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  • DE-55116 Mainz, DE-55129 Mainz
  • 08/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-300481)

Stadtquartier ehemalige GFZ-Kaserne in Mainz


  • 1. Preis

    Lageplan, © Hähnig - Gemmeke

    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das bisher introvertierte Militärgelände der ehemaligen GFZ Kaserne erhält durch die städtebauliche Entwicklung einen neuen, urbanen und freundlichen Charakter, ohne seine Identität zu verlieren. Es entsteht ein Stück Stadt inmitten der Mainzer Oberstadt. Das flexible und robuste städtebauliche Konzept schafft Urbanität und Identität in Nachbarschaften unterschiedlicher Nutzung. Im Quartier entstehen an jeder Stelle hohe Wohnqualitäten für Bewohner in verschiedenen Lebenssituationen. Die Quartiersstrukturen ermöglichen
    Kleinparzellierung neben Geschosswohnungsbau sowie Flächen zum Wohnen und Arbeiten. Gemischt-genutzte, innerstädtische, heterogene Strukturen schaffen Individualität und sorgen für eine hohe Identifikation der Bewohner mit Ihrem Quartier. Zwischen Offen und
    Geschützt, Nachbarschaftlichkeit und Öffentlichkeit entsteht eine hohe Lebensqualität.
    Das Viertel öffnet sich seiner Umgebung, bietet neue Qualitäten an und weiß sich zugleich vor dem Lärm der Straßen zu schützen.

    Die Nutzungsangebote im Gebiet sorgen für eine hohe Anziehungskraft über seine Grenzen hinaus. Bereiche für Gemeinschaft, Kommunikation, Erholung und Aufenthalt verleihen dem bisher abgeschirmten Gebiet eine verbindende und vermittelnde Funktion.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf überzeugt mit einer angemessen strukturierten und dimensionierten Anordnung von Gebäudestrukturen für Büro und Forschung entlang den Straßen »An der Goldgrube« und Freiligrathstraße, die eine flexible Entwicklung in sinnvollen Abschnitten begünstigen. Ebenso gelungen erscheint die vorgeschlagene Struktur der Wohngebäude, die sich – ausgehend von etwas größeren Baukörpern in der Quartiersmitte – zum östlichen und südlichen Quartiersrand hin in kleinteilige und fein differenzierte Gebäude auflösen. Hierdurch entsteht ein vielteiliges, abwechslungsreiches Wohnquartier mit hoher Nutzungs- und Aufenthaltsqualität, in dem eine hohe Zahl von Bewohnern an den umgebenden Grünräumen partizipiert. Der gut gelegene und angemessen dimensionierte Quartiersplatz mit der Ortsverwaltung und Dienstleistungsangeboten überzeugt. Die Anordnung der Einzelhandelsnutzungen am westlichen Quartiersrand ist grundsätzlich gut gewählt, sollte aber auch Bezug auf den Quartiersplatz nehmen. Die Quartiersgarage an der westlichen Quartierszufahrt ist richtig positioniert und liefert einen Ansatz für alternative Mobilitätskonzepte.

    Auch die grundsätzliche Anlage der Erschließung mit differenzierten, versetzten Straßenräumen kommt einer Verkehrsberuhigung und Eindämmung des Individualverkehrs entgegen.

    Lage und Ausformung der Ost-West-Grünverbindung greifen den Vorschlag des Rahmenplans auf und entwickeln ihn zu einem versetzten, gut gegliederten Grün- und Freiraum weiter, der zudem die Funktionen von Retention und Spielflächen aufnimmt. Durch die klare Trennung von Quartiersplatz und Grünraum entstehen sehr unterschiedliche Qualitäten in den verschiedenen Bereichen des Quartiers. Die Kindertagesstätten sind an den Quartiersrändern so platziert, dass die erforderlichen Freiflächen eine Verzahnung mit den umgebenden Grünräumen bilden und nicht als »Lücken« in der Struktur des Quartiers erscheinen. Die nachgewiesenen Freiflächen für die Kindertagesstätten sind ausreichend. Der Vorschlag von Wohnnutzungen nahe der Freiligrathstraße bzw. auch unmittelbar an der Straße kann zu Problemen hinsichtlich des Schallschutzes führen. Hier müssten besondere Grundrisstypologien, verbunden mit entsprechenden Schallschutzmaßnahmen gefunden oder Nutzungsvarianten überlegt werden.

    Die Anteile an Grün- und Freiflächen sowie an Verkehrsflächen liegen unter dem Durchschnitt. Der Anteil des Nettobaulands ist überdurchschnittlich; die rechnerische Anzahl der erreichbaren Wohneinheiten sowie die Geschossflächen für Forschungs- und Büronutzungen sind relativ hoch. Die Dichte der Bebauung innerhalb des Nettobaulandes ist dafür jedoch moderat. Die rechnerische Zahl der erreichbaren Wohneinheiten ist eher hoch; der Anteil an Flächen für Büro und Forschung eher unterdurchschnittlich. Dies könnte durch eine alternative Nutzungsverteilung im Bereich der Freiligrathstraße noch angepasst werden. Zur Sicherung von Bestandsbäumen könnten Baufelder teilweise reduziert werden; dies gilt auch im Bereich der Jägerstraße. Der Anteil an Versickerungsflächen ist zu knapp bemessen, was je doch korrigierbar wäre. Eine abschnittsweise Realisierung ließe sich – unter Berücksichtigung der Abhängigkeiten mit dem Lärmschutz – gut umsetzen.

    Insgesamt wird der Entwurf als besonders gelungener Beitrag gewürdigt, der ein klares und robustes Grundkonzept mit hohen städtebaulich-architektonischen und freiraumplanerischen Qualitäten verbindet.