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  • 09/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-308053)

Objektplanung Freianlagen / Objektplanung Verkehrsanlagen

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  • Nominierung 2. Phase


    Landschaftsarchitekten
    Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Ein neuer Steg führt vom Wuckenhof über die Gänsewiese zum Südwall,
    und von dort als Weg bis zur Rohrmeisterei. Der Steg schwebt losgelöst
    von der Wuckenhofmauer in drei bis vier Metern Höhe über der bestehenden
    Böschung, und eröffnet neue spannende Blickbeziehungen zwischen
    Altstadt und Rohrmeisterei.

    An der Schnittstelle von Stadt und Landschaft befindet sich die Rohrmeisterei.
    Als Kulturzentrum und Gastronomie subventionsfrei von Bürgern
    betrieben, ist die Rohrmeisterei heute ein Ort mit Strahlkraft weit über
    Schwerte hinaus, aber vor allem ein Treffpunkt und ein Ort der Identität für
    die Bewohner der Stadt. Das langgestreckte Gebäude liegt in unmittelbarer
    Nachbarschaft zum Wuckenhof und ist über dessen Gelände mit dem
    Marktplatz und der Innenstadt verknüpft. Der Landschaftspark südlich des
    Gebäudes ist gestalterisch und räumlich mit der angrenzenden Flusslandschaft
    verbunden. Großzügige Balkone bieten zusätzliche Ausblicke auf
    den Fluss.
    Leider wird die Gestaltung des direkten Umfeldes der Rohrmeisterei ihrer
    Bedeutung und der attraktiven Lage nicht gerecht. Aus der Stadt kommend
    ist die Rohrmeisterei nur schwer zu finden. Der Weg führt über das
    Gelände des Wuckenhofs. Dieses liegt ca. drei Meter höher als die sich
    östlich und südlich anschließende Landschaft und hebt sich eindrucksvoll
    durch eine alte Mauer von seiner Umgebung ab. Der Blick von diesem
    Plateau ist jedoch durch eine dichte Gehölzkulisse verstellt. Ein ähnliches
    Bild zeigt sich aus der anderen Richtung. Die Zugänge vom Mühlenstrang
    sind klein und zugewachsen und der Vorplatz wird von einer Vielzahl an
    Autos dominiert, die bis direkt vor das Gebäude geparkt stehen. Das alte
    Trafohaus in der Mitte des Platzes verstellt den Blick von Norden auf die
    Rohrmeisterei.

    Neben der attraktiven Verbindung von der Innenstadt zur Ruhr über Markt
    und Mühlenstrang mit den Altstadtgassen und dem Landschaftsbezug
    wird eine zweite fußläufige Verbindung vom Markt über den Wuckenhof zur
    Rohrmeisterei vorgeschlagen. Das Gelände um den Wuckenhof wird neu
    strukturiert und gestalterisch aufgewertet. Die Geländekante wird freigestellt
    und Ausblicke Richtung Altstadt und Mühlenstrang möglich gemacht.
    Von hier führt der neue Wuckenhof-Steg über die Gänsewiese zum Südwall.
    Auf diese Weise kann der Höhenunterschied barrierefrei überwunden
    werden. Gleichzeitig wird ein interessanter Ort geschaffen, der neue Ausblicke
    schafft und die Nahtstelle zwischen Altstadt und Landschaft erlebbar
    macht.
    Am Südwall wird das Theater am Fluss mit einbezogen und über eine kleine
    Platzaufweitung zu einem Teil der neuen Verbindung. Mit sanftem Gefälle
    wird der neue Theaterweg von hier aus über die Wiese zum Parkplatz
    der Rohrmeisterei geführt. Diese erhält einen neuen Vorbereich, der das
    Gebäude stärker in Szene setzt und die neue Verbindung mit dem Mühlenstrang
    verknüpft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Besonders hervorzuheben ist die Aufarbeitung des historischen Wuckenhof-Grundrisses und die Erkenntnis, dass die Nordseite das wichtige Eingangsportal des Gebäudes darstellt. Folgerichtig setzt der Entwurf seine aufgeständerte „Gehbahn“ an einer nördlich vom Wuckenhof gelegenen Stelle an. Diese durchaus attraktive „Gehbahn“ rückt von der Wuckenhof-Mauer ab, um diese zu inszenieren und stärker für den Betrachter sichtbar zu machen. Dadurch vergrößert sich jedoch der Eingriff in die Fläche der Gänsewiese und die dortigen kleinteiligen Parzellen. Der Verlauf der Böschung mit ihrem Gefälle könnte dazu führen, dass sich der Steg insgesamt zu nah am Boden befindet. Positiv gesehen wird, dass der Entwurf einen Platz vor Halle 4 ausformt. Es bestehen Zweifel, ob der dargestellte filigrane Charakter der Konstruktion statischen Überprüfungen standhält. Die Anlage eines separaten Fußwegs vom Parkplatz Rohrmeisterei zunächst zur Ruhrstraße verlaufend überzeugt, weil er eine Einheitlichkeit der Wegeführung für Fußgänger und Autofahrer andeutet und damit eine schnelle Wegeverbindung suggeriert. In der Jury wird angemerkt, dass ein langer geschwungener Steg den Bestand der Gänsewiese unangetastet lassen und damit besser zur Kleinteiligkeit der dortigen Parzellen passen würde. Gleichzeitig wäre der Entwurf dann konsequenter.