Grünfläche auf diesen Bereich wird ein diagonales Queren des Domplatzes vereinfacht und die Gefahr von »Trampelpfaden« auf dieser Fläche reduziert. Der Kreuzgangbereich mit den Formschnittgehölzen ist in Bezug auf die räumlichen Proportionen und auch hinsichtlich des Abstands der Bäume von Dom und Gemeindehaus gelungen. Allerdings wird das gewählte Thema des »Hortus conclusus« vor dem Hintergrund der Nutzbarkeit der Fläche an dieser Stelle als nicht richtig eingeschätzt. Auch werden die Unterhaltungskosten im Bereich des Kreuzgangs als eher aufwändig eingeschätzt. Der Domplatz hingegen wird in Bezug auf die Unterhaltskosten als günstig eingeschätzt. Die Realisierung innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens wird aufgrund der hohen Pflasteranteile und Stufenlängen vom Preisgericht in Frage gestellt.