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  • DE-73430 Aalen, DE-73525 Schwäbisch Gmünd
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-250549)

„Waldcampus“ Fakultät Wirtschaftswissenschaften - Mensa - Studierendenwohnheim mit Kindertagesstätte


  • Anerkennung

    Innenperspektive Fakultätsgebäude

    Architekten
    HASCHER JEHLE Architektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Rainer Hascher , Prof. Sebastian Jehle

    Mitarbeit
    Fleur Keller, Joanna Grzegorowska, Sebastian Sagor

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten PartGmbB, Esslingen am Neckar (DE)

    Preisgeld
    19.750 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU UND FREIRAUM
    Das städtebauliche Konzept für den neuen Waldcampus Aalen sieht für die Gebäude der Wirtschaftswissen-schaften, der Mensa und des Studentenwohnheims eindeutig zuordenbare Baukörper vor, die eine klare Adressbildung schaffen und gleichzeitig in ihrem Zusammenspiel ein räumlich, wie gestalterisch markantes Ensemble formen. Dabei entwickelt der Entwurf die Ergebnisse der bereits durchgeführten städtebaulichen Projektstudie weiter und setzt die Vorgaben des B-Plans vollständig um.

    Bewusst werden die verschiedenen städtebaulichen Richtungen aufgenommen, Platz- und Straßenräume eindeutig definiert und eigenständige Adressen zu den jeweiligen Straßen gebildet. So übernimmt die neue Bebauung an diesem Ort die Funktion eines städtebaulichen Scharniers. Gleichzeitig antwortet der Entwurf mit der Einbettung der Baukörper in das Gelände und der gewählten Verteilung der Baumassen wohlproportioniert und angemessen auf die unterschiedlichen Maßstäbe des Areals, die kleinteilige Wohnbebauung im Süden auf der einen Seite und die großflächigeren Einrichtungen im Nord-Osten, wie den Campus Beethovenstraße auf der anderen Seite.

    RÄUMLICHE ORGANISATION UND GESTALTUNG
    Der Fakultätsneubau der Wirtschaftswissenschaften wird entgegen den Überlegungen der Projektstudie im Norden und somit in direkter Anbindung zum Campus Burren und zum Campus Beethovenstraße positioniert. Der klare und ruhige Kubus, der Offenheit und Transparenz signalisiert, wird dabei zur selbstbewussten Adresse für den Waldcampus. Ein durchgehender Luftraum und freie Durchblicke ermöglichen bereits beim Betreten des Gebäudes die Wahrnehmung des Ganzen und die schnelle Orientierung. Von hier erschließt sich das Gebäude auf kurzem und attraktivem Weg. Das über alle Geschosse zusammenhängende Raumkontinuum mit seinen Galerien und vielfältigen Blickbeziehungen bildet das kommunikative Herz des Hauses und fördert neben einer leichten Orientierung insbesondere die interne Kommunikation. Großzügige Ausblicke Richtung Süden in die Landschaft und den Wald unterstützen die hohe Aufenthaltsqualität des Neubaus.

    Auch die Mensa als Herzstück des neuen Waldcampus ist im direkten Zusammenspiel mit dem durchgängigen Freiraum entwickelt, Außen- und Innenräume gehen fließend ineinander über und stärken so das Wechselspiel aus Gebäude und Grünraum. Mit repräsentativem Vorplatz und einladender Geste öffnet sich das Gebäude Richtung Osten und wird zum zentralen Anlaufpunkt. Die Topografie des Geländes wird dabei in Form der großzügigen Freitreppe im Außenraum und im zweigeschossigen Innenraum des Speisesaals zur räumlichen Verbindung. Mit der Folge aus drei terrassierten Ebenen, die zwischen den Geländeniveaus vermitteln, entsteht eine differenzierte Landschaft verschiedener Aufenthaltszonen, die zum Verweilen einladen. Die Verteilung und Anordnung der unterschiedlichen funktionalen Bereiche ist klar gegliedert und auf die zukünftige, hohe Funktionstüchtigkeit der Mensa und den reibungslosen Ablauf hin optimiert. Die Küche, die zugehörigen Vorbereitungsräume, der Free-Flow-Bereich und die Spülküche sind als ‚Dreigestirn’ so angeordnet, dass die Funktionen direkt ineinander greifen und den ungestörten Aufenthalt im Speisesaal und dessen kreuzungsfreie Erschließung ermöglichen. Der Free-Flow-Bereich eröffnet sich den Essensteilnehmern direkt beim Betreten der Mensa. Die großzügige Fläche lässt unterschiedlichste Bespielungen und Themen zu und ist rückwärtig auf großer Breite direkt mit der Küche verknüpft, so dass die Beschickung der einzelnen Theken auf kürzestem, direktem Weg möglich ist. Die Vorratslager befinden sich direkt angeschlossen und sind dem Tagesbedarf entsprechend ausreichend dimensioniert. Weitere Lager- sowie die Entsorgungsflächen liegen im unteren Geschoss und sind über mehrere räumlich unabhängig positionierte Aufzüge (Anlieferung/Entsorgung getrennt) angebunden.

    Das Studentenwohnheim und die Kita werden im Süden entlang der Rombacher Straße vorgeschlagen sind in ihrer Maßstäblichkeit an den gegenüberliegenden Wohnbauten orientiert. Auf einem durchgehenden Sockel mit der Kita sitzen die drei wohlproportionierten, dreigeschossigen Kuben, die sich mit ihrer Grundrissausrichtung nach Osten und Westen und somit zu den schallabgewandten Seiten, abseits der Rombacher Straße öffnen.

    MATERIALIEN UND WIRTSCHAFTLICHKEIT
    Holz spielt dabei eine wichtige Rolle im Materialkonzept, da es sich um einen natürlichen, nachwachsenden Baustoff handelt, der wie kaum ein anderer Baustoff in haptischer und visueller Hinsicht die Raumatmosphäre positiv beeinflusst. Neben der Verwendung für die Verkleidungspaneele der geschlossenen Fassadenbereiche werden die Geschossdecken der Obergeschosse in der innovativen Brettstapelverbundbauweise vorgeschlagen. Dieses hybride Tragsystem vereinigt die Vorteile der gängigen Ortbetonflachdecke mit denen einer Holzbalken-decke, vermeidet dabei die Nachteile derselben und erzielt somit ein Optimum an Tragfähigkeit, Ökologie und bauphysikalischen Eigenschaften. Gleichzeitig wird damit für das Tragwerk ein einfaches, schnelles Bauverfahren mit hoher Wirtschaftlichkeit vorgeschlagen.
    Das Prinzip des Brettstapels besteht darin, preiswerte Schnittholzbretter hochkant nebeneinandergestellt miteinander zu vernageln und damit ein flächiges Element hoher Steifigkeit zu erzeugen. Dieses Element, hervorragend zur Aufnahme von Zugkräften in Faserrichtung des Holzes geeignet, wird nun mit Beton, dem idealen Werkstoff zur Aufnahme von Druck, zu einem leichten und sehr tragfähigen Deckenelement verbunden. Der Brettstapel dient zudem als verlorene Schalung für die Ortbetonschicht. Der Verbund wird über eingefräste Kerven im Brettstapel und mit einfachen Schlüsselschrauben hergestellt.
    Nur tragende Wände, die Treppenhäuser, Einzelstützen und die erdberührten Bauteile der Untergeschosse sind aus Stahlbeton.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.