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  • DE-54293 Trier, DE-54290 Trier
  • 06/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-256929)

Neubau des THW-Gebäudes


  • Anerkennung

    Visualisierung, © Muffler Architekten

    Architekten
    Muffler Architekten, Tuttlingen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Michael Muffler

    Mitarbeit
    Petra Messmer, Felix Dold, Tano Muffler

    Preisgeld
    2.000 EUR

    Erläuterungstext
    Situation

    Das zur Planung verfügbare Grundstück wird räumlich bestimmt durch das Zusammentreffen von mehreren Verkehrswegen, den Bundesstrassen B 53 und B 52 im Norden und Westen des zu bebauenden Grundstücks. Diese bestimmen die Situation auf eindeutige Weise. Vor allem durch die Hochlage der Bundesstrasse B 52 entsteht ein eindeutig räumlich gefasster Abschluss auf der nördlichen Grundstückseite. Dem gegenüber begrenzt die neu errichtete Feuerwache II mit ihrem dominanten Baukörper auf der südlichen Grundstücksseite das Baufeld. Die westlich angrenzende Flächen zwischen Servaisstrasse und Bahn sind primär gewerblich geprägt. Die Baustruktur mit Wohnhäusern, Gewerbebauten und einem Recyclingbetrieb bewirkt jedoch ein eher diffuses Bild. In diese bestehende Situation soll sich das neu zu planende THW-Gebäude einfügen und durch seine bauliche Struktur einen Markierungspunkt mit einprägsamer Wirkung bilden. Es soll ein Ort entstehen, der aus seiner spezifischen Nutzungsstruktur entwickelt wird. Louis Sullivan beschrieb dies, " ....... dass das Leben in seinem Ausdruck erkennbar ist und dass die Form immer der Funktion folgt", kurz "form follows function". In Anbetracht dieser Erkenntnis löst sich die gestellte Aufgabe selbst in der heterogenen Umgebungsstruktur, wie von selbst.


    Konzeption

    Der Entwurfsvorschlag gliedert das vorgegebene Raumprogramm in zwei Baukörper, welche jeweils die ihnen gegebenen Funktionen baulich zum Ausdruck bringen. Ein lineares bauliches Volumen, welches sich in west-östlicher Richtung entlang der vorgegebenen nördlichen Baugrenze organisiert. In diesem Baukörper sind die Funktionsflächen der Fahrzeughalle, des BHKW und der Lager-Werkstattflächen, sowie im 1. Obergeschoss die Umkleidebereiche des Ortsverbandes organisiert. Demgegenüber definiert ein dreigeschossig organisiertes, punktartiges Bauvolumen den östlichen Abschluss des Grundstücks, in welchem sämtliche Verwaltungsräume des Ortverbandes und der THW-Geschäftsstelle untergebracht sind. Beide Volumenina bilden miteinander eine klar definierte Hoffläche, die sich nach Osten öffnet und über die bestehende Zufahrt zur Servaisstrasse erschlossen wird. Im Erdgeschoss des Entwurfsvorschlags sind alle Flächen angeordnet, welche funktional wie die Fahrzeughalle, Werk-, Geräte- und Materiallager nur in diesem angeordnet werden können. Alle anderen Funktionsflächen werden im 1. und 2. Obergeschoss verortet. Diese Flächen werden in ihrer Ausbildung und Konstruktion so gewählt, dass sie im Falle einer Überflutung entsprechend einfach wieder Instand gesetzt werden können. Der nach Süden, der Fahrzeughalle vorgelagerte Freiraum, nimmt das Hallenvorfeld in einer Tiefe von 20 m, sowie die notwendigen Parkplatzflächen entlang der südlichen Grundstücksgrenze auf. Ebenso wird der notwendige Busabstellplatz und der Anhängerstellplatz im Vorfeld des linearen Baukörpers situiert.

    Funktionen

    Entsprechend den Forderungen des Raumprogramms werden die Flächen des Ortsverbandes und der Geschäftsstelle der THW so angeordnet, dass ein unabhängiger Betrieb beider voneinander unabhängig genutzt werden kann. Sämtliche Flächen des Ortsverbandes mit Fahrzeughalle, Umkleidebereich und Verwaltungsräumen sind im erdgeschossig im linearen Baukörper und im 1. Obergeschoss des punktuellen Baukörpers situiert. Der Umkleidebereich verbindet sich funktional mit der Fahrzeughalle über eine lineare Treppenverbindung, die gewährleistet, dass Fahrzeughalle und Umkleideräume auf kürzestem Wege miteinander verbunden sind. Sämtliche Flächen der Geschäftsstelle sind im 2. Obergeschoss, bis auf das Übergabe-Depot, welches erdgeschossig im Bereich der Zugangssituation situiert ist, angeordnet. Über einen gemeinsamen Zugangsbereich mit vertikaler Verbindungstreppe und Aufzugsanlage werden die Obergeschosse erschlossen. Eine Verbindung zur Fahrzeughalle wird nur im 1. Obergeschoss, von der Treppenverbindung erschlossen, funktional angeboten. Die Erdgeschosssituation wird für beide Baukörper als unabhängig bestimmt.

    Konstruktion

    Die Gebäudekonstruktion wird für die Fahrzeughalle mit Umkleide- und BHKW-Bereich als Stahlbetonkonstruktion in Fertigteilbauweise vorgeschlagen. Dies betrifft das Tragwerk der Fahrzeughalle mit einer Spannweite von ca. 12,00 m und die Deckenplatten der Fahrzeughalle mit einer Spannweite von ca. 4,00 m in besonderer Weise. Die Fassadenbereiche sollen ebenfalls als Betonfertigteile zum Innenbereich in Sichtbetonausführung und zum Aussenbereich mit einer entsprechenden Dämmung und hinterlüfteten Metallverkleidung ausgeführt werden. Der Bereich der Verwaltung soll als Sichtbetonkonstruktion mit Ortbeton konstruiert werden. Hierbei sollen geschlossene Wandelemente und ein Kern als aussteifendes Element zur Anwendung kommen. Die transparenten, gläsernen Fassadenelemente sind als Elementfassade oder als Pfosten-Riegelfassade in Aluminium vorgesehen. Alle Innenwände werden, aus Gründen der Flexibilität als Leichtbaukonstruktion aus Gipskarton vorgeschlagen. Aus Gründen der Flexibilität werden nur im Bereich der Innenzonen abgehängte Decken vorgeschlagen. In diesem Bereich konzentriert sich die haustechnische Versorgung. Alle übrigen Deckenflächen sind Sichtbeton und erhalten punktuell eingehängte Akustikelemente. Als Bodenbelag ist im Bereich der Eingangszone Naturstein vorgesehen. Im Bereich der Büroräume werden Teppichbeläge vorgeschlagen. Grundsätzlich sollen sämtliche Baukonstruktionen aus dauerhaften, biologisch unbedenklichen und ökologisch sinnvollen Materialien konstruiert und gestaltet werden. Dies vor allem im Hinblick auf die nachhaltige Gebäudebewirtschaftung und deren Unterhaltung.


    Energiekonzept -Ökologisches Konzept

    Die Baukörper definieren sich als kompaktes Volumen und weisen ein optimiertes und baulich reduziertes Hüllflächenverhältnis auf. Dadurch werden geringe Wärmeverluste und Investitionen bezüglich der Gebäudehülle erreicht. Die thermische Behaglichkeit wird unter den geforderten Nutzungsbedingungen im Sommer und Winter sichergestellt. Hierzu wird eine bewusste Auswahl der Baukonstruktion vorgeschlagen. Der bauliche Wärmeschutz der beheizten Zonen orientiert sich am Standard der Niederenergiebauweise mit folgenden Bauteilqualitäten:

    - hohe Wärmedämmung der opaken Flächen < 0,18-0,20 W/qmK
    - hohe Wärmedämmung transparenter Bauteile 0,60-0,70 W/qmK
    - hohe Wärmedämmung der Dachfläche U-Wert 0,15 W/qmK
    - luftdichte Ausführung der Gebäudehülle von ML50 < 0,4 1/h

    Die zu öffnenden Bauteile der Fassadenkonstruktion werden auf ein notwendiges Mass begrenzt. Über die vorgeschlagenen baukonstruktiven Ausbildungen im Passivhausstandard und die möglichen technischen Gebäudeausrüstungen, soll ein Energieverbrauch von 15 KW h/qmA erreicht werden. In Anbetracht der möglichen Energieeinspeisung wäre hierdurch eine CO2-Neutralität gegeben.


    Gebäudetechnik

    Wärmeversorgung: Die Wärmeversorgung wird über das vorgesehene BHKW sichergestellt. In Sommermonaten könnte das BHKW, wenn notwendig, zur Kühlung des Gebäudes genutzt werden. Über kombinierte Hydraulik-Verteiler-Weichen könnten, wenn vorgesehen, sämtliche Wärme- und Kältesysteme entkoppelt werden. Insbesondere die Nutzung der systembedingt unterschiedlichen Rücklaufthemperaturen können hierdurch sichergestellt werden.

    Wärme- und Kälteverteilung: Die Wärme- und Kälteverteilung erfolgt im Bereich der Verwaltung- und des Umkleidebereichs, sowie der Nebenbereiche im Erdgeschoss über thermoaktive Decken. Hierbei wird ein Rohrleitungssystem in die Betondecken eingelegt, welche je nach Lastanforderung entweder geheizt oder gekühlt werden. Hierdurch wird zusätzlich sichergestellt, dass das Heiz- und evtl. Kühlungssystem bei evtl. sich ergebenen Überschwemmungen gesichert ist. In der Fahrzeughalle soll über ein entsprechendes Deckenstrahlungssystem die notwendige Erwärmung der Räumlichkeiten abgedeckt werden.

    Lüftung: Um die Anforderungen des Passivhausstandards umzusetzen, ist es notwendig, entsprechende Lüftungsanlagen zur Raumlufthygiene einzusetzen. Für die Büro- und Besprechungsräume des Ortsverbandes und der Geschäftsstelle wird eine dezentrale mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung vorgeschlagen. Diese soll im Bereich der Fassade als dezentrales Fassaden-Lüftungsgerät vorgesehen werden. Dies sichert zum einen den hygienisch notwendigen Luftwechsel und reduziert zum anderen den Lüftungswärmebedarf in sinnvoller Weise. Die Fenster können bei Bedarf (kurzzeitig) beliebig geöffnet werden.

    Zur Regenerativen Energiegewinnung wird im Bereich der Dachflächen eine Photovoltaik vorgeschlagen. Über die Belegung der Dachflächen mit Photovoltaikelementen soll ein Ertrag erwirtschaftet werden, der rechnerisch mindestens den Betrieb der haustechnischen Anlagen mit elektrischer Energie gewährleistet.

    Regenwasser: Das anfallende Regenwasser soll in einer Zisterne gesammelt und dem Gebäude als Grauwasser zu Verfügung gestellt werden. Das Grauwasser wird für die WC-Spülung und die Bewässerung der Aussenanlagen verwendet.


    Konzept Hochwasserschutz

    Für sämtliche im Erdgeschoss angeordneten Räumlichkeiten besteht die Möglichkeit einer Überflutung. Die Räume, die erdgeschossig angeordnet sind, werden grundsätzlich so ausgebildet, dass eine Überflutung keine nachhaltigen Schäden verursacht. Dies bedeutet, dass die Boden- und Wandbereiche in überflutungsverträglichen Materialien ausgeführt werden (Fussbodenbereiche werden mit Dämmungen unter der Bodenplatte ausgeführt und die entsprechenden Bodenbeläge in einer Materialwahl verwendet, die keine langwierigen Austrocknungsnotwendigkeiten aufweisen. Die Installationen der Haustechnik werden als Sichtinstallation vorgesehen). Die Baukörper des Entwurfsvorschlags werden so voneinander im Erdgeschoss angeordnet, dass eine Durchflutung des Grundstücks erfolgen kann. Das bestehende Hochwasserpumpwerk wird in die Fahrzeughalle integriert.


    Wesen der Lösung

    Das bauliche Konzept des Entwurfsvorschlags soll aufzeigen, dass die Umsetzung funktionaler Notwendigkeiten und das Eingehen auf die Eigenheiten des zu Verfügung stehenden Grundstücks eine Situation ergibt, welche dem Ort ein einprägsames Bild ergibt. Es soll ein Bild entstehen, welches im Zusammenspiel zwischen Funktion und Architektur die bauliche Form bestimmt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.