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  • DE-71332 Waiblingen, DE-71334 Waiblingen
  • 04/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-271189)

Wohnen auf dem Klinik-Areal, Baufeld A


  • Teilnahme

    Lageplan, © Steinhoff / Haehnel Architekten

    Architekten
    STEINHOFF / HAEHNEL ARCHITEKTEN GmbH, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    sonstige Fachplaner: brenner BERNARD ingenieure GmbH, Aalen (DE), München (DE)
    Tragwerksplaner: Mayer-Vorfelder und Dinkelacker, Sindelfingen (DE), Dresden (DE), München (DE), Thessaloniki (GR)

    Erläuterungstext
    Das neu entstehende Stadtquartier auf dem ehemaligen Klinik-Areal Baufeld A greift in seiner Maßstäblichkeit und Körnung die vorhandene städtebauliche Struktur auf und fügt sich dadurch natürlich in die umgebende Bebauung ein. An der stark befahrenen Winnender Straße auf der Ostseite des Grundstücks sind Riegel geplant, die durch ein Verspringen der Baukörper gegliedert und aufgelockert werden. Die Gebäudeformen von Baufeld 1 bis 4 werden aufgegriffen und zu einem stimmigen Gesamtensemble ergänzt.
    Im Zentrum des Quartiers werden durch die Stellung der Baukörper und durch Versätze in den Gebäuden zwei neue Quartiersplätze gebildet, die gemeinschaftliche Zonen für die Bewohner von Baufeld A definieren. Durch die entstehende Platzfolge wird eine attraktive, fußläufige Durchwegung des Gebiets vom Baufeld 1 über das Baufeld A in die Innenstadt Waiblingen geschaffen. Diese fußläufige Erschließung und offene Durchquerung des Quartiers steigert nicht nur die Kommunikation der Bewohner, sondern ermöglicht auch direkte individuelle Zugänge. Um die barrierefreie Erschließung durch das Quartier zu ermöglichen, wird der Höhenunterschied von Nord nach Süd im Außenraum mittels Landschaftstreppen überwunden, in die Rampen eingeschnitten sind.
    Die privaten Freiflächen sind immer auf einem erhöhten Niveau gegenüber den halböffentlichen Grünflächen geplant, so dass die Privatsphäre der Wohnungen gewährleistet ist. Die Terrassen und Balkone der Eigentumswohnungen sind nach Süden orientiert, die der Mietwohnungen nach Süd-Westen.
    Um den Verkehrslärm der Winnender Straße aus dem Gebiet herauszuhalten, werden verschiedene Maßnahmen getroffen: Zunächst schirmen die vier 24,5 m langen Riegel mit 3 Vollgeschossen und straßenseitig bündig liegendem Staffelgeschoss den Lärm ab. So werden die Quartiersplätze und die Baukörper mit den Eigentumswohnungen vom Verkehrslärm abgeschirmt. Jeweils zwei dieser Riegel werden mit einem 1- bzw. 2-geschossigen Baukörper zusammengeschlossen um die lärmschützende Wirkung zu verstärken. In der einzigen noch frei bleibenden Gebäudelücke zur Winnender Straße wird der Baukörper in zweiter Reihe so positioniert, dass er die Lücke schließt und hier eine Schallschutz-Barriere geschaffen wird.
    Die Wirksamkeit des Konzepts wird durch das Lärmgutachten bestätigt. Durch die städtebauliche Figur werden innerhalb des Quartiers Schallpegelwerte erreicht, die sowohl tagsüber als auch nachts unterhalb der Orientierungswerte für allgemeine Wohngebiete liegen. Innerhalb des Areals werden die Werte sogar um 5 bis 10dB unterschritten.
    Die Wohnungen an der Winnender Straße sind hinsichtlich Schallschutz optimiert geplant. An der Straßenfassade sind vorwiegend die Treppenhäuser und Nebenräume angeordnet. Alle Individualräume orientieren sich zu den Quartiersplätzen im Westen oder zur Nord- oder Südseite.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf wird grundsätzlich als guter Beitrag zur Bebauung des Baufelds A angesehen, allerdings wird dieser Gesamteindruck durch einige Aspekte getrübt.
    Das Baufeld A wird - nahe am Rahmenplan - durch längliche Einzelhäuser parallel zur Winnender Straße und durch abwechselnd längliche und punktförmige Gebäude im rückwärtigen Bereich gegliedert. Die Bebauung erscheint auf städtebaulicher Ebene als sehr maßstäblich und gut proportioniert. Durch die Stellung der Gebäude entstehen zwischen der Straßenbebauung und den dahinter liegenden Gebäuden schön gefasste Quartiersplätze, die durch Fußwege untereinander und auch mit der Umgebung gut vernetzt sind. Allerdings kommen die Qualitäten der kleinen Plätze hauptsächlich dem Baufeld A zugute, nicht jedoch dem umliegenden neuen Quartier. Eine Belebung erscheint nur reduziert zu funktionieren.
    Die Haustypen sind überwiegend durch Lochfassaden geprägt. Vor allem zur Winnender Straße und nach Süden hin werden die Ansichten deutlich kritisiert. Zur Winnender Straße wird über kleine Vorbauten eine nicht angemessene Kleinteiligkeit erzeugt. Die großen Treppenhausverglasungen sprechen von einer Bedeutung, die nicht zur Funktion passt. Die große Geste des Kindergartens und der darüber liegenden Wohnbebauung erscheinen übertrieben, die Fassade des Kindergartens passt nach einer möglichen späteren Umnutzung nicht mehr zu den Wohnungen.
    Im gesamten Baufeld A sind die Wohnungen gut gemischt, sinnvoll gruppiert und versprechen ho-he Wohnqualität. Auch die Anordnung und Ausrichtung der Grundrisse an der Winnender Straße zeigen einen guten Umgang mit der Lärmbelastung.

    Die Zufahrten der Tiefgaragen und deren Aufteilungen sind sinnvoll angeordnet. Die TG im Nordosten ist aber durch einseitige Stellplatzanordnung an der Fahrgasse nicht ökonomisch organisiert.
    Die Müllräume zur Winnender Straße sind gut platziert und zugänglich.
    Der Kindergarten liegt richtig. Durch den zweigeschossigen Verbindungsbau wird die Bildung eines Spielhofes unterstützt, der große Qualitäten erwarten lässt.

    Trotz sinnvoller städtebaulicher Struktur und gut gestalteter Wohnungsgrundrisse kann aufgrund nicht angemessener Fassaden und anderer kleinerer Mängel kein überzeugender Gesamteindruck entstehen.