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  • Gewinner

    © scape Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Funk , Hiltrud Maria Lintel , Prof. Rainer Sachse

    Mitarbeit
    Vivien Ildikó Harmati, Daniel Heblich, Ben Zemke, Floor Hendrickx

    Erläuterungstext
    Entwurfsidee

    Die historischen Schichten des zentralen Stadtraumes von Marktplatz, Kirchenumfeld und umgebenden Straßenräumen in Rheine werden im vorliegenden Entwurf behutsam aufgegriffen und erlebbar gemacht. Hierbei wird besonderes Gewicht auf die deutliche Ausformulierung der beiden historischen Zentren des Kirchenumfelds und des städtischen Marktplatzes als Keimzellen der Stadtentwicklung gelegt.

    Kirchhof

    Die St. Dionysius Kirche wird auf einen grünen Teppich gestellt und damit der ursprünglich befestigte Kirchendistrikt nachgezeichnet. Historische Spuren wie die erhaltenen Teile der Stadtmauer werden so zusätzlich inszeniert. Es entsteht eine umlaufende, großzügige Bewegungs- und Aufenthaltsfläche, von der geradlinige Wegebeziehungen zu den wichtigen Kirchenzugängen führen. Hier laden attraktive Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. Auf den Rasenflächen gibt es punktuelle Spielangebote.
    Die notwendigen PKW-Stellplätze werden unaufdringlich in die grüne Gestaltung integriert. Die Zufahrt zum Kirchhof soll, um den PKW-Verkehr aus den Hauptbewegungszonen von Fußgängern und Radfahrern herauszuhalten, zukünftig von Norden erfolgen. Sollte dies nicht möglich sein, ist weiterhin eine Andienung aus Richtung Marktplatz möglich. Der Baumbestand wird schonend aufgelichtet und weitestgehend erhalten. Die Sichtbeziehungen auf den Kirchturm werden durch den punktuellen Entfall von zwei Bäumen gestärkt. Nachpflanzungen im grünen Hof schaffen Ersatz mit langfristiger Entwicklungsperspektive.

    Marktplatz

    Der Marktplatz wird im Kontrast zum grünen Kirchhof bewusst als steinerner Stadtplatz in Wert gesetzt. Er wird dazu barrierefrei gestaltet und von störenden Einbauten freigehalten. Die jetzige Höhensituation von ca. 1m Höhenunterschied von Nordwest nach Südost wird gleichmäßig über die Länge des Platzes verteilt (Gefälle = ca. 2,8%) und ermöglicht einen vollständigen Verzicht auf Treppen und Mauern auf dem Marktplatz

    Eine die prägnanten unsymmetrischen Raumkanten des Marktplatzes nachzeichnende großzügige Pflasterintarsie wird zur zentralen Aktionsfläche. An ihrem nördlichen Rand wird eine mit historischen Daten versehene Metallschiene in den Bodenbelag eingelassen, die die historische Meile begleitet. Im Süden und im Westen werden lange Bänke mit Arm- und Rückenlehnen verortet, von denen man das Geschehen auf dem Platz im Blick hat.
    Als Vermittler zwischen Marktplatz und Kirchhof wird eine neue Brunnenanlage im nordöstlichen Platzbereich platziert, die von modularen Rundbänken umstellt ist. Die Bänke sind abbaubar konzipiert, so dass beispielsweise auf raumgreifendere Veranstaltungen flexibel reagiert werden kann. Der Brunnen wird in Anknüpfung an die historische Bedeutung des Marktplatzes und die soziale Funktion der historischen Wasserschöpfstelle zum neuen zentralen Aufenthalts-und Kommunikationsort mit stadtweitem Signetcharakter. Mittelpunkt des Gemeinschaftsortes bildet ein flacher kreisförmiger Wasserspiegel mit skulpturalen Steinsetzungen. Konzentrische Pflasterkreise betonen den Brunnen und lassen ihn in seine Umgebung ausstrahlen. Fontänen sorgen für attraktive Wasserimpressionen und vielfältige Spielmöglichkeiten.

    Neben dem Wasserspiel finden sich im westlichen Bereich des Marktplatzes weitere Spielangebote. Beispielsweise könnte das Thema „Markt und Handel“ in Form einer interaktiven Klanginstallation aufgenommen werden, bei der in den Boden eingelassenen überdimensionale Münzen zum Spielen, Hüpfen und Aktivieren von Klängen animieren können. Auch ein kleines „Münz“- Trampolin wäre denkbar. Als prägendes vegetatives Element spendet z.B. ein Lederhülsenbaum (Gleditschie) im nordwestlichen Platzbereich lichten Schatten und mildert die sommerliche Wärmeentwicklung.

    In den Randbereichen des Marktplatzes wird ausreichend Raum für Außengastronomie und Geschäftsauslagen bereitgestellt. Eine angemessene Zahl von Fahrradanlehnbügeln und Abfallbehältern ist vorgesehen. Ein Periskop zum Blick in die Vergangenheit findet seinen Platz im Verlauf der historischen Meile. Die Beleuchtung der Platzfläche erfolgt mittels der vorhandenen ortstypischen Mastaufsatzleuchten mit Kandelabern.

    Straßenräume

    Die Marktstraße wird durch ein Funktionsband neu definiert, das wie die Pflasterintarsie des Marktplatzes zur klaren Straßenraumzonierung beiträgt. Das Band nimmt schmalkronige Blütenbäume, Bänke und einfache Mastaufsatzleuchten auf. Auch die Bänderung mit historischen Informationen wird hier weitergeführt. In der Marktstraße wird zudem der Verlauf der Stadtmauer über eine alternierende Pflasterung verdeutlicht. Die Funktionsbänder können schrittweise auch in Münsterstraße, Herrenschreiberstraße und Klosterstraße realisiert werden.

    Materialien

    Das bereits vorhandene hochwertige Natursteinpflaster wird aufgenommen, wenn nötig geglättet, ergänzt und wieder eingebaut. Die Intarsie und die Funktionsbänder werden mit verschiedenen Pflasterformaten im Reihenverband befestigt und erhalten eine Einfassung aus Sandsteinplatten. Die übrigen Pflasterflächen erhalten Naturstein-Kleinsteinpflaster im Segmentbogenverband. Die Bänke an der Intarsie sollen als hochwertige Steinbänke mit Holzauflagen realisiert werden. Die Rundbänke am Brunnen werden als leicht demontierbare Stahlbänke mit Holzauflagen ausgeführt.

    Beleuchtung

    Neben den Kandelaber-Mastaufsatzleuchten auf dem Marktplatz und den einfachen Mastaufsatzleuchten in den Straßenräumen soll der prägende Solitärbaum auf dem Marktplatz mittels Bodenstrahlern ausgeleuchtet werden. Auch die historischen Fassaden sollen eine Illumination erhalten. Der Brunnen wird ebenfalls des nachts mit Hilfe von Licht inszeniert und kann so auch in den Dämmerungs- und Abendstunden zu einem atmosphärischen Aufenthaltsort werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    - Klare Ablesbarkeit und Gliederung der Elemente / Teilbereiche Kirchplatz (sakraler Ort, „grüner“ Platz) und Marktplatz (weltlicher Ort, „steinerner“ Platz)
    - gelungene Positionierung des Brunnens im Osten des Platzes im Übergangs-bereich zwischen Marktplatz und Kirche; ohne Beeinträchtigung der nutzba-ren Flächen des Platzes
    - damit korrespondierende Verortung des Baumes / Aufenthaltsbereiches im Westen des Marktplatzes
    - die Anordnung der Möblierung insgesamt und der Bänke und Spielgeräte im Bereich des Baumes unterstützen die Aufenthaltsqualität
    - die hohen Ansprüche an eine Multifunktionalität des Platzes sind gewährleis-tet
    - qualitativ hochwertige Vorschläge zu Pflasterung


INFO-BOX

Angelegt am 11.07.2017, 13:39
Zuletzt aktualisiert 13.07.2017, 09:46
Beitrags-ID 4-142816
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