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  • DE-55765 Birkenfeld, DE-55765 Birkenfeld
  • 03/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-283506)

Neugestaltung Talweiher in Birkenfeld


  • 1. Preis

    Der „Karl-Lengler-Weg“ am Stillbach wird zum Ort der Begegnung und des Aufenthaltes und bildet einen neuen attraktiven Anziehungspunkt, © faktorgruen

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Gass, Ricardo Patings, Danilo Meixner, Michał Herl, Elena Tzoulakis, Vivienne Zörner

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    18.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der Talweiherplatz in Birkenfeld bietet durch seine prominente Lage an der Schwelle zum südlichen Ortseingang und tangierend zum Naturraum des Stillbachs, ein vielfältiges Potential als gemeinschaftlicher Treffpunkt zu fungieren und beide Räume elegant miteinander zu verbinden. Die gestalterische Aufwertung des Platzes bietet die einmalige Chance repräsentative wie auch adäquate Akzente zu setzen, die in angemessener Dosierung landschaftsarchitektonische sowie städtebauliche Antworten auf die gegebenen Anforderungen bieten.

    Städtebauliches Konzept

    Der bestehende Freiraum nordwestlich des neukonzipierten Kreisverkehrs fungiert durch die zurückversetzte Ausrichtung der Neubauten als wichtiger Orientierungspunkt in Richtung Ortsmitte. Hierbei dient der bestehende Städtebau im unmittelbaren Umfeld des neuen Kreisverkehrs als Grundlage, sodass vor allem der bestehende räumlich gefasste Platzraum auf der gegenüberliegenden Seite zum „Treibhaus“ aufgenommen und fortgeführt wird. Somit entsteht an diesem bedeutsamen Ort ein großzügiger urbaner Vorplatz, der nicht nur als Entreé zur neuen Touristeninformation und dem Hotel dient, sondern auch den Auftakt zum Talweiherplatz bildet. Die Platzkanten werden dabei klar und stringent durch wohl proportionierte Neubauten im Nordosten und Südosten definiert, ohne jedoch die Durchlässigkeit bzw. Einsehbarkeit zum Talweiherplatz zu beeinträchtigen.
    Als neuer Orientierungspunkt agiert hierbei die neue Touristeninformation. Die zentrale Anordnung und Transparenz des Baukörpers bildet einen wichtigen Anziehungspunkt, der mit kleinen gastronomischen Nutzungen den Platz beidseitig belebt. Eine öffentliche Toilette wird ebenfalls im Neubau untergebracht. Entlang der Südostseite des initiierten Auftaktplatzes entsteht ein Hotel mit ca. 3000m² Nutzfläche. Das viergeschossige Gebäude bildet mit seiner modernen Architektur einen weiteren baulichen Schwerpunkt auf dem Platz und unterstützt in seinem unregelmäßigen Grundriss die fließende Bewegung des Gesamtkonzepts. Es werden dort ebenfalls gastronomische Angebote verortet. Beide Neubauten sind in Anlehnung an den häufig vorkommenden Ortstypus, in moderner Interpretation mit einem asymmetrischen Satteldach versehen. Grundsätzlich funktioniert die städtebauliche Komposition auch mit dem Erhalt des Bestandsgebäudes (ehem. „Treff“), sodass das vorgesehene Hotel in seiner Dimension trotzdem realisiert werden kann.

    Durch die vorteilhafte Lage entlang der Bahnhofstraße, der Verbindung „Am Talweiher“ und dem vom Stillbach geprägten Grünzug, bildet der instituierte Stadtplatz nicht nur das neue soziale und kulturelle Zentrum der Stadt Birkenfeld, sondern auch das Gelenk zwischen dem städtischen Leben und angrenzenden Naturraum. Infolge der begünstigten Rahmenbedingungen und den gegebenen Nutzungsansprüchen zeigt sich die Platzgestaltung in einem bewusst offenen und repräsentativen Charakter mit einem hohen Maß an Aufenthalts- und multifunktionalen sowie generationsübergreifenden Nutzungsmöglichkeiten. Ein besonderer entwurflicher Anreiz bildet dabei der südöstlich verlaufende Stillbach. Als entscheidender Impuls für die markante Gestaltung des neuen Stadtplatzes, wird die geschwungene Formsprache des in diesem Abschnitt revitalisierten Stillbaches aufgegriffen und geschickt auf den Talweiherplatz übertragen. Dadurch wird nicht nur eine attraktive lebendige Verbindung beider gegenüberstehenden Freiraumtypen, sondern auch maßgebend ein ausbalancierter Übergang in die Vielfalt der unterschiedlichen Themenschwerpunkte erzeugt. So wird der „Schwung“ des Baches von Sitzstufen entlang des Ufers aufgenommen und weiter bis zu einem Wassererlebnisweg, dem „Karl-Längler-Weg*“, übertragen. Mit dem Auslaufen in den Platz hinein, wird die Energie des Schwunges zunehmend in eine geometrische Formsprache umgewandelt, welche schlussendlich mit einer harten Kante Richtung Stadteingang einen prägnanten Abschluss findet. In dieser formsprachlichen Synthese fungiert der Talweiherplatz nicht nur als wichtiges und verkehrlich sehr gut angeschlossenes städtebauliches Gelenk zwischen Urbanität und dem Naturraum „Stillbach“, sondern auch als alltäglicher Treffpunkt, „Spielplatz“, Veranstaltungsort und kulturelle Mitte.

    Freiraumkonzept

    Die derzeitige Situation zeigt einen klar gefassten langgezogenen Platzraum, der vor allem durch eine sanft umarmende Geste der in den Randbereichen angegliederten Grünstücke - dem Naturraum des Stillbaches im Südosten, sowie den Bestandsbauten an den Platzenden - definiert wird. Zudem zeichnet sich die Bestandssituation durch eine durchgehende Erschließung aus, welche vorwiegend über die Bahnhofsstraße und die Straße „Am Talweiher“ erfolgt. Hinzukommend stellen die drei Zuwegungen - die Sattlergasse, der Hujetsweg und die Schadtengasse - wichtige Verbindungen in die Innenstadt her. Diese raumprägenden Bestandsmerkmale werden in der neuen Konzeption aufgegriffen und durch großzügige Überarbeitungen weitestgehend beibehalten. Mittelpunkt der Konzeption bildet die Verschmelzung des Stillbaches mit dem Talweiherplatz zu einem attraktiven Gesamtbild mit ausdifferenzierten Nutzungsschwerpunkten. Die geschwungene Formsprache des revitalisierten Stillbaches wird in spannungserzeugender Manier auf die Freiraumsituation des Platzes übertragen und schrittweise nach Nordwesten hin in eine klar geometrische Formsprache aufgelöst. Die unproportionierte langgezogene Dimension des Platzes wird in Verbindung mit den gegebenen Bezügen in die Innenstadt elegant in mehrere Platzfelder gegliedert. So entstehen in den Randbereichen des Hauptfeldes neue Parkierungsmöglichkeiten inklusive eines Busbahnhofs parallel zur neuen Touristeninformation.

    Das Zentrum des Platzes ist bewusst frei von Einbauten gehalten, barrierefrei in seiner Erschließung und gewährleistet künftigen kulturellen Veranstaltungen ausreichend Raum zur Entfaltung für ein Festzelt (25x45m) und den geforderten Fahrgeschäften, Karussells, Zelten und Verkaufsständen inklusive zahlreicher Besucher. Entlang der südöstlichen Platzkante bietet ein barrierefrei erschließbarer „Wassererlebnisweg“ – der „Karl-Lengler-Weg“ - reichliche Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten für unterschiedlichste Altersgruppen.

    Eine Sitzkante mit eingelassenen Zitaten des einstigen Birkenfelder Pfarrers Karl Lengler* erzählen eindrucksvoll von der Geschichte des Talweihers. Lockere, geschwungene und z.T. unterbrochene Rasenstufen entlang des Stillbachufers bieten attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten an der revitalisierten Bachidylle. Entsprechende generationsübergreifende Spiel- und Aktivitätsangebote ergänzen das vielfältige Ensemble. So wird nicht nur der Grünzug des Stillbachs um ein vielfaches aufgewertet, sondern auch ein dauerhaftes Angebot geschaffen, welches trotz Großveranstaltungen auf der belegten Platzfläche genutzt werden kann. So funktioniert der wohlproportionierte Talweiherplatz nicht nur durch seine losgelöste Offenheit und dem großzügigen Freizeitangebot, sondern verspricht zudem Intimität und Rückzugsmöglichkeiten, vor allem in Richtung des südöstlich angrenzenden Stillbachs. Großzügige Baumsetzungen - locker Im Bereich des Wassererlebnisweges, eine Ulmen-Allee im Nordwesten – bilden mit entsprechenden Grünstreifen seichte Filter entlang der Platzkanten ohne jedoch die Gesamtformsprache zu beeinträchtigen. Parallel zum Wassererlebnisweg unterstützen sanfte Staudengräser die angenehme Filterwirkung zum Platz und akzentuieren gleichzeitig einen durchlässigen Platzrücken. Die Ulmen-Allee stellt unterdessen einen historischen Bezug zur einstigen Platzgestaltung zu Zeiten Karl Lenglers her und lässt die Straße „Am Talweiher“ im neuen Glanze und bewusster Betonung erstrahlen.

    Ausstattung und Möblierung

    Ein auf dem „Treff-Platz“ verortetes bodenbündiges Fontänenfeld setzt nicht nur gestalterische Akzente und bietet entsprechende Bespielungsmöglichkeiten im Entreébereich, sondern erfüllt auch an warmen Sommertagen kleinklimatische Aspekte. Multifunktional nutzbare Holzdecks setzen auf dem Platzfeld zahlreiche Akzente und bieten vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten. Das Design der Holzdecks ist in einem mobilen Modulsystem vorgesehen, sodass je nach Bedarf und Hintergrund einzelne Module zusammengefügt und zu einem großdimensionalen Plateau vereint werden können. Diese Flexibilität der einzelnen Module ermöglicht das Zusammensetzen einer Konzertbühne, Tribühne, die Basis für ein Freilichtkino oder gar verschiedenste Spiel- & Kletterpodeste. Für kulturelle Veranstaltungen wie z.B. Mai- oder Weihnachtsfeste wird eine Bodenhülse im Bereich der Platzmitte installiert. In Zusammenhang mit den übrigen Möblierungselementen wie Abfallbehälter, Baumscheiben und Lichtstelen, wird durch ein einheitliches Design ein stimmiges Gesamtbild erzeugt.

    *Vorschlag der Umbenennung des derzeit bestehenden „Pfarrer-Lengler-Weges“ im Nordosten der Stadt

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.