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  • DE-73430 Aalen, DE-73525 Schwäbisch Gmünd
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-250549)

„Waldcampus“ Fakultät Wirtschaftswissenschaften - Mensa - Studierendenwohnheim mit Kindertagesstätte


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Planstatt Senner, Überlingen (DE), Stuttgart (DE), München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Broghammer Jana Wohlleber, Zimmern ob Rottweil (DE)
    Visualisierer: LINK 3D - Wettbewerbsperspektiven und Architekturvisualisierung, Freiburg im Breisgau (DE)
    Tragwerksplaner: merz kley partner, Dornbirn (AT), Altenrhein (CH)

    Preisgeld
    77.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau/Freiraumkonzept
    Das Ziel des Entwurfs ist, den bestehenden Wald in seiner Vielfalt und Ursprünglichkeit als prägendes Element zu erhalten, zu schützen, zu entwickeln, stellenweise „sichtzupflegen“ und für die Menschen behutsam zu erschließen. Auf Stegen und Waldwegen wandelnd, im Schatten der 80jährigen Eichen, sollen die rauchenden Köpfe der Studierenden und des Lehrpersonals durch Spechtklopfen und Froschquaken gelüftet werden.

    Sowohl entlang der Rombacher Straße als auch entlang der Anton-Huber-Straße, werden die Gebäude so behutsam in den Wald eingefügt, dass der Waldsaum erhalten bleibt. Die Längsparker an der Rombacher Straße werden unter Rücksichtnahme auf Baumstandorte, unter dem Waldtrauf platziert, ohne dass dafür Bäume weichen müssen. Auch der Waldparkplatz nordwestlich der Mensa schmiegt sich unter die bestehenden Nadelgehölze.

    Der bestehende Waldweg erschließt fußläufig als Spazierweg das Wohnheim, den Kindergarten, die Mensa und den Standort Burren. Dabei quert man die beiden bestehenden Gräben, in die über eine lange Wasserachse auch das Regenwasser der Neubauten eingeleitet wird. Am topografischen Tiefpunkt, in der Geländemulde, wird das Wasser dann zurück gehalten und steht dem Feuchtwald zur Verfügung.

    Der neue Waldcampus verknüpft den Hochschulstandort Beethovenstraße noch enger mit dem Standort Burren. Zusammen bilden die drei Standorte eine Campusachse.
    Auf einer großzügigen Promenade entlang der Anton-Huber-Straße, die von einer langen Holzbank begleitet wird, sind die Wege zwischen den verschiedenen Fakultäten und zur Mensa zukünftig kurz. Die breiten Pflasterbänder, die den Passe-Verband des Belages unterbrechen und sich auch über den Asphalt der Straße ziehen, verdichten sich am Eingangsplatz. Auf einer umlaufenden, einen Meter breiten Holzbank, kann man unter den Bestandsbäumen des Eingangsplatzes das akademische Viertel abwarten.
    Auch der großzügige Platz südlich der Mensa bzw. westlich der Wirtschaftswissenschaften, ist als Pflasterbelag im Passe-Verband ausgebildet. Von hier aus geht es ein paar Terrassen hinunter in die Landschaft. Unter lichtem Baumschatten kann man hier den Blick in die Waldkulisse genießen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die vier Bauteile des Gebäudeensembles orientieren sich in ihrer Ausrichtung am Behnisch-Bau. Der Entwurf platziert das Fakultätsgebäude im Osten des Grundstücks, unmittelbar an Rombacher- und Anton-Huber-Straße und ordnet die Mensa zurückgesetzt auf der Nordseite an. Damit wird bereits mit dem ersten Abschnitt der Baumaßnahme ein städtebaulich markantes Zeichen gesetzt. Die Körnung der einzelnen Bausteine wirkt schlüssig und der unmittelbaren Umgebung angemessen. Die grüne „Klammer“ mit dem Baumbestand im Westen und Süden bleibt erhalten.

    An der Anton-Huber-Straße entsteht ein gemeinsamer, angenehm dimensionierter Vorplatz von dem Mensa und Fakultätsgebäude erschlossen werden. Dies stellt für die Adressbildung und für die Auffindbarkeit eine gute Lösung dar. Eine breite Freitreppe verbindet den Vorplatz mit einer zweiten, dem Wald zugewandten Platzfläche im Westen. Die Mensa-Anlieferung erfolgt funktional günstig und relativ unauffällig von Norden, unabhängig von der Platzsituation. Die Positionierung der Stellplätze an der Anton-Huber-Straße ist aus verkehrlicher Sicht akzeptabel, bedarf aber einer genauen Überprüfung des Eingriffs in den Naturraum. Der Entwurf beachtet die baurechtlichen Grundlagen. Die Höhenentwicklung bedarf noch der Abstimmung im Detail.

    Das Fakultätsgebäude ist als Atrium konzipiert und verfügt über einen großzügigen Eingangsbereich. Alle Geschosse weisen die gewünschte Mischung aus Seminar- und Büroräumen auf. Die Vertikalerschließung erfolgt nur über zwei abgeschlossene aber großzügige Treppenhäuser. Der Lichthof des Atriums wirkt im Verhältnis zur Gebäudehöhe sehr knapp. Es sollte darüber nachgedacht werden, den Lichthof aufzugeben und Nebenräume im Mittelpunkt des Grundrisses zu platzieren, zugunsten hochwertiger Aufenthaltsbereiche an der Außenfassade. Durch die Gleichheit der einzelnen Grundrisse und die einfache Konstruktion ergibt sich eine hohe Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Der geforderte Einsatz des Werkstoffes Holz beschränkt sich auf nichttragende Innenbauteile sowie auf Fassadenkonstruktionen. Das Preisgericht würdigt die Beschäftigung mit der Nachhaltigkeitsthematik, wünscht aber eine stärkere Berücksichtigung eines konstruktiven Holzbaus. Die Fassade wirkt ruhig und stimmig.

    Die Nutzflächen sind insgesamt knapp, dies bedarf einer Korrektur. Wesentliche Funktionsflächen sind nicht nachgewiesen, insbesondere fehlen Flächen für zentrale Technik. Die großen Tiefen der Büroräume sind zu überprüfen.

    Der Entwurf besticht durch einen sehr geringen Wärme- und Kältebedarf. Diese günstigen Werte resultieren allerdings aus den am unteren Limit bemessenen Nutz- und Funktionsflächen.

    Die Mensa ist weit gehend eingeschossig organisiert, mit einem Speisesaal, der sich zu den angrenzenden Platzflächen orientiert. Die Cafeteria öffnet sich zur unteren Platzfläche. Die Mensafassade entwickelt einen ähnlichen Duktus wie die Fassaden des Fakultätsgebäudes, wirkt aber dennoch eigenständig und angemessen. Die Raumhöhen im Speisesaal sind zu gering.

    Die Auflösung des Wohn- und Kita-Gebäudes in zwei drei- und viergeschossige Einzelvolumina ergibt eine angenehme Kleinteiligkeit. Die Zuwegung zur Kita und deren Auffindbarkeit sind noch zu verbessern.

    Durch die städtebauliche Anordnung ergeben sich in überzeugender Weise zwei funktional unterschiedliche Platzsituationen: Zum einen der gemeinsame Vorplatz. Dieser verspricht eine hohe verbindende Qualität und kann auch für die Außenbestuhlung der Mensa genutzt werden. Der auf der Ebene -1 liegende Platz stellt ein verbindendes Gelenk zwischen allen Gebäuden, einschließlich Studentenwohnheim und Waldbereich dar. Er dient gleichzeitig als Außenraum der Cafeteria. Die klare und zurückhaltende Dimensionierung der Außenräume erlauben den Erhalt von großen Teilen der Waldfläche und unterstützen den Charakter des Waldcampus.