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  • DE-73252 Lenningen
  • 03/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-297999)

Neue Mitte Oberlenningen


  • 2. Preis

    Lageplan, © mharchitekten

    Stadtplaner
    mharchitekten Ute Michaelsen + Joachim Hermet, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ute Michaelsen

    Mitarbeit
    Antonia zu Dohna, Ibrahim Almardini, Sundus Sherif

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: Büro Henes Verkehrsplaner, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Nach sorgfältiger Analyse von Ort und Umgebung wird ein städtebaulich-freiräumliches Konzept entwickelt, welches die vorhandenen Potentiale herausarbeitet und diese zusammen mit den besonderen, identitätsstiftenden Elementen des Ortes zum Leitbild für Oberlenningen entwickelt: _ OBERLENNINGEN_LEBEN AN DER LAUTER _
    Über kurz- und mittelfristige Maßnahmen wird die Ortsmitte um den Marktplatz gestärkt und nach Südosten über eine Raumabfolge entlang der Lauter bis zum Schillerplatz erweitert. Die neue Mitte wird durch drei Hauptelemente – Marktplatz, Lauterufer und Schillerplatz – gebildet, die wie Perlen an der „Lauterkette“ aufgefädelt sind. Die Bundesstraße wird auf teilweise bereits heute verfügbaren Flächen in die zweite Reihe verlegt und gibt somit das Ufer der Lauter für die Erweiterung der Ortsmitte frei.
    Mit Erhalt, Um- oder auch Neuansiedlung wird die neue Mitte zu einem Nutzungsschwerpunkt mit Läden, Gastronomie, Dienstleistungen und auch Wohnen für das alltägliche und kulturelle Leben. Der in der Ortsmitte urbane und nach Außen grüne Flussraum der Lauter wird zum prägenden Element für Bewohner und Besucher Oberlenningens.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit dem Leitbild „Leben an der Lauter“ wird ein städtebauliches und freiräumliches Konzept entwickelt, das eine Raumabfolge vom Schillerplatz zum Marktplatz entlang der Lauter ausbildet. Mit der Verlegung der Bundesstraße in die zweite Reihe werden Flächen für die Erweiterung der Ortsmitte frei.

    Am Schillerplatz wird das Thema der Überquerung der Lauter mit der Sichtbarmachung des Flusses durch freiräumliche Elemente betont, die neue Backhausgasse wird räumlich mit einer beidseitig angemessenen Bebauungsstruktur gefasst, der Marktplatz bildet die städtebauliche Mitte mit dem denkmalgeschützten Rathaus, das mit einem in die Tiefe gestreckten Gebäude erweitert wird. Das leichte Abknicken der Rathauserweiterung lässt den Blick zur Martinskirche frei. Weitere giebelständische Gebäude ergeben eine angenehme Rhythmisierung der Amtsgasse.
    Der vorgeschlagenen Bebauung südlich der Backhausstraße fehlt die Prägnanz, sie ist für diese Ortslage und Funktionsanforderungen zu kleinteilig ausgebildet.

    Das Freiraumkonzept mit differenzierten Gestaltungs- und Aufenthaltsqualitäten überzeugt. Zentrales Element ist der deutlich aufgewertete Marktplatz als multifunktionale, öffentliche Freifläche mit sparsamen aber gut gesetzten Gestaltungselementen und guten Bezug zur Lauter. Hier wäre auch ein Zugang zum Wasser durchaus denkbar. Größtes Manko des Platzes ist der fehlende Raumabschluss zur Bundesstraße, der die Nutzbarkeit und Aufenthaltsqualität durch Lärm- und Abgaseinträge sowie fehlender belebender EG-Nutzungen einschränkt. Die gesetzten Bäume können diese Problematik leider nicht lösen.

    Die vom Marktplatz nach Südosten verlaufende Uferzone reagiert feinfühlig auf die vorhandenen kleinteiligen Strukturen mit denkmalgeschützten Gebäuden und dem Wehr und verspricht eine dem spezifischen Ort und der gesamten Gemeinde angemessene, hohe Qualität. Zu klären wäre die genaue Differenzierung in öffentliche und private Freiflächen auf der flusszugewandten Seite der Gebäudezeile.

    Konsequent ist in diesem Zusammenhang die Wegnahme des Gebäudes Schlossrain 2, da dadurch die landschaftsräumliche Öffnung und Erlebbarmachung des Lautertales ermöglicht wird. Ebenso gut gelungen ist die kleinteilige Durchwegung und Erschließung des nordöstlichen Quartiers zwischen Backhausstraße und Schule. Durch Aufweitungen und Versätze in Verbindung mit kleinen Platzsituationen entstehen interessante, maßstäbliche Freiraumsituationen und gute Wegeverbindungen sowohl in Quer- als auch in Längsrichtung durch das Quartier.

    Der verkehrsberuhigte Bereich bietet dagegen wesentliche Verbesserungen der Aufenthaltsqualität. Durch Belagsänderungen und räumlichen Einengungen wird die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit unterstützt. Aus verkehrsplanerischer Sicht wird zwar der Straßenraum an der Backhausstraße mit ca. 6,50 m Breite als ausreichend gesehen, der Kurvenbereich zur Amtsgasse kann jedoch die notwendigen Radien für den Begegnungsverkehr von Schwerlastverkehr nicht abbilden.

    Zusammenfassend entwickelt der Entwurf hohe städtebauliche und freiräumliche Qualitäten und stärkt die Potentiale des Ortes. Das robuste Grundkonzept mit einem hohen Maß an Bestandserhalt kann auf die unterschiedlichen Anforderungen reagieren und die identitätsstiftenden Elemente herausarbeiten.