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  • DE-99084 Erfurt, DE-99091 Erfurt
  • 05/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-286742)

Modellvorhaben „Neue Gartenstadt mit System“ - Wohnbebauung Tallinner Straße in Erfurt


  • 1. Preis


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    Architekten
    Klöpfel Koenig Architektenpartnerschaft mbB, Berlin (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Therese Strohe Michael Ullrich Architekten, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: JUCA architektur + landschaftsarchitektur, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf ist getragen vom Gedanken des »Zuhauses mit eigenem Vorgarten«. Dieses
    Prinzip wird flächig in ein netzartiges System von dreigeschossigen Baukörpern, zugehörigen wohnungsbezogenen Freiräumen bzw. Terrassen und die lineare Erschließungsstruktur eingebunden, die das System der Höfe quert.
    Damit entstehen kleine überschaubare Nachbarschaften, die eine sehr überzeugende Gegenthese zum umgebenden großmaßstäblichen Wohnungsbau aufstellen.
    Die versetzen Wege öffnen sich alternierend zu privaten oder halbprivaten Innenhöfen, was die Orientierung für den Fremden und Besucher nicht einfach macht. Dem Bewohner ermöglicht die Anlage jedoch mit den knapp geschnittenen, aber wohl geformten Innenräumen unaufdringlich ein gutes und enges nachbarschaftliches Miteinander.
    Zum Grünzug der Gera-Aue nimmt die Siedlungsstruktur hingegen außer zwei schmalen Wegen über den nordöstlichen Parkplatz keinen Kontakt auf. Die Abstandsflächen zwischen den Gebäuden und der Auenlandschaft beschränken sich auf eine homogene Wiesenfläche mit Einzelbäumen in Randlage.

    Umso mehr überzeugt auch landschaftsarchitektonisch die Qualität der Gartenhöfe, die sich in den Wohnungen zugeordnete Garten- bzw. Terrassenflächen und insgesamt sieben Gemeinschaftshöfe gliedern. Diese bieten sich für eine spontane gemeinsame Nutzung der Bewohner an. Im Anbetracht der eher introvertierten Wohnqualität ist die angebotene Parkierung entlang der äußeren Erschließung stimmig.

    Die Grundrisse sind kompakt, aber variabel; mit den Wohnungszugängen über die Küchen wird das Prinzip der Überlagerung von Zugang und Freiraum in das Gebäudeinnere fortgesetzt. Trotz der schmalen Innenhöfe, gelingt durch die fast komplett durchgesteckten Grundrisse und die schmalen Baukörper eine gute Belichtung aller Wohnungen. Dichte- und Flächenvorgaben werden exakt eingehalten, mit der kompakten Dreigeschossigkeit, einer sehr effizienten Ausnutzung der Kubatur und einem weitgehenden Verzicht auf gemeinschaftliche genutzte Innenräume ist eine sehr gute Wirtschaftlichkeit zu erwarten. Brandschutzprobleme bestehen nicht. Zweifel bestehen, ob die dargestellten (lasten?-) Aufzüge ausreichend dimensioniert sind; notwendig scheinen sie freilich nicht.
    Die teilweise Unterkellerung für Abstellräume ist klug und völlig ausreichend. Mit den nur drei Geschossen besteht auch eine hohe Varianz bezüglich der einsetzbaren Materialien. Es fällt auf, dass die Erschließung nur über die offenen Terrassen/Stege möglich ist. Die Anbindung an bestehende Radwege ist gelungen. Es gibt zu dem ausreichend viele Fahrradstellplätze. Diese sind zum Teil offen angeordnet, können aber auch durch überdachte Stellflächen ergänzt werden. Dies wäre ein Hinweis für die weitere Überarbeitung.
    Das beabsichtigte Mobilitätskonzept wird optimal unterstützt.
    Die Regenwasserversickerung ist nur extern in der Gera-Aue möglich.
    Der Abfall ist zentral erschlossen und kann ohne Wendehammer vom Service nicht bedient werden. Dieser wäre in einer Überarbeitung problemlos einzuordnen, jedoch gehen hierdurch gleichfalls Grünflächen verloren.

    Die Einhaltung des Schallschutz-Abstands ist nicht ausreichend. Es sind Schallschutzmaßnahmen am Gebäude (Grundrissorientierung Küchen / Bäder oder Wegfall von Immissionspunkten, z.B. nicht zu öffnende / keine Fenster) notwendig.
    Der Erhalt des Bestandsgehölzes findet nur teilweise statt.

    Insgesamt stellt die Arbeit insbesondere vor dem Hintergrund der erweiterten Aufgabenstellung und dem wohnungswirtschaftlichen Kontext einen sehr zukunftsweisenden programmatischen Beitrag dar. Der Entwurf besitzt auch sozial ein hohes Aneignungspotenzial, mit dem Zusammenhalt und Identifikation im Quartier wesentlich verstärkt werden können.


INFO-BOX

Angelegt am 22.05.2018, 12:23
Zuletzt aktualisiert 24.05.2018, 12:38
Beitrags-ID 4-157028
Seitenaufrufe 63

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