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  • DE-59759 Arnsberg, DE-59759 Arnsberg
  • 12/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-261670)

Rathaus Arnsberg – klimaneutral und offen


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    [ f ] landschaftsarchitektur gmbh, Bonn (DE), Solingen (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: v-architekten GmbH, Köln (DE)
    Visualisierer: rendertaxi architecture.visualisation, Aachen (DE), Barcelona (ES)

    Preisgeld
    74.860 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit der geplanten Unterbringung des ruhenden Verkehrs in einer Tiefgarage entwickelt das Freiraumkonzept einen großen, zusammenhängenden Freiraum mit einem attraktiven multifunktionalen Platz am Rathaus. Dieser verbindet intelligent die unter das Hauptgebäude geschobene Cafeteria und schafft so eine attraktive Durchlässigkeit von Platz- und Landschaftsraum. Die Höhendifferenz wird mit einer mäanderförmigen Rampe und einer Landschaftstreppe bis an den Fluss wie selbstverständlich überbrückt. Die geplante Fußgängerbrücke dockt auf Erdgeschossniveau und damit barrierefrei an den Platz an. Die Aufgabe der Mitarbeiterstellplatzanlage lässt die Platzierung von attraktiven Spiel- und Bewegungsangeboten zu. Die Freiflächenangebote im Osten sind jedoch teilweise bereits auf der anderen Ruhrseite vorhanden.

    Die Verlegung des Ratssaales in den westlichen Teil des Fachtraktes gliedert das bestehende Ensemble aus drei Bauteilen neu. Kontrovers diskutiert wird, ob der Verlust des prägnanten Ratssaales die deutlich funktionale Verbesserung adäquat aufwiegen kann. Der Flachtrakt wird neu gegliedert und erzeugt einen U-förmigen Raum, der sich konsequent nach Süden hin orientiert. Der mittlere Teil öffnet sich über einen Luftraum großzügig nach oben und wird durch das Oberlicht stark mit Tageslicht versorgt. Das Erdgeschoss des Hochtraktes wird konsequenterweise ebenfalls neu gegliedert und erhält ausschließlich Räume, die der Öffentlichkeit zugute kommen und den Besucher einladen, diese zu nutzen. Der dem Erdgeschoss vorgelagerter Rathausplatz und die darauf zulaufende Brücke zeigen eindeutig die Adresse auf und verbinden sich logisch mit den öffentlichen Flächen im Erdgeschoss zu einer einzigartigen Raumfolge.

    In den Regelgeschossen des Hochtraktes zeigen die Verfasser sehr gute Lösungen auf. Ein Treppenhaus wird aufgegeben – das andere als Sicherheitstreppenhaus ertüchtigt – und verschafft somit Platz und Luft im bestehenden Mittelbund. Folglich können neue Arbeitsplatzkonzepte gut verwirklicht werden. Einzelarbeitsplätze erhalten eine geringere Zimmertiefe als die Doppelarbeitsplätze und die dadurch gewonnenen Räume ermöglichen eine informelle Kommunikation.

    Die neue Fassade wird als Doppelfassade ausgebildet und über das oberste Geschoss weitergeführt. Der zweifelsfreien Qualität dieses Raumes stehen jedoch zusätzliche Kosten entgegen. In der hinteren Schicht der Doppelfassade werden Holzfenster und Raffstores vorgeschlagen, die dem Wetter nicht ausgesetzt sind und somit vereinfacht ausgeführt werden können, während die vorderste Fassadenschicht mit auf Lücken gesetzten Photovoltaik-Modulen ein schönes Licht-Schattenspiel erzeugt und gleichzeitig Strom gewinnt. Dieses Licht-Schattenspiel kann auf den Arbeitstischen und Monitoren jedoch auch störend sein.

    Die Doppelfassade sorgt für einen effizienten Sonnenschutz und eine gute Wärmeabfuhr. Jedoch verfügt der Beitrag im Vergleich aller Arbeiten über den höchsten Fensterflächenanteil, woraus ein eher mäßiges Raumklima resultiert. Die Tageslichtversorgung ist hingegen sehr gut gelöst. Wobei Fragen in Bezug auf die gleichmäßige Ausleuchtung aufgrund der integrierten PV-Module in der Prallscheibe offen bleiben. Der geringe Energiebedarf und die überdurchschnittliche PV-Strombedarfsdeckung mindern trotz erhöhter Investitionskosten die Betriebskosten.

    Bei aller Qualität des Vortrages müssen aber auch einige handwerkliche Mängel angesprochen werden: Der Wendehammer an der Nordwestecke des Flachtraktes stimmt im Lageplan nicht mit dem Erdgeschossplan überein, was auch über die Lage und Ausformulierung der Brücke bemerkt werden muss. Insgesamt kann jedoch festgehalten werden, dass das grundsätzliche Konzept einer autoarmen, organischen Landschaft mit einer aufwändigen Tiefgarage erkauft werden muss. Im Ergebnis wird jedoch ein »Offenes Rathaus« erreicht, welches das Ziel des Wettbewerbes voll umfänglich erfüllt.