loading
  • DE-14476 Potsdam, DE-14469 Potsdam
  • 03/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-276491)

Wohnen in Potsdam Krampnitz


  • 3. Preis

    Gestaltplan

    Stadtplaner
    MARS Metropolitan Architecture Research Studio, Esch-Sur-Alzette (LU), Kaiserslautern (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Rolo Fütterer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Agence Ter, Karlsruhe (DE), Paris (FR), Barcelona (ES)

    Erläuterungstext
    Naturquartier Krampnitz
    Wohnen zwischen Wasser, Wald und Wiesen

    Das Projekt Naturquartier Krampnitz ist städtebaulich gekennzeichnet durch die Gliederung in Teilquartiere mit typischen Eigenschaften und einem implementierten Grün-System mit ausdifferenzierten Aufenthalts- und Aktivitätsmöglichkeiten. Beides zusammen ist komponiert zu einem facettenreichen urbanen Gewebe mit Respekt für die Natur, eingebettet zwischen Hügeln Heide und Seen. Die großmaßstäblichen Freiraumqualitäten der Umgebung werden durch Angebote im städtischen Maßstab im Gebiet selbst ergänzt und sind unabdingbarer Teil des dennoch urbanen Gefüges.

    Die Walkable City ist der Nukleus von ersten Investitionen, bildprägend, und eine logische Konsequenz des innovativen postfossilen Mobilitätskonzeptes: Die Hierarchie beginnt bei Fußgängern, Radfahrern und Öffentlichem Verkehr und formt die Quartiere. Autostraßen werden, wenn möglich „gebrochen“. Der unmotorisierte Verkehr hat die optimierten schnellsten und erlebnisreichsten Wege. Die Flow- Diagramme der Walkable City sind der konzeptionell-gestalterische Ausgangspunkt eines Gebietes ohne Attribute des Autoverkehrs. Wegebeziehungen im gesamten Gebiet sind kurzwegige Vernetzungen der optimierten Fuß-und Radwege. Lediglich im Sockelbereich des Kopfgebäudes sind Stellplätze untergebracht, Möglichkeiten einer zentralen E-garage können dort realisiert werden. ÖPNV bezogen ist die Haltestelle der wichtigste Punkt und liegt in der Mitte der Anlage, die weitere Haltestelle im Bereich der Schule. Umsteige und Einstell/Lademöglichkeiten für e-Bikes sind in den flankierenden Bauvolumen auch für Besucher sinnvoll und einladend. Smart-Silos für Fahrzeuge im Gebiet beinhalten Trafos, erzeugen PV-Strom und dienen als Vertical Garden. Baumboskette, Platzflächen und nachbarschaftliche Grünflächen strukturieren die Fläche, wodurch auf ein formelles Leitsystem verzichtet werden kann um einen vielfältigen Bewegungsraum zu ermöglichen. Begleitet durch klare Baumstrukturen wird der ganze Stadtraum zur Kommunikations- und Begegnungszone für die Bewohner.

    Mit Hilfe der umweltverträglichen Produktionsmethoden kann entgegen der Charta von Athen das Gewerbe wieder in die Stadt und bildet mit dem Bereich des Smart Production 4.0-Gebietes ein Angebot für moderne Erwerbs-und Produktionsformen in unmittelbarer Nachbarschaft und auch Teil des Wohnens. Ein Smart-Start Center kann das Thema CO-Working aufgreifen und bietet Platz für Forschung, Start-Ups und Administration als weiteren Beitrag zur räumlichen Nähe von Arbeit und Wohnen.

    Das Heidequartier bildet im Norden eine eigenständige Erscheinungsform, resultierend aus der Kombination zwischen offenem Anger zum Ankommen und Verbindung der inneren Bereiche mit dem Zentralen Gartenband Richtung Süden. Die verbindende notwendige KFZ Erschließung wird somit in Sequenzen gebrochen um den Autoverkehr zu entschleunigen. Die Bebauung rahmt großzügig durchgrünte Innenhöfe mit lockerer heideähnlicher Bepflanzung und erlaubt den Baumerhalt in den Gartenwiesen. Eine vernetzende Durchwegung öffnet den Raum für das direkte gemeinschaftliche und nachbarschaftliche Umfeld und ermöglicht dennoch private Rückzugsräume. Für ein attraktives Wohnumfeld und identifizierbare Adressen im Quartier sind die Fugen zwischen den Baufeldern abwechselnd als großzügige Wohnanger mit Shared-Space-Charakter oder als durchgrünte Wegeachsen für Rad und Fußgänger ausgestaltet.

    Im Bereich der Block-City werden die vorgefundenen Naturelemente (Milan-Horst, bildprägende Baumgruppen) würdevoll gerahmt und sind das Zentrum der Blöcke, welche durch ein leichtfüßiges Verbindungssystem für Kinder und Erwachsene gleichsam zum Erkunden und bewegen einlädt, abseits von Straßen und Fahrzeugen. Die Schule bildet die logische Mitte des Gebietes, die Ränder spielen Typologisch mit der Lagegunst des Ausblicks auf die weite Heidelandschaft im Westen und des Ufers im Süden. Das Bewegungsnetzwerk setzt nicht nur die verschiedene Nutzungen und Strukturen in Beziehung zueinander, sondern schafft auch eine Identifikation mit den angrenzenden Potenzialen der Landschaft.




    Das Wald-Quartier im Osten ist geprägt durch den dichten Baumbestand des Königswaldes und der Nähe der Havelseen im Bereich der denkmalgeschützten Kasernengebäude. Dieser wird nur punktuell durch Gebäude und Wohnhöfe mit Baumhainen und Baumbosketten ergänzt, wodurch eine ruhige Wohnatmosphäre entsteht. Im Osten entsteht mit den Terrassen am Ferbitzer Bruch ein angemessener Auftakt zum Quartier mit Blick über den angrenzenden Naturraum und Anbindung an vorhandene Wege.

    Die Grünbereiche bilden eine Raum-und Erlebnis-Sequenz ausdifferenzierter Freiräume. Vom aktiven, betriebsamen Gartenband über die offen-atmende Sport-Wiese hin zum räumlich gefasst-gedämpften Waldcarre, welches die Verbindung zum historischen (Bau)Bestand und zur Geschichte des Ortes in zentraler Position der Gesamtanlage darstellt.
    Der historische Außenraum formt die Vermittlung und den Dialog an zentrale Stelle als Begegnung von Geschichte und Zukunft des Gebietes.

    Die spezifische Atmosphäre des Freiraums der ehemaligen Kaserne ergibt sich durch das Zusammenspiel von historischem Gebäudebestand, alten Baumalleen, weite heideähnliche Grünflächen und starken Wegeachsen.
    Durch die unmittelbare Nachbarschaft zu verschiedenen Naturräumen und die lange Zeit des Brachliegens hat sich eine große Vielfalt innerhalb der Kaserne entwickelt: Das Freiraumkonzept für die verschiedenen Quartiere greift diese spezifischen Atmosphären auf und integriert diese durch drei große Parkanlagen sinnfällig in die Stadtstruktur. Die wichtigen Achsen und Alleen des bestehenden Bewegungssystems werden erhalten, aufgegriffen und weitergeführt. Dadurch entsteht ein engmaschiges Netz aus Bestandsalleen, Freizeitwegen und Bewegungsräumen, welches das Quartier mit den Freiraumpotenzialen der Umgebung vernetzt.

    Der großzügige Freiraum der Döberitzer Heide und des Ferbitzer Bruchs prägt mit seinen von Wasserflächen durchzogenen Naturflächen das neue Stadtquartier im Norden. Ein Naturpark gliedert durch eingestreute Landschaftselemente, die unterschiedliche Funktion haben, das Zusammenspiel von Stadt und Landschaft und ermöglicht so eine Abschichtung der Nutzungen. Lineare Gehölzstrukturen, Baumgruppen oder Hoch- und Tiefpunkte sind zum einen Rückzugsraum für Tiere (Aufschüttungen als Habitat für Eidechsen, Wasserpunkte für Libellen, Insekten) und ökologische Ausgleichsfläche, zum anderen aber auch ein Erlebnisraum für Menschen (Aussichtspunkte, Naturerlebnispfade, Naturspielplatz u.a.). Der Landschaftspark vermittelt dabei zwischen den naturschutzfachliche Anforderungen mit der Möglichkeit die Natur erlebbar zu machen und schafft einen spezifischen identitätsstiftenden Freiraum für die Bewohner von Stadt und Natur.

    Der Charakter der westlich angrenzenden Felderlandschaft wird im Gartenband aufgegriffen und in das Stadtgefüge integriert. Im Gartenband wechseln sich öffentliche Parks im Baumbestand mit gemeinschaftlichen Flächen zum Gärtnern und Begegnen ab. Kleingärten, Urban Gardening und Pocket Parks verbinden in Nord-Süd Richtung die unterschiedlichen Quartiersstrukturen und münden im Waldkarree im denkmalgeschützten Kasernenbereich. Das Waldkarree ist nicht nur Raum für Freizeit und Sport sondern auch eine Schnittstelle der unterschiedlichen Quartiersbereiche von Bestand zu Neuplanung. Der Baumbestand und der Lichtungscharakter bleiben erhalten und die neuen Freiflächennutzungen in der Mitte konzentriert.

    Im Kernbereich des Quartiers wird durch die grüne Mitte ein Möglichkeitsraum für das gesamte Quartier geschaffen. Der sich nach Norden hin öffnende Park wird durch die vielfältigen Wegeverbindungen strukturiert und vernetzt die verschiedenen Quartiere. Eine Pavillonwiese lädt zum Verweilen und erholen ein und bietet aber auch genug Raum für besondere Veranstaltungen.




    REGENWASSERMANAGEMENT

    In öffentlichen Flächen sind Beläge mit geringem Versiegelungsanteil vorgesehen, die Wege in den Parks können direkt in die Grünflächen entwässern. Für Starkregenereignisse sind zudem Rückhaltemöglichkeiten im Straßenprofil und in den Grünflächen denkbar. Private Baufelder: Neben einem festzusetzenden zu begrünenden Anteil der privaten Flächen empfehlen sich (intensive) Gründächer im Geschosswohnungsbau. Diese stehen bei sorgfältiger Planung nicht in Flächenkonkurrenz zu Solar- und Dachterrassennutzung.
    Eine weitergehende und großflächige Versickerung von Regenwasser ist aufgrund der Gegebenheiten (Versickerungsfähigkeit der Bodenschichten, etc.) nur in geringem Umfang möglich: Im Bereich des Waldquartiers sind Vorgaben für eine dezentrale Versickerung (z.B. Mulde-Rigolen-Systeme) direkt auf den privaten Baufeldern sinnvoll, für Niederschlagswasser aus öffentlichen Flächen können Retentions- und Versickerungsflächen im Landschaftspark oder punktuell im Gartenband geschaffen werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.