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  • 11/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-308523)

Objektplanung Innenräume / Objektplanung Freianlagen

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  • 2. Rang

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    Landschaftsarchitekten
    Fischer Landschaftsarchitekten, Richterswil (CH)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: alex buob AG dipl. architekt, Rorschacherberg (CH), Heiden (CH)

    Preisgeld
    3.000 CHF

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Allgemein
    Das Projekt zielt für beide Wohngruppen im Innen- wie im Aussenbereich auf eine hoch- und gleichwertige Situation ab. An gleicher Stelle wie im 2.OG wird im 3.OG der Aufenthaltsbereich auf die Westseite geöffnet. Diesen Öffnungen wird ein zweigeschossiger Pavillon so vorangestellt, dass die Sonne darauf einwirken und die Aussicht auf die Stadt erfolgen kann. Durch den Einbau von drei weiteren Sanitärzellen können bis auf zwei Ausnahmen, neu alles Einzelzimmer angeboten werden.

    Für beide Geschosse werden auf der West- wie auf der Ostseite gleichermassen niveaugerechte Aussenräume gestaltet. Diese sind jeweils am Ende der Anlage durch eine Treppe miteinander verbunden. Für den zusätzlichen Ausgang Ost im 2.OG muss das Pflegebad geopfert werden.

    Innenraum, Übergangszone
    Durch den Einbau von drei zusätzlichen Nasszellen werden neu 13 Einzelzimmer und 2 Appartements mit gesamthaft 17 Betten angeboten.

    In beiden Geschossen wird ein grösstmöglicher, zentraler Wohn- und Essbereich vorgeschlagen. Im 3. OG wird durch das Aufheben von zwei Einzelzimmern eine Öffnung gegen Westen und die Integration des Essbereichs erreicht. Durch einen neu gebildeten Übergangsbereich auf jedem Geschoss erfolgt die Erschliessung des freistehenden Pavillons und gleichzeitig der Ausgang in den Garten. Durch die Aufhebung des Pflegebades im 2.OG wird ein zusätzlicher und niveaugerechter Gartenausgang gegen Osten eingeplant. In der Summe werden die innenliegenden Räume mit mehr wertvollem Tageslicht versorgt. Zudem wird ein interaktives Lichtsystem, mit welchem sich Lichtfarbe und Lichtintensität steuern lässt, vorgeschlagen.

    Als Bodenbelag wird eine Kombination von Objektteppich und Parkett präsentiert. Weisse Decken und pastellfarbene, mit Akustikplatten verkleidete Wände tragen zusammen mit der gewählten Möblierung zu einer wohnlichen Atmosphäre bei. Der rechteckige, freistehende und zweigeschossige Pavillon ist so gesetzt, dass er eine direkte und attraktive Sicht auf die Altstadt und eine gute Besonnung von Westen und Norden erhält. Der eigenständige, filigrane Holzbau korrespondiert mit den vorgeschlagenen, neuen Gestaltungselementen der Westbalkone bestens.

    Das Projekt setzt sich intensiv mit den Möglichkeiten der Belichtung der Wohn- und Essbereiche auseinander und erreicht durch sinnvolle Eingriffe in den Grundriss, den Tagesverlauf im Innenraum zu erleben. Der Pavillon ist so gesetzt und gestaltet, dass er dem Essbereich möglichst wenig Licht vorenthält. Ob sich das interaktive Lichtsystem bei den gegebenen Raumhöhen effektiv einsetzen lässt, muss hinterfragt werden. Die zentrale Lage und die offene Gestaltung der Wohn- und Essbereiche ermöglichen den Mitarbeitenden eine gute Übersicht.

    Die Wahl von textilen Polsterbezügen und hochwertigen, bedingt widerstandsfähigen Wandfarben werden der Realität einer Demenzabteilung kaum gerecht.

    Aussenraum
    Das Projekt wählt einen konzeptionell divergenten Ansatz, der Aussenraum wird nicht nur in Ost und West unterteilt, sondern zusätzlich in einen südlichen und einen nördlichen Bereich. Dadurch entstehen grosszügige, den Stationen zugeordnete Gartenräume mit kurzen und langen Wegstrecken. Die Fusswege folgen einem logischen Muster, die dadurch entstehenden Rundwege verführen die Bewohner und Besucher zum Flanieren und Entdecken. Verbindendes Element zwischen den Gartenebenen des 2. und 3. Obergeschosses sind Treppen sowie Sitzstufen. Der Baumbestand wird mit Ergänzungen mehrheitlich in das neue Konzept miteinbezogen. Die räumlich offene Atmosphäre der Gärten ist mit mehreren Hochbeeten aktiviert und fördert die motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Bewohner. Die notwendigen Stützmauern werden in Kratzbeton erstellt, Beläge sind in einem hellen Asphalt projektiert, was auf eine fundierte Analyse von Ort und Thema schliessen lässt.

    Insgesamt haben die Projektverfasser ein schlüssiges und erfrischendes Gesamtkonzept erarbeitet. Insbesondere die grosszügige Bearbeitung des Perimeters und der unkonventionelle Lösungsansatz zur Topographie wurden positiv bewertet. Der Schwerpunkt der Benutzbarkeit liegt bei vitalen Personen, tendenziell steile Rampen und Treppen verhindern ein selbstständiges Benutzen für gehbehinderte Menschen. Die zahlreiche Verwendung von Hochbeeten wird zum prägenden Element und wirkt zunehmend als Möblierung, zumal kein baulicher Grund (Untergeschoss) die Wiederholung rechtfertigt. Der Vorschlag schafft es, das Potential des Freiraumes aufzuzeigen, die grossherzige Verwendung der Pflanzgefässe lässt aber viele Fragen offen.

    Fazit
    Das vorgeschlagene Projekt versucht auf alle Vorgaben und Bedürfnisse eine Antwort zu geben, was grundsätzlich auch sehr ansprechend und qualitätvoll gelingt aber in der Konsequenz die Dimension an Eingriffen und baulichen Massnahmen, im Innen- wie im Aussenraum, zu Tage bringt. Inwieweit die vielen neu geschaffenen Bereiche und Zonen, insbesondere im Aussenraum, für die Bewohner von Nutzen sind, ist zu hinterfragen. Vielleicht wäre etwas weniger mehr gewesen.


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