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  • 5. Preis


    Architekten
    HINRICHS WILKENING ARCHITEKTEN, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sven Hinrichs , Ralf Wilkening

    Mitarbeit
    Dirk Hensen, Mitarbeiter Dirk Hensen , Haustechnik Kasche, Lußky und Partner, Berlin Bühnentechnik Walter Kottke, Bayreuth Modellbau Katrin Helmbold, Berlin

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: fd-ingenieure, Dipl.-Ing. Frank Dröse, Tragwerksplanung, Brandschutz, Thermische Bauphysik, Berlin (DE), Braunschweig (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Grundkonzept des Enwurfs ist es, die beiden Säle nebeneinander versetzt und in der Höhe gestaffelt zu arrangieren; der Grosse Saal erdgeschossig, der kleine Saal im zweiten Obergeschoss. Dabei ergibt sich eine einfache, aber spannungsreiche Gebäudekubatur, die mit der abstrakten Haltung des Städtebaus korrespondiert: Die funktionale und räumliche Figur der Stadthalle greift die stadträumliche Vorlage von streng orthogonalen aber doch leicht zueinander versetzten Flächen und Feldern auf, und führt diesen Ansatz im Äussern wie im Innern des Neubaus weiter. Dabei ist der grosse Saal an die Südseite gelegt, so dass sich die Foyers und der kleine Saal zu Altstadt und Echaz orientieren.

    Architektur
    Leitbild des Gebäudeentwurfs ist ein golden schimmerndes Volumen inmitten eines grünen Baumdachs. Tagsüber reflektiert die Stadthalle in einem gedämpften Goldton durch den Baumhain hindurch, nachts strahlt sie von innen heraus in das Quartier. Bei Tag bilden offene und geschlossene Fassadenteile eine homogene Fläche, bei Nacht leuchten die Foyers und Saalbereiche in die Umgebung hinaus und geben dem Volumen räumliche Tiefe.

    Unter den Bäumen
    Man betritt das Gebäude vom Tübinger Tor aus und gelangt in den Eingangs- und Kassenbereich.
    Im rückwärtigen Teil des Erdgeschoss befinden sich der Bühnenbereich, die Anlieferbereiche, der Orchesterprobenraum, sowie das Künstlerfoyer. Bei steigender Bestuhlung kann der Saal hauptsächlich erdgeschossig erschlossen werden.

    In den Bäumen
    Das Hauptfoyer befindet sich im ersten Stockwerk und bietet rundum Ausblick in die grünen Kronen der Bäume. Bei Kongressen und Banketten ist dies die Hauptebene. Dabei fahren die Hubpodien von Saal und Bühne auf dieses Niveau. Außerdem lassen sich die seitlichen Saalwände zum Foyer hin öffnen, so dass nun ein großer, ebener und zusammenhängend nutzbarer Raum entsteht. Angedient wird dieser Bereich von der im gleichen Geschoss gelegenen Relaisküche. Sie ist zudem über den Lastenaufzug direkt mit dem Foyer des kleinen Saals verbunden.

    Über den Bäumen
    Der kleine Saal ist auf dem zweiten Stockwerk gelegen. Von hier öffnet sich der Blick auf das Tübinger Tor, und von der großen Freiterrasse aus kann man bis zur Achalm schauen. In den Veranstaltungspausen dient die Terrasse als Frischlufttankstelle, sie kann aber auch als attraktiver Ort für Open Air Veranstaltungen benutzt werden.

    Der Saal
    Der große Saal ist nach dem klassischen „Schuhschachtel“-Prinzip konzipiert: Er hat einen schlanken Rechteckgrundriss und eine lichten Höhe von 16,50m, so dass die Proportionen seinem Vorbild - dem „Goldenen Musikvereinssaal“ in Wien – nahe kommen. Das Raumvolumen ist so ausgelegt, dass sich bei steigender Bestuhlung eine gute Konzertakustik abgibt, und sich bei angehobenen Podien die Nachhallzeit durch die Verringerung des Raumvolumens automatisch verkürzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit dem Entwurf wird die Vorgabe des städtebaulichen Wettbewerbs ziemlich exakt übernommen. Das große Volumen des Baukörpers wird im Luftraum über dem Baumdach gegliedert.

    Treppen und Foyers haben bei dieser Arbeit eine besondere Dimension und ermöglichen schöne Perspektiven in das umliegende Baumdach.

    Der kleine Saal im 2. OG mit der offenen Terrasse zum Bürgerpark ist gut teilbar mit zwei schönen Foyerzonen. Hier ist man über den Bäumen und genießt einen freien Blick zur Altstadt hin.

    Der Konzertsaal ist nach dem klassischen „Schuhschachtelprinzip\" konzipiert. Seine Proportion kommt dem Vorbild – dem goldenen Musikvereinssaal in Wien – gleich.

    Das Raumvolumen ist großzügig ausgelegt. Eine gute Konzertakustik ist zu erwarten. Der Aufwand, den Konzertsaal in einen Parkettsaal zu verwandeln, ist immens, stellt die Frage an die Machbarkeit.

    Der große Saal liegt im Erdgeschoss, mit den Bühnen – und Anlieferungsbereich zum Hotel hin. Hier wird eine Rücksituation entstehen. Für das Hotel wird dies eine Belastung darstellen.

    Dem erdgeschossig liegenden Saal fehlt leider ein innen umlaufendes Foyer. Das Eingangsfoyer, die Garderobe und die Gastronomie liegen richtig in ihrer inneren Funktion und in Bezug zum äußeren Stadtraum und sind großzügig dimensioniert.

    Die Verfasser stellen die Stadthalle als goldenen Körper in einer grünen Umhüllung dar. Starke baukörperliche Differenziertheit ist fehl am Platz, da alles im Baumhain ohne mögliche Perspektivwirkung untergeht. Allein, es bleibt der goldene Schein!

    Insgesamt eine stillere Arbeit, die ihre Qualitäten erst auf den zweiten Blick freigibt, jedoch einen „guten Beitrag\" zur gestellten Aufgabe darstellt.

    Akustik

    Der Saal ist für konzertante Aufführungen und nach Anheben des Hubbodens auch für Bankette gut geeignet. Die Faltung der Raumwände unterstützt die Ausbildung diffusen Schalls. Die Verbindung zum Foyer stellt schalltechnisch einen Schwachpunkt dar. Der notwendige Schallschutz gegenüber dem Straßenlärm mit nur einer Wandebene ist nicht realisierbar. Hier sollte ein Zwischenraum vorgesehen werden.

    Der kleine Saal ist für Kammermusik sehr gut geeignet.