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  • 09/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-284090)

Stadt-/ Gebietsplanung

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  • 2. Rang

    Städtebaulicher Entwurf, © MESS

    Stadtplaner
    MESS Stadtplaner Amann & Groß PartGmbB, Kaiserslautern (DE), Mannheim (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Florian Groß

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: 120GR architecture et urbanisme, Strasbourg (FR)

    Erläuterungstext
    Upcycle!

    Nur Lärm und Vorstadtwüste? Die Fläche im Zähringer Norden hat viel zu bieten - auch wenn dies nicht auf den ersten Blick offenbar wird. Die am Ort vorhandenen, teils versteckten Potenziale gilt es zu identifizieren, aufzugreifen und zu nutzen. Durch ein gezieltes Upcycling wird aus der Vorstadtwüste ein neuer Stadtteil Zähringens, mit unterschiedlichen Quartieren und Qualitäten.
    Im Kern der Entwicklung steht ein konstruktives Arbeiten mit den bestehenden Situationen – nicht gegen sie.
    Denn der Stadtteil verfügt bereits über einen gut sortierten Nahversorger, über einen zugänglichen Bach, über eine funktionierende Erschließung (Straße, Rad, und ÖPNV!), spannendes Grünstrukturen und tolle Ausblicke. Die Schlagworte hierbei sind #aufwerten #erweitern #pflegen #ertüchtigen #integrieren.

    Damit Upcycling funktioniert, muss städtebaulich ein solides Fundament gelegt werden, das insbesondere folgende Themen beinhaltet:

    Flexibilität: Umbau und Entwicklungsszenarien

    Das Plangebiet wird in mehrere Baufelder unterteilt. Die Bruchstellen orientieren sich dabei an Grundstücksgrenzen, vorhandenen oder geplanten Erschließungen sowie baulichen Gegebenheiten. Durch die dargestellte Aufteilung ist eine – auch zeitlich – völlig unabhängige Entwicklung der Baufelder möglich.

    Lärm

    Das bestimmende Thema bei der Entwicklung Zähringen Nords als Wohnstandort ist der Lärm. Alle Baufelder sind von meist mehreren Seiten mehr oder weniger starken Lärmquellen ausgesetzt. Wichtige Grundlage des Entwurfs ist daher eine grundsätzliche Haltung zum Umgang mit diesem Thema.
    Alle Baufelder sind deshalb von einer Lärmdichten Außenhaut umgeben. Dabei soll aber nicht der Eindruck abweisender „Burgen“ entstehen. Darum soll der Lärmschutz in Form von städtisch anmutenden Fassaden mit entsprechenden technischen Einbauten gelöst werden. Wo möglich, öffnen sich die Baufelder nach außen. Sie sind so angelegt, dass die ruhigen Innenbereiche möglichst maximiert werden und groß genug ausfallen, um qualitätvolle private Freiräume ausbilden zu können.

    Mehrwert generieren

    Um ein upcycling Zähringen Nords in Gang zu bringen, müssen Anreize für die beteiligten Akteure geschaffen werden. Investitionen in den Standort müssen sich rentieren. Alle Baufelder bieten den jeweiligen Eigentümern daher die Möglichkeit, die Flächen zukünftig durch höherwertige Nutzungen und höhere bauliche Auslastungen in Wert setzten zu können.

    Überdurchschnittliche Qualitäten schaffen

    Gleichzeitig soll die zunächst ungünstig erscheinende Lage durch die Sicherung und Gestaltung besonderer Wohn- und Freiraumqualitäten ausgeglichen werden. Wesentlich ist dabei, auf eine angemessene bauliche Dichte und auch auf die Gestaltung der Gebäude zu achten. Dies gilt es mit dem gleichzeitig zu generierenden Mehrwert auszutarieren.
    Wichtiger Baustein sind hierbei die wohnungsnahen privaten und die quartiersprägenden öffentlichen Freiräume.

    Vernetzung

    Letztes wesentliches Thema ist die Vernetzung mit den umgebenden Orten. Dies betrifft die Bereiche Grün, Verkehr und Baustruktur. Zähringen Nord wird ein integrierter Teil Zähringens, und keine isolierte Siedlung am Stadtrand. Wichtig sind die Aufwertung bzw. Neuschaffung von Vernetzungen mit dem westlich angrenzenden Gewerbegebiet mit seinen Arbeitsplätzen und auch Einkaufsmöglichkeiten, mit den Frei- und Naturräumen in Richtung Vorgebirgszone Rosskopf und Stadtwald sowie nach Gundelfingen und Zähringen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Bewertungskommission würdigt den Ansatz zur Entwicklung unterschiedlicher Quartiere mit vielfältigen Gebäudetypologien, welche die bestehenden Qualitäten hinsichtlich der Lage und des Kontexts aufgreifen. Auf der westlichen Seite werden ähnliche Elemente nördlich und südlich des Warenhauses vorgeschlagen. Kritisch wird angemerkt, dass die dargestellten Blöcke zur stark untergliedert seien, was sich negativ auf eine ablesbare Raumdifferenzierung auswirkt. Der Erhalt des Baumbestandes und die kompakte Bebauung im nördlichen Quartier werden positiv gesehen.
    Die Weiterentwicklung des Warenhauses und dessen Akzentuierung sowie die Anordnung sozialer Infrastrukturen überzeugt. Insgesamt bildet die westliche Seite eine angemessene Dichte und Differenzierung.
    Die Hochpunkte an der Isfahanallee hätten jedoch, um eine Eingangssituation zu schaffen, besser an der Gundelfinger Straße verortet sein sollen. Die Realisierung der östlichen Bebauung mit Reihenhäusern quer zum Hang, welche an den Rändern von Geschosswohnungsbau eingefasst werden, wird hinsichtlich der Topographie hinterfragt und wirkt überfrachtet. Eine Raumkante zur Gundelfinger Straße bildet der Entwurf nicht aus. Dem Straßenraum fehlt damit eine Verbindungsfunktion, die Bebauung Ost und West fällt hierdurch auseinander. Als positiv wird die logische Struktur der Erschließung hervorgehoben.
    Die Realisierungsmöglichkeit ist durch die klare Struktur an den Eigentumsgrenzen gelöst, auch der Schallschutz wird gewährleistet.