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  • DE-81667 München, DE-81667 München
  • 05/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-276718)

Generalsanierung Gasteig in München


  • Anerkennung

    kein Bild vorhanden
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    TGA-Fachplaner
    Waldhauser + Hermann AG, Münchenstein (CH), St. Gallen (CH)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Boltshauser Architekten AG, Zürich (CH)
    Architekten: Sergison Bates architects, London (GB), Zürich (CH)
    Landschaftsarchitekten: MAURUS SCHIFFERLI LANDSCHAFTSARCHITEKTEN, Bern (CH)
    Bauingenieure: Ferrari Gartmann AG, Chur (CH)
    Brandschutzplaner: Gruner AG, Basel (CH), Köninz (CH), Oberwill (CH), Renens (CH), Stein (CH), Zürich (CH)
    Akustikplaner: applied acoustics GmbH, Gelterkinden (CH)
    Lichtplaner: Reflexion, Zürich (CH)
    Visualisierer: nightnurse images, Zürich (CH)
    sonstige Fachplaner: promaFox AG, Bad Zurzach (CH)

    Preisgeld
    50.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Aufgabe der Generalsanierung des Gasteig - der Wiederaufbau eines markanten
    Gebäudes, das auf den Rohbau zurück gebaut wird - stellt die Frage
    des Bezugs zwischen Neubau und Bestand mit hoher Brisanz. Der Entwurf
    zeichnet sich durch einen respektvollen Umgang mit dem Bestand, durch eine
    selektive Übernahme und konsequente Überarbeitung von architektonischen
    Themen, Material und Struktur des Bestands aus und liefert so eine kohärente
    Antwort auf die gestellte Frage. Das Thema des Entwurfs ist die Optimierung
    des Bestands durch eine gezielte feinfühlige Anpassung an die veränderten Anforderungen
    wie Saalgröße, räumliche Zuordnung etc. Es werden damit die Potenziale
    und die Grenzen der Arbeit im und am Bestand ausgelotet.

    Die städtebauliche Situation bleibt fast unverändert erhalten, die Volumina der
    Anlage werden im Grenzbereich des geltenden Baurechts leicht verändert.
    Die große Freitreppe im Südwesten ordnet die Zugangssituation zum Celibidache-
    Forum in großzügiger Weise neu. Durch das Einfügen des Foyers entsteht
    eine eher introvertierte Platzsituation mit angenehmer Atmosphäre, die durch
    den Erhalt der vier Bestandsbäume und neu gepflanzte Bäume geprägt wird.
    Eine Aufwertung des rückwärtigen Zugangs erfolgt nicht. Die Anlieferung erscheint
    verkehrstechnisch machbar, bleibt aber umständlich.

    Das räumliche Angebot des Foyers wird im Erdgeschoss deutlich erweitert. Von
    hier aus sind die Räume der Kulturvermittlung direkt zu erreichen, das Hauptfoyer
    im 1. Obergeschoss - das eigentliche Zentrum des Kulturhauses - durch
    eine doppelte Treppenanlage. Die räumliche Qualität der neu gewonnenen Eingangsbereiche
    überzeugt in diesem Entwurf trotzdem nicht, vermisst werden
    gestalterischer Ausdruck und Aufenthaltsqualität. Im 1. Obergeschoss werden
    entsprechend der vorhandenen Struktur die meisten der Veranstaltungsorte
    durch das zum Celibidache-Forum offene Foyer erschlossen.

    Die Stadtbibliothek wird innerhalb der vorhandenen Räumlichkeiten mit teils unzufriedenstellendem
    Ergebnis umgeplant. Die Innenraumaufteilung wirkt unaufgeräumt
    und entspricht nicht den Nutzungsanforderungen. Die Wegeführung
    bleibt wenig attraktiv. Der Hauptzugang im 1. Obergeschoss wird funktional kritisch
    gesehen.

    Die Arbeit bietet Potentiale für eine gute Akustik in der Philharmonie. Die neu
    gewonnene Symmetrie des Philharmonie-Saals wird begrüßt. Die Fassung des
    Podiums unterstützt sowohl das gegenseitige Hören der Musiker als auch eine
    kompakte Schallabstrahlung in das Publikum. Die Abstände zu den hinteren Zuhörern
    werden deutlich verringert. Ansätze für ausreichende Seitenreflexionen
    für den mittleren Teil des Parketts sind vorhanden. Der Deckenreflektor ist eher
    schematisch dargestellt. Die Anordnung von vielen Sitzplätzen hinter der Bühne
    ist unerwünscht.

    Die Struktur des Saaldachs wird komplett erneuert, zugunsten einer räumlichen
    Lösung, welche die Nutzung dieser Fläche ermöglicht. Hier werden die Veranstaltungsräume
    der Volkshochschule und die Restaurants ‚gast‘ und ‚à la carte‘
    spektakulär untergebracht. Dieser Vorschlag wurde lange diskutiert und erscheint
    fraglich, da er mit hohen Kosten verbunden ist. Positiv bewertet wird der
    gut nutzbare, große Dachgarten, der auch von den Freibereichen der Restaurants
    zugänglich ist und Ausblick auf die Stadt in allen Richtungen bietet.

    Innerhalb der vorhandenen Struktur erhalten die Räume der Hochschule für
    Musik und Theater eine neue sinnvolle Anordnung, die Proberäume bleiben jedoch
    ohne das gewünschte natürliche Licht. Ebenfalls neu strukturiert werden
    die Räume der Volkshochschule, wobei eine klare Identität innerhalb der Anlage
    vermisst wird.

    Die Fassaden werden unter Wiederverwendung des Bestandsmaterials erneuert.
    Die Struktur der Fassaden richtet sich nach dem vorhandenen Bestand. Sie
    findet zwar einen eigenen, zeitgemäßen Ausdruck, bleibt jedoch hinter dem
    Möglichen zurück und lässt einen stärkeren und selbstbewussten Auftritt vermissen.
    Die Entfernung der strukturstiftenden Treppenhäuser aus der Fassade
    der Philharmonie zugunsten einer begradigten Rasterfassade wird kritisch gesehen.

    Der Beitrag stellt einen robusten und konsequent durchgearbeiteten Entwurf
    dar, das Ergebnis bleibt jedoch räumlich insgesamt unter den Erwartungen und
    formal in seiner kontrollierten Haltung verhaftet. Die Ausarbeitung einer jeweils
    eigenen Identität der verschiedenen Institute bei gleichzeitiger Ausbildung einer
    gemeinsamen Vermittlungsebene bleibt unterentwickelt und zeigt die Grenze
    der Leistungsfähigkeit des Bestandes.


INFO-BOX

Angelegt am 23.05.2018, 10:41
Zuletzt aktualisiert 08.06.2018, 09:30
Beitrags-ID 4-157169
Seitenaufrufe 11

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