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  • DE-87616 Marktoberdorf, DE-87616 Marktoberdorf
  • 12/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-271901)

Ehemaliges Krankenhausareal Hochwiesstraße


  • 3. Preis

    Lageplan, © http://www.dv-arc.de

    Architekten
    dv architekten deffner voitländer, Dachau (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dorothea Voitländer , Prof. Konrad Deffner , Ursula Hochrein

    Mitarbeit
    Paul Metzger, Marie Laabs, Stefan Bohnengel, Meng Li, Rafael Zehntner

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE)

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee
    Der Ausläufer des Buchel umschließt im Norden und Westen das Planungsgebiet. Wertvoller Baumbestand umhüllt das Grundstück allseitig. Dieses großartige Stück Allgäuer Landschaft gibt die Vorlage für die Leitidee: Der trichterförmig sich nach Westen öffnende Erschließungsanger ist ganz auf die naturräumliche Szenerie mit Hangfuß und Bäumen ausgerichtet. Der Anger findet vor dem steilen Wiesenhang in einem Quartiersplatz mit Bestandsbaumgruppe und Sitzstufen seinen Abschluss.

    Durchlässigkeit
    Die Lärmschutzbebauung ist durchlässig angelegt, um in den südlich der Hochwiesstraße angrenzenden Landschaftsraum überzuleiten, soweit der dichte Baumbestand dies erlaubt. Ebenso ist es ein Ziel, den Steilhang mit dem Baumbestand in das räumliche Konzept der nördlichen Hauszeilen einzubeziehen.

    Topographie
    Unter Berücksichtigung ihres natürlichen Verlaufs wird die Topografie effizient und wirtschaftlich genutzt. Über den offenen Stellplätzen und den dahinter angeordneten ebenerdigen Tiefgaragen liegen die Hofbebauungen, circa ein Geschoß über die Hochwiesstraße angehoben. Dieses Niveau setzt sich auch im Anger fort. Die nördlich angrenzende Zeilenbebauung liegt etwa einen halben Meter darüber. Diese Höhenkante ist mal als ganz flache von der Feuerwehr überfahrbare Treppe, mal als Rampe, mal als Sitzkante ausgebildet. Der Aushub für die Tiefgarage kann zum Füllen der durch den Abriss des Krankenhauses bedingten „Löcher“ verwendet werden.

    Lärmschutzbebauung
    Die Hofbebauung bildet im schmalen südlichen Flügel einen Lärmschutzgrundriss mit einer Tiefe von 7,5 Metern aus. Die beiden Wohnebenen liegen über einer offenen Stellplatzreihe und werden als Zweispänner über offene, jedoch überdachte Treppenhäuser erschlossen. Man betritt die 2-3 Zimmer-Wohnungen auf der Südseite über verglaste Loggien. Über die Windfang Funktion hinaus bilden die Loggien vor allen Dingen einen guten Lärmschutz. Durch ihre Südorientierung sind sie je nach Tages- und Jahreszeit privater Freiraum, erweiterter Wohnraum, Wärmefalle oder Wärmepuffer. Diese hohe Flexibilität in der Nutzung macht sie für viele Bewohnerprofile attraktiv.

    Erschließung und Vernetzung
    Die motorisierte Erschließung der nördlichen Bebauung erfolgt über den Anger, die Hofbebauung wird über zwei Zufahrten von der Hochwiesstraße angefahren. Ein engmaschiges Fuß- bzw. Radwegenetz stellt die notwendigen Verknüpfungen im Inneren sowie in die Umgebung her. Die ehemalige Bushaltestelle kann wiederbelebt werden.
    Die wichtige Fußwegeverbindung zum Buchel wird gestärkt und direkt aus dem Quartier angebunden. Weitere Wege stellen am oberen Rand des Steilhangs, sowie am Fuß des Hanges die Verbindung zur Saliterstraße her.
    Im Bereich der Hauseingänge bieten immer wieder Aufweitungen Raum für den nachbarschaftlichen Ratsch und direkte Spielmöglichkeiten für die Allerkleinsten auf Privatgrund.

    Wohnungsmix
    Das differenzierte Wohnungsangebot umfasst schlanke, südorientierte Lärmschutzbebauung, in größeren Tiefen organisierte , durchgesteckte Ostwesttypen in Höfen, sowie in versetzten Reihen organisiert. Damit ist in allen Bauphasen eine soziale Mischung garantiert.
    Die Erdgeschosswohnungen erhalten direkt zugeordnet kleine Gartenanteile.

    Quartiersplatz
    Am Quartiersplatz sind alle Sondereinrichtungen versammelt: die Kindertagesstätte auf zwei Ebenen, die beiden Wohngruppen sind darüber angeordnet. Die Wohngemeinschaft teilt sich das Erdgeschoß mit dem Nachbarschaftstreff gleich gegenüber im südlich anschließenden Gebäude des Wohnhofs. Neben den wohnungsnahen Kleinkinderspielbereichen, gibt es einen attraktiven öffentlichen Spielbereich am Quartiersplatz unter den Bestandsbäumen. Der Platz wird von einer bestehenden Baumgruppe und dem grünen Steilhang akzentuiert. Flache Sitzstufen laden zum Verweilen an der Baummulde ein.

    Nachhaltigkeit
    Die flachen Dächer sind extensiv begrünt. Parallel dazu wird die Solarenergie auf den Dächern, genutzt. Das Regenwasser wird soweit möglich direkt über entlang der Wege und Straßen angeordneten Rasenmulden versickert. Nur die Haupterschließungen werden versiegelt.
    Die wesentlichen Bestandsbaumgruppen können alle erhalten werden.

    Zukunfts Vision
    Östlich der Saliterstraße und nördlich der Hochwiesstraße ist auf lange Sicht ebenfalls Wohnbebauung angedacht. Dort könnte man in dem sich schließenden Halbrund der Topographie über die Saliterstraße gespiegelt, das Bebauungskonzept mit Reihen im Norden, Höfen im Süden und einem dazwischenliegenden Erschließungsanger fortsetzen.

    http://www.dv-arc.de

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Konzept mit seiner einfachen Ost-West-Erschließung und der baulich präzise markierten Zufahrt von der Saliterstraße aus überzeugt insbesondere durch die klare Raumbildung innerhalb des Gesamtquartiers.
    Die innere Sticherschließung wird jedoch als wenig sinnvoll angesehen. Eine zweite Anbindung an die Hochwiesstraße könnte die Verkehrsbelastung für die angrenzenden Häuser deutlich reduzieren. Durch eine solche Erschließung gewänne auch der Kita- Standort zusätzlich an Attraktivität. Außerdem ist zu prüfen, ob der ost-west-gerichtete Fußweg im nördlichen Teilquartier für die Rettungsweg-Anforderungen ausreichend dimensioniert ist. Dieses ausschließlich für ost-west-orienterte Wohnbebauung ausgezeichnet geeignete Teilquartier ist im Rhythmus und den angenehmen Gebäudelängen auch für eine abschnittsweise Umsetzung hervorragend geeignet.
    Der „Lärmschutz-Baustein“ ist mit dem südlich vorgelagerten Lärmschutzhaus sehr logisch entwickelt. Der vorgeschlagene Grundriss kann sowohl durch seine innere Erschließung, als auch durch seine hohe Aufenthaltsqualität überzeugen. Durch den relativ großen Abstand der südlichen Wohnhöfe von der Hochwiesstraße wird die Viergeschossigkeit des nördlichen Baukörpers – auch im Zusammenhang mit dem nur zwölf Meter tiefen Innenhof kritisch gesehen. Insgesamt lässt die robuste Baukörperstruktur eine sehr einfache abschnittsweise Umsetzung und keine Probleme für die notwendige Umlegung erwarten.
    Die maßvoll dichte Bebauung ermöglicht gute Freibereiche mit einer hohen Aufenthaltsqualität zwischen den Gebäuden. Besonders überzeugt auch die großzügige Freifläche der Kindertagesstätte am Übergang zum Grünzug im Hangbereich. Insgesamt werden darüber hinaus große zusammenhängende gemeinschaftlich nutzbare Grün- und Freiflächen geschaffen. Das für den Ort sensibel und differenziert entwickelte städtebauliche Gesamtkonzept verspricht eine hohe Wohnqualität und eine hervorragende Aufenthaltsqualität in den präzise formulierten Freibereich. Mit Blick auf das anstehende Bebauungsplanverfahren überzeugen mehr die erkennbaren Optionen denn die konkret gezeichneten Lösungen.