loading
  • DE-59759 Arnsberg, DE-59759 Arnsberg
  • 12/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-261670)

Rathaus Arnsberg – klimaneutral und offen


  • 4. Preis

    Visualisierung, © SSP AG

    Architekten
    SSP AG, Bochum (DE), Karlsruhe (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Thomas Schmidt

    Mitarbeit
    Heiko Sasse, Inga Soll, Tilo Pfeiffer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Brummell Landschaftarchitekten, Berlin (DE), Karlsruhe (DE)
    TGA-Fachplaner: Müller-BBM GmbH, Planegg/München (DE), Berlin (DE), Dresden (DE), Frankfurt (DE), Gelsenkirchen (DE), Hamburg (DE), Karlsruhe (DE), Köln (DE), Nürnberg (DE), Reutlingen (DE), Stuttgart (DE), Weimar (DE)

    Preisgeld
    29.550 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Beitrag baut die Verkehrsführung vor dem Rathaus zurück und stellt die ursprüngliche Situation der 1960er Jahre wieder her. Die Verkehrserschießung wird auf die nördliche Umfahrt reduziert, wohingegen Fuß- und Radwege zwischen Ruhr und Rathaus verlaufen. Die klassische Haltung der 1960er Jahre einer Trennung der Verkehrsarten wird konsequent umgesetzt. Das Rathaus wird auf subtile Art und Weise mit minimalem Eingriff zur Ruhr hin orientiert und legt störende Funktionen auf die „Rückseite“ zur Autobahn. Die Autofreiheit im südlichen Landschaftsteil wird jedoch durch ein Band von Stellplätzen entlang der Zufahrtsstraße erkauft. Weitere Funktionen im Außenraum sind nicht geplant. Das Ziel der Arbeit, die Ursprungsgestaltung der 60er Jahre zu zitieren, gelingt im Freiraum nur mit Blick auf das grundsätzliche Nutzungsangebot. Insbesondere die Anbindung des Gebäudes ist schwer nachvollziehbar: wichtige Verbindungen wie zum Müggenberg oder zur Stadtmitte von Neheim fehlen. Historische Bezüge, die in der Architektur eine wichtige Rolle spielen, wie die ehemals westlich axiale Anbindung des Rathauses, sind ebenfalls nicht vorhanden. Die Verfasser lassen Anknüpfungspunkte an den Ruhrtal-Radweg über eine Stahlrinne und Trittsteine erahnen. Der Rathausplatz wird im Wesentlichen visuell angebunden. Durch diese Gestaltung wird die informelle Offenheit, die im Gebäude zum Tragen kommt, im Außenraum leider nicht erreicht. Die barrierefreie Erschließung wird über eine Rampe zwischen Hochtrakt und Foyer sichergestellt, die in Ihrer Ausformung nicht den heutigen Anforderungen entspricht. Die Ruhr wird über Trittstufen vom Ruhrtalweg angebunden.

    Das für seine Zeit im Sinn der Nachkriegsmoderne stilsicher gestaltete Gebäude wird saniert und stark am Bestand orientiert wiederhergestellt. Primat der Sanierung ist jedoch nicht der denkmalpflegerische Erhalt des Gebäudes als historisches Dokument. Da die Sanierung den Rückbau bis auf den Rohbau vorsieht, geht es dem Beitrag eher um eine Interpretation im Sinne der 1960er Jahre und die Bewahrung der Wirkung der ursprünglichen Architektur. Präzise und minimale Eingriffe in Gestalt und Struktur an ausgewählten Stellen erzielen subtile künstlerische Interpretationen des Vorgängerbaus bei einer Authentizität von nutzbarer Struktur, Materialeinsatz und Detail. Die Struktur des Flachtraktes mit Foyer und den Sälen – insbesondere des Ratssaales – bleiben weitgehend unverändert. Allein die Funktionen werden im Grundriss neu und sinnvoll verteilt. Der Seminarbereich ist jedoch unterdimensioniert. Die Fassaden des Flachbaus sind wenig ausgearbeitet und aussagekräftig. Sie fallen hinter der übrigen Gestaltung zurück und besitzen nicht die Qualität der Hochhausfassaden. Die Bandfassaden im Hochhaus werden erhalten. Sie werden jedoch auf ein wirtschaftliches Ausbauraster verändert, wobei das gewählte unregelmäßige Raster keine durchgehende Flexibilität zulässt. In die Bandfassaden werden energetisch sinnvoll Kastenfenster einbezogen, die formal ein nuanciertes Richtungsspiel vorweisen, als ob sie geöffnet wären – in Verweis auf die vorhandenen Drehfenster. Auch die vorhandenen, rasterartigen Ornamente der Stirnseiten werden floral neu interpretiert, verlieren jedoch nicht den Ausdruck des Bestands.

    Der innenräumliche Grundriss des Hochhauses ist, obwohl nahezu beibehalten, von hoher struktureller Qualität. Er wird an eine verdichtete Nutzung angepasst, aber mit minimalen und intelligenten Eingriffen so verändert, dass die strenge Aufteilung entscheidend aufgebrochen wird. So werden visuelle und tatsächlich nutzbare Vertikalbeziehungen zwischen den Etagen und den sonst getrennten Nutzungseinheiten möglich. Offene Aufenthaltsbereiche werden mit geschlossenen Bürobereichen geschickt variiert, so dass die Raumwirkung leicht und offen wirkt, ohne zu viel an Historie zu verlieren.

    Im Hochtrakt resultieren aus den Kastenfenstern mit effizientem Sonnenschutz und angemessenen Fensterflächenanteilen günstige Tageslichtversorgung und ein komfortables Raumklima. Die Flexibilität der Fassade ist infolge des vorgesehenen Rasters in einigen Bereichen hinsichtlich der Ausbildung von Einzel- und Doppelbüros eingeschränkt. Der Energiebedarf und die Lebenszykluskosten liegen im mittleren Bereich.

    Dieser Entwurf ist grundsätzlich realisierbar. Der Beitrag besitzt trotz vordergründiger Zurückhaltung eine klare architektonische Aussage. Der Umgang mit dem vorhandenen Gebäude zeugt von einer konzeptionellen Haltung und einem künstlerischen Interesse unter angemessenem Einsatz der architektonischen Mittel. Die Nutzung des Hochhauses entspricht durch seine differenzierten Angebote von innerer Erschließung und kommunikativen Zonen einem zukunftsfähigen Bürogebäude. Ob der Entwurf jedoch auch dem Anspruch des Bauherren an ein authentisches Gebäude im Sinne einer gewünschten städtebaulichen Modernisierung dient, ist zu bezweifeln. Hierzu verlässt sich der Entwurf zu stark auf die ohne Zweifel erkennbaren gestalterischen Qualitäten des vorhandenen Baus, ohne seine Defizite in Hinblick auf seine mangelnde Offenheit gegenüber dem Öffentlichen Raum zu verbessern.