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  • DE-49074 Osnabrück, DE-49034 Osnabrück
  • 06/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-255173)

Neugestaltung Schlossgarten


  • 3. Preis

    © RSP Freiraum

    Landschaftsarchitekten
    RSP Freiraum GmbH, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christoph Ritter , Sandro Schaffner

    Mitarbeit
    Manuel Corvey

    Preisgeld
    7.500 EUR

    Erläuterungstext
    Bestand
    Der Schlossgarten in seiner heutigen Ausprägung lässt die ursprüngliche Intention
    des Entwurfs von Professor Lendholdt nur noch in Grundzügen erkennen. Als prägendes
    Element tritt der große Gartenraum mit seinem rahmenden Baumbestand in der Achse
    des Schlosses hervor. Wesentliche von Lenholdt angestrebte Raumbildungen wurden im
    Laufe der Zeit konträr zu dessen Entwurf entwickelt und fügen sich nur bedingt in das
    Gesamtbild ein. Beispielhaft sind hier die Sommerblumenpflanzungen im Bereich des
    ehemaligen Parterre und die durch falsch verstandene Ergänzungspflanzungen
    abgehängten Flächen genannt, welche östlich und westlich anschließen. Vor allem die in
    der Nachkriegszeit vorangetriebene, schrittweise Entwicklung des Schlossgartenumfeldes
    als Universitätscampus spiegelt sich nicht in einem homogenen durchgängigen Freiraum
    wieder.

    Idee
    Der vorliegende Entwurf möchte den durchgängigen zentralen Gartenraum als
    charakteristisches Element des lenholdtschen Planes als unmittelbaren Bezug zum
    Schloss stärken. Deshalb wird vorgeschlagen, den Bereich des ehemaligen Parterres
    auszuräumen und so die Durchgängigkeit und den Bezug zum Schloss zu erhöhen. Auf
    der so neu geordneten Schlosswiese wird die Lage der Wasserspiele aus dem Entwurf
    von Lenholdt übernommen, die Einzelbecken werden jedoch zu einem bespielbaren
    Wasserband zusammengefasst.
    Im Kontrast zur Öffnung der zentralen Achse wird angeregt, die angrenzenden Bereiche
    durch Baumhaine zu verdichten und als zusammenhängende Querverbindung zu
    etablieren. Dies bildet eine neue Gestaltungsebene, welche sich als ergänzende Schicht
    über die Gestaltung aus den 60er Jahren legt. Das Raster der Baumfelder nimmt dabei die
    Rhythmik der angrenzenden Baumpflanzungen auf. So wird ein starker Rahmen
    geschaffen, welcher die zu erhaltenden Pflanzungen aufgreift und die unterschiedlichen
    Teilbereiche der Gartenanlage zusammenfasst. Dadurch wird der Entwurf von Lenholdt
    gestärkt ohne dessen Hauptintention zu überlagern.
    Durch Ihre Gewichtung führen diese neuen Baumfelder zu einer Stabilisierung des
    Gesamtkonzeptes Schlossgarten und erzeugen eine ausgleichende Balance zwischen den unterschiedlichen Gartenpartien. Nicht zuletzt entsteht mit den „Neuen Gärten“ westlich des Schlosses ein offener, moderner und frischer städtischer Raum, in dem die
    Saisonpflanzung aus dem Bereich des ehemaligen Parterre neu verortet wird. Den
    südlichen Abschluss des Schlossgartens bildet das von Lenholdt übernommene runde
    Wasserspiel mit Fontäne in welchem die Sichtbeziehungen von der Schlossterrasse heraus gebündelt werden.

    Thema
    Der Entwurf möchte im Besonderen an die friedensstiftende Tradition der Stadt Osnabrück
    anknüpfen und den Schlossgarten als einen Ort des interkulturellen Zusammenlebens
    thematisieren. Vorgeschlagen wird die Baumfelder mit Baumarten aus verschiedenen
    Regionen der Erde in gleichmäßigem Raster als Sinnbild für die Gleichheit von Religion,
    Kultur und Sprache aufzupflanzen. Ein an den umlaufenden Weg angegliedertes Geschichtsband aus Sandstein soll wesentliche Punkte im Zusammenhang mit der Rolle
    Osnabrücks bei der Verhandlung Westfälsichen Friedens erläutern.

    Spielplatz
    Auch in den Spielwelten wird das Thema aufgegriffen und vorrangig Angebote geschaffen,
    welche ein gemeinschaftliches, kooperatives Spiel ermöglichen. Ausgehend von den 4
    barocken Skulpturen der Schlossterrasse, welche die damals bekannten Kontinente
    darstellen, wird ein Spielangebot geschaffen, welches sich im weitesten Sinne mit der
    Thematik Welt/ Regionen/ Kontinente/ Länder/ Frieden beschäftigt. Die sieben Kontinente
    bilden dabei Spielinseln welche in freier Anordnung rasterartig im westlichen Teil des
    Schlossgartens gruppiert werden. Mit Ihrer thematischen Gewichtung sprechen die als
    Kontinente ausgebildeten Spiellandschaften die unterschiedlichsten Sinne und
    Altersgruppen an. Die Themen, Größe und Spieltiefe der einzelnen Erlebnislandschaften
    sind frei verschiebbar und durch zusätzliche Informationen ergänzbar. In jeder
    Spiellandschaft wird ein geographisches Element zusätzlich herausgearbeitet.
    Für den kindlichen Entdeckerdrang werden die Kontinente bewusst auf eine gleiche
    Größe skaliert und ohne geographischen Bezug zueinander angeordnet. In die Skulpturen
    sind kleine Lichtpunkte für die Hauptstädte der Länder eingearbeitet.

    Materialität
    Bezüglich der Materialwahl der Oberflächen wird eine klare Trennung zwischen Bereichen
    mit Bezug zum Schlossgarten und Funktionsbereichen mit direkter Anbindung an
    Gebäude (Schloss, Neues Studierendenzentrum, Osnabrückhalle) vorgeschlagen.
    Flächen mit direkten Bezug zu Gebäuden sollen in zusammenhängenden Flächen mit
    Mosaikpflastern in abgestufter Farbigkeit ausgebildet werden. Auch Flächen mit höherem
    Nutzungsdruck wie die an die Stadthalle angegliederten Neuen Gärten sollen in dieser
    Oberfläche ausgebildet werden. Parkbereiche, wie die Flächen in den Baumfelder, die
    Spielwelten und der umlaufende Weg sollen als wassergebundene Wegedecke
    großflächig entsiegelt werden. Es wird vorgeschlagen die Schlossterrasse mit einer
    umlaufenden Kante aus Treppen- und Sitzstufen in Sandstein bei gleichzeitigem Entfall
    des vorhandenen Geländers zu rahmen. Die vorhandenen Denkmäler sollen im
    Wesentlichen ihre bisherige Position behalten. Neue Wasserelemente und Spielskulturen
    werden in hochwertigem Sichtbeton mit feiner Sandstrahlung ausgebildet.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.