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  • 2. Preis


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    Architekten
    Bürklein Architekten

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner, Architekten: ANPB Architekturbüro für nachhaltiges Planen und Bauen - Arnulf Schmidtke, Stuttgart (DE)
    Landschaftsarchitekten: Kienleplan GmbH, Leinfelden-Echterdingen (DE)

    Preisgeld
    24.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee

    Für pflegebedürftige Menschen ist Architektur eine große Herausforderung. Ziel ist es, eine Wohnort zu schaffen, der auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt ist. Der Entwurf muss die Orientierung im Gebäude unterstützen und Aktivitäten fördern.
    Das Pflegeheim soll nicht als abgeschlossene Welt verstanden werden. Die Bewohner sollen barrierefrei am öffentlichen Leben teilnehmen können.


    Städtebauliche und freiräumliche Konzeption

    Die städtebauliche Grundkonfiguration orientiert sich im Wesentlichen am städtebaulichen Vorentwurf. Der rechteckige Baukörper des Pflegeheimes und die Punkthäuser passen sich mit ihrem Volumen in die vorhandene Bebauung ein, und vermitteln zwischen den Wohntürmen im Süden und den geplanten Gebäudevolumen im Norden.

    Der Neubau des Pflegeheimes zeigt sich mit seinem gläsernen Sockelgeschoss offen und einladend zum angrenzenden Platz.

    Die Gemeinschaftsflächen orientieren sich zum Platz hin und geben in den Obergeschossen an der gegenüberliegenden Bebauung vorbei Ausblicke mit verschiedenen Erlebnisqualitäten.
    Die Eingänge der Punkthäuser sind auf dem Niveau des 1. Obergeschosses des Pflegeheimes und können sich so gut mit Ihren privaten Bereichen gegenüber der Straße abgrenzen.



    Äußere Erschließung und Freiflächen

    Die Freianlagen der öffentlichen und privaten Freiflächen wird einem einheitlichen Gestaltkanon unterworfen. Während die Wege, Spiel- und Bewegungsflächen nördlich der Punkthäuser rhombisch in die Grünflächen eingeschnitten sind, wird der neue ‚Diakonie-Platz‘ diametral entgegengesetzt als durchgehende Belagsfläche von wenigen rhombischen Grün- und Wasserflächen perforiert. In diesen Formenkanon integriert wird auch der beschützte Garten der Demenzstation auf der Ostseite des Pflegezentrums. Räumlich gefasst wird der großzügige Platz mit einer berankten Pergola aus einfachen Stahlprofilen. Der Nord-Süd-ausgerichtete Schenkel der Pergola nimmt die erforderliche Tiefgaragenzufahrt für die nördlich des Platzes angrenzenden Gebäudereihen auf und verhindert eine offene Überfahrt von Fahrzeugen über den Platz. Eine nach Süden ausgerichtete durchgehende Sitzbank ermöglicht hohe Aufenthaltsqualität am Platz im lichten Schatten der Pergola. Die bodenebenen Pflanzflächen mit ihrer blütenreichen Vegetation schaffen Distanz zum Straßenraum, gliedern den Platz und verschaffen den neuen Bäumen Lebensraum. Die durchgehende Grüne Achse aus Norden kommend, nimmt einen mit Regenwasser gespeisten Wasserlauf auf, der auf Platzniveau in einem Versickerungsbecken endet. Der Platzbelag wird in hellem Betonwerkstein mit unterschiedlichen Formaten und changierendem Farbenspiel von hellbeige-grau variiert. Die Platzfläche umfasst den gesamten südlichen Vorbereich des Pflegeheims und endet an der Geländestützmauer der geplanten Anlieferzufahrt.
    Der Pocketpark nördlich der Punkthäuser nimmt die generationenübergreifenden Spielzonen und Erlebniswelten auf. In den Randzonen zur bestehenden Bebauung hin wird der vorhandene Gehölzbestand weitgehend erhalten, ebenso die vorhandenen Bestandsbäume entlang der nördlichen Tiefgaragenkante.
    Die Punkthäuser werden wie selbstverständlich in den neuen Pocket-Park integriert. Daran angegliedert ist der beschützte Garten (ca. 300 m²) für die dementen Pflegeheimbewohner, jedoch wird dieser durch Hecken vom Gesamtpark getrennt und sorgt für die geforderte Einfriedung. für ein.
    Zur Straßenseite – also zur urbanen, städtischen Seite hin wird die gesamte bauliche Anlage mit linearen Baumreihen akzentuiert, während die Umgebungsflächen und der Platz mit einer freien Baumstellung zu einem Parkensemble vereint werden.
    Zur Verminderung von Oberflächenabflüssen werden die Dachflächen der Gebäude extensiv begrünt, die Belagsflächen werden als sickeroffene Betonwerksteinbeläge vorgeschlagen.


    Architektonische Konzeption

    Pflegeheim
    Das Erdgeschoss ist der Übergang vom öffentlichen Raum zum Pflegeheim. Cafeteria, Empfang, Arzt und Frisör werden als Begegnungsstätte transparent und einladend zum Platz und zur Straße orientiert und sind vom großzügigen Eingangsbereich aus sofort ablesbar und über kurze Wege erreichbar. An den Eingangsbereich ist ein Saal für kulturelle Veranstaltungen angeschlossen.

    Die sechs Wohnpflegegruppen sind vom 1. bis 3. Obergeschoss untergebracht. Am zentralen Erschließungskern mit Treppe und Aufzug liegen die Zugänge zu den Gruppen. Von direkt angrenzenden Stützpunkt sind die beiden Gemeinschaftsräume gut einsehbar.
    Die ringförmige Grundstruktur der Erschließung unterstützt die Orientierung im Geschoss.
    Im 1. OG kann der Hof als introvertierter Außenbereich zum Verweilen genutzt werden.


    Punkthäuser
    Die beiden Punkthäuser lehnen sich der Architektursprache des Pflegeheims an. Die Neubebauung wirkt damit als Ensemble welches die neuen städtebaulichen Raumkanten schafft. Durch die etwas erhöhte Lage der Punkthäuser und die Gestaltung mit viel Grün in der Freianlage wird die notwendige Privatsphäre für die Wohnungen erzielt. Durch die Ausrichtung der Fensteröffnungen bzw. der Balkone wird die attraktive Lage mit Ausblick unterstützt.


    Funktionalität

    Pflegeheim
    Die privaten Wohnpflegezimmer sind individuell möblierbar mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Bettenstellung je nach persönlichen Bedürfnissen. Die gruppenzentralen Begegnungsräume sind mit Panoramablick zum Platz und Richtung Süden orientiert.
    Durch die Wohnküchen in den Gemeinschaftsbereichen können alltägliche Prozesse, wie das Kochen erlebt werden. Zusätzlichen Lesebereiche gliedern den Raum.
    Jeder Pflegegruppe ist ein gemeinschaftlicher Balkon zugeordnet.
    Der innere Wohnweg wird gegliedert durch paarweise einander zu Nachbarschaften zugeordnete Zimmerzugänge.
    Der zum Innenhof verglaste Flurbereich,Tageslicht und biodynamisches Licht fördern die Tages- und jahreszeitliche Orientierung.

    Die Wohnpflegegruppen werden durch unterschiedliche Bereichsfarben individualisiert, natürliche Materialien und Oberflächen mit haptischen Qualitäten werden bevorzugt eingesetzt.


    Punkthäuser
    Die Erschließung erfolgt von Norden über einen gemeinsamen Zugangsbereich zwischen den beiden Häusern. Beim östlichen Haus ist erdgeschossig ein wettergeschützter Abstellbereich für Fahrräder als auch el. Rollstühle angeordnet.

    Die Punkthäuser sind durch ein gemeinsames Untergeschoss (mit Tiefgarage und Nebenräumen) miteinander verbunden.
    Die Tiefgarage wird von der Beethovenstraße aus über eine leicht geneigte Abfahrt erreicht.
    Barrierefrei werden die Wohnungen über einen Aufzug erschlossen.

    Die Häuser sind mit einem Sicherheitstreppenraum ausgestattet. Die Aufteilung der Grundrisse legt wert auf großzügige Belichtung der Wohnräume, denen jeweils ein Balkon oder eine Terrasse vorgelagert ist. Jede Wohnung verfügt über ein „Tageslichtbad“






    Konstruktion und Material

    Tragwerkskonzept Pflegeheim
    Die geplante Tragkonstruktion bildet die Basis für die modulare Bauweise. Eine orthogonale Struktur ermöglicht ein fixes und über die Obergeschosse durchgängiges Tragwerkskonzept aus Flachdecken und tragenden Mauerwerkswänden. Aufgrund der moderaten Spannweiten können schlanke Stahlbetonflachdecken aus wirtschaftlichen Halbfertigteilelementen hergestellt werden. Um größtmögliche Flexibilität zu ermöglichen, löst sich im Erdgeschoss das Tragwerk aufgrund der funktionalen Nutzungen teilweise in Stützen auf. Die moderaten Gebäudelasten werden über Einzel – und Streifenfundamente abgetragen.
    Die Bäder der Bewohnerzimmer können als Fertigelemente eingebaut werden und tragen somit zur Bauzeitenverkürzung und Kostenoptimierung bei.
    Die Außenwände können in monolithischer Bauweise erstellt werden. Aus Kostengründen könnte bei der Gebäudeherstellung unter Berücksichtigung der ENeV ein Dämmstein mit 30 cm Stärke verwendet werden. Aus energetischen Gründen wird jedoch empfohlen von einer Wandstärke von 37,5 cm auszugehen.


    Tragwerkskonzept Punkthäuser
    Die geplante STB-/Mauerwerks -Tragkonstruktion bildet die Basis für die modulare Bauweise.
    Aufgrund der moderaten Spannweiten können schlanke Stahlbetonflachdecken aus wirtschaftlichen Halbfertigteilelementen hergestellt werden. Die Gründung erfolgt über das gemeinsame Sockelgeschoss mit Tiefgarage und Kellerräumen mit einer elastisch gebetteten Bodenplatte.
    Die Außenwände können in monolithischer Bauweise erstellt werden. Aus Kostengründen könnte bei der Gebäudeherstellung unter Berücksichtigung der ENeV ein Dämmstein mit 30 cm Stärke verwendet werden. Aus energetischen Gründen wird jedoch empfohlen von einer Wandstärke von 37,5 cm auszugehen.


    Wirtschaftlichkeit und energetisches Konzept

    Pflegeheim
    Die kompakte Grundform bietet ein optimiertes Verhältnis von Nutzfläche zu Bauvolumen. Kurze Wege bieten beste Voraussetzungen für Wirtschaftlichkeit im Gebäudebetrieb.
    Die Wärmeerzeugung kann über eine monvalente Pelletsheizung mit größtmöglicher CO2-Einsparung erfolgen, die Räume im UG sind hierfür ausgelegt. Zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und der Versorgungssicherheit kann der Pelletskessel etwas kleiner dimensioniert und die Spitzenleistung über einen Gasbrennwertkessel bereitgestellt werden. Eine interessante alternative Versorgungsoption für das Bedarfsprofil eines Pflegeheims ist ein Blockheizkraftwerk (BHKW). Dabei ist die wirtschaftliche Eigennutzung des erzeugten Stroms entscheidend. Durch die Einbeziehung der beiden Wohnhäuser in das Versorgungskonzept Wärme und Strom lässt sich voraussichtlich die Wirtschaftlichkeit noch steigern. Auch für die Versorgungsvariante BHKW und Gasspitzenkessel sind die Technikräume im UG ausreichend dimensioniert.

    Auf dem Flachdach sollte eine Ost-West orientierte Fotovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung errichtet werden, insbesondere wenn bei der Wärmeerzeugung ein Pelletskessel zum Einsatz kommt.

    Punkthäuser
    Für die Wärmeerzeugung für die Punkthäuser ist es sinnvoll das gleiche Konzept wie beim Pflegeheim zurückzugreifen. Diese wird lediglich kleiner dimensioniert. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ist es sinnvoll eine Heizzentrale für beide Häuser zu nutzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser schlagen für das Pflegeheim einen viergeschossigen rechteckigen Baukörper vor. Westlich davon werden zwei Punkthäuser für Wohnungen angeordnet. Die Vorgaben des städtebaulichen Rahmenplans sind eingehalten. Alle drei Gebäude stehen parallel zur Brahmsstraße und deffinieren so den Straßenraum. Der Hauptzugang in das Pflegeheim befindet sich auf der Westseite und wird durch eine großzügige Verglasung transparent. Westlich dieses Zugangs ist ein großer Platz mit Pergola und Bäumen geplant. Die Pergola fasst den entstehenden Freiraum gut. Das Preisgericht sieht auch positiv, dass dieser Platz auf Straßenniveau geplant ist. Die weitere Einbindung des nördlich des Entwurfsgebiets liegenden Quartiers über eine Treppenanlage wird jedoch kritisch gesehen. Hier wäre eine barrierefreie Zuwegung wünschenswert. Zumal eine barrierefreie Durchwegung des gesamten Entwurfsgebiets nur über den Umweg Beethovenstraße möglich ist.

    Positiv wertet das Preisgericht, dass die Punkthäuser zur Straße hin 4-geschossig geplant sind. Die zweigeschossige Staffelung hin zu der angrenzenden nördlichen Wohnbebauung nimmt deren Maßstab auf und gewährleistet einen harmonischen Übergang zu den dazwischen geplanten neuen Freiflächen.

    Negativ gesehen wird die Erschließung der Punkthäuser von Norden, da dadurch die Adressbildung von der Brahmsstraße erschwert wird. Die Grundrisse der Wohnungen werden als sinnfällig und positiv gesehen.

    Kritisch wertet das Preisgericht die zum Teil nur wenig ausgearbeitete Darstellung der Freianlagen. Hier müsste in der weiteren Überarbeitung differenzierter gedacht und geplant werden.

    Die Eingangssituation im Erdgeschoss des Pflegeheims wird grundsätzlich als gut betrachtet. Die Jury wünscht sich jedoch die Geschlossenheit zur Straße an der Südwestecke zu öffnen.

    Die Anordnung der zentralen Erschließung im EG ist gut, so auch die Anbindung der drei Pflegegeschosse über die zentrale Aufzugs- und Treppenanlage.

    In den Pflegegeschossen wird die Platzierung und Orientierung der gemeinschaftlichen Wohn-/ Aufenthaltsbereiche an der südwestlichen Gebäudeseite als sehr positiv gewertet. Für die Bewohner ist der Blick zur Straße und auf den Vorplatz attraktiv. Die Möglichkeit des „Zusammenschaltens“ für Feste und Feiern wird grundsätzlich möglich.

    Kritisch wird diskutiert, dass in den Wohnbereichen darüber hinaus keine weiteren Sitz-/Aufenthaltsbereiche geplant sind.

    Problematisch ist, dass die Verfasser vorsehen, die auf den Wohnbreichen noch fehlenden Gemeinschaftssflächen mittels eines zentralen Saals im Erdgeschoss nachzuweisen. Dieser im Inneren des Gebäudes angeordnete Raum lässt sowohl hinsichtlich Nutzung als auch Zweckmäßigkeit Fragen offen.

    In allen drei Pflegegeschossen werden eine Anzahl Bewohnerzimmer zum Innenhof orientiert. Das Preisgericht stellt fest, dass die ausreichende Besonnung und Belichtung insbesondere der Zimmer im 1. und 2. Obergeschoss zu prüfen ist.

    Auf den ersten Blick ist die klare und eindeutige Sprache der Entwurfsverfasser zu erkennen. Sowohl in städtebaulicher als auch in architektonischer und funktionaler Hinsicht erkennt das Preisgericht einen guten Wettbewerbsbeitrag.


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