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  • DE-77656 Offenburg, DE-77656 Offenburg
  • 02/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-279426)

Erweiterung Messe Offenburg-Ortenau


  • Anerkennung

    Lageplan, © Behnisch Architekten

    Architekten
    Behnisch Architekten Partnerschaft mbB, Stuttgart (DE), München (DE), Boston (US) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: Knippers Helbig Advanced Engineering, Stuttgart (DE), New York City (US), Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: TRANSPLAN Technik-Bauplanung GmbH, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Stadt Offenburg mit ca. 60.000 Einwohnern ist das Oberzentrum des mittelbadischen Wirtschaftsraumes. Die ehemalige Reichstadt übernimmt heute wichtige Versorgungsfunktionen als Sitz von Behörden, Bildungs-, Gesundheits-, und Dienstleistungseinrichtungen. Darüber hinaus fungiert Offenburg aber auch als Mittelpunkt des regionalen Arbeitsmarktes und bildet somit das Handelszentrum der Region.

    Mit dem Sitz des Medienkonzerns Hubert Burda Media, der Verlagsgruppe Reiff, sowie zahlreicher Kommunikations-, Werbe-, und Medienunternehmen verfügt die Stadt zudem als Medienstandort über eine geschätzte und in der Wahrnehmung profilgebende, überregionale Ausstrahlung.

    Offenburg ist außerdem ein wichtiger Messe-, Kongress-, und Ausstellungsstandort. Auf dem Ausstellungsgelände der Messe Offenburg befinden sich verschiedene Hallenkomplexe mit unterschiedlichen Typologien und Größen. Insgesamt steht den Messegästen und Ausstellern eine überdachte Fläche von ca. 20.000 Quadratmeter, verteilt auf sieben Messehallen, zur Verfügung. Die Oberrheinhalle ist die neuste und modernste Halle; die Baden Arena ist die größte Halle. Nicht alle Hallen weisen heute den technisch notwendigen Standard auf, teilweise notwendige Funktionen sind nicht umfassend vorhanden.

    Um dieser Situation entgegen zu wirken soll die Entwicklung des Messeareals nun in einem nächsten Schritt um eine attraktive und moderne Messehalle erweitert werden. Zusätzlich zu den technischen und funktionalen Anforderungen soll der steigenden Nachfrage an Ausstellungen, Messen, sowie weiteren Events und Fernsehproduktionen, räumlich Rechnung getragen werden.

    Ein übergreifender Masterplan 2030 soll ein Gesamtkonzept zur künftigen Entwicklung und Gestaltung des Messeareals, der überregionalen Bedeutung des Messestandorts folgend, aufzeigen.
    Zugleich sollen Standort und Konzeption der neuen Halle definiert werden.
    Hierzu sollen die baulichen Maßnahmen der alten Hallen bewertet, die konzeptionellen Gedanken für die neue Halle hervorgebracht und die Gesamtumgebung untersucht werden.
    Aus der Untersuchung des ruhenden Verkehrs, der Parkierungsflächen und Zuwegungen, der Eingänge zu den Freibereichen und Hallen, sowie das übergeordnete Erscheinungsbild der Messe, sollen innovative Ideen für die harmonische Einbettung der neuen Halle entwickelt werden. Ihr könnte ein individueller Platz im Messegelände zugeordnet werden, um so die erstrebenswerte Eigenidentität zu stärken.

    Die Weiterentwicklung der Messe Offenburg soll den Grundsätzen eines "pluralistischen" Veranstaltungsangebots folgen, welche durch die Modularität und Diversität an Bespielmöglichkeiten der Hallen ermöglicht wird. Die Aufteilung in kleinere und größere Flächen, je nach Bedarf, sollte die Organisation von Parallelveranstaltungen ermöglichen.

    Die Aufgabe beschränkt sich demnach nicht ausschließlich auf ein Solitärgebäude. Vielmehr sollte aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen eine sensible, identitätsstiftende und dem Messestandort Offenburg angemessene Konzeptfindung bevorzugt werden. Die Aufgabe sollte nicht auf die rein funktionalen Aspekte eines Messebaus reduziert werden, sondern könnte eher den Kriterien des Lokalkolorits der Ortenau und der Region im Positiven entsprechen.

    Die Aufgabe ist besonders komplex und reizvoll, da die anstehenden, konzeptionellen Überlegungen die Weiterentwicklung der Messe Offenburg zukünftig maßgebend prägen und das Erscheinungsbild des Messestandorts neu interpretieren werden. Der Charakter der Gesamtanlage wird in Zukunft in einer signifikanten Dimension neu verstanden.

    Der Standort für die neue Halle 20 wurde nahezu präzise, kaum verrückbar vorgegeben. Das neue Gebäude soll den Abschluss des Messegeländes nach Süden bilden und ist den Anforderungen folgend funktional an die Baden Arena anzubinden.

    Zukünftig sollen drei unterschiedliche Eingänge zum Messegelände angeboten werden, wobei der Eingang Nord bereits heute ein angemessenes Erscheinungsbild hat. Zusätzlich hierzu sollen ein Eingang West und im Bereich der neuen Halle 20 ein repräsentativer und großzügig gestalteter Eingang Süd angeboten werden können.

    Um nun einen inhaltlichen Ansatz für die Aufgabe formulieren zu können, müsste die Besonderheit der Messe Offenburg in ihrem heutigen Zustand erkannt und als Grundlage beschrieben werden. In einem zweiten Schritt müssten dann die daraus resultierenden Maßnahmen zur Stärkung dieser Identität herausgearbeitet werden.
    Die Körnung des Gebauten, vielmehr jedoch die Freiräume und das Freigelände im Zentrum der Messe, können als besonderer Ort, als uneingeschränktes Alleinstellungsmerkmal identifiziert werden. Dahin orientieren sich die Bestandshallen, bilden die Kulisse, den baulichen Rahmen, für einen aktiven und lebendigen Außenraum. Die Messebesucher orientieren sich von hieraus uneingeschränkt, genießen die Messe unter freiem Himmel, kommen zusammen, treffen und verabreden sich zum Austausch und zum "Schwätzchen".

    Ein kommunikativer Ort demnach, den nicht viele Messen in dieser Form zu bieten haben.

    Die bestehenden Hallen am östlichen Rand des Grundstücks bilden die bauliche "Leitplanke" zur Kinzig. Das neue Parkhaus, dem "Verkehr" nach Westen zugeordnet, soll den Rahmen zur B3 / B33 bilden. Dazwischen soll die Grundordnung des Gebauten etwas verspielter verstanden werden - weniger vorgegebenen Achsen folgend oder, wie so oft bei Messen vorkommend, einer Rasterung unterliegend. Die zu erhaltenden Hallen 1 und 3 folgen bereits dieser Idee, die neue Halle 20 wird diese konzeptionelle Überlegung ergänzen, stärken und als zusätzlicher "Findling" unterstützen.

    Das übergeordnete Gesamtkonzept sieht vor, dass die Besucher- und die Verkehrsströme sinnvoll voneinander getrennt werden, sodass keine negativen Überlagerungen zu erwarten sind. Das neue Parkhaus wird von Norden her erschlossen und die südliche Zufahrt kann optional angeboten werden. Über eine großzügig gestaltete Wegeverbindung wird der Besucher zum Eingang Süd geleitet.
    Die Halle 4 soll in der langfristigen Planung zur Umsetzung des Konzepts für den Masterplan 2030 nicht erhalten werden. Durch den Wegfall dieser Halle kann zukünftig ein attraktiver Eingang West angeboten werden. Das Freigelände östlich des neuen Parkhauses kann für größere Veranstaltungen harmonisch in die Gesamtanlage eingebunden werden.
    Die Anbindung an den Eingang West ist ebenfalls auf kurzem Weg möglich, sollte auf dem Gelände östlich des Parkhauses keine Ausstellung im Außenbereich stattfinden.

    Dem Freiraum zwischen den Messehallen soll als Herzstück der Messe eine besondere Bedeutung zukommen. Den Hallen vorgelagerte Dächer bilden einen regen- und sonnengeschützten Raum, der einerseits die Hallen über den Freiraum miteinander verbindet, andererseits einen leichten Filter zwischen den Freiflächen und den ausladenden, fast maßstabsfremden Volumen der Hallen setzt.

    Das frei geformte und je nach Anforderung in der Höhe gestaffelte Dach bildet den oberen horizontalen Abschluss. Beschwingte, lässige und wohlproportionierte horizontale Linien dieser Vordächer unterstützen die charakterliche Kennzeichnung der Zugänge zum Messegelände und sorgen gleichzeitig für ein angemessenes maßstäbliches Verständnis bei den Besuchern.

    Eine spannende Idee, die nicht das Gebaute, sondern die Atmosphäre, die Stimmung und die verschiedenen Blickwinkel der Besucher nachhaltig in den Vordergrund stellt. Die Umsetzung der funktionalen Anforderungen sollte als Selbstverständnis einer Erfüllung des Notwendigen angesehen werden. Darüber hinaus jedoch ist die gestalterische Auseinanderstetzung mit dem Ort von immenser Bedeutung und ist weit mehr als gleichrangig zu bewerten.

    Unter dem verbindenden Vordach betritt man das Messegelände vom Eingang Süd. Von hier aus gelangt man in das gemeinsam genutzte Foyer der Halle 20 und der Baden Arena. Hier ist auch eine temporäre Zufahrt zu Service- oder Parkierungszwecken möglich. Das Freigelände ist von hier aus gut einsehbar und das Foyer öffnet sich über eine großzügige Verglasung nach Norden. Der eingestellte Körper der Konferenzräume gliedert die Fassade und den Innenraum wohltuend.

    Die neue Halle 20 selbst ist als Holzkonstruktion vorgesehen. Knicke und Faltungen der Dach- und Fassadenelemente folgen den Prinzipien des statisch Notwendigen und verleihen der Halle über das vorgeschlagene Konstruktionsprinzip ein einzigartiges Erscheinungsbild. Die Halle wird im Außen- wie auch im Innenraum zum Möbel, facettenreich in der Haptik und stimmungsbildend für die Atmosphäre. Im Innenraum sind die Nebenräume wie Toiletten, Garderoben, Schließfächer und Technikräume in die Konstruktionselemente zurückhaltend integriert, wodurch sie als additive Fremdkörper im Raum gemieden werden.

    Die Anlieferung der Halle kann über die Südfassade oder das Kaltlager im Osten erfolgen. Über einen Serviceflur können die neue Halle 20 und die Baden Arena optional im "Warmen" angedient werden. Die notwendigen Serviceeinrichtungen der Küche werden über den Ladehof im Osten angedient. Die Versorgung der Besucher im Foyer erfolgt über die zentral gelegene Ausgabe.
    Im Osten befindet sich ebenfalls die Vorfahrt mit dem etwas privateren Künstlereingang. Die Künstlergarderoben und der Backstage-Bereich befinden sich im ersten Obergeschoss, sodass ohne eine Kreuzung der internen Servicewege die Künstler beide Hallen komfortabel erreichen können.

    Die Fassadenbekleidung der neuen Halle 20 soll in einer traditionellen, vertikalen Holzschalung aus lokalen Holzbeständen ausgeführt werden. Diese soll auch für die Dacheindeckung, sowie die Decken- und Wandelemente im Innenraum genutzt werden: Die Halle erscheint somit allseitig als besonderer Baustein.

    Im Innenraum kommen robuste, naturbelassene Materialien, wie verzinkte Stahlbauteile, schwere Samtvorhänge im Konferenzbereich, sowie ein durchgehend geschliffener Estrich als Bodenbelag zur Ausführung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das städtebauliche Konzept im Ideenwettbewerb ist in sich stimmig und in Proportionen sowie die Anordnung der Gebäude ist nachvollziehbar. Der im Westen gelegene Riegel mit dem Parkangebot schirmt das Messegelände gegenüber der angrenzenden Bundesstraße gut ab und das östlich an den Riegel angrenzende multifunktionale Gelände bietet Raum für ein vielfältiges Angebot.

    Die Anordnung der Gebäude um den Reitplatz sowie der innenliegenden multifunktionale Innenfläche umschließt zum einen diesen Bereich und zum anderen werden durch kluge Wegebeziehungen eine Verzahnung des Messegeländes geschaffen. Die Verbindung der zentrale gelegenen Gebäude und der neuen Halle mit dem geschwungenen Vordach in Höhe und Tiefe ist schlüssig und in der Dimensionierung gut gelöst.

    Durch die gewählte städtebauliche Anordnung ist die Erschließung des Messegeländes an den benötigten Zugängen im Norden, Westen und Süden logisch und gut ausgebildet. Der städtebauliche Beitrag wird sehr positiv bewertet.

    Das vorgelagerte Foyer der Halle 20 ist auf einer Ebene organisiert und wird als Gewinn bringend bewertet, da alle Funktionen so gut barrierefrei erreichbar sind. Die Lage des Konferenzraums an der Nordseite ist stimmig und die erforderlichen Funktionen sind erfüllt. Die Anbindung des Foyers an die Baden Arena sowie der neuen Messehalle ist gut bewältigt. Zudem ist auch eine getrennte Nutzung durch eine Aufteilung des Foyer möglich und wird als positiv bewertet. Der Backstage Bereich sowie Kaltlager sind gut angeordnet und eine gleichzeitige Bedienung der beiden Hallen ist damit möglich. Negativ ist, dass eine direkte Verbindung zwischen Kaltlager und Baden Arena leider nicht gegeben ist.

    Die gewählte Architektur mit dem Holzfaltwerk ist sehr prägnant und verleiht der Halle einen eigenen Charakter. Der Ausdruck für eine Messehalle in der gewählten Architektur wird hier kritisch gesehen und entspricht mehr einer als Solitär stehenden Halle. Außerdem wir die Materialität Holz im Zusammenspiel mit den bereits bestehenden Gebäuden aber auch für eine dauerhafte Nutzung kritisch gesehen.

    Der Entwurf hat ein detailliertes Haustechnikkonzept welches positiv bewertet wird. So wird eine gute Energieeffizienz durch regenerative Energien erreicht. Zudem ist das geplante Lüftungssystem mit einer Quelllüftung sehr effizient. Das Niedertemperaturheizsystem ist ein guter Ansatz.

    Die Tragwerkskonstruktion ist schlüssig dargestellt. mit dem Faltwerk in Holzkonstruktion ist eine innovative und nachhaltige Tragkonstruktion gewählt. Die statische Höhe erscheint jedoch nicht ausreichen groß außerdem bestehen Zweifel an der Angemessenheit im Hinblick auf das Kosten Nutzen Verhältnis. Keine Angaben zu der Konstruktion der Vordachbereiche sowie zur Gründung.

    Die R-Kennwerte liegen im unterdurchschnittlichen Bereich, hinsichtlich der S-Kennwerte im überdurchschnittlichen Bereich, was der relativ großen Vordachkonstruktion geschuldet ist.

    Insgesamt handelt es sich um einen innovativen Beitrag zur Aufgabenstellung mit einem starken städtebaulichen Konzept. Die architektonisch/konstruktive Lösung erscheint jedoch der Bauaufgabe nicht angemessen.