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  • DE-76124 Karlsruhe, DE-76149 Karlsruhe
  • 04/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-281705)

Rahmenplan Karlsruhe Neureut-Zentrum III


  • 2. Preis

    Blick in den Landschaftspark

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    22.500 EUR

    Erläuterungstext
    Grüne Mitte Neureut

    Konzept

    Das Konzept bildet die Grundlage für ein neues Stadtquartier welches die stadträumliche Lücke Neureuts schließt und eine durchgrünte und urbane Mitte ausbildet. Die ankommenden übergeordneten Grünzüge werden wie selbstverständlich in das Plangebiet verlängert und schaffen einen zentralen innenliegenden Grünraum. Die stadträumliche Lücke wird geschlossen und verwebt das neue Quartier mit dem bestehenden Stadtgefüge.

    Der durchgrünte Innenbereich wird von klar definierten Baufeldern gerahmt die hier die Raumkanten zum Grünraum ausbilden. Bauliche Hochpunkte im Eckbereich der fünf Baufelder flankieren den Innenbereich.

    Die einzelnen Baufelder besitzen jeweils einen klaren und robusten Rahmen und schaffen die Voraussetzung für eine kleinteilige bauliche Realisierung mit einem Höchstmaß an individueller Freiheit. Durch wenige typologische Vorgaben wird die Grundstruktur für ein neues Stadtquartier geschaffen - stadträumlich integriert und flexibel für neue Konzepte.

    Freiräumliches Mosaik

    Das Gesamtquartier erhält eine übergeordnete Struktur die sich aus den Wegeachsen ergibt und einzelne Felder ausbildet die sich wie Schollen aneinander fügen. Dieses Mosaik mit seinen unbebauten und bebauten Feldern schafft ein neues Stadtgefüge mit eigenständiger Identität bei der Stadt und Natur im Wechselspiel zueinander stehen.

    Auf der zentralen mittigen Scholle befinden sich Spiel- und Freizeitflächen die hier die freiräumliche Mitte ausbildet. Eine breite Promenade säumt den Innenbereich und nimmt wie eine Drehscheibe die ankommenden Wegeachsen auf.

    Grüne Mitte Landschaftspark

    Über das freiräumliche Gerüst werden sowohl alle Quartiersbereiche, als auch alle öffentlichen Einrichtungen, innerhalb und außerhalb des Plangebietes angebunden. Die Schul- und Kitastandorte liegen direkt am Grünzug und ermöglichen eine gefahrlose Erreichbarkeit.

    Der gesamte Grünraum schafft kommunikative gemeinschaftliche Spiel- und Freizeitflächen und fördert die Identifikation mit dem Quartier. An den Rändern des Parks können neue Nutzungen, wie z.B. naturnahe Spiel- und Sportangebote für alle Alters- und Bevölkerungsgruppen, Mietergärten sowie informelle Sportangebote als Naherholungsflächen für die Bewohner des Stadtteils integriert werden.

    Der Grünraum wird naturnah ausgebildet und nimmt erforderliche Ausgleichsflächen für das Gebiet auf. Gleichzeitig übernimmt er die Funktion eines Retentionsraumes für das anfallende Regenwasser und trägt durch seine Aufenthaltsqualität und ökologische Funktion als Regenwasserretentionsfläche zur Qualitätssteigerung des Quartiers bei.

    Eine leichte Eintiefung des mittleren Feldes kann gleichzeitig die Funktion eines zentralen Retentionsraum übernehmen, der das Regenwasser aus den benachbarten Quartieren aufnimmt und möglichst lange auf dem Gebiet zurückhält. Die angelagerten Nutzungsangebote wie Spiel- und Sportflächen sowie Flächen für urban gardening können multifunktional gleichzeitig als Aufenthalts- und Überflutungsraum genutzt werden.

    Quartiere am Landschaftspark

    Das modulare Konzept der Wohnhöfe bildet ein städtebauliches Grundgerüst für eine abschnittsweise Realisierung und ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlicher experimenteller Bautypologien für Stadthäuser, Geschoßwohnungsbau und Baugruppen mit dem Schwerpunkt familiengerechte und gemeinschaftliche Wohnformen. Unterschiedliche Wohn- und Arbeitsmodelle können flexibel integriert werden.

    Die einzelnen Quartiere wirken wie kleine dorfähnliche Einheiten, mit einem zentralen Nachbarschaftsplatz mit Spiel- und Kommunikationsflächen. Die Gebäude am Nachbarschaftsplatz bilden durch kleinere Hochpunkte eine markante Platzkante aus. In den Erdgeschossen befinden sich hier Läden, Cafes und gemeinschaftliche Einrichtungen die hier jedem Baufeld seine Mitte geben und es beleben.

    Das Konzept bildet so die bautypologische Voraussetzung für ein dichtes innerstädtisches gemischtgenutztes Stadtquartier, für ein nebeneinander von Wohnen, Arbeiten und Freizeit.

    Verkehrsfreies Wohnumfeld

    An den jeweiligen Quartierszufahrten der Einzelquartiere befinden sich zentrale Quartiersgaragen, die hier die privaten Stellplätze und einen Teil der öffentlichen Stellplätze aufnehmen. Durch das zentrale Stellplatzkonzept wird das Wohnumfeld frei von Verkehr gehalten und ist nur eingeschränkt für die Anwohner und Rettungsfahrzeuge im Bedarfsfall befahrbar.

    So entsteht ein komplett verkehrsfreier Innenbereich mit einer vielen Nutzungsmöglichkeiten der Freiräume der die Grundlage für ein pulsierendes Quartiersleben mit einer hohen Lebens-qualität bildet. Eine zurückhaltende und wohlgesetzte Möblierung schafft Aufenthaltsqualitäten in den öffentlichen Räumen als Orte der Begegnung und Kommunikation. Einzelne Baufelder können über die befahrbaren Wohnwege erschlossen werden um oberirdische Stellplätzen für den geförderten Wohnungsbau anzuordnen.
    Grundsätzlich sollen sich diese aber ebenfalls in den Quartiersgaragen befinden.

    Mobilitätskonzept

    Innerhalb der Quartiersgaragen befindet sich die Mobilitätsstationen die hier alle Funktionen für das Konzept der „sanften Mobilität“, wie Carsharing-Stellplätze und Leihfahrräder, sowie die Ladestationen der Elektromobilität aufnehmen. Durch intelligente Mobilitäts- und Sharing-Konzepte in Kombination mit dem ÖPNV kann eine signifikante Reduzierung des fahrenden und ruhenden KfZ-Verkehrs erreicht werden.

    Die Fuß- und Radwege durch die Grünraume, insbesondere die Anbindungen an die S-Bahnstationen, stärken das durchlässige innere Erschließungskonzept und fördern den individuellen Fuß- und Radverkehr.

    Regenwasserkonzept

    Für die Entwässerung des gesamten Gebietes wird ein dezentrales Regenwassermanagement in drei Stufen vorgeschlagen, mit dem Ziel, das anfallende Regenwasser möglichst lange auf dem Gebiet zurückzuhalten bzw. zu versickern.

    Sämtliche Straßenräume sowie auch die Nachbarschaftsplätze und privaten Hofflächen werden jeweils leicht vertieft als Mulden ausgebildet. Es entstehen großflächige Retentionsräume, die das bei Starkregen- ereignissen anfallende Regenwasser aufnehmen können. Das Regenwasser kann teilweise direkt auf den Plätzen und Höfen zurückgehalten werden, wobei die Flächen gleichzeitig multifunktional als Spiel- und Aufenthaltsflächen genutzt werden. Im zweiten Schritt wird das überschüssige Wasser in einem Netz aus offenen Rinnen gesammelt und den angrenzenden Grünzügen zugeführt. In den Rasenmulden im Landschaftspark wird schließlich als dritter Baustein das überschüssige Regenwasser aus den Quartieren gespeichert, über eine belebte Bodenschicht versickert und dem Grundwasser zugeführt. Am tiefsten Punkt des Geländes wird Anschluss als Notüberlauf in den Regenwasserkanal vorgesehen.

    Durch die hohe Verweildauer des Wassers in den begrünten Mulden kann ein Teil des Wassers verdunsten, die offenen Regenwassermulden tragen so gleichzeitig zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Die Investitionskosten können durch den Entfall aufwendiger unterirdischer Kanäle zugunsten eines offenen Systems minimiert werden, das Thema der Regenwasserbewirtschaftung wird als ökologische Qualität sichtbar und erlebbar gemacht und trägt zum positiven Image des Quartiers bei.

    Energiekonzept

    Grundsätzlich wird ein möglichst hoher Eigenversorgungsgrad und eine klimaneutrale Versorgung angestrebt, so dass die einzelnen Gebäudetypen in ihren Bauabschnitten für sich errichtet werden können. Als Standard sind Plusenergiehäuser und damit eine CO2-neutrale Versorgung geplant.

    Das Ziel „100% Regenerative Energien“ wird erzielt durch energieoptimierte, effiziente Gebäude mit dichten, gut gedämmten Gebäudehüllen, Lüftungen mit Wärmerückgewinnung, Solarenergiesystemen als PV-Dach- und Fassadenintegration, in Verbindung mit Wärmepumpen und Frischwasser- und Speichersystemen. Mithilfe von Wärmepumpen können die Gebäude durch Bauteilaktivierung im Winter sehr effizient und günstig geheizt und im Sommer fast kostenlos gekühlt werden, so dass neben der angenehmen Raumtemperatur und guten Luftqualität der Energieverbrauch so weit minimiert wird, dass sich Energieabrechnungen und deren Kosten erübrigen.

    Damit die Wärmepumpen eine hohe Jahresarbeitszahl erzielen, wird für das Quartier ein „Kaltes Nahwärmenetz“ vorgeschlagen. Zusätzlich kann über Erdwärmesonde, Grundwasser, Regenwasser, Abwasser oder Abwärme eine Wärmeerzeugung erfolgen. Der kompakte städtebauliche Entwurf, der energetische Gebäudestandard KfW-40-plus, die integrierten Solarsysteme und das Kalte Nahwärmenetz mit den Wärmepumpen bilden die zukunftsweisenden Voraussetzungen für die wirtschaftliche Realisierbarkeit ein klimaneutralen Innovationsquartiers.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.