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  • DE-77855 Achern, DE-77855 Achern
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-250869)

Städtebauliche Neuordnung der Illenauwiesen


  • 4. Rang Anerkennung


    Architekten
    Müller + Huber Architekten, Oberkirch (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ECHOMAR, Oberkirch (DE)
    Landschaftsarchitekten: w+p Landschaften, Berlin (DE), Offenburg (DE), Schiltach (DE)
    Visualisierer: LINK 3D - Wettbewerbsperspektiven und Architekturvisualisierung, Freiburg im Breisgau (DE)

    Erläuterungstext
    1 _ HISTORISCHE INSEL ILLENAU

    Der Nervenheilanstalt Illenau lag die Konzeption der „Insel“ im Grünen zugrunde. Die sehr repräsentativen eher urbanen architektonischen Motive wurden im Geist der Zeit mit geordneten Landschaftsmotiven kombiniert. Die Erschließung der Insel erfolgte über eine zentrale Achse, die als Allee ausgeführt wurde.

    Diese Grundkonzeption der Insel ist auch im heutigen städtischen Gefüge, das durch mehr oder weniger gelungene Ergänzungsbauten geprägt ist, noch klar erkennbar. Die Inszenierung der Allee in der Sichtachse zur ikonografisch regional bedeutsamen Hornisgrinde verstärkt diesen Ansatz noch.



    2 _ NEUE URBANE INSELN

    Unsere Konzeption knüpft an dieses Inselmotiv an. Wir verstehen die Illenauwiesen tatsächlich als besonderen Grünraum, der in Achern einzigartig ist. Dieser wertvolle Raum wird daher als Grundlage betrachtet in den dann urbane Inseln gesetzt werden. Die Art der Bebauung wertet den Grünraum dadurch auf, dass er ihn als Standartsetting für den Ort betrachtet, in dem die urbanen Inseln die Ausnahme sind.

    Die Erschließung der Inseln erfolgt analog zur städtebaulichen Historie durch Stichstrassen. Dieser Ansatz ist nicht nur konzeptionell konsequent, sondern geht auch sehr nachhaltig mit der Ressource „Illenauwiese“ um.



    3 _ QUARTIERSIDENTITÄTEN

    Das Motiv der urbanen Inseln erlaubt auch eine klare Ausbildung der einzelnen Quartiersidentitäten. Die Inseln funktionieren als Einheit und sind doch in ihren Strukturen klar voneinander abgrenzbar. Die klare Identifizierbarkeit wird die Wohn- und Lebensqualität der einzelnen Bereiche verbessern und stellt einen klaren Mehrwert im Vergleich zu den eher koventionellen Acherner Stadterweiterungen auf den Arealen Lott-, Süwag- oder Glashütte dar.

    Die Reithalle als großer Identitätsanker erfährt durch die Umgestaltung zur Markthalle bzw. zum Ort für landwirtschaftlichen Direktverkauf eine Aufwertung, die mit begrenzten Mitteln leistbar ist und zusammen mit der Gastronomie einen wesentlichen Beitrag zur Quartiersqualität leistet.



    4 _ ENDLICH STADTEINGANG

    Ein weiteres wesentliches Merkmal des Entwurfs ist die eindeutige Ausbildung des Stadt Die in zweiter Reihe gelegene Illenau bringt ihr Identifikationspotenzial nur sehr bedingt zur Geltung. Duch die Ausgestaltung eines städtebaulichen Hochpunktes und einer großen urbanen Freifläche wird dieser Raum in seiner Wahrnehmung vom Durchgangsraum zum Aufenthaltsort. Er wird durch die Ausbildung seiner Ränder und die Fortführung der Bepflanzung der Illenauallee als Rückgrat zum erkennbaren Stadteingang. Durch diese Massnahme kommt auch der Achse Reithalle/Illenau neue Bedeutung zu und die Illenau erfährt durch die neue Konfiguration die Aufmerksamkeit, die sie verdient.



    5 _ STRUKTURELLE ÜBERGÄNGE

    Die städtebauliche Umgebung der Illenauwiesen ist äußerst heterogen. Wir sehen in dieser Heterogenität ein wesentliches Charaktermerkmal des Ortes. Die neuen Strukturen müssen zwischen den unterschiedlichen Körnungen, Typologien, Funktionen und Stadträumen vermittlen. Durch dieser Adapterfunktion integrieren sich die „Inseln“ in den Kontext und wirken selbstverständlich. Um den Platz an der Reithalle sind Bebauung, Erschließung und Stadträume urban, in Richtung Süden (Oberachern) und Westen (Wohngebiet) wird die Bebauung kleinteiliger, die Erschließung, die Typologien und die Stadträume suburbaner.



    6 _ ACHERNER GRÜNRÄUME

    Die Illenauwiesen werden einen wichtigen Baustein im Grünraumgerüst Acherns spielen. Wichtig wird dabei sein, die Rolle des neuen Grünraums in seinem Verhältnis zu den existierenden Grünräumen zu definieren um so das Angebot zu ergänzen und Konkurenzen und Dopplungen zu vermeiden. Der Stadtgarten als wichtigster Grünraum ist ein klassicher urbaner Erholungsraum und ein gezielt gestalteter und gepflegter Landschaftspark. Der Freiraum um die Illenau ist dagegen eher von repräsentativem und geometrischem Charakter.

    Die Illenauwiesen werden unserem Vorschlag nach diese Räume durch eine rauhere und naturlandschaftliche Komponente mit hohem Freizeit- und Aktivitätswert ergänzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Leitidee des Entwurfs mit der Akzentuierung der großen Freifläche und einer kompakten Gebäudegruppe wird begrüßt. Es entsteht eine gute Proportion zwischen freigehalten und überbaut. Die Reithalle wird in der Achse zur Hauptzufahrt zur historischen Illenau freigestellt und über einen großen befestigten Platz im Vorfeld betont.
    Der urban befestigte Platz wird mit einer „Streetbar“ unter dem Dach der ehemaligen Tankstelle bestückt. Eine diskussionswürdige Idee: allerdings wird die Prominenz der Achse zur Illenau durch diese Maßnahme geschwächt.

    Die zwei- bis viergeschossigen Wohngebäude sind blockähnlich mit großen Zwischenräumen gestaltet, ein orthogonales Raster wird vermieden durch eine vielgestaltige Auflösung der Blockrandbebauung. Zwei Quartiere werden über die Innenhöfe erschlossen, was Wohnruhe und Aufenthaltsqualität beeinträchtigt. Der nördlich gelegene Block wird vom Vorfeld der Reithalle erschlossen, was unnötig Verkehr in diesen hochwertigen Stadtraum verlagert. Unverständlich ist für das Preisgericht der vollständige Verlust der wertvollen Lindenreihe.
    Ost-West orientierte Grünzonen zwischen den drei Blocks anzulegen ist schlüssig.
    Die südliche Zone könnte auf die schöne Fassade des Heizhauses orientiert sein, was aber nicht gelingt. Allerdings führt das Grün dort zur ehemaligen Schwimmschüssel, die jetzt jedoch als großes „Flussbad und Biotop“ ausgebildet werden soll.
    Die heterogene Anordnung der Gebäude entlang der Illenauer Straße und die Öffnung der zwei südlichen Blocks zur Straße hin sind unverständlich und nicht begründet.

    Die gewünschte Mischung der Wohnarten führt zu unterschiedlichen Gebäudehöhen – von zwei- bis zu viergeschossigen Gebäuden –, die von Süden nach Norden ansteigen. Verständlich wäre hier eher eine Schutzbebauung zur Straße hin. Die Anordnung von viergeschossigen Gebäuden zur Reithalle hin und um sie herum erscheint willkürlich. Der Übergang zum Park mit den Reihenhäusern im Westen stellt eine unverständliche Aufwertung der schon privilegierten Wohnform dar.

    Die neue Verkehrsführung mit einem kleinen Kreisel an der Illenauerstraße plus neuer Bushaltestelle kann angenehm und verkehrsberuhigend wirken.

    Der neue Reithallenplatz erhält durch seine Größe und durch die gestalterische Einbeziehung der Parkplätze eine geringe Aufenthaltsqualität. Das Erschließungssystem im Park ist schlüssig, die Umgestaltung des Schüsselbades mit großer Freitreppe und Flussbad und Biotop müsste ökologisch, gestalterisch und hydraulisch gelöst werden. Attraktiv ist dieses Angebot. Die beiden vorgeschlagenen Brücken sind gut positioniert.

    Das Nutzungskonzept für die ehemalige Reithalle mit einer Markthalle wird generell und besonders durch die räumliche Nähe zu bestehendem Lebensmitteleinzelhandel für problematisch angesehen. Die Angebote verschiedener Wohnformen incl. Seniorenwohnen sind angemessen.

    Der vielfältige und attraktive Galeriesaum am Mühlbach wird erhalten und zu einem großen Grünraum ergänzt, was positiv gesehen wird.

    Das Grobkonzept des Entwurfes wird den Anforderungen gerecht. Jedoch erscheinen das Umfeld der Reithalle mit den großen Parkplatz als Endpunkt der historischen Achse wie auch die Ausformung der Wohnblocks mit der ins Innere führenden Erschließung als zu wenig durchdacht.