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  • CH Bern
  • 07/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-316964)

Entwicklung des Areals Bümpliz Nord in Bern


  • 4. Rang 4. Preis

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    Bauingenieure
    B+S Ingenieur AG, Bern (CH), Zürich (CH)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Rykart Architekten AG, Liebefeld (CH)
    Landschaftsarchitekten: Klötzli Friedli Landschaftsarchitekten AG, Bern (CH)
    Bauingenieure: Grolimund & Partner AG, Bern (CH)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Venus belegt die Baufelder mit zwei im Fussabdruck unterschiedlichen Volumen, welche in der Höhe differenziert werden. Auch die Fassadengestaltung des benachbarten Projektes wird unverändert weitergeführt. Es entsteht damit eine Abfolge von Gebäuden an der Mühledorfstrasse, welche die Linearität des Ensembles entlang der Bahn sehr stark betont.
    Vielleicht ist es aber gerade die Anwendung der vorhandenen Regeln ohne diese weiter zu interpretieren, welche zu einer gewissen Kargheit, Verarmung des Strassenraumes der Mühledorfstrasse führt. Die Identität des Ortes ist wohl gegeben, die Adressbildung für die einzelnen Gebäude ist in dieser Serie schwierig vorstellbar. Dieser Punkt wird in der Jury kontrovers diskutiert. Die Steigung entlang der Mühledorfstrasse wird mit Differenztreppen zum Trottoirbereich überwunden, welche von den Verfassern sorgfältig in Bezug zu den Gebäuden gesetzt werden.
    Die Personenunterführung und der Abgang sind kompakt und funktional sehr schlüssig gelöst. Die grosszügige räumliche Geste, welche die beiden Niveaus verbindet, wird grundsätzlich positiv gewertet. Die Modelldarstellung ohne Stützen im offenen Erdgeschossbereich zeigt die Schwierigkeit, das Volumen formal zu erden und gleichzeitig die Auffindbarkeit und Offenheit des Abgangs zu erhalten.
    Die vorgeschlagene Beleuchtung der Dachunterseite wird hinterfragt und die Jury beurteilt die Inszenierung der statischen Elemente als überinstrumentiert.
    Prägendes Element der Freiraumgestaltung sind die Linden-Pakete, die sich von den Zwischenräumen in den Strasssenraum der Mühledorfstrasse schieben. Sie stehen in rythmischem Dialog mit den Bauvolumen und schaffen halböffentliche Zugangsräume mit kleinmassstäblicher Aufenthaltsqualität. Die Zwischenräume sind von der Strasse her stufenlos zu erreichen, währenddessen Treppenanlagen die Höhendifferenzen von Gebäude und Strassen ausgleichen. Die Positionierung der Cabane erscheint etwas peripher, sie würde dem mittigen Platz helfen, sich als belebtes Zentrum zu behaupten.
    Den hohen Anforderungen betreffend Parkierung und Anlieferung wird das Projekt nur teilweise gerecht: Der Verlust von Parkplätzen in der blauen Zone und die mehrheitlich im Untergeschoss angeordneten Veloparkplätze sind nicht ideal. Die Erschliessung der Veloabstellplätze im 2. UG via Tiefgarage ist wenig benutzerfreundlich. Das Anlieferungsregime zwischen Baukörper und Bahnanlage ist wegen der Schleppkurven in dieser Form nicht praktikabel und wird als konfliktreich beurteilt. Die Verfasser schlagen vor den Grossverteiler im Untergeschoss anzuordnen und belegen auch das Erdge- schoss mehrheitlich mit Publikums intensiver Nutzung und Gemeinschaftsräumen.
    Der Vorschlag den Grossverteiler im Untergeschoss zu platzieren ist interessant, für die Belebung des Quartiers, ist aber die Anordnung im Erdgeschoss vorzuziehen.
    Auf der Nordseite werden Dienstleistungen mit geringem Publikumsverkehr vorgeschlagen. Die rückwärtige Erschliessung dient sowohl als Anlieferung, wie auch als Fussgängerverbindung.
    Für die Wohnungen bieten die Verfasser eine gute Mischung zwischen Kleinwohnungen bis hin zu Grosswohnungen an. Viele der Wohnungsgrundrisse sind einbündig organisiert und führen zu langen, dunklen Gängen. Auch wenn die Verfasser auf die Eignung für Wohngemeinschaften hinweisen, wird diese Raumdisposition als ungünstig beurteilt. Kritisch sind ebenfalls die Grundrisse der Kleinwohnungen, welche mit reiner Nord- bzw. Südorientierung eine viel zu grosse Raumtiefe aufweisen. Die Nutzung der Dachterrassen als Gemeinschaftsräume wird begrüsst, insbesondere weil in diesem Projekt wenig halbprivate Räume für die Bewohner angeboten werden.
    Das Projekt zeichnet sich durch einen hohen Flächenanteil aus, was zu höheren Erstellungskosten führt. Venus hat die beste Energiekennzahl von allen Projekten. Diese ist durch die kompakte Gebäudeform und den geringen Fensterflächenanteil begründet. Die Funktionalität des Projektes überzeugt nicht. Die Tageslichtnutzung ist aufgrund der tiefen schlauchförmigen Wohnzimmer unbefriedigend. Der kleine Fensterflächenanteil verschärft die Situation. Venus hat die Voraussetzungen zur Erfüllung der 2’000-Watt Kriterien. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es beim Aushub, der Tageslichtnutzung sowie den Schachtflächen.

    Fazit
    Die Jury würdigt die grosszügige Geste für den Abgang zur Personenunterführung und dass die Verfasser mit dieser Haltung zeigen, welche Bedeutung dieser Ort als Quartierverbindung hat. Ob es richtig ist, das Gestaltungskonzept vom Projekt Cosmos uniform weiterzuführen, scheint hingegen fraglich. Die Wohnungsgrundrisse sind zwar geordnet und gut strukturiert, weisen aber in grossen Teilen eine ungenügende räumliche Qualität auf.


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