loading
  • DE-67547 Worms, DE-67547 Worms
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-266756)

Neugestaltung südliches Domumfeld, Dom St. Peter zu Worms


  • Anerkennung

    © BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten PartG

    Landschaftsarchitekten
    BIERBAUM. AICHELE. landschaftsarchitekten, Mainz (DE), Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Klaus-Dieter Aichele , Günter Schüller

    Mitarbeit
    Frank Finger, Fabian Adler, Martina Heims, Kai Faust

    Preisgeld
    1.250 EUR

    Erläuterungstext
    Leitgedanke
    Der Wormser Dom nimmt unter den großen Bischofssitzen eine eindrucksvolle Alleinstellung ein. Bereits von weitem ist die romanische Basilika in ihrer Größe sichtbar. Durch seine nicht unbedeutende Rolle in der Nibelungensage, in der der Wormser Dom (vermutlich) als Versöhnungsort zwischen Krimhild und Brunhild gilt, wird das Gotteshaus zusätzlich mit einer geheimnisvollen Mystik umgeben.
    Als ein Ort des Glaubens, der Ruhe und des Friedens, des Miteinanders und der inneren Einkehr sowie ein Ort einer sagenhaften Geschichte, die in ihrer Mystik erlebbar werden soll, soll eine Plattform geschaffen werden, die all dies ermöglicht und erfüllt.
    Entwurfsidee
    Der südliche Domplatz nimmt unter den Plätzen um Dombauten eine Sonderstellung ein. Während die meisten Plätze um die Bischofssitz-Kathedralen nahezu vollständig befestigt sind, findet der Besucher hier einen alten malerischen Baumbestand über einer weiten Wiesenfläche vor.
    Dessen Fortbestand gilt es zu erhalten und zu sichern. Der eindrucksvolle Baumbestand, verleiht dem Raum eine beeindruckende Atmosphäre, so dass der Besucher einen Raum höchster Aufenthaltsqualität vorfindet.
    Ebenso soll im befestigten Bereich des Domplatzes, die „Atmosphäre von Einst“ erhalten bleiben bzw. sich neu interpretiert wiederfinden. Die vorhandene Materialität soll erhalten bzw. additiv ergänzt werden. Der befestigte, vorwiegend westliche Bereich des Domplatzes soll, soweit es möglich ist ohne den Wurzelbereich des Baumbestandes zu gefährden, sorgsam erweitert werden um auch großen Besucherzahlen gerecht zu werden. Motorisch eingeschränkte Menschen werden wie selbstverständlich barrierefrei zum Platz geführt.
    Das an der Westseite des Platzes neu errichtete Haus am Dom, welches eine Reminiszenz des ehemaligen Kapitelhauses darstellt, soll in seiner Funktion als klare Raumkante wahrgenommen und gesehen werden. Es soll an und auf dem Platz stehen.
    Der sich im westlichen Teil befindende Kreuzgang soll als ein in sich geschlossener und ruhender Raum gestaltet werden, einem „Hortus conclusus“. Hier wird dem Gläubigen und Besuchern meditativer Rückzug in Stille ermöglicht.
    Die Bereiche im Einzelnen
    Domvorplatz
    Wie so viele Kathedralen steht auch der Wormser Dom als besonderes Gebäude erhaben „Oben“. Jedermann möchte hinauf.
    Der Domplatz öffnet sich großzügig zum Stadtraum. Sichtachsen werden wahr- und -aufgenommen. Die Kathedrale öffnet sich zur Stadt und zu den Menschen.
    Das geringfügige Anheben des Gefälles vom nördlichen Zugang des Domes in Richtung Andreasstraßee führt zum Wegfall von ca. zwei bis drei der vorhandenen Stufen. Zum Domhäuser Haus hin entfallen die Stufen vollständig. Somit wird hier eine große und offene barrierefreie Zuwegung zum Domplatz ermöglicht.
    Durch das Gefälle der Andreasstraße in Richtung Südosten werden hier ca. fünf bis sechs Schleppstufen geschickt eingefügt. Schattenfugen unterstreichen die Leichtigkeit und ein großzügiges Schrittmaß der Auftritte ermöglicht ein unbeschwertes Hinaufschreiten.
    Um das Haus am Dom als Platzkante mit seiner vollständigen östlichen Fassadenfront an den Platz anzubinden, wird das nördliche „Hineingraben“ des Baukörpers durch Schleppstufen gelöst, die in Abschnitten Sitzhöhe aufweisen.
    Sämtliche Beläge sollen mit den vorhandenen Sandsteinplatten wiederverlegt und wie additiv ergänzt werden. Um die Schlichtheit und Ruhe des Ortes zu wahren, sollen sämtliche Beläge und steinerne Einbauten aus dem gleichen Natursteinmaterial bestehen
    Der malerische Baumbestand formiert sich ehrwürdig auf der Rasenfläche. Hier ist in unmittelbarer Nähe zum „Geschehen“ ein Ort früher Beisetzungen, ein Ruheort. Sämtliche Belagsflächen sollen hier zugunsten einer zusammenhängenden Rasenfläche zurückgenommen werden. Der Grundriss der ehemaligen historischen Johanniskirche kann seitlich als „Geschichte vor Ort“ wahrgenommen werden. Vorhandene Sarkophage werden unter den Bäumen an der Kirchhofmauer im Osten angeordnet. Die wassergebundene Decke bleibt hier erhalten.
    Die gesamte Höhensituation im Bereich des Baumbestandes soll beibehalten werden. Durch das leichte Fallen des Platzes und dem Halten der Baumebene, formt sich dieser Bereich zur westlichen Platzfläche hin als parkähnliches Plateau aus. Aus dem Gefälle heraus entwickelt sich von Nord nach Süd eine Kante die eine Zäsur vom „grünen zum steinernen Platz“ darstellt. Durch die zunehmende Höhe bietet sie Kindern wie älteren Menschen optimale Sitzgelegenheiten.

    Kreuzgang
    Der Kreuzgang wird durch den Neubau des Hauses am Dom in seiner Höhe angehoben, so dass sein Senkgartencharakter praktisch hinfällig wird. Um diesen Bereich auch und gerade für motorisch eingeschränkten Menschen zugänglich zu machen, wird dieser Bereich niveaugleich ausgebildet
    Als artifiziell interpretierte Reminiszenz eines Klostergartens, wird sinnbildlich die Grundfigur des barocken Ornamentes aufgegriffen. In der Mitte angeordnet ein Wassertisch – Kubus. Die schwebende Skulptur wird in ihrer Fläche mit Rasen vorgesehen ggf. aus flach geschnittenen Halbsträuchern, wie z.B. Ilex crenata. Bei Dämmerung oder am Abend wird dieser Ort durch akzentuierte Beleuchtung in Szene gesetzt.
    Pergolen fügen sich an die seitlich vorhandenen Mauern. Stellenweise werden die Pergolen mit einem lichtdurchlässigen Regenschutz versehen, unter dem die Spolien und Bauplastiken geschützt angeordnet werden.
    Ein Großbaum bietet diesem Raum der Stille und Meditation Schutz in der dritten Dimension.
    Einfachheit, Schlichtheit und Nachhaltigkeit sind die Grundlagen der Beständigkeit. Immer begegnen sich Menschen an denselben Orten an derselben Stelle.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Gestaltung des Kreuzgangs als ruhiger, kontemplativer Ort wird durch das Preisgericht positiv gewürdigt. Er ist zugleich gut geeignet für Veranstaltungen. Die Fassaden von Dom und Gemeindehaus sind freigestellt und behalten ihre raumprägende Wirkung. Die nur in Teilflächen ausgebildete, mit einer Rampe verschnittene Treppenanlage im Übergang vom Domplatz zur Andreasstraße wird kritisch gesehen, weil hierdurch in der Hauptzugangsachse ein irritierender und auf Grund der sich verschneidenden Neigungen schwierig zu begehender Bereich entsteht. Störend wirken auch die beiden Pflanzbeete an den Domhäusern und der Andreasstraße. Die Darstellung der Formate und Verlegemuster der Natursteinplatten widerspricht der angestrebten Verwendung der Bestandsplatten. Zugleich erscheint auch die in den Plänen und Perspektiven dargestellte Einbindung der Stufenanlagen in die geneigten Platzflächen mit den großformatigen Platten des Bestands schwierig. Der Vorbereich des Gemeindehauses, der sich zum Domplatz hin leicht abgewinkelt mit den Sitzstufen öffnet, wird positiv bewertet. Die Sitzstufen können so in die Nutzung des Cafes und als Aufenthaltszone mit einbezogen werde. Dennoch erscheint der Vorbereich in seiner Flächenbreite zu schmal. Die Anhebung des Rasenspiegels zur Ausbildung einer Sitzstufe wird als Teil der Gesamtgestaltung verstanden und durchaus gewürdigt, jedoch in Hinblick auf eine flexible Nutzung des Platzes kontrovers diskutiert. Der Verzicht auf die Wegeverbindung an der Ostseite des Domplatzes kann nicht nachvollzogen werden. Sehr positiv wird die Integration des Lichtkonzepts als Bestandteil eines gestalterischen Gesamtkonzeptes wahrgenommen. Eine wirtschaftliche Erstellung erscheint umsetzbar, der Aufwand für Unterhalt und Pflege werden ebenfalls als wirtschaftlich eingeschätzt. Insgesamt wird der Entwurf für sein durchgängiges Gestaltungskonzept gewürdigt, das alle Teilräume einbezieht, jedoch im Bereich des Hauptzugangsweges zum Dom funktionale und gestalterische Probleme mit sich bringt.