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  • DE-70173 Stuttgart, DE-70186 Stuttgart
  • 11/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-267250)

Schmalzmarkt mit Ideenteil Gablenberger Hauptstraße


  • Anerkennung

    © A-U-R-A GbR 2017

    Architekten
    A-U-R-A - Architecture, Urbanism + Research Agency, Ulm (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Marisol Rivas Velázquez

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: Verkehrsplaner, Mobilitätsplaner H. u. B. Schönfuß GbR Planungsbüro StadtVerkehr Verkehrsplanung, Stuttgart (DE)
    Visualisierer: visuz | Mario Zander, Berlin (DE)

    Preisgeld
    2.000 EUR

    Erläuterungstext
    IDEENTEIL GABLENBERGER HAUPTSTRASSE
    (Beschreibung von Norden nach Süden)
    Die dem Entwurf zugrundliegende Idee ist es, die langgstreckte Straße in verschiedenen charakterisch formulierten Sequenzen abwechslungsreich erlebbar zu machen. Hierfür werden fünf unterschiedliche räumliche Schwerpunkte herausgearbeitet.

    Am nördlichen Eingang der Gablenberger Hauptstraße wird ein Entrée ausgebildet. Östlich davon bildet eine markante Baumgruppe den Abschluß der Doppelbaumreihe der Wagenburgstraße. In der östlichen Wagenburgstraße, der Sackgasse, wird der Wendebereich hierfür etwas nach Osten verschoben und Grünpflanzungen in Beeten angelegt. Den eigentlichen Eingang in den Straßenraum der Gablenberger Hauptstraße markiert eine Doppelreihe aus je drei Bäumen.
    Im Bereich der Schule wird die Einfassung des Schulhofes neu definiert. Neben der Parkierung unter Bäumen wird ein Baumfilter mit Bodengrün in Form von Pflanzbeeten zwischen Schule und Straße platziert. Bereits bestehende Bäume werden hier mit Neupflanzungen ergänzt. So wird der Bewegungsraum der Schüler bei den neuen Fahrradstellplätzen von der Straße abgepuffert.
    Der Lindenplatz bildet den Anfang des Geschäftsbereichs der Gablenberger Hauptstraße mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h, der sich bis hinter die Petruskirche nach Süden erstreckt. Dessen neue Pflasterflächen, ein großer neuer Solitärbaum und Außengastronnomie laden am Lindenplatz um Verweilen ein.
    Das Kirchenportal der Petruskirche wird durch die Setzung von symmetrischen Baumneupflanzungen und der neuen gegenüberliegenden Baumreihe eingerahmt. Aus der Fußgängerperspektive wird so die Präsenz der Kirche verstärkt.
    Am Schmalzmarkt wird ein grünes Band zwischen den Bewegungsraum der Straße und dem eigentlichen Platz gelegt. Der Höhenunterschied von der Neuen Straße im Süden und dem Platzraum wird als kleines Plateau ausgebildet, wo sich der Volksbrunnen und die Außenbewirtschaftung des Restaurants befinden. Es entstehen auf selbstverständliche Art zwei Bereiche: ein klar definierter Bereich im Süden und der offene, variabel nutzbare Platz.

    Mit Ausnahme des Geschäftsbereichs und des Bereichs des Schmalzmarkts (beide 20 km/h) wird die Geschwindigkeit in der Gablenberger Hauptstraße generell auf 40 km/h reduziert. Anstelle einer dynamisch gerundeten Fahrbahn trägt die polygonale Ausbildung des Fahrbahnrands zur Verlangsamung des motorisierten Verkehrs bei. Auf der westlichen Straßenseite wird ein Fahrradstreifen in Richung Süden auf der 6,5m breiten Fahrbahn definiert. Fahrradfahrer, die das Gebiet nach Norden „durchfahren“, bewegen sich auf den östlich der Gablenberger Hauptstraße gelegenen Süd-Nord-Verbindungen, wie z.B. der Klingenstraße. Stellplätze für Kurzparker, u.a. mit Brötchentaste, befinden sich zwischen den neu gepflanzten Baumreihen.
    Die für einen sicheren Schulweg bestehenden Ampelanlagen werden beibehalten. Am Schmalzmarkt wird der durch Ampeln gesicherte Fahrbahnübergang etwas nach Süden verlegt. Weitere Fugängerüberquerungen mit Zebrastreifen entstehen auf Höhe von Aldi-Naturgut, von Königsbäck-Metzgerei und südlich der Kirche.

    Aufgrund des beengten Straßenraumprofils wird das bestehende System der abgehängten Überspannungsleuchten als Grundausleuchtung angepasst und ergänzt. In Bereichen von Kreuzungen und bei einseitig sich öffnenden Straßenräumen ergänzen Mastlampen diese Grundausleuchtung. Die östliche Fassade des Schmalzmarkts wird mittels Lampen auf der Fassade von oben nach unten erleuchtet.


    REALISIERUNGSTEIL SCHMALZMARKT
    Der Schmalzmarkt wird zu einem erlebenswerten Ort des Aufenthaltes umgestaltet, der für verschiedenste Veranstaltungen variabel nutzbar ist: Vom kleinen Wochenmarkt bis zu kleineren Veranstaltungen des Stadtteils und Flohmärkten. Die am Platz unmittelbar gelegene Kinderkultureinrichtung „Karamba Basta“ im östlich anschließenden Gebäude kann sich jetzt mit ihren Veranstaltungen direkt auf den Platz begeben, der durch den Baumhain auf dem grünen Band von der Straße geschützt wird.
    Die Wegeverbindung über das Stäffele aus Richtung der Aspergstraße führt mittels einer Fußgängerampel über die Gablenberger Hauptstraße und durch das grüne Band direkt auf den Platz.

    Topographie
    Die gegebenen Höhenverläufe werden genutzt, um den Schmalzmarkt in klare, übersichtliche Bereiche zu gliedern. Im Süden begrenzt ein kleines Plateau, das mit ca. 5 % Gefälle von Ost nach West verläuft, den eigentlichen Platzbereich, der über Sitzstufen von hier aus erreichbar ist. Hier wird der Volksbrunnen an nahezu gleicher Stelle platziert. Dieser Handgriff definiert präzise die Ausdehnung der Außenbestuhlung des angrenzenden Restaurants „Trattoria Vivaldi“. Die derzeitigen Einhausungen der Außenbestuhlung mittels Pflanztöpfen entfallen. Der Höhenverlauf geht an der westlichen Kante des grünen Bandes nach Süden in eine Sitzkante über, die mittels Formsteinen ausgebildet ist. An der platzzugewandten Seite des grünen Bandes verläuft der „Bach“ in einer um ca. 20 cm vertieften Rinne in Richtung Norden. Der Bach wird von der Straße weg hin zum Platz gelegt.
    Es entstehen auf selbstverständliche Art zwei Bereiche: ein klar definierter Bereich im Süden für die Gastronomie und der offene, variabel nutzbare Platz, auf dem Kinder vom Verkehr geschützt am Bachlauf spielen können.

    Grün
    Die bestehenden Platanen werden alle erhalten und durch Neupflanzungen mit Roßkastanien im Bereich des grünen Bands ergänzt. Unter den Bäumen werden hohe Gräser und je nach Saison unterschiedliche Blumenpflanzungen in das grüne Band gesetzt. Entlang der Westseite der Gablenberger Hauptstraße werden als Straßenbäume Platanen gepflanzt.

    Möblierung
    Die sparsame Möblierung des eigentlichen Platzbereichs mit Bänken an seiner Nordseite ermöglicht eine vielfältige Nutzung. Ein neues Bushäuschen mit der integrierten Give-Box hinter Glas lädt die Buswartenden zum Lesen ein.

    Freibewirtschaftung
    Neben der Außengastronomie am Platz wird die Freibewirtschaftung an der Westseite der Straße beibehalten und gestärkt. Weiters bietet es sich an, im Erdgeschoss des nördlich des Platzes gelegenen Kopfgebäudes ein Reparaturcafé einzurichten.

    Verkehr – Anfahrt Wochenmarkt
    Am nördlichen Eingang zum Schmalzmarkt entlang der Gablenberger Hauptstraße befinden sich die Stellplätze für Taxis und Car-Sharing-Fahrzeuge. E-Bikes können gleich vor dem Reparaturcafé an der Einmündung der Klingenstraße an E-Stationen abgestellt und aufgeladen werden. In der Klingenstraße sind die E-Lade-Stationen mit den Kfz-Stellplätzen angeordnet. Zur Andienung kann der Platzbereich von Norden von der Klingenstraße aus mit Fahrzeugen z.B. für den Wochenmarkt angefahren werden. Stellplätze für Fahrräder sind als Sammelanlagen rund um den Schmalzmarkt an seinen Rändern platziert.

    Oberflächen
    Die Gehwegbereiche werden mit Plasterflächen aus Naturstein (Granit) belegt. Der Platzbereich erhält ein Natursteinpflaster im Kleinformat. Seine Fläche wird mit Linien, die als Zweireiher aus Kleinpflaster gebildet werden, in polygonale Felder gegliedert. Um ggf. Kosten einzusparen, könnte das Pflaster auch alternativ als Betonwerkstein mit Natursteinvorsatz ausgebildet werden.
    Im Bereich der Haltestellen werden sogenannte Buscups aus Beton für die Fahrbahn eingebaut, um das Entstehen von Fahrbahnrillen durch das Abbremsen, Anfahren und Stehen der Busse zu verhindern. Die Farbigkeit des Betons wird dem des Natursteinpflasters angeglichen.

    Lichtkonzept
    Die Beleuchtung gliedert sich in miteinander abgestimmte Bestandteile: Leuchtelemente im Baumbereich erhellen die Baumkronen. Die östliche Fassade des Schmalzmarkts wird mittels Lampen auf der Fassade von oben nach unten erleuchtet. Mastlampen entlang der Straße ergänzen neben dem System der abgehängten Überspannungsleuchten die Grundausleuchtung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeigt im Ideenteil den Gedanken des Entrées an der Wagenburgstraße. Leider ist die Idee an der vorgeschlagenen Stelle nicht stark genug, sie wird eher in der Wagenburgstraße (Wendeplatte) betont.

    Der Gedanke Geschäftsbereich zwischen „Lindenplatz“ und „Petruskirchenplatz“ ist besonders, wird aber zu kurz geführt und dadurch als nicht konsequent genug erkannt. Weitere Querungen werden bedacht. Die Versorgungsfunktion wird gestärkt.

    Die Baumstandorte und Längsparker entlang der Gablenberger Hauptstraße sind regelmäßig angeordnet. Ihre Verwirklichung, vor allem hinsichtlich der Beidseitigkeit, bleibt fraglich (Leitungen). Das Kurzparkerangebot wird für die anliegenden Geschäfte von Vorteil sein. Schön kann die Betonung des Platzes vor der Petruskirche werden, insbesondere bei Verwendung attraktiver Baumarten.

    Auf planerische Aussagen und Reaktionen zu einzelnen heute vorhandenen Erdgeschossnutzungen wird weitgehend verzichtet. Einzige Ausnahme stellt der Bereich an der Gablenberger Grundschule dar.

    Die Konzeption des Schmalzmarktes zeichnet sich durch eine klare Gliederung und starke Trennung mittels Grünbeeten, Wasserlauf und Stufen aus. Aber gerade dies wird aufgrund der damit verbundenen zu erwartenden Probleme im hochfrequentierten innerstädtischen Bereich jedoch als nicht mehr zeitgemäß erachtet. Die Funktionalität scheint eingeschränkt, die gärtnerische Unterhaltung wird problematisch gesehen.

    Zu loben ist der Fahrradstreifen bergauf.

    Ein netter Gedanke ist die Bushaltestelle mit „Give-Box“.


INFO-BOX

Angelegt am 27.11.2017, 11:59
Zuletzt aktualisiert 01.12.2017, 15:11
Beitrags-ID 4-149044
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