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  • DE-80995 München, DE-82031 Grünwald
  • 09/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-278851)

Wohnquartier Hasenbergl


  • 1. Preis

    querkraft

    Architekten
    querkraft architekten zt gmbh, Wien (AT) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: rajek barosch landschaftsarchitektur, Wien (AT)

    Erläuterungstext
    städtebaulicher wettbewerb wohnquartier münchen-hasenbergl
    städtebau: „lebenswerte räume“
    die bestehende struktur wird durch eine vielzahl von maßnahmen gestärkt. die hohe strukturelle
    intelligenz der bestände wirkt, als hätte man sie auf nachverdichtung vorbereitet.
    bei näherer betrachtung bieten sie vielfältige anknüpfungspunkte für neue strukturen, die das quartier
    auf die herausforderungen der nächsten generationen vorbereiten.
    die punktgebäude werden entlang ihrer feuermauer im norden fertig gestellt, während die
    zeilenbauten mittels der zubauten in ihrer struktur ergänzt und gestärkt werden.
    durch die maßnahmen wird ein eigenständiges quartier geschaffen, das ein abwechslungsreiches
    ensemble und differenzierte zwischenräume bereit stellt.
    trotz großer verdichtungsmaßnahmen sind die baukörper im quartier kaum spürbar und setzen
    niederschwellig nicht da gewesene freiraumangebote an die bewohner und benutzer aus der
    unmittelbaren umgebung.
    ergänzen
    das strukturelle potential der bestände wird zum andocken der neubauten genutzt. notwendige
    stiegenhäuser und kerne können mitgenutzt, erneuert, ergänzt + geteilt werden.
    konzentrieren
    alle maßnahmen werden im zentralen raum der garage konzentriert. die konzentration ermöglicht es
    die beeinträchtigung der anrainer so gering wie möglich zu halten.
    durchmischen
    der angestrebte wohnungsmix 40 % EOF + 60 % frei finanziert lässt sich einfach in den baukörpern
    realisieren und kann bei bedarf nachgeschärft werden.
    reserve
    die aufstockung + restflächen im bereich der linkstraße verbleiben als weitere verdichtungsreserve.
    zusätzlich können bis 12.000 m² nachverdichtet werden.
    verknüpfen
    das quartier mit seiner heterogenen abfolge von plätzen wird zum vermittler zwischen den
    umgebenden zentren. das ruhige bauliche gefüge schafft viel platz für ein netzwerk aus
    abwechslungsreichen plätzen mit unterschiedlichen aufenthaltsqualitäten.
    brandschutz:
    die verwendung der bestehenden treppenhäuser für die zubauten ist aus brandschutztechnischer
    sicht als unbedenklich einzustufen,
    da die vorgaben der fluchttreppe erfüllt werden und somit die vorrangigen schutzziele, sicherstellung
    der flucht- und rettungswege der anwesenden personen und schutz der anwesenden personen,
    eingehalten wird.
    löschen + entsorgen
    die befestigte dorfstraße + die bestehenden erschließungswege ermöglichen ein problemloses
    rangieren für einsatzfahrzeuge (+ optional auch für müllwägen) zugunsten der freiraumqualitäten
    werden für die "PÜNKTCHEN" punktbauten sicherheitstreppenräume vorgeschlagen.
    architektur: „fehlende puzzlestücke“
    die serielle, lineare grundstruktur bietet eine grosse flexibilität in der anordnung verschiedenster
    wohnungstypen und ermöglicht so eine gute durchmischung der bewohnerstruktur
    „anton“
    mit 10,5m wird ein wandelbarer + effizienter typus realisert. bei veränderung des wohnungsmixes
    kann ein sehr wirtschaftlicher spännertyp, sowie kleinstwohnungen im laubengang realisiert werden.
    die laubengänge werden bewusst mit 2,5 m tiefe ausgeführt, um eine nutzung als
    erschließungsbalkone zu ermöglichen.
    lebendig
    die durchmischbarkeit der wohnungstypen ermöglicht ein lebendiges fassadenbild. laubengänge
    werden als erschließungsbalkone genutzt. ein lebendiges haus entsteht.
    potential
    neue treppenräume werden so angeordnet, dass sie zukünftig auch für die bestandgebäude genutzt
    werden können. die potentiellen aufstockungen können als eigenständige vollgeschosse bzw. als
    ergänzung für die bestandswohnungen darunter errichtet werden.
    wandelbar
    die bauliche struktur ist so gewählt, dass sie als spänner sowie als laubengangtyp gut funktioniert.
    „pünktchen“
    das flexible grundraster von 7,8 m ermöglicht einen anpassbaren wohnungsmix auch in
    fortgeschrittenen planungsphasen. von einfachen kleinstwohnungen bis hin zu spannenden
    "stadthaus" maisonettetypen ist alles möglich.
    option
    bestandstreppenräume können für die zubauten mitgenutzt werden. hierdurch werden 50 - 60 %
    weniger verkehrsflächen (gang, treppenräume ...) notwendig. durch diese einsparung können
    mehr allgemeinflächen für nutzer frei gemacht und dennoch ein höchst wirtschaftliches gebäude
    errichtet werden.
    vorfertigung
    holz + modulbauweisen. der konsequente einsatz von industriell vorgefertigten bau- und
    konstruktionselementen bietet eine hohe material und oberflächenqualität und ermöglicht eine
    äusserst kurze bauzeit. somit werden die beinträchtigungen der bestandsbewohner durch die
    verdichtungsmaßnahme so gering wie notwendig gehalten.
    erweiterbarkeit
    bestands kleinstwohnungen können nach bedarf, um einen raum oder um ganze wohnungen in
    beliebiger größe erweitert werden.
    freiräume
    die bestandstreppenräume werden durch den zubau zu spannenden freiräumen ergänzt.
    stadthaus
    cleveres stapeln ermöglicht ein weiteres verringern der erf. verkehrsflächen. es entstehen spannende
    wohnungstypen mit 50 % weniger hauserschließungsflächen. d.h. es wird möglich gebäude mit
    15 % konstruktions + verkehrsflächen (statt 25 %) zu errichten.
    abstandsflächen
    ressourcenschonenden nachverdichtung + freizügige freiraumqualitäten begründen eine
    quartiersbezogen abstandsflächenunterschreitung. es werden nie 45° unterschritten und damit die lt.
    BayBo urban zulässigen H x 0,5 immer gewährleistet.
    barrierefreiheit
    die wohnungen wurden so gestaltet, dass eine barrierefreiheit lt. DIN 18040 für alle
    wohnungsgrundrisse möglich ist.
    modernisierung:
    erforderliche modernisierungsmaßnahmen nach den bedürfnissen der bewohner gestaltet werden.
    dieses wird sollte einem weiteren prozess gemeinsam mit den bewohner entwickelt werden. denkbar
    sind transformationen am beispiel lacaton vassals – bordeaux, frankreich:
    „transformation de 530 logements, bâtiments G, H, I, quartier du grand parc - lacaton & vassal, druot,
    hutintransformation of 530 dwellings, block G, H, I”
    freiraum: „historischer landschaftsraum“
    die landschaft im norden münchens ist durch haiden und wälder auf mächtigem schotterboden mit
    dünner humusschicht charakterisiert. die entstehungsgeschichte geht bis zum ende der letzten eiszeit
    zurück. als die schmelzwässer des isar-loisach-gletschers riesige schotterfelder hinterließen, wurden
    diese später von lichten eichen-kieferwäldern auf dünner humusschicht überdeckt. die so entstandene
    münchner schotterebene und ihr naturbild hat sich durch menscheneingriffe in den letzten 200 jahren
    massiv verändert. die ursprüngliche münchner schotterlandschaft kommt nur mehr fragmentiert vor.
    der entwurf bezieht sich auf die natürliche entstehungsgeschichte des ortes mit dem ziel diese wieder
    sichtbar zu machen. indem die ursprünglichen landschaftypen wie schotterbänke, haide und kiefereichenwälder
    neu interpretiert werden und die bebauung in nord-süd-richtung durchströmen, sind sie
    die identität stiftenden merkmale des quartiers.
    eichen- kieferwald
    lichte eichen und kiefern ergänzen an der linkstraße den baumbestand und führen den von norden
    kommenden grünzug ins quartier. kleine modellierte waldhaine ersetzen die befestigten stellplätze und
    garagen. ausgestattet mit hägematten und plateaus bilden sie rückzugs- und ruheorte für die
    bewohner und bewohnerinnen.
    haide
    zwischen der bestehenden bebauung bleiben die grünflächen zur gänze erhalten. als pflegeextensive
    wiesen bilden sie eine grüne pufferzone zwischen den wohnbauten. die vorgärten entlang der
    nordseitigen erschließung werden mit einer trockenresistenten bepflanzung (haidecharakter)
    aufgewertet.
    schotterebene
    als urbane zone durchziehen „schotterbänke“ mit pioniergehölzen und gräsern das quartier von nord
    nach süd. ähnlich einer dynamischen flusslandschaft liegen in der bewegungsfläche inseln, welche
    den raum strukturieren und zonieren und modellierung und bepflanzung bilden einen abschirmenden
    puffer zu den wohnbereichen. dadurch wird eine öffentliche durchwegung, in welche eine intensive
    gemeinschaftliche nutzung eingeschrieben ist, möglich. die erschließung wird zum
    kommunikationsraum.
    funktionen / verknüpfung / zonierung
    das quartier wird vielfältig mit der umgebung verwoben. einerseits läuft eine urbane verbindungsachse
    von nord nach süd und bildet das zentrale rückgrat im quartier mit diversen nutzungsfunktionen. quer
    dazu verweben sich die grünräume indem der mächtige baumbestand auf der westseite mit der
    panzerwiese auf der ostseite verknüpft wird.
    die u-bahnstation wird mit dem bildungslokal hasenbergl kurzgeschlossen und das areal mit den
    wichtigen lokalen zentren verbunden. wie ein roter faden durchzieht „die schotterebene“ das gebiet
    und lädt zum spielen, gemeinsamen grillen und essen, public viewing, einkaufen am wochenmarkt
    oder sport ein. sitzbereiche unter den bäumen begleiten das nutzungsangebot. gedeckte
    fahrradstellplätze und bereiche für urban gardening erweitern das angebot für die bewohner und
    bewohnerinnen.
    baumkonzept
    über die baumarten wird der jeweilige landschaftyp und damit die freiraumzone charakterisiert. auf
    den schotterbänken in der zentralen erschließungszone sind pioniergehölze mit lichten baumkronen
    wie zitterpappeln, ebereschen, erlen, weiden und birken zu finden. die überhöhung der schotterbänke
    ermöglicht auch eine pflanzung über der tiefgarage. die bestandsbäume an der linkstraße werden
    durch eichen und föhren ergänzt, die im sommer ausreichend schatten für rückzug und ruhe bieten.
    durch eine kompaktes bebauungskonzept wird der baumbestand so weit wie möglich erhalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    „Die Arbeit entwickelt das Quartier aus einer derzeitigen Insellage zu einer integrierten Lage. Durch die Ausbildung des baulichen Schwerpunkts an der Schleißheimer Straße entsteht zum Freiraum der Nordhaide ein neues Gesicht des Quartiers.

    Der Siedlungsrand nach Osten erhält eine sinnfällige Ausprägung. Damit bekommt die Schleißheimer Straße eine straßenbegleitende Bebauung. Gleichzeitig verbessert sich der Schallschutz des Quartiersinneren. Der südöstliche Quartierseingang mit öffentlichen Nutzungen, wie Sportflächen, Kita und Platzaufweitungen, wirkt einladend und lenkt die Fußgängerströme sehr selbstverständlich in das Innere der neuen Bewegungszonen.

    Die angebotenen, topographisch bewegten Freiflächen mit dementsprechenden Freizeitangebot wirken hoch attraktiv und gut rhythmisiert. Diese Aktivitätszone wird sogar noch in die Erdgeschosse der neuen Gebäude hineingezogen, um auch dort Begegnungszonen vielfältiger Art zu schaffen.

    Die Bestandsgebäude im Westen werden belassen und um einen, in der Tiefe noch nicht völlig überzeugenden, Kopfbau ergänzt. Hier bedürfte es auf Grund der Bestandssituation sowohl einer Weiterentwicklung der Grundrisse als auch ein Überdenken des „Andockens“.

    Die Qualität der östlichen Freiräume wird respektiert und mit Geländemodellierungen geschickt an das benachbarte „Hasenbergl“ übergeleitet.

    Das Volumen der eingeschossigen Kita im Süden wird als zu flächenhaft angesehen, wobei […] eine bauliche Integration möglich erscheint. Die verkehrliche Erschließung der Tiefgarage von der Schleißheimer Straße ist nicht möglich und muss verlegt werden. Die Stellplatzanzahl bleibt unter der geforderten Anzahl. [...] Die fußläufige Erschießung wird sinnvoll aufgenommen und in die neue Aktivzone übergeleitet. Die mögliche Bauabschnittsbildung und Schwerpunktsetzung im Osten ermöglicht eine Minimierung der Belastung der Bestandsmieter und schafft für die zukünftige Weiterentwicklung der Siedlung weitere Spielräume. […] Die Kompaktheit der neuen Gebäude kommt den heutigen energetischen Anforderungen entgegen.

    Bei der Verlängerung der Wohnbauzeilen werden über den relativ unwirtschaftlichen Laubengang nur je drei Wohnungen je Etage erschlossen. Die dargestellte Mittelgangerschließung der nach Norden erweiterten Punkthäuser erzeugt in der Variante mit übergreifenden Maisonette-Wohnungen nach dem Vorbild der Unité d’ Habitation durch die wohnungsinternen Treppen einen sehr hohen Erschließungsaufwand und schließt eine Wohnungsbauförderung aus. [...] Hingegen sind diese Wohnungen sicherlich attraktiv für den freifinazierten Bereich, der zur Aufwertung im Quartier dringend benötigt wird. [...]

    Die vorgeschlagene Verdichtung des Baumbestands zur Linkstraße und in den offenen Bereichen zwischen den Zeilenbauten lässt eine hohe Qualität für Ökologie und Nutzer erwarten. Diese Freiflächen gehen in eine neue Nord-Süd gerichtete Verbindungsachse über, die aus Platzabfolgen entwickelt wird. […] Die Erweiterung der Punkthäuser an der Schleißheimer Straße zusammen mit der Erweiterung der Zeilenbauten führt auf fast einem Drittel des Grundstücks zum Totalverlust des teilweise hier sehr hochwertigen Baumbestands. Vermisst wird ein auf die Neubebauung abgestimmtes Freiflächenonzept. [...]

    Für eine genaue Aussage über die Befreiungsmöglichkeiten des neuen Gebäudetypus entlang der Schleißheimer Straße bedarf es der weiteren Prüfung und gegebenenfalls eines Antrags auf Vorbescheid.[...]

    Auch eine Weiterentwicklung und ein „Weiterbauen“ des Areals in der Zukunft ist möglich, da mit dem Entwurf kaum typologische Zwänge geschaffen werden.“