loading
  • DE-79110 Freiburg im Breisgau
  • 12/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-287033)

Einkaufszentrum Landwasser


  • 2. Preis

    Perspektive

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Lehmann Architekten GmbH, Offenburg (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Platz der Begegnung und Entreeplatz mit „Gässle“

    Im Zuge der Neubebauung des Einkaufszentrums in Landwasser wird der Platz der Begegnung in das Gesamtkonzept einbe-zogen und neu gestaltet. Das „Gässle“ bildet dabei als zentrale Wegeachse das Rückgrat der gesamten Anlage und stellt die barrierefreie Verbindung zwischen dem neuen Platz und der Eingangssituation an der Auwaldstraße her. Das Thema Wasser wird zum tragenden und verbindenden Motiv der Gestaltung. Zum einen wird dadurch der Bezug zur Innenstadt von Freiburg hergestellt, zum anderen werden die Besonderheiten des Ortsteils Landwasser hervorgehoben.

    Den Auftakt bildet ein Wassertisch mit Fontänen als Entree und betont den Eingang in das neue Einkaufszentrum mit dem Platz der Begegnung als Schwerpunkt. Ein Wasserlauf thematisiert die typischen Freiburger Bächle und stellt die Verbindung zur Altstadt Innenstadt her. An zentraler Stelle bildet ein Fontänenfeld analog den neuen Fontänen auf dem Platz der alten Synagoge einen Schwerpunkt auf dem Platz. Sie schaffen ein spielerisches Element und greifen die heutige Gestaltung der großzügigen Wasserfläche in zeitgemäßer Form wieder auf.

    Das gesamte Areal erhält einen einheitlichen durchgängigen Pflasterbelag, der die neue Mitte von Landwasser betont und zu einer Einheit zusammenführt. Sämtliche Nutzungen und Funktionen wie Zufahrten und Anlieferung werden in das Belagskonzept integriert. Der gesamte Block wird als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen, der Platz der Begegnung wird frei gehalten von Durchgangsverkehr, lediglich die Anlieferung über den Platz bleibt möglich.

    Der Platz der Begegnung erhält ein eigenständiges Feld aus einem größerformatigen Plattenbelag und hebt sich dadurch wohltuend von der Umgebung ab. Eine zentrale Fläche von ca. 800 qm bleibt frei von Einbauten und steht für den Wochenmarkt zur Verfügung. Die vorhandenen Bäume werden erhalten und in das Konzept integriert. Hier können im Schatten der Bäume Flächen für Boule, Generationen- und Kleinkindspielen angeboten werden. Das Wasserspiel mit den Fontänen belebt den Platz und bildet eine neue Attraktion. Der Unterhaltungsaufwand kann dagegen gegenüber der heutigen Gestaltung reduziert werden. Die großzügige Platzfläche bietet sich für die Bewirtung durch Außengastronomie an.

    Der Eingang in das Quartier wird offen und einladend gestaltet, ein kleines Wasserspiel bildet hier den Auftakt, macht neugierig und lädt zum Bummeln im „Gässle“ ein. Sämtliche ankommenden Wegebeziehungen münden auf den Entreeplatz, die Gebäude bilden einen Rücksprung und führen so in das „Gässle“ hinein.

    Das „Gässle“ bildet das Zentrum des neuen Einkaufsquartiers und stellt zugleich die Verbindung zwischen dem Entreeplatz und dem Platz der Begegnung her. Hier liegen sämtliche Läden und Geschäfte. Ein kleiner Wasserlauf erinnert an die historischen Bächle im Stadtkern und stellt die ideologische Verbindung zur Freiburger Altstadt her. Begleitende Bänke laden zum Sitzen und Verweilen ein und schaffen hier eine hohe Aufenthaltsqualität. Eine großzügige Treppe in Verbindung mit einer Rampenanlage überwindet im Übergang zum Platz der Begegnung den Höhenunterschied und stellt die barrierefreie Verbindung her.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf entscheidet sich für die Komposition von 5 unterschiedlich hohen Wohnkuben auf dem asymmetrisch geteilten Sockelbauwerk.

    Die große Qualität der Arbeit liegt in der städtebaulichen Analyse mit dem Ergebnis, das größere Baufeld nicht im Norden sondern im südlichen Grundstücksteil zu platzieren. Dies ermöglicht es die Anlieferung der großen Verkaufsflächen relativ unkritisch, auch angesichts des „robusten“ südlich angrenzenden Parkdecks, über eine „Tasche“ von Süden zu organisieren und die nördliche Fußgängerverbindung zu entlasten. Dennoch müsste auch im Norden eine Anlieferung geschaffen werden. Wesentlich ist jedoch die Führung der Ladenpassage von der stadträumlich richtig gestalteten Aufwertung mit Hochpunkt an der Auwaldstraße mit Blickpunkt auf das, für das Quartier bedeutsame „ Haus der Begegnung “, zumal wenn man sich hier zukünftig ein attraktives Gebäude für den Stadtteil vorstellen dürfte. Der Gedanke eines Wasserbeckens an der Auwaldstraße sowie der Wasserlauf in der Passage werden kritisch hinterfragt. Die Freitreppe zum Platz könnte offensiver gestaltet werden im Hinblick auf eine lebendige Benutzung. Die Qualität des Platzes der Begegnung selbst erscheint ausbaufähig.

    Die vorgeschlagene Nutzung der Erdgeschosszone in der Passage wird ausdrücklich gewürdigt, da hier attraktive Laden- und Einkaufsbereiche vorgeschlagen werden. Im Bereich Supermarkt und Drogerie könnte man sich allerdings ein „Mehr“ an kleinen Flächen einer „Mantelnutzung“ im Fassadenbereich vorstellen.

    Die Idee, im „Zwischengeschoß“ auch Wohnen zu den „guten Seiten“ anzubieten, wird ausdrücklich begrüßt, während die Anordnung der Fahrrad- und Abstellboxen im Bereich wertvoller Fassadenflächen und zu möglichen Innenhöfen hin sowohl funktional wie atmosphärisch kritisiert wird. Ansonsten sind die Nutzungen wie Praxen und Fitness klug platziert.

    Die 5 Wohntürme enthalten gut nutzbare Wohnungen mit geschützten Loggien. Die Setzung der Hochpunkte wird kontrovers diskutiert, die niedrige Bebauung zum Platz jedoch wird als wohltuend empfunden.

    Auch die Flächeneffizienz der üppig dimensionierten Treppenhäuser wird hinterfragt. Hier wünschte man sich eine „Verschlankung“ der Türme zugunsten von mehr Eleganz im Städtebau wie in der Flächenwirtschaftlichkeit und der Gesamtflächen. Die Fassade erhält ein Kleid aus hellen Sichtbetonfertigteilen als ruhiges Skelett das große Fensterflächen zulässt, die je nach Nutzung weitere Fassadenelemente erhalten, die aber noch näher zu spezifizieren wären. Hierbei ist auch die Ablesbarkeit der Wohnungszugänge zu schematisch dargestellt (Orientierung).

    Alles in allem zeigt sich hier ein klarer, prägnanter Entwurf, der nicht nur funktional richtige Entscheidungen getroffen hat, sondern auch die Kraft entwickelt, dem Stadtteil ein neues, attraktives Gesicht zu geben.