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  • DE-73430 Aalen, DE-73525 Schwäbisch Gmünd
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-250549)

„Waldcampus“ Fakultät Wirtschaftswissenschaften - Mensa - Studierendenwohnheim mit Kindertagesstätte


  • 2. Preis

    Außenperspektive, © CODE UNIQUE Architekten BDA

    Architekten
    CODE UNIQUE Architekten, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Boden-Peroche , Volker Giezek

    Mitarbeit
    Paul Schmelzer, Dominic Geppert, Johannes Kruschwitz, Patrick Wenske, Kangwen Yu

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden (DE)

    Preisgeld
    48.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Dem städtebaulichen Gedanken eines Waldcampus und dem größtmöglichen Baumerhalt wird durch die Gliederung in einzelne Baukörper und Einordnung in die Topgraphie Rechnung getragen. Die einzelnen Bausteine differenzieren sich in ihrer Höhe und Geschossigkeit und bilden so ein lebendiges Quartier im Areal Waldcampus, welches sich wie die umliegenden Campusareale als Scholle in das städtebauliche Umfeld fügt. Auskragungen markieren die Eingänge der Bausteine, definieren die Raumabfolge und Verbindung der unterschiedlichen Niveaus. Die Eingangsniveaus der Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Mensa werden durch eine gemeinsame Terrasse verbunden. Das Mensagebäude verbindet so den Vorplatzbereich vom Areal Beethovenstraße über die westliche Terrasse mit Blickbeziehung zum Areal Burren. Die Kita und das Studentenwohnheim im südlichen Baustein werden über einen internen Hof erschlossen und sind so autark nutzbar.

    Freiraum

    Das wertvolle Grün: Der neue Gebäudekomplex wird unter Berücksichtigung der vorhandenen Waldgehölze in die Topographie eingeordnet. Auch die Lage und die Ausbildung der Erschließungsflächen berücksichtigt die Vegetation, so werden unterschiedliche Höhenniveaus durch Rampen und Treppen verbunden um möglichst den Eingriff zu minimieren. Durchlässige Baumscheiben auf den Eingangsplätzen und Erschließungsflächen ermöglichen den Erhalt der Bäume bzw. schaffen Flächen für neues Grün. Es wird darauf verzichtet die Stellplätze in die Freianlagen zu integrieren, wodurch bewusst Raum geschaffen wird um vorhandene Grünflächen zu erhalten.
    Die neuen Orte: Die Freiflächen um die zentrale Mensa bestehen aus dem östlichen Vorplatz, der dem Campus eine grüne „Waldadresse“ verleiht und im Westen aus der Terrasse als Balkon zum Wald, diese ist gleichzeitig Freisitz der Mensa. Im Süden des Bearbeitungsgebietes wird in das vorhandene Gelände die Andienung und die benötigen Stellplätze integriert. Das studentische Wohnen und auch die Kita erhalten in unmittelbarer Nähe die gewünschten Freiflächenangebote. Das Gebäude der Wirtschaftswissenschaften ist über die nördliche Freifläche der Mensa erschlossen und erhält eine Anbindung an den Waldweg nach Burren.
    Nachhaltigkeit: Neben dem weitest gehenden Erhalt der vorhandenen Bäume, werden durchlässige Beläge verwendet. Die Entwässerung der Dach- und befestigten Flächen erfolgt in die Vegetation. Die Verwendung von dauerhaften Materialien schont Ressourcen und sichert einen wirtschaftlichen Unterhalt.

    Innere Struktur

    Der Baustein im Osten des Wettbewerbsgebietes bildet mit der Mensa als Herzstück den Auftakt zum Waldcampus. Das Gebäude öffnet sich mit seinen Zugängen nach Osten zum Vorplatz und nach Westen zur Terrasse. Die interne Wegeführung berücksichtigt die zweiseitige Zugänglichkeit. Ein Lichthof schafft zusätzlich Orientierung im Gebäude.
    Das Foyer gen Westen bietet eine Sitzfläche für die Cafeteria mit Freisitz auf der Terrasse zum Wald und ist auch außerhalb der Mensazeiten nutzbar. Der lange Tresen am rückwertigen Küchenbereich ist abtrennbar von der restlichen Speisenausgabe. Produktionsküche, Tageslager und der Spülbereich liegen in der selben Ebene wie der Speisesaal. Die Anlieferung der Küche erfolgt über das Geschoss darunter von der Rombacher Straße, wo sich die Lauf- und Transportwege der Lager- und Umkleidebereiche klar trennen. Die geforderten 40 Stellplätze werden in dieser Ebene in einer offenen Garage/Parkdeck untergebracht, welche über die Fassade gen Westen unter der Terrasse natürlich belüftet wird. Dadurch wird der Baumbestand zur Rombacher Straße weitestgehend erhalten bleiben.

    Die Fakultät Wirtschaftswissenschaften ist in dem 7-geschossigen Gebäude im Norden verortet. Über die Auskragung auf der Südseite wird das Fakultätsgebäude erschlossen. Nutzungen wie Hörsäle und Seminarräume orientieren sich in Richtung Norden und sind so von direkter Sonneneinstrahlung freigehalten. Das Atrium mit der einläufigen Treppe verbindet alle Geschosse und bietet mit der direkten Anordnung der Kommunikationsräume und Teeküchen einen Ausblick in Richtung Wald. Besprechungsräume, Bibliothek und Kleingruppenräume bespielen die Fassade in Richtung Westen zusätzlich.

    Im südlich gelegenen Baukörper befindet sich das studentische Wohnen mit Kindertagesstätte. Beide Nutzungen werden jeweils über den Patio erschlossen. Die Kindertagesstätte erstreckt sich über zwei Ebenen und verbindet das Eingangsniveau mit dem darunterliegenden Freiraumniveau. Gruppenräume und Mehrzweckraum sind ebenerdig mit den Freiraumflächen verbunden. Das studentische Wohnen wird durch das Foyer mit dem zentral gelegenen Lernraum über eine einläufige Treppe am Patio erschlossen und besetzt die oberen Geschosse. Jede Wohngruppe wird über den Gemeinschaftsraum erschlossen und hat über die vorgelagerte Loggia einen direkten Bezug nach außen.


    Baukonstruktion und Brandschutz

    Die Neubauten sind kompakt mit einem günstigen A/V-Verhältnis angelegt. Die Gebäudekonstruktion wird im Hinblick auf die Herstellungs-, Betriebs- und Unterhaltungskosten wirtschaftlich gewählt. Die Auswahl der Materialien erfolgte unter dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit. Im wesentlichen wird eine Hybridbauweise aus einer Holzrahmenkonstruktion, Betonkernen im Inneren und Glas vorgeschlagen. Zudem weist die Holzbauweise eine hohe Energieeffizienz und eine lange Lebensdauer auf, so dass nur geringe zusätzliche Lebenszykluskosten zu erwarten sind. Die massiven Betonkerne im Innenraum sollen unverkleidet klimaregulierend wirken. Raumakustisch wirksame Maßnahmen werden in ohnehin erforderliche Innenausbauten und den Decken integriert. Der Baukörper ist mit Brettsperrholzwänden, vorgefertigten Holzbauteilen an der Fassade, Holzverbunddecken und aussteifenden Stahlbetonwänden und –kernen konzipiert. Durch kreuzweise Verklebung einzelner Brettlagen entsteht aus dem gerichteten Werkstoff Holz ein Material mit Platten- und Scheibenwirkung, das sich als Wandbauteil einsetzen lässt. Aufgrund der schlanken Wandkonstruktionen, hoher Tragfähigkeit und der sehr guten Brand- und Schalleigenschaften ist der Massivholzbau in verschiedenen Vergleichsobjekten bereits realisiert und bewährt. Eine modulare Anordnung der Innenwände in dem Fassadenraster, sowie eine regelmäßige vertikale und horizontale Medienführung erhöht die Flexibilität der Grundrisse in allen Geschossen. Die Wände sind in dem vorhandenen Raster von 1,30m frei wählbar und im Kontext wechselnder Nutzeranforderungen kosteneffizient veränderbar. Alle Rettungswege führen ebenerdig ins Freie. Die klare Einsehbarkeit unterstützt die unkomplizierten Rettungswege. Die Treppenhäuser wurden so konzipiert, dass alle Geschosse ausreichend notwendige Fluchttreppenhäuser unter Einhaltung der notwendigen Fluchtweglängen besitzen. Im Außenbereich sind alle Hochschulgebäude von der Feuerwehr zu erschließen und bieten ausreichend Aufstellfläche.

    Energie und Technik

    Zugunsten optimierter Betriebskosten wird sowohl im Winter als auch im Sommer eine hohe Energieeffizienz angestrebt, welche eine hohe Behaglichkeit im Gebäude sicherstellt. Insbesondere Architektur und Baukonstruktion tragen zu einer energetisch günstigen Gesamtbilanzierung bei. Strukturell sind alle Bereiche natürlich zu belichten, wodurch eine optimale Tageslichtausnutzung gewährleistet wird. Zur Reduzierung des sommerlichen Wärmeeintrages wird an den Fenstern der Ost-, West- und Südseiten des Gebäudes ein steuerbarer, windunabhängiger Sonnenschutz angebracht. Alle Räume verfügen über einen innenliegenden Blendschutz. Die verhältnismäßig einfache Gebäudekonfiguration mit einer bewährten Ausführungskonstruktion gewährleistet eine wirtschaftlich optimierte Bauwerkserstellung. Mit den einheitlichen und optimierten Fassadenoberflächen sind alle Wartungs- und Reinigungsaufwendungen im günstigen Bereich anzunehmen. Ziel des vorliegenden Technikkonzeptes ist es, das Gebäude wirtschaftlich und energetisch optimal zu betreiben. Die energetischen Anforderungen nach ENEV 2016 werden unterschritten und einem ökologischen Ansatz gerecht. Auf dem Dach der Campusgebäude wird eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Die Hochschulgebäude sind soweit möglich natürlich belüftet. Versammlungsräume werden maschinell be- und entlüftet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf überzeugt durch eine konsequente städtebauliche Konzeption, die die Baukörper in einem ausgewogenen Spannungsverhältnis platziert. Dadurch werden die Baumbestände maximal erhalten. Vorplatz Mensa, Zugang Fakultätsgebäude und die großzügige Freiterrasse werden höhengleich vorgesehen, somit entsteht eine große Einheitlichkeit des Freiraums. Der dafür notwendige Bauwerkssockel lässt im Gegenzug keine direkte Verbindung in den Waldbereich zu. Die Zugänge zu Kita und Studierendenwohnheim erfordern eine Treppenverbindung. Die Zufahrten zu Kita und Parkplätzen, TG und Mensaanlieferung sind gut gelöst. Der Eingang des 7-geschossigen Fakultätsgebäudes, welches mit seiner Gebäudekante knapp zur Straße platziert ist tritt gegenüber der Mensa in den Hintergrund. Die Holz-Glas-Fassaden mit außenliegendem Sonnenschutz haben eine ausgeprägte Stringenz. Sie Spiegeln das klare Holz-Tragwerkskonzept wider.
    Die Funktionsverteilungen in den Obergeschossen sind gut geordnet, jedoch ist die Qualität der Kommunikationszonen nicht überzeugend. Das Belichtungsatrium erscheint zunächst reizvoll, ist aber brandschutztechnisch aufwändig zu realisieren. Dies gilt auch für die offenen Geschosstreppen. Die Verkehrsflächen sind insgesamt überdimensioniert. In Verbindung mit einem höheren Fensterflächenanteil, besonders bei der Mensa ergibt sich in der Gesamtbilanz bei einem durchschnittlichen Wärmebedarf ein überdurchschnittlicher Kältebedarf. Die Verwendung von Holz- Verbunddecken und Brettsperrholzwänden wird begrüßt. Die Fassade ist in Bezug auf den Holzschutz zu überprüfen.
    Das Mensabauwerk ist gut organisiert. Die Essensaugabe erfüllt die Anforderungen an heutige Belange nicht. Der Speisesaal mit umliegenden Freisitzplätzen ist kommunikativ und offen gestaltet. Der 4-geschosige Kubus des Studierendenhauses lässt durch seine Laubengangerschließung über einen knapp dimensionierten Innenhof ebenso wie die übrigen Gebäude eine wirtschaftliche Ausführung erwarten.
    Die Arbeit besticht durch die sehr kompakte Anordnung der Freiflächen, die ein Maximum an baumbestandenen Flächen erhalten. Vorplatz Mensa, Zugang Fakultätsgebäude und großzügige Mensaterrasse werden höhengleich vorgesehen. Dadurch ergibt sich eine große Einheitlichkeit des Freiraums. Der dafür notwendige Sockel lässt im Gegenzug keine direkten Verbindungen in den Waldbereich zu. Die Zugänge zu Kita und Studentenwohnheim befinden sich auf einer niedrigeren Ebene, die durch eine Treppe in selbstverständlicher Weise mit dem übrigen Freiraum verbunden wird. Die Zufahrtssituation zur Kita und den Stellplätzen ist funktional gut gelöst.