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  • DE-99423 Weimar, DE-99427 Weimar
  • 10/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-280900)

Wohn- und Geschäftshaus Weimar Nord


  • 1. Preis

    Übersichtsplan, © impuls°Landschaftsarchitektur

    Landschaftsarchitekten
    impuls°Landschaftsarchitektur, Jena (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Holgar Ehrensberger

    Mitarbeit
    Philipp Facius, Josephine Facius

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: motorplan Architekten BDA, Mannheim (DE), Frankfurt am Main (DE), Weimar (DE)

    Preisgeld
    18.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Freianlagen des neuen Wohn- und Geschäftshauses im Weimarer Norden gliedern sich im Wesentlichen in drei Bereiche – die Dachgärten, den südlich vorgelagerten Parkplatz, und die Grünflächen und Eingangsbereiche im Umfeld des Gebäudes
    Als halböffentlicher Freiraum befinden sich die Dachgärten für die Bewohner*innen des Gebäudes auf dem Erdgeschoss. Sie sind über die innere Gebäudeerschließung zugänglich, der westliche Dachgarten zusätzlich über zwei Treppenaufgänge.
    Eine Abfolge unterschiedlicher Raumsituationen von offenen Bereichen bis hin zu intimen, zurückgezogenen Räumen charakterisieren den Garten. Polygonale Pflanzflächen mit Gräsern und Stauden, mit Sitzkanten und leichter topographischer Bewegung der Oberflächen sowie mehrstämmige Solitärsträucher unterstreichen diesen Charakter. Die unregelmäßigen Höhen und abgewinkelte Flächen lassen dabei nicht sofort Blicke durch den Garten zu. Die grünen Schollen sind so positioniert, dass sie zu privaten Terrassen und Wohnräumen entsprechende Abstände halten, während die überdachten Laubengänge mit in den Freiraum integriert sind. Im zentralen, gut überblickbaren Bereich des Dachgartens befinden sich Spielpunkte für Kleinkinder.
    Nördlich zwischen den Treppenaufgängen wird der entstehende Raum für eine Mülleinhausung genutzt.
    Ein umlaufender Gehweg um den Neubau erschließt fußläufig die Gebäudezugänge, die Treppenaufgänge auf den Dachgarten und den Parkplatz. Der nördliche, öffentliche Gehweg ist als Feuerwehrumfahrt in entsprechender Breite ausgebaut.
    In den Eingangsbereichen des Gebäudes sind jeweils Sitzgelegenheiten sowie Fahrradstellplätze angeordnet. Die Pflanzflächen um das Gebäude sind als großflächige Strauchpflanzungen, in Anlehnung an die Dachgärten, in leicht abgewinkelter Form, gestaltet. Begleitet werden die Strauchpflanzungen von robusten, pflegeextensiven Staudenpflanzungen mit einem hohen ökologischen Wert.
    Der Parkplatz stellt sich als multifunktionaler Stadtplatz dar. Einerseits deckt er den Stellplatzbedarf ab und ist dabei gleichzeitig durch seine einheitliche, niveaugleiche Pflasterfläche als shared space angelegt. Durch Einzeiler werden Fahrgassen und Stellplätze markiert. Die Entwässerung der Parkstände erfolgt in ebenfalls niveaugleiche, mit Stauden und Gräsern bepflanzte und mit Schotter abgedeckte, Pflanzbereiche zwischen den Parkständen.
    Durch unterbrochene Baumreihen werden unterschiedliche Raumsituationen erzeugt. Die Nutzung von Überhangbereichen als Pflanzflächen zwischen den Stellplätzen ermöglicht die Unterbringung von Bäumen auf dem Parkplatz und reduziert den Versiegelungsgrad auf die notwendige Fläche.
    Für die Ladennutzung stehen 77 Stellplätze zur Verfügung, inklusive zwei Stellplätze für Menschen mit Behinderung in direkter Nähe der Geschäfte. Der großzügige, platzartige Eingangsbereich bietet Sitzgelegenheiten und Fahrradstellplätze an. Die Bushaltestelle wird ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Eingangsbereich ihren neuen Platz finden, am südlichen Zugang der Fläche.
    Die Entwässerung des anfallenden Regenwassers ist als nachhaltiges und ökologisches Regenwassermanagement mit Retentionssystem und Bewässerungsmöglichkeit, insbesondere der Dachgartenflächen, angedacht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf hat Großform eines Mäanders. Die Figur schließt den diffusen und überdimensionierten Stadtraum im Süden mit einem Blockrand.

    Der Arbeit gelingt es die vorhandenen Räume des Wohngebietszentrums aufzugreifen und in einen großen Platz zu überführen. Durch das Zurücktreten des Baukörpers entsteht die geforderte Stellplatzfläche und somit räumlich geordnet, der Eingang für die Ladeneinheiten und Wohnungen. Mit der städtebaulichen Figur gelingt es dem Verfasser über diesen Platz eine Verknüpfung mit dem Umfeld herzustellen, die das Zentrum Weimar Nord aufwertet. Die Raumkanten zur Marcel-PaulStraße und zur Bonhoefferstraße werden klar gefasst Die dicht nebeneinander liegenden Zufahrten am östlichen Nachbargrundstück sollten möglichst zusammengelegt werden. Die Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage direkt auf den schmalen Gehweg sollte, ggf. durch Verlegung nach Norden, vermieden werden.

    Im Erdgeschoss sind die gewünschten Handelsflächen schlüssig geordnet.

    Die auf der durchgehenden Handelsfläche befindliche Wohnschlange wird konsequent erschlossen und somit eine Kollision mit den Handelsflächen vermieden. Die Wohnungen sind sehr schlüssig mit Laubengang entwickelt und kommen mit drei Treppenhäusern aus.

    Die Fassade ist zurückhaltend gestaltet und folgt in ihrer Systematik der Logik des Wohnens. Zur Straße wird auf auskragende Loggien verzichtet und dadurch eine höhere Nutzbarkeit und zum anderen einen ruhigen, zurückhaltenden nicht aufdringlichen Baukörper erreicht.

    In der weiteren Bearbeitung lassen sich die Laubengänge zugunsten durchgesteckter Wohnungen verkürzen. Der eingeschossige Teil mit den darauf befindlichen Grünanlagen sollten zugunsten des aufgehenden Gebäudes aufgegeben werden unter Beibehaltung der Großform Mäander. Der Baukörper weist durch seine kompakte Form eine hohe Wirtschaftlichkeit bei gleichbleibender hoher architektonischer Qualität auf.

    In der weiteren Bearbeitung sind die Anordnung und die Anzahl der Stützen in Handelsfläche und Tiefgarage zu überdenken. Die Decke über der Tiefgarage sollte zugunsten einer Plattenbalkendecke überdacht werden.

    Der zwischen der Neubebauung und der Marcel-Paul-Straße eingeordnete Parkplatz schafft bei einer Verknüpfung mit der vorhandenen alten Platzstruktur östlich des Bearbeitungsgebietes ein sehr großzügiges Raumangebot. Dieser Raum bietet Potentiale einer möglichen weiteren funktionalen und gestalterischen Qualifizierung, die den Zentrumscharakter des Gebäudeensembles in diesem Bereich stärken kann. Die Aufenthaltsqualität des Platzes muss in der weiteren Bearbeitung verbessert werden.

    Der an der Westseite des Gebäudes liegende nach Norden gerichtete U-förmige Innenhof bietet eine gute Anbindung an die angrenzenden Freiräume. Die innere Gliederung und funktionelle Aufteilung bedarf weiterer Durcharbeitungen.


INFO-BOX

Angelegt am 16.10.2017, 15:53
Zuletzt aktualisiert 19.10.2017, 11:48
Beitrags-ID 4-147213
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