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  • DE-86919 Utting am Ammersee, DE-86919 Utting am Ammersee
  • 04/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-270987)

Errichtung von geförderten Wohnungen auf dem Schmucker-Areal


  • Anerkennung

    Perspektive Süd Ost Gemeinschaftsraum, © Zwischenräume Architekten+Stadtplaner GmbH

    Architekten
    Zwischenräume Architekten + Stadtplaner GmbH, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Thilo Ch. Mittag, Attenkirchen (DE)

    Preisgeld
    7.500 EUR

    Erläuterungstext
    BAUSTRUKTUR EINFIRSTHOF
    die städtebauliche Struktur bezieht sich auf die bäuerlichen Anwesen mit stattlichen Einfirsthöfen und nimmt deren Körnung auf.

    HAUS UND HOF
    Der rythmische Wechsel von Haus und Hof
    - mit Aus- / Durchblicken für die Nachbarn
    - mit räumlicher Anknüpfung schon im Kleinen
    differenziert Erschließungs-u. Gartenbereiche

    PLATZ
    Im Zentrum ruft die Grundstücksaufweitung nach einer Umschlags- u. Kontaktfläche, einem Dorfplatz 3 Häuser bilden einen differenzierter Platzraum Dörfliches Leben bringen Eingänge, Fahrraddächer, Sickermulde und die Querung der Fußwegverbindung unter dem schattenspendendem Baumdach. Für besondere Anlässe wie Feste, Flohmarkt werden Fahrradbügel frei geräumt u. dienen als Gestelle von Tischplatten unter Dach
    Der Fußweg von West nach Ost verbindet alle Teilbereiche u. den Gesamtort im Sinne der Uttinger Durch-lässigkeit. Er steht auch den internen Radlern zur Verfügung. Schnelle Radler fahren auf den Gemeindestraßen. Die Fußwegverbindung am Mosgraben sollte zur Hechenwangerstr. durchgebunden werden

    PERLENKETTE FUSSWEG
    Der verbindende West-Ost-Fußweg fädelt die einzelnen Bausteine auf. 9 Häuser, basierend auf 1 Prototyp.

    4 Öffentliche Frei-Räume / Hauptanlaufpunkte:
    - Platz an der inneren Ortseinfahrt
    - Offener Moosgraben mit Teichausweitung
    - Zentraler Dorfplatz,
    - Kleinen Biergarten mit Gemeinschaftsraum
    Halböffentliche Frei-Räume:
    - Zugangsvorhöfe mit Fahrraddächern - Gartenhöfe mit Gelegenheit für naturnahes
    (Kleinkinder-) Spiel Jeweils 2-3 Häuser teilen sich einen (halb-) öffentlichen Hof- oder
    Platz und können sich auf einen intimeren Gartenbereich zurückziehen. Aus der
    Wegeführung mit Aufweitungen, Mulden und Rinnen ergibt sich ein angenehmer
    Rhythmus in dem sich gemeinschaftsorientierte Nutzungen wie Gemeinschaftsraum,
    Fahrraddächer, Hausbank, Kiwa-/ Mobilitätsstellplätze an die Zugangsbereiche anlagern
    Weitere wie Werk- u. Waschräume, Kleintierställe, Grabland, können dazu kommen.
    Zusammen mit Regenwasserrinnen und Sickermulden bieten sie sich an als vielfältige
    Kontaktbereiche und Zwischenstationen für Jung und Alt, Bewohner und Nachbar,
    Platzhirsch und Frischling.

    DIE HÄUSER
    Der kompakte Baukörper der 9 Häuser, beruht auf einem modifizierbaren Prototyp: Orientiert am kompakten Einfirsthof wird der Baukörper zeitgemäß gemeinschaftsbildend und Identitätsstiftend differenziert. Geöffnet zu Fußweg + Platz über Eingang und Treppenraum, großzügig, offen, kommunikativ mit:
    - Hausbank, Brief-/ Paketkästen, Sprechanlage
    - Kinderwagen und Rollatorenabstellraum
    - Fahrraddach multifunktional, halbdurchlässig für Feste, Flohmarkt etc.
    sind freigeräumte Fahrradbügel als Tische unter Dach nutzbar. Eingang u.Treppenraum
    lassen sich mit einfacher Schiebefaltverglasung winterfest machen.
    Augenzwinkernd das Zitat bäuerlicher Tradition der jeweils anders farbig markierten Scheunenvorfahrt als Individualisierungs- u. Identitätssymbol. Private Freibereiche, dem gegenüber eingezogen als Loggien, schützen zusammen mit Heckenschirmen im EG die Privatheit der einzelnen Haushalte.

    FREIFLÄCHEN
    Boden •Tragfähigkeit• Grundwasser
    Ein ausgewogenes Verhältnis von Be-/Unterbauung, Versiegelung und Versickerung bestimmt - letztlich v.a. abhängig vom Stellplatzschlüssel - die Wohnungsanzahl.
    Um Wasserhaltung und aufwendige Gründung zu umgehen liegen Tiefgarage und Voll-keller östlich Sondierungsbohrung 4, westlich kommen nur Teilkeller für Abstellräume, Hausanschluss- u. TGA- Verteiler zur Ausführung.

    VERSICKERUNG
    Die Freiflächengestaltung baut auf Versickerung über Bodenhorizonte als einem grundlegenden Thema auf:
    Regenwasser-Zuleitungs- u. Überlaufrinnen gliedern mit gefassten Muldenbecken die Freiflächen in private u. (halb)öffentliche Flächen Sie bieten Rückzugsbereiche für Artenvielfalt u. selbstverständlich Anlass für naturnahes Spiel. Östlich SDB 4/Haus 4 steht genügend nicht unterbaute Fläche für bodennahe Versickerung zur Verfügung. Hier erlaubt der Beiwert direkte Versickerung über die gliedernden Muldenbereiche (>/= 175 qm Staufläche bei 30 cm Tiefe). Überlaufrinnen entlang dem Fußweg sind bei Starkregen zusätzliche Rückhalte- u. Sickerflächen u. können westlich SDB4 bei außergewöhnlichen Regenereignissen das Wasser in den Moosgraben ableiten. Westlich SDB 4/Haus 4 kann beim sandigem Schluff nur flächig versickert werden. Hierfür sind Versickerungsflächen in gleicher Größe wie die daran angeschlossenen zu entwässernden Flächen notwendig. Um die Retentionsflächen auf ein gebrauchsfähiges Maß zu reduzieren, wird ein mehrstufiges Entwässerungssystem vorgeschlagen: Für eine optimale Versickerung in belebten Ober-bodenzonen werden auch hier "normale" Regenereignisse in gefassten Mulden gezielt zurückgehalten. Zusätzlich werden flache Überlaufterrassen ins Gelände modelliert, von stärkeren Regen nach und nach gefüllt. Bevor eine Überflutung der Flächen eintreten kann, wird das Wasser an Überlaufpunkten von Rigolen aufgenommen die unter befestigten Wegeflächen zusätzliche Rückhaltekapazität bieten. Deren Überlauf letztlich kann bei Starkregen über Rinnen gezielt in den Moosgraben abgeführt werden (s.a. Auslobung Anlage 7). Hauseingänge sind daher immer etwas über das modellierte Gelände angehoben und über leichte Gefälle erreichbar.

    BAUMBESTAND
    Zur Betonung der besonderen Eingangssituation sind die 2 Kastanien im Grundstücksteil zur Schondorferstr. ein hohes Gut. Verbau u. Wurzelschutz sichern den Baum an der Südgrenze während des TG-Baus.

    BAUMSTRUKTUREN
    Bäume wirken raumbildend in 3 Strukturen : Baumreihen Landsberger-Str. u. Zufahrt unterstützen die Freihaltezone, schattieren, leiten. Baumschirm Schondorfer Str. hier leitet ein luftiger Schirm über in den Hof mit Miniaturbiergarten am Gemeinschaftsraum. Überkront von den stattlichen Kastanien. Baumschirm auf dem Dorfplatz Der Dorfplatz wird von einem lockeren mittelkronigen Baumdach beschimt. Sein Schatten und Farbenspiel der Jahreszeiten ist athmosphärische Vorraussetzung für Begegnung und Aufenthalt. Lockere Gesellschaften von Gartenbäume mit Artenvielfalt bestimmen die grünen Gartenhöfe. Ihre Baumstellung nimmt einen naturnahen zu- fälligen Charakter an und überlagert damit das Gesamtgrundstück netzartig.

    Kfz- Erschließung WOHNWEG
    Die KFZ-Haupterschließung, mittig von der Landsberger Str. aus, bleibt als WOHNWEG unverstellt von Einbauten. Als attraktiver Zufahrtsweg wird er von einer kleinkronigen Baumreihe markiert, sowohl für Fußgänger als auch für KFZ. Schon hier wird zusammen mit Schritt-Tempo die Qualität der Erschließung mit Priorität für Fußgänger signalisiert, ebenengleich ist der Fußgängerschutzstreifen von der Fahrbahn abgeschirmt. Zugleich sollte die bestehende Garagenzufahrt möglichst einheitlich in der Fläche mitgestaltet werden. 4,75 m Fahrbahnbreite machen n. RASt 6 Be-gegnungsverkehr Pkw+Pkw möglich. Pkw+Lkw können sich auf die kurze Sichtweite abstimmen. Für deren Begegnung genügen bei langsamem Fahrstil n. RASt 5,00 m. Ausweichen um 25 cm wäre unter Einbeziehung des Garagenvorbereichs bequem möglich.
    Motorisierte Erschließung im Binnenbereich ist auf das Mindestmaß beschränkt. und wird auf kurzem Weg am Platz abgewickelt. 120 Kfz-Stellpätze incl. 2 Behinderten-Stpl. sind in der Tiefgarage angeordnet, mit: - Zufahrt vom Wohnweg aus als reine Einrichtungszufahrts-Rampe am Dorf-Platz - Ausfahrt aus der TG zur Schondorfer Straße
    Besucherstellplätze bleiben draußen - Senkrecht-Stpl. unter Bäumen - entlang der Schondorfer Str. für den Gemeinschaftsraum und mit Elektroladestation - entlang der Landsberger Straße allgemein, hier dienen sie auch den 3 Häusern westlich des Moos-grabens zum Kurzparken .
    Feuerwehr und Anlieferung / Möbel erreichen die 3 Teilgebiete jeweils direkt:
    West v. Landsberger- u. Hechenwanger Str.
    Mitte v. zentralen Platz über Landsberger-Str.
    Ost von der Schondorfer Straße
    Bei Erreichbarkeit im Radius von max. 50 m.
    Müllabfuhr je ein Müllhaus versorgt die 3 Teilgebiete, gut erreichbar für die Müllabfuhr Landsberger- und Schondorfer Str., Dorfplatz in angemessenem Abstand von Nachbarn, Wohnen u. Aufenthalt.

    BAUWEISE
    Hybridbauweise Im Geschosswohnungsbau mit hohen Anforderungen an Statik, Schallschutz, Brandschutz und an energetische Standards kombiniert die Holz-Beton-Hybridbauweise die Stärken der Baustoffe in ökonomischer Weise: - Stahlbeton als tragende Deckenkonstruktion bietet große Spannweiten innerhalb des Gebäudes und hat Vorteile bei Schallschutz, Brandschutz und bei der Wärmespeicherung - Tragende Innenwände sind Betondoppelwände (Halbfertigteile). Sie wirken als Speichermasse für die Regulierung der Raumtemperatur im Sommer und Winter. - Nicht tragende Holzbauelemente für die Gebäudeaußenhülle als gedämmte Aussenwände in Holzrahmenbauweise mit hinterlüfteter Vorhangfassade (Holzschalung) bieten hohen energetischen Standard. Die gesamte Außenhülle besteht aus Holzständerwänden mit ca. 30 cm Wärmedämmung zwischen den Holzständern. Holzständerwände feuerhemmend. Hoch energieeffiziente Gebäudehülle, auch geeignet für energieautarke Gebäude. Diffusionsoffene und atmungsaktive Außenbauteile - Holzbauelemente bieten Vorteile bei den Bauzeiten durch Vorfertigung bei guter Planung der Produktions- und Montagezeiten - Holz als nachwachsender Rohstoff (klimaneutral) kommt mit einem großen Anteil der Baustoffe zum Einsatz und stärkt die nachhaltige, ökologische Bauweise. Energiestandard KfW 55 Hoher energetischer Standard, KfW Effizienzhaus 55 nach EnEV 2016 sollte mindestens erreicht werden. Hochwärmegedämmte Hülle: - Schottenbauweise mit tragenden Wohnungstrennwänden und nicht tragenden, hoch gedämmten Aussenwänden als Holzrahmenwände mit hinterlüfteter Vorhangfassade als Holzschalung - tragende Schotten in Stahlbeton - Fenster 3-fach-Isolierverglasung - hoch gedämmte Dachdecken - größt mögliche Kompaktheit der Baukörper Energetisches Konzept: Die Wärmeversorgung der Gebäude erfolgt über lokale Fernwärme der Zentralen Heizanlage. Für eine hohe Effizienz der Nutzung und niedrigen Rücklauftemperaturen in das lokale Fernwärmenetz wird ein Niedertemperatur-Flächenheizsystem sowie dezentrale Trinkwassererwärmer eingesetzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebauliche Integration: Der Planungsvorschlag vermittelt eine sehr ruhige, klare und im Ortsbild eigenständige Struktur. Die Gebäude haben eine klare Bauform und stimmige Dachneigung mit Ihren Nord- /Süd-Firstrichtungen. Im zentralen Wettbewerbsgebiet wird durch eine noch verträgliche Dichte eine sehr hohe Wirtschaftlichkeit generiert. Im Nord-westlichen Planungsgebiet erscheint diese Dichte jedoch nicht mehr maßstäblich. Die große Bautiefe der Gebäude erschwert in Teilbereichen die natürliche Belichtung der Wohnungen. Die Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken wurden an mehreren Stellen geringfügig unterschritten. Die Anbauverbotszone an der Landsberger Straße wurde nicht ganz eingehalten, kann aber aufgrund der Fortführung der bestehenden Nachbargebäude nachvollzogen werden.

    Erschließung, Ausrichtung: Die Ost- /West-Durchwegung des Grundstücks erscheint funktional und stimmig. Die Zugänge der Gebäude sind klar positioniert. Positiv hervorzuheben sind die wettergeschützten Eingangsbereiche mit Nebennutzflächen (Fahrrad- und Kinderwagen-Abstellmöglichkeiten). Der Flächenbedarf dieser Verkehrsflächen erscheint jedoch sehr hoch. In den Obergeschossen sind die Verkehrsflächen aufgrund der Baukörpertiefe sehr großzügig bemessen. Die Erschließung der Tiefgarage erscheint gut gelungen, hier ist vor allem die Ausfahrtsituation (Lärmschutz) hervorzuheben. Die Parkplatzsituation im Norden erscheint störend.
    Ausdruck/Architekturtyp: Die klare Formensprache des Städtebaus hat in der Grundrissumsetzung an Klarheit verloren. Die Fassadengestaltung erscheint insgesamt zu undifferenziert. Dem Gebäude an der Schondorferstrasse gelingt eine einladende Wirkung zum Areal hin. Die Situierung und Ausrichtung des Gemeinschaftsraumes ist gelungen.
    Gesamtidee: Der Entwurf hat das Ziel mit der stattlichen Einfirsthofstruktur einen rhythmischen Wechsel von Haus und Hof/Freiflächen zu erzeugen. Durch die Nord- /Süd-Ausrichtung entsteht eine hohe Blickdurchlässigkeit für die Nachbarn. Die Abfolge wirkt insgesamt in ihrer Ausgestaltung wenig differenziert.
    Wohngrundrisse: Die beschriebene Schottenstruktur mit nichttragenden Holzständeraußenwänden konnte an den Grundrissen nicht nachvollzogen werden. Die Wohnungsgrundrisse wurden funktional gut umgesetzt. Aufgrund der tiefen Baudichte ist die natürlich Belichtung nicht immer gut gelungen. Die Fassadengestaltung ist den Grundrissen nur teilweise zu entnehmen. Es wurden zusätzlich zum Auslobungstext noch 14 weitere Wohnungen geplant. Der Vorteil liegt in der besseren Ausnutzung des Baugrundstücks, der Nachteil in der in Teilbereichen zu hohen Baudichte.

    Entlang des Fußwegs sind unterschiedliche Freiraumangebote angeordnet. Die Qualität des Vorplatzes vor dem Gemeinschaftsraum wird durch die Parkierung und die Tiefgaragen-Rampe beeinträchtigt. Das Angebot eines Biergartens überzeugt nicht. Der zentrale Platz erscheint überdimensioniert und ist nur funktional mit Fahrradständern ausgestattet. Deshalb lässt er jegliche Attraktivität vermissen. Die Kinderspielplätze werden auf Restflächen angeordnet. Die Öffnung des Moosgrabens wird begrüßt. Der Teich ist in Frage zu stellen. Gänzlich unverständlich ist der Platz am Ortseingang. Ein durchgängiges Freiraumkonzept wird vermisst. Das Regenwassermanagement ist nachvollziehbar, dominiert jedoch zu stark die Freiraumgestaltung.

    Insgesamt ist die Arbeit ein guter Beitrag zum Wohnbauprojekt „Schmucker-Areal“.